Je länger die Karenz, desto größer die Einkommenslücke: Bis zu drei Jahre bedeuten um die 30 Prozent Einbußen
Wien - Frauen, die lange in Kinderkarenz bleiben, verdienen deutlich weniger als jene, die schnell ins Berufsleben zurückkehren. Dies zeigen Berechnungen des Arbeitsmarktservice (AMS). "Wir raten Frauen zu einem raschen Wiedereinstieg", sagte AMS-Chef Johannes Kopf am Montag in einer Pressekonferenz. Um die Frauen dabei zu unterstützen, soll künftig in jeder AMS-Filiale Wiedereinstiegsberatung angeboten werden. Auch Maßnahmen, um die Frauen in besser bezahlte Technikberufe zu bringen, sollen weiter forciert werden.
Überzeugungsarbeit
"Bei einem Wiedereinstieg ins Berufsleben geht es um ganz andere Probleme als bei anderen Arbeitslosen", so Kopf. Nicht die niedrige Qualifikation sei das Hauptproblem, sondern praktische Probleme wie Kinderbetreuung, die Nähe des Wohnorts zum Arbeitsplatz oder fehlende Teilzeitmodelle. Künftig soll es mehr darauf spezialisierte Beraterinnen geben. "Dabei geht es auch um Motivation", betonte Kopf. Oft müsse man die Frauen von den Vorteilen eines raschen Berufseinstieges erst überzeugen. Ein großes Hindernis beim Wiedereinstieg ins Berufsleben sei aber die Tatsache, dass es keine flächendeckende Kinderbetreuung gibt. Dadurch werde die Wahlfreiheit der Frauen bezüglich Arbeitsplatzwahl eingeschränkt.
Je länger beim Kind, desto weniger Gehalt
Frauen, die nach weniger als einem Jahr Karenz an den Arbeitsplatz zurückkehren, erhielten nach AMS-Angaben im Jahr 2009 ein durchschnittliches Bruttoeinkommen von rund 1.500 Euro. Dauerte die Karenz bis zu zwei Jahre, reduzierte sich das Einkommen um 21 Prozent. Bis zu drei Jahre bedeuteten um die 30 Prozent Einbußen, bis zu fünf Jahre 35 Prozent. Ab einer Karenzzeit von fünf Jahren verdienten Frauen sogar 60 Prozent weniger. Dies sei ein substanzieller Beitrag zur Einkommenslücke, so Kopf. Arbeitszeitbereinigt liege diese momentan bei 19 bis 25 Prozent, "je nach Studie".
Handwerk und Technik als Auswege
Als weiterer Grund für die ungerechte Einkommensverteilung gilt die Berufswahl von Frauen. Oft zieht es sie in Sozialberufe oder geisteswissenschaftliche Studien, die schlechter entlohnt werden als Handwerks- und Technikberufe. Dem wollen das AMS und das abz Austria, eine Organisation zur Förderung von Gleichstellung am Arbeitsmarkt, entgegenwirken. Seit 2006 werden Frauen ab im Rahmen des "FIT"-Programms (Frauen in Handwerk und Technik) beraten. "Dabei geht es auch darum, Lust auf die Berufe zu machen", so abz-Chefin Manuela Vollmann.
Manuela Pustehofer hat über FIT den Weg zur Orthopädietechnik gefunden. Nach einem abgebrochenen Studium kam sie über das AMS zur Betreuung ins abz. Dort habe man ihr verschiedene Möglichkeiten präsentiert, schließlich absolvierte sie eine Ausbildung zur Orthopädietechnikerin. "Ich wusste vorher gar nicht, dass es das gibt", so die 26-jährige. Nächste Woche hat sie ihre Abschlussprüfung, ein Jobangebot für die Zeit danach liegt schon vor.
Frauenberufszentren
2010 nahmen nach AMS-Angaben rund 6.500 Frauen an dem Programm teil. Dabei habe sich die Bereitschaft der Unternehmen zur Kooperation spürbar erhöht, auch weil Fachkräfte sehr gefragt sind, sagte Vollmann. Seit diesem Jahr können Frauen im Rahmen von FIT auch eine Intensivausbildung zur Fachkraft absolvieren. Des Weiteren gebe es seit 2010 in drei Bundesländern Frauenberufszentren, die bei "positiver Evaluierung" Mitte 2011 auf mehrere Bundesländer ausgeweitet werden sollen, so Kopf. (APA)