Wer lange daheim bleibt, zahlt drauf

7. März 2011, 14:14

Je länger die Karenz, desto größer die Einkommenslücke: Bis zu drei Jahre bedeuten um die 30 Prozent Einbußen

Wien - Frauen, die lange in Kinderkarenz bleiben, verdienen deutlich weniger als jene, die schnell ins Berufsleben zurückkehren. Dies zeigen Berechnungen des Arbeitsmarktservice (AMS). "Wir raten Frauen zu einem raschen Wiedereinstieg", sagte AMS-Chef Johannes Kopf am Montag in einer Pressekonferenz. Um die Frauen dabei zu unterstützen, soll künftig in jeder AMS-Filiale Wiedereinstiegsberatung angeboten werden. Auch Maßnahmen, um die Frauen in besser bezahlte Technikberufe zu bringen, sollen weiter forciert werden.

Überzeugungsarbeit

"Bei einem Wiedereinstieg ins Berufsleben geht es um ganz andere Probleme als bei anderen Arbeitslosen", so Kopf. Nicht die niedrige Qualifikation sei das Hauptproblem, sondern praktische Probleme wie Kinderbetreuung, die Nähe des Wohnorts zum Arbeitsplatz oder fehlende Teilzeitmodelle. Künftig soll es mehr darauf spezialisierte Beraterinnen geben. "Dabei geht es auch um Motivation", betonte Kopf. Oft müsse man die Frauen von den Vorteilen eines raschen Berufseinstieges erst überzeugen. Ein großes Hindernis beim Wiedereinstieg ins Berufsleben sei aber die Tatsache, dass es keine flächendeckende Kinderbetreuung gibt. Dadurch werde die Wahlfreiheit der Frauen bezüglich Arbeitsplatzwahl eingeschränkt.

Je länger beim Kind, desto weniger Gehalt

Frauen, die nach weniger als einem Jahr Karenz an den Arbeitsplatz zurückkehren, erhielten nach AMS-Angaben im Jahr 2009 ein durchschnittliches Bruttoeinkommen von rund 1.500 Euro. Dauerte die Karenz bis zu zwei Jahre, reduzierte sich das Einkommen um 21 Prozent. Bis zu drei Jahre bedeuteten um die 30 Prozent Einbußen, bis zu fünf Jahre 35 Prozent. Ab einer Karenzzeit von fünf Jahren verdienten Frauen sogar 60 Prozent weniger. Dies sei ein substanzieller Beitrag zur Einkommenslücke, so Kopf. Arbeitszeitbereinigt liege diese momentan bei 19 bis 25 Prozent, "je nach Studie".

Handwerk und Technik als Auswege

Als weiterer Grund für die ungerechte Einkommensverteilung gilt die Berufswahl von Frauen. Oft zieht es sie in Sozialberufe oder geisteswissenschaftliche Studien, die schlechter entlohnt werden als Handwerks- und Technikberufe. Dem wollen das AMS und das abz Austria, eine Organisation zur Förderung von Gleichstellung am Arbeitsmarkt, entgegenwirken. Seit 2006 werden Frauen ab im Rahmen des "FIT"-Programms (Frauen in Handwerk und Technik) beraten. "Dabei geht es auch darum, Lust auf die Berufe zu machen", so abz-Chefin Manuela Vollmann.

Manuela Pustehofer hat über FIT den Weg zur Orthopädietechnik gefunden. Nach einem abgebrochenen Studium kam sie über das AMS zur Betreuung ins abz. Dort habe man ihr verschiedene Möglichkeiten präsentiert, schließlich absolvierte sie eine Ausbildung zur Orthopädietechnikerin. "Ich wusste vorher gar nicht, dass es das gibt", so die 26-jährige. Nächste Woche hat sie ihre Abschlussprüfung, ein Jobangebot für die Zeit danach liegt schon vor.

Frauenberufszentren

2010 nahmen nach AMS-Angaben rund 6.500 Frauen an dem Programm teil. Dabei habe sich die Bereitschaft der Unternehmen zur Kooperation spürbar erhöht, auch weil Fachkräfte sehr gefragt sind, sagte Vollmann. Seit diesem Jahr können Frauen im Rahmen von FIT auch eine Intensivausbildung zur Fachkraft absolvieren. Des Weiteren gebe es seit 2010 in drei Bundesländern Frauenberufszentren, die bei "positiver Evaluierung" Mitte 2011 auf mehrere Bundesländer ausgeweitet werden sollen, so Kopf. (APA)

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Shanajio
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Alternative Interpretation

Je geringer das Wiedereinstiegsgehalt, desto länger bleibt man in Karenz.

