In Europas Norden gibt es die meisten, in arabischen Ländern die wenigsten Volksvertreterinnen - Medieninteresse bei Politikerinnen geringer
Wien - Nur 43 Staaten weltweit erreichen den UNO-Zielsatz von 30 Prozent Frauenanteil in den Parlamenten. Im vergangenen Jahr haben weitere zehn Länder diese Quote umgesetzt, die 40-Prozent-Grenze überschreiten jedoch nur elf dieser Länder. Dies geht aus einer Studie zum weltweiten Frauenanteil in der Politik hervor, welche die Interparlamentarischen Union (IPU) anlässlich des Internationalen Frauentags am 8. März veröffentlicht hat.
Kleine Steigerung
Laut der Studie waren im vergangenen Jahr weltweit gesehen 19,1 Prozent der VolksvertreterInnen Frauen. Dies ist zwar eine kleine, jedoch signifikante Steigerung gegenüber den Jahren 2000 (13,7 Prozent) und 2005 (16,3 Prozent). Nur die Hälfte der 67 Wahlen, welche im vergangene Jahr in 48 verschiedenen Ländern durchgeführt wurden, brachte einen Anstieg von Frauen in den Parlamenten mit sich.
Wandel im arabischen Ländern
Im weltweiten Vergleich zeigt sich, dass die arabischen Staaten - trotz Einführung von Frauenquoten in manchen Ländern - immer noch das Schlusslicht bilden. Doch obwohl der Durchschnitt an weiblichen Politikern gering ist, ist auch hier ein positiver Wandel erkennbar. Jordanien, welches ein strenges Quotensystem aufweist, kann aktuell mit 13 Parlamentarierinnen aufwarten. Auch im Irak stieg die Zahl der weiblichen Volksvertreter, allerdings konnten nur wenige Parteien die 25 Prozent Frauenquote erreichen. Einzig in Qatar ist keine Frau im Parlament vertreten.
Südamerika mit Spitzen-Frauen
In Nord- und Südamerika zeigt sich nur ein leichter Anstieg. Drei weitere Frauen wurden im vergangenen Jahr aber immerhin an die Spitze eines Staates bzw. einer Regierung gewählt: Präsidentin Dilma Rousseff Brasilien, Präsidentin Laura Chinchilla in Costa Ria und Premierministerin Kamla Persad Bissessar in Trinidad and Tobago. Costa Rica konnte den hohen Frauenprozentsatz im Parlament von 38,6 Prozent halten.
Nordeuropa trumpft auf
Die Spitzenreiterinnen beim Frauenanteil in den Parlamenten bilden - wie schon in den vergangenen Jahren - die nordeuropäischen Länder. Schweden beeindruckt mit einem Frauenanteil von 45 Prozent. In Belgien liegt der Anteil bei 39,3 Prozent, in den Niederlanden bei 40,7 Prozent. Der Durchschnitt im restlichen Europa (außer Nordeuropa) liegt bei 20 Prozent.
Österreich auf Platz 29
In den meisten Staaten konnten keine bemerkenswerten Veränderungen verzeichnet werden. Eine Ausnahme bildet die Tschechische Republik, welche einen Steigerung von 6,5 Prozent verzeichnen konnte. Der Nachbarstaat Slowakei wurde im vergangenen Jahr die erste Ministerpräsidentin gewählt.
In Österreich liegt der Frauenanteil im Nationalrat bei 27,9 Prozent. Österreich liegt somit laut IPU auf Platz 29 des weltweiten Rankings.
Weniger Politikerinnen in Asien
In Asien hingegen nimmt der Anteil von Frauen in politischen Ämter ab. Der Durchschnitt liegt bei 18 Prozent. Bei den Wahlen in Afghanistan konnte nur ein minimaler Anstieg verzeichnet werden (0,4 Prozent).
Der Durchschnitt der Pazifik-Staaten, fiel im vergangene Jahr von 15,3 auf 11,7 Prozent. Der relativ hohe Anteil von Politikerinnen in Australien täuscht darüber hinweg, dass in den fünft Staaten in denen 2010 Wahlen stattfanden (Australien, Nauru, die Salomonen, Tuvalu und Tonga), einzig in Australien Frauen ins Parlament gewählt wurden.
Desinteressierte Medien
In der Studie des IPU wird auch die unterschiedliche Medienberichterstattung angesprochen, welche den Geschlechtern zukommt. Die Aufmerksamkeit, welche Politikerinnen zugesprochen wird, ist wesentlich geringer wie jene ihrer männlichen Kollegen. (APA)