Umfrage

Gehaltstransparenz statt Neiddebatte

17. Oktober 2011, 11:07

Sowohl Frauen als auch Männer unterstützen Maßnahme - Frauenministerin sieht sich auf richtigem Weg

Wien - "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit", das ist eine der zentralen Forderungen gewesen, als Frauen vor 100 Jahren für ihre Rechte auf die Straße gingen. Eine Forderung, die auch 100 Jahre später nichts an ihrer Aktualität verliert und auf deren Umsetzung Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek drängt. Sie fühlt sich darin auch durch eine aktuelle Sora-Umfrage bestärkt, wonach sowohl Frauen als auch Männer die Gehaltstransparenz unterstützen.

Gehaltstransparenz kein Tabu

Frauen verdienen nach wie vor weniger als Männer. Zurückzuführen sei dies etwa auf die unterschiedliche Arbeitsbewertung, die Berufswahl und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, so Heinisch-Hosek. Erst per 1. März trat das neue Gleichbehandlungsgesetz in Kraft, wodurch Unternehmen ab einer bestimmten Größe zur anonymisierten Offenlegung der Gehälter verpflichtet sind. Heinisch-Hosek fühlt sich nun durch die Umfrage bestärkt, denn die Zustimmung der Befragten zeige, "dass die Leute Licht ins Dunkel bringen wollen": "Wir sind auf dem richtigen Weg. Die Gehaltstransparenz ist nicht so ein Tabu, wie es von der Wirtschaft oft dargestellt wird." Es gebe keine Neiddebatte, sondern viel eher den Wunsch nach Transparenz, so die Ministerin.

Auch Mehrheit der befragten Männer dafür

Die Umfrage wurde im Februar unter 1.510 Personen durchgeführt. Zwei Drittel der Befragten finden, dass die Gehaltsoffenlegung ein wichtiger Schritt in Richtung gleicher Lohn für gleiche Arbeit ist. Die Gehaltstransparenz wird von 65 Prozent der Frauen und auch 54 Prozent der Männer unterstützt. Ein interessanter Aspekt, meinte die Ministerin: "Überwiegend wollen auch die Männer die Gehaltsoffenlegung." Die Unterstützung für die Gehaltstransparenz steige auch mit dem Alter an und ist bei den Über-45-Jährigen besonders hoch.

Gehaltsrechner kommt

Um die Betriebe bei der Erstellung der Einkommensberichte zu unterstützen, werden Fragebögen und Workshops angeboten. Als Service für die ArbeitnehmerInnen ist darüber hinaus die Entwicklung eines Gehaltsrechners geplant, der in den nächsten Monaten vorgestellt werden soll. Basierend auf der jeweiligen Branche, Vorbildung oder Berufserfahrung soll sich jeder und jede erkundigen können, welches Gehalt ihn oder sie in welchem Job erwartet. "Das bringt einen superguten Überblick", so die Ministerin.

Unzufrieden mit Anzeigen

In der Gleichbehandlungsnovelle enthalten ist auch die Verpflichtung, in Stelleninseraten den Kollektivvertrag und die Möglichkeit der Überzahlung anzugeben. Wird dies nicht umgesetzt, droht nach einer erstmaligen Verwarnung eine Geldstrafe bis 360 Euro. Heinisch-Hosek verfolgte am ersten März-Wochenende bereits die Stellenanzeigen in den Zeitungen - und war nicht zufrieden. "Da werde ich nachbohren", kündigte sie deshalb Kontakt mit Wirtschaftskammer und PersonalvermittlerInnen an.

Die Frauenministerin drängte auch auf eine Frauenquote, zumindest bei Aufsichtsräten von staatsnahen Betrieben. "Die gläserne Decke gibt's, sie ist mittlerweile aus Stahlbeton", stellte Heinisch-Hosek fest. (APA)

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