Das offensichtlich geringes Wiedereinstiegsgehalt und lange Karenzzeiten korrelieren wird wohl richtig sein.

Aber ob jetzt a) die lange Karenzzeit für das geringe Wiedereinstiegsgehalt ursächlich ist, oder b) das niedrige Wiedereinstiegsgehalt für die lange Karenzzeit bleibt offen.

Für a) spricht, dass Frauen sowieso benachteiligt sind, für b) das bei einem geringerem Gehalt die Alternative Kinderbetreuung positiver als Lohnarbeit beurteilt wird.

Weiters spricht für b), dass wahrscheinlich Karrierefrauen mehr verdienen und kürzere Kinderpausen machen und Billakassiereinnen sich gerne mal eine Auszeit vom Job nehmen.

mumuj
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wert und wertschätzung

Irgendwie pervers diese Aufteilung . wertvolle(männliche) und minderwertige(weibliche) Arbeit.Ich habe nicht Kinder bekommen, dass ich sie möglichst schnell wieder loskriege.Ich und nicht irgendeine bezahlte Kraft will da sein, wenn sie krank sind,die ersten Wörter sagen,den ersten Liebeskummer haben,sich nicht mit Mathe auskennen.Das sind wertvolle und unwiederbri--ngende"Arbeitsstunden".Der Gesellschaft viel mehr bringend als Gewinnsteigerung einer Firma.

sljudanka
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Also ich sehe das nicht, dass in Zkunft Frauen sich auf die Werkbänke und Auto-innereien stürzen werden!!

Warum?

Bei uns kann eine Frau ganz kommod leben, ohne sich mit dem ganzen Technikschmarrn herumzuplagen.

Sie muss nur einen Mann finden, der sie finanziert -und das sind (noch immer) sehr viele!

mit Dazuverdienen, Hausfrauentätigkeit und laaanger Karenz lebt es sich doch angenehmer, als gleich nach dem Kreisssaal sich weider in die Werkshalle zu begeben!!

Frauen in der Technik ist nur bei 2 Szenarien da:

1. in Kriegszeiten - ist eine Notwendigkeit; sie kehrten aber sehr rasch wieder den Fabriken den Rücken, als es möglich war
2. in der Planwirtschaft: die glorreiche Sovjetunion hatte Traktoristinnen und Kolchos-arbeiterinnen!!

Doch - ist ein "Russenweib" das Vorbild der Gender-damen??

umtriebige laus
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Frauen in die Technik ist nicht gleichzusetzen mit frauen hin zur Fabriksarbeit!

biggi729
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als ehem. karenzlerin wirst sowieso als erstes abgeschossen. seh ich jetzt bei mir selbst und vielen bekannten/freundinnen.

Hubert Ungeist
 
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Ist bitter

aber wenn würde sie kündigen, diejenige die Monate ausgesetzt hat und damit wieder Jobaffin werden muß oder diejenige die die ganze Zeit die Arbeit gemacht hat und up to date ist?

biggi729
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ich war nicht lange ganz weg und war schnell wieder drin. nur jetzt möcht ich dann die elternteilzeit erweitern und nachdems bei uns im haus ständig irgendwo jobs abbauen müssen, muß ich mich (hausintern) umschauen. wobei noch nicht aller tage abend ist.
aber einer anderen bekannten habens nach ende der elternteilzeit gleich einmal die einvernehmliche hingelegt und eine andere wird von ihrem kollegen gemobbt, der gibt ihr keine infos weiter usw., dabei soll sie mit ihm gemeinsam an einem projekt arbeiten. bei einer anderen war alles noch viel ärger, da gehörte die firma eigentlich vors arbeitsgericht gestellt, aber wennst nicht weißt, ob du den job nicht in 2 jahren (sie ist wieder schwanger) nicht doch noch brauchst ....

knurrhoernchen
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Kantaktier die Anwältin für die Gleichbehandlung von

Frauen und Männern in der Arbeitswelt.
Das kostet nichts, ist bei Bedarf anonym möglich und die machen auch nur das, was für dich ok ist

Thomas Felder1
01

is bei karenzlern nicht anders, nur meistens schon davor

biggi729
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hallo thomas, stimmt, sie haben damals geschrieben, dass sie in karenz gehen. ja, sowas hab ich leider auch schon gehört. der mann einer bekannten bekommt das auch heute noch von seinem chef zu hören :o(

knurrhoernchen
10
Ein Arbeitsverhältnis ist wie eine Beziehung

Wer den/die PartnerIn mit einer Schwangerschaft überrumpelt, verliert das Vertrauen.
Aus meiner Sicht kann dieses Problem nur mit einer Karenzpflicht gelöst werden.
Das würde bedeuten, dass dann nur noch ältere Frauen eingestellt würden :)

ehschowissn2
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und ich dachte, uns fehlen so viele arbeitskräfte in sozialen und gesundheitsberufen? die werden jetzt abgeworben in technische berufe? moment... FIT... das kenn ich doch. das war ja schon zu meiner studienzeit ein alter hut. und war da nicht letzte woche ein artikel "zu wenige frauen in technischen berufen"? also, entweder FIT is für die FIsch oder ...??

