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Karima al-Mahroug alias Ruby: Was macht ihre Geschichte so viel skandalöser als jene der Niederösterreicherin Elke Päsler alias Sally?
Eine rührende Geschichte ging in den letzten Wochen durch die Medien. Sie handelt von einer Niederösterreicherin, die sich prostituiert hat, um ihre Kinder zu erhalten und jetzt einen ihrer ehemaligen Freier, einen erfolgreichen und attraktiven Oberarzt, heiratet.
Ein Skandal wird seit einigen Tagen auf zahlreichen Titelseiten kolportiert: Eine junge Frau wird den Opernball besuchen, deren bloßes Erscheinen der Ballorganisatorin schlaflose Nächte bereitet und dem Staatsoperndirektor die Feststimmung zu verderben droht. Der Programmdirektor des ORF sieht gar die Gefahr, dass der Opernball zum "Nuttenball" umfunktioniert wird.
Hier geht es um eine 18-jährige Marokkanerin, die sich seit ihrem vierzehnten Lebensjahr allein und ohne Papiere in Italien durchschlägt, in verschiedenen Jobs, unter anderem dem der Sexarbeiterin. Dabei hat sie keinen attraktiven Oberarzt kennengelernt, der sie heiratet, wohl aber den italienischen Ministerpräsidenten, der sie finanziell gut versorgt und vor Verhaftung geschützt hat.
Was zweifellos nicht nur ein Skandal ist, sondern vermutlich ein strafrechtlicher relevantes Verhalten des italienischen Staatschefs darstellt. Der allerdings nicht nach Wien zum Opernball kommt, sodass auch nur darüber spekuliert werden kann, wie sich die Opernballgranden in diesem Fall äußern würden. Wie auch immer: Zum Opernball kommt eine junge Frau, die sich aus Not prostituiert hat und der es gelungen ist, aus einem Zufall Profit zu schlagen. Was also genau ist hier der Skandal und was unterscheidet die Marokkanerin Karima al-Mahroug alias Ruby Rubacuori so grundlegend von der Niederösterreicherin Elke Päsler alias Sally?
Eine Fremde und eine Österreicherin
Vielleicht gerade das: Die eine ist Marokkanerin, illegale Einwandererin. Die andere ist "eine von uns", deren tragische Geschichte zu einem Happy End geführt hat, das angeblich der Normalfall ist: die glückliche Ehe.
Eine Fremde und eine Österreicherin. Eine alltägliche Tragödie mit unerwartetem Ausgang und eine außergewöhnliche Situation mit einem Ende in der Normalität der glücklichen Familie. Die, wie wir alle wissen, nicht wirklich eine Normalität ist.
Ungestörte Aufrechterhaltung von "Alles Walzer"
Karima al-Mahrougs Lebensweg widerspricht dieser Norm - und entspricht zugleich dem, was außerhalb dieser Norm tagtäglich geschieht. Dieser Lebensweg ist sicherlich außergewöhnlich - aber nicht weil es so selten wäre, dass sich Frauen als Gespielinnen reicher Männer finanzieren lassen.
Das ist eine Form der Ausbeutung von Frauen - wie übrigens auch viele familiäre Verhältnisse. Doch um Ausbeutung geht es hier nicht. Sondern um Scheinmoral und darum, wie sich diese möglichst ungestört aufrechterhalten lässt: Alles Walzer! (Monika Mokre, DER STANDARD, Printausgabe 4.3.2011)
Weiterer Kommentar unter dieStandard.at/Bleibt uns mit eurer bürgerlichen Moral vom Leib
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ich frage mich aber, ob es wirklich an der herkunft liegt, oder einfach daran, dass sie schon bevor sie sich unter das schützende dach eines reichen mannes retten konnte, ihre story öffentlich machte.
die öffentlichkeit hört vielleicht einfach lieber geschichten, die schon ein happy end haben, als daran erinnert zu werden, das 14-jährige illegale sich als psotiruierte durchkämpfen müssen
ist das wirklich der unterschied?
es gibt (angeblich) belege, dass ruby erst 2 jahre nach der geburt angemeldet wurde. somit wäre sie nicht minderjährig und alles wäre legal.
wenn es etwas zeigt, dann den unsinn von solchen gesetzen, welche aus einem nicht existierenden problem ein reelles problem mit konstruiertem opfer erstellen, welches es nie gegeben hat (eigene aussage von ruby).
das nennt sich juristische realität, die mit der wirklichkeit nichts zu tun hat, aber eine art beschäftigungstherapie und geldeinnahmequelle für das system bedeutet und eine seifenoper für das sich empört gebende publikum.
gibt ihnen brot und spiele ...
