Neue Impulse auf der Nervenbahn

8. März 2011, 17:09
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    foto: lackinger

    Ursula Hofstötter verbindet Medizin und Mathematik.

Ursula Hofstötter arbeitet als Mathematikerin an neuen Therapiemethoden bei Querschnittslähmung

Die Diagnose Querschnittslähmung bedeutet meist ein Leben im Rollstuhl. An neuen Methoden zur Rehabilitation des Rückenmarks arbeiten nicht nur NeurowissenschafterInnen und MedizinerInnen - Ursula Hofstötter blickt bei ihrer Arbeit durch die Brille einer Mathematikerin und bringt so neue Lösungsansätze ein.

Im Studium der Technischen Mathematik an der TU Wien spezialisierte sich Hofstötter auf die Erforschung der Funktionsweise von Nervenverbänden im Zentralnervensystem. Als biologische Basis dienen ihr dabei durch Rückenmarkstimulation generierte und elektrisch detektierte Muskelaktivitäten von Patienten mit Querschnittslähmung.

Mithilfe von Computersimulationen hat sie für ihre Doktorarbeit den Einfluss einzelner Nerventypen im Rückenmark auf die Entstehung der gemessenen rhythmischen Aktivitäten untersucht, um herauszufinden, wie es von der Generierung einfacher Reflexe - ähnlich dem Kniesehnenreflex - zur Auslösung komplexerer Muskelaktivitäten kommt, die vom Rückenmark automatisiert und koordiniert werden.

Für ihre Forschungen erhielt Hofstötter 2010 einen Niederösterreichischen Wissenschafts-Anerkennungspreis. "Die Liste derer, denen ich für diese Auszeichnung danken möchte, ist lang - etwa der 'Wings for Life'-Stiftung für Rückenmarksforschung aus Salzburg", sagt die Wissenschafterin. Ihre wichtigsten PartnerInnen in der Forschung seien aber die querschnittsgelähmten PatientInnen. Ihnen soll das neue Wissen letztlich zugute kommen.

Im Rahmen eines Translational-Brainpower-Projektes des Wissenschaftsfonds FWF laufen am Institut für Analysis und Scientific Computing der TU Wien sowie am Zentrum für Medizinische Physik und Biomedizinische Technik der Med-Uni Wien derzeit Studien zur Erforschung einer neuen Methode der Rückenmarkstimulation und Nervenrehabilitation für Querschnittsgelähmte - ganz ohne Operation.

Die Forschungsgruppe kooperiert dabei unter anderem mit dem Shepherd Center für Rehabilitation in Atlanta (USA). Dort soll die Integration der in Österreich entwickelten Methode in den klinischen Alltag vorbereitet werden. Parallel dazu laufen Studien über eine neue Art von Reflexen, die auch bei Probanden mit intaktem Nervensystem ausgelöst werden können. Ein ähnlicher Reflex, benannt nach Paul Hoffmann, hat Anfang des 20. Jahrhunderts die Entwicklung der Disziplin maßgeblich beeinflusst, erklärt die 29-jährige Mathematikerin.

Hofstötter gefällt das Crossover aus Medizin, Therapeutik und Technik. Ein großes Ziel wäre für sie die Etablierung eines heimischen Teams, das für Wissenstransfer zwischen akademischen Instituten und Partnerkliniken sorgt, sodass Rehabilitationsmethoden weiterentwickelt und parallel Daten für die Neurowissenschaften gesammelt werden.

Vielseitig zeigte sich Hofstötter schon während des Studiums: Sie jobbte bei einem Investment-Bank-Service und belegte auch einige Semester Jus. Da eine finanziell abgesicherte wissenschaftliche Karriere schwierig zu planen ist, wollte Ursula Hofstötter "über den Tellerrand hinausschauen", wie die begeisterte Reiterin sagt, die auch hobbymäßig an Dressurturnieren teilnimmt. Der Ansporn für eine wissenschaftliche Laufbahn ist jedenfalls da. (Astrid Kuffner/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.3.2011)

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