Montgomery McFerryn
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Es wurde auch kurz Überlegt die Kampange Frauen und Technik zu nennen, darauf hat man aber dann verzichtet.
Aber sie haben recht wirklich erfolgreich war die Kampagne ja nicht.

Thomas Felder1
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nein, in die sozialen berufen sollen mehr männer

Minister der Ökomonie
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Genial...

...wer sich in Sozialberufe oder Dienstleistung (die einizigen Jobs die man schwer durch technischen Fortschritt wird aushebeln können - im Gegenteil - die vermehr gebraucht werden) engagieren will, wird davon weg gebracht, weil teschnische Berufe lukrativer sind. Geile Message, die da rüber kommt.

Anstatt die Arbeitsbedingungen der "Frauenberufe" zu verbessern, wird in "Berufe mit besseren Bedingungen" gewechselt. Die besseren Bedingungen muss man sich erkämpfen - nicht ins gemachte Nest rüberwechseln, wo andere für einen schon was ausgekämpft haben. Soziale Dienstleistungen werden mehr - es kann ja nicht Zeil sein, diese nachhaltig mit Slowakinnen zu besetzen.

kasperl-und- Petzi
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Na endlich hat es dieStandard auch Kapiert

Gott sei dank das es nach Jahren des Jammerns auch dieStandard Kapiert hat.

Danke fuer den Artike er sagt genau das aus was die Mehrheit der User hier schon oft gepostet haben.
Dazu haette es zwar keine Studie gebraucht es haette nachdenken auch gereicht aber so hat man es schwarz auf weiss.

Ich wuerde mir mehr solcher Artikel wuenschen denn nur wenn man die Fakten kennt kann man sich eine Anstaendige Meinung bilden und auch die richtigen massnahem setzten.
Das mehr Frauen in technische Berufe sollen und dadurch das verzerrte Bild gerade ruecken ist ja gut und daher ein dickes plus fuer den Artikel und die Studie.

dumm gefragt
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Bitte Studien angeben

Liebe/r Standard,

bitte gebt doch immer den Link zu den Studien an, die ihr da zitiert. Selbst nachlesen können, ist oft wichtig und interessant.

Neuer Nick neues Glück
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Was für eine Erkenntnis!!!

Robert Heinrich I.,
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Wer lange daheim bleibt,

zahlt beim Einkommen drauf, kann aber die Schulnoten seiner Kinder verbessern, denn von den Lehrern hängt das nicht ab. Auch nicht von einer allfälligen "Nachmittagsbetreuung", die nicht zum Wiederholen des Lehrstoffes vom Vormittag, zum Lernen also, da ist. Das ist amtlich so.

Ergo besteht zwischen "gutem Abschneiden" bei PISA und gutem Verdienst (meist) der Frauen ein Korrelationskoeffizien von annähernd -1. Entweder die Kinder lernen ordentlich, weil Frau daheim bleibt oder man kann sich mehrmals pro Jahr Urlaub leisten - beides zusammen geht nicht.

Montgomery McFerryn
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Naja bei uns ging das immer, es muß der Mann halt gut verdienen.

ehschowissn2
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ja blöd. und flatscreen in jedem kinderzimmer und gameboy gehen sich auch nimmer aus... ;)

RS69
 
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Und dann gibt's da auch noch Teilzeit.

ulli zeller
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irrtum+vorurteil, lieber "kaiser": ich bin anfang der 70er-jahre trotz zweier kinder wieder arbeiten gegangen, weil eine adäquate genossenschaftswohnung mit einem gehalt nicht zu ersparen war, trotzdem haben meine kinder gut gelernt und das zweite einkommen ermöglichte später beiden ein studium. also, es geht doch beides zusammen, aber von "mehrmals pro jahr urlaub" konnten wir nur träumen!

ich frau du mann
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Natürlich:

50:50 Karenzzeit-Teilung, und das Problem ist weg vom Fenster.

IchundIchundIch
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das ist ein absoluter irrglaube - so einfach funktioniert das system leider nicht

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