nein, aber es ist nicht sinnvoll, gesetzlich sex mit 17,5 jährigem mädchen genau so zu behandeln wie mit einer 2 jährigen.
das dürfte sogar den politikern und juristen einleuchten. ich würde eine offene debatte zu diesem thema befürworten.
z.b. bei den ureinwohnern (brasilien, ...) ist es seit je her tradition, dass man mädchen nach der ersten regel mit einem mann verheiratet, der sie ernähren kann.
das bedeutet auch, dass sie noch sehr jung kinder bekommen kann.
und es gibt keine berichte darüber, dass diese ureinwohnerinnen jemals deswegen psychologisch betreut werden mussten, oder bleibende schäden davon trugen.
also, das leben verläuft nicht immer exakt juristisch, nur weil es den juristen das geschäft vereinfacht.
Vorweg: ein schöner Artikel, danke.
Der Unterschied ist, bitter genug, fürchte ich v.a. dieser: die eine Frau "wurde geheiratet". "Happy" "end". "Moralisches Gleichgewicht" wieder hergestellt. Zurück auf den Pfad der rechtschaffenden Frau gebracht (durch Mann natürlich, allein schafft man das nicht). Sie hats "geschafft". (Oh my god).
Die andere nicht. Zusätzlich ist sie noch gutaussehend (zumindest: nicht leidend aussehend) und zeigt "keine Reue" für ihr "verwerfliches" Verhalten.
Stellen wir uns nur mal vor, Berlusconi hätte Ruby geheiratet. Was für ein AschenbrödelMärchen wäre das geworden!
(sorry für die vielen Anführungszeichen, aber anders geht das für mich nicht)
Wäre interessant zu wissen, woher Frau Mokre ihre Information hat.
In der Wikipedia nachgewassert hat sie jedenfalls nicht, denn unter Berücksichtigung der dortigen Anmerkungen und mit Aufsuchen des Corsera-Archivs sollte doch zumindest folgendes relativierend vermerkt werden:
Ruby wuchs in geordneten, aber ärmlichen Verhältnissen bei ihren legal in Italien weilenden Eltern auf, riß mit 14 von daheim aus, hatte mehrere Diebstahlverfahren am Hals usw. usw.
Ohne Papiere war sie nur insofern, als sie kein Interesse hatte, beim Aufgegriffenwerden nach Letojanni zurückgeschickt zu werden, wo der Bürgermeister als amtl. Vormund bestellt war.
Von Sally weiß ich nichts - sehe aber mehr Unterschiede als Gemeinsamkeiten nach obiger Darstellung...
Wie funktioniert es, dieses System? Es bedient sich der Inszenierung - früher ganz gezielt und bewusst - heute schon eher intuitiv und deshalb nicht mehr so zielsicher - des Persönlichkeitskultes, als einer dialektischen Form, um WählerInnen bewusst zu täuschen, abzulenken und politisch relevante Sachverhalte im richtigen Moment bagatellisieren zu können. Es ist das Agenda-Setting des Vertuschens und des Grinsens, des Machoismo der immer vorgibt unschuldig und verspielt zu seinen, sich zu reiben und zu härten anstatt sensibel zu sein für die Zwischenmenschlichkeit. Intelligente Frauen in Italien werden systematisch diffamiert und der Lächerlichkeit preisgegeben. Richard Lugner mit seinen Mausi's und Katzi's steht in gerade dieser Linie!
... ist ja nicht, womit sich Karima al-Mahroug ihren Lebensunterhalt verdient (oder verdienen muss). Der Skandal ist, wie Herr Lugner die kriminellen Aktivitäten und den massiven Amtsmissbrauch von Silvio Berlusconi verharmlost: "Die Besucher und Besucherinnen am Opernball werden auch schon mal was mit jemandem gehabt haben"
Dass ihm der Unterschied zwischen "etwas mit jemandem haben" und "eine Minderjährige für Sex bezahlen" nicht klar ist, spricht wirklich nicht für Herrn Lugner.
Wenn es stimmt, dass Ruby noch minderjährig war und es tatsächlich zu Sex kam, wäre das strafrechtlich Relevant. Und da dies nicht der erste Verdachtsfall in Berlusconis Akte ist, konnte man das schön zu einem Skandal hochpushen.
Im Fall von Sally ist die Sache anders. Wollte man hier die Frau ebenso zum Opfer stilisieren, wer ist dann der Täter? Die Gesellschaft? Jeder einzelne Freier (incl. ihres neuen Lovers?). Und moralisch einwandfrei ist Sally auch nicht, nach allem, was ich hier lese. Schliesslich muss sie ja ihren Mann in der Gosse sitzen lassen, um in die rettenden Arme ihres neuen Big Spenders zu flüchten. Das Happy-End hat zumindest für mich einen schalen Beigeschmack.
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