Medienschau

Für ein paar Tage, aber immerhin knallvoll

Beate Hausbichler, 10. März 2011, 07:00
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    foto: sebastian willnow/ap

    Für ein paar Tage: Feminismus im Blitzlichtgewitter.

Wegen des 100 Jahr Jubiläums überschlug sich die Berichterstattung zum heurigen Frauentag - Hier einige Highlights

Das heurige 100 Jahr Jubiläum des Frauentages brachte eine beachtliche Medienpräsenz für frauenpolitische Themen mit sich. Wovon Feministinnen unterm Jahr oder auch an anderen Frauentagen nur träumen, wurde in den vergangenen Tagen wahr: Zeitungen, Radio und Fernsehen waren knallvoll mit Frauenpolitikerinnen, Künstlerinnen, Wissenschaftlerinnen und politisch engagierten Frauen.

"Starke Frauen" nannte der ORF seinen Themenschwerpunkt zum großen Jubiläum. Eine etwas antiquierte Formulierung, nichts desto trotz hatte der Schwerpunkt einige interessante Sendungen zu bieten. Besonders spannend war das "Weltjournal" am 2. März. Unter dem - wieder etwas zweifelhaften -  Titel "Die Wirtschaft ist weiblich" tourte die Journalistin Christa Hoffmann durch Europa um zu fragen, wie es Frauen in der Arbeitswelt geht. Da kann natürlich Norwegen nicht außen vor gelassen werden, das Land der verpflichtenden Väterkarenz, der vollen Gehaltsfortzahlung für 10 Monate für beide Elternteile und der 40 Prozent-Quotenregelung für börsennotierte Unternehmen. Das Gesetz ist übrigens geschlechtsneutral formuliert: Beide Geschlechter müssen zu mindesten 40 Prozent vertreten sein. Eine Regelung, die in Norwegen unumstritten ist. Ohne all diese Maßnahmen, so die interviewte IT-Managerin Silvija Seres, ist sie nicht sicher, ob sie heute drei Kinder hätte. Dass sie diesen Beruf ausüben kann, schreibt sie auch der Quote zu. "Ich habe diese Position nicht geerbt, in meiner Familie gibt es niemand wichtigen. Ich habe Familie und Kinder - ich bin nicht Superwoman." Seres schwärmt auch von den norwegischen Männern, die von feministischen Müttern erzogen wurden, wissen, was im Haushalt zu tun ist und gute Väter sind, weil sie viel Zeit mit ihren Kindern verbringen. So kann es also auch gehen.

Nicht ohne Brigitte Ederer

Und wenn es um Frauen in der Wirtschaft geht darf natürlich auch Brigitte Ederer nicht fehlen, Ex-SPÖ Politikerin und Chefin von 400.000 MitarbeiterInnen. Was andere ManagerInnen vor allem mit ihrem Können erklären, begründet Ederer - unprätentiös wie immer - auch mit "zeitlicher Verfügbarkeit" und einer "großen Portion Glück". Sie sprach sich im "Weltjournal" allerdings gegen eine gesetzliche Quote aus, erstaunlich - ist sie doch tagtäglich von Männern in anthrazitfarbenen Anzügen umzingelt. Andererseits: Eine quotenablehnende Haltung von Frauen in sogenannten Top-Positionen ist nicht wirklich überraschend. Interessanter Themen-Mix und spannende Interviews also im "Weltjournal", unter dem früheren "Weltjournal"-Chef Franz Kössler hätte es aber vielleicht auch noch den einen oder anderen systemkritischen Beitrag gegeben.

Hosen und wer sie anhat

Am selben Abend zur Prime Time ging letzte Woche das Bürger-Forum auf Sendung. Frauenpolitische Ausgabe hin oder her, auf ein geschlechtergerechtes "BürgerInnen-Forum" wurde verzichtet. Keine Frage, das Format ist eine sehr gute Idee. Inhaltliches wird aber zugunsten des Anspruchs, alle Themen ins Boot holen zu wollen, etwas vernachlässigt (dieStandard.at kommentierte übrigens live).

Enttäuschend war die Film-Schiene des ORF-Schwerpunktes. Dabei lag es weniger an der Auswahl der Filme, als an der geringen Menge und der Sendezeit. "Saving Face" (1. März) wurde etwa erst um 23:50 Uhr gezeigt. Sehr schade, denn der Film über die lesbische Ärztin Wilhelmina, die aus einer sehr traditionsbewussten Familie kommt, die ihr schon drängend die Ehe ans Herz legt, ist sehenswert. Auch "Die Bankiersfrau" mit Romy Schneider war erst um 0:15 Uhr und "La vie en rose" um 0:00 Uhr zu sehen. Obwohl "Saving Face" und "La vie en rose" sogar ORF-Premieren waren, konnte man sich nicht zu einem früheren Sendetermin entschließen.

Der fetteste Frauenschwerpunkt

Die "Presse am Sonntag" brachte am Wochenende vor dem 8. März mit einer beachtlichen Menge an themenspezifischen Texten wohl den fettesten Frauenschwerpunkt von allen österreichischen Tageszeitungen. Vom obligatorischen Quoten-Artikel, einer Graphik mit entbehrlichem Stöckelschuh-Dekor, einem Einblick zu den Themen der Gender-Forschung bis hin zu Frauen als Künstlerinnen und von der Kunst dargestellte - da wurde wenig ausgelassen. Besonders lesenswert war das Interview mit Marlene Streeruwitz und ein Artikel über die (ehemalige?) "Macho-Hochburg" Wiener Rathaus.

Dass antifeministische und sexistische Stimmen noch immer unter dem Label der Ausgewogenheit laufen, bewies aber auch diese "Presse am Sonntag"-Ausgabe. Wie auch in der Printausgabe vom 8. März des STANDARD (dieStandard.at kommentierte: Dumm, dreist und frauenfeindlich), wurde auch in der "Presse" einem Autor Platz gegeben, der sich vom Feminismus verfolgt fühlt. Der Autor Norbert Bolz wird in der "Presse" als "Tabubrecher für Denk-und Sprechverbote der politisch korrekten Medienwelt" vorgestellt. Er ortet "Radikalfeminismus", der bereits in der Regierungspolitik angekommen sei, und alles nur, weil "einige Akademikerinnen nicht in der Lage sind, zwischen Gleichberechtigung und Gleichheit zu unterscheiden." Ahnungslos sind hier vielmehr Autoren wie Bolz, warum sollen uns also derartige Kommentare ausgerechnet rund um den Frauentag interessieren? Schließlich haben solche selbsternannten Tabubrecher schlichtweg nur Fehlinterpretationen und einen riesen Haufen von falschen Behauptungen im Köcher. So etwas als kritische Position gegenüber Frauenpolitik und Feminismus zu verkaufen - das muss doch nicht sein. Auch der kurier.at ist mit seinem Foto zum Frauentag nicht gerade positiv aufgefallen: Drei Eis lutschende junge Frauen ließ viele rätseln, was das mit dem Frauentag zu tun hat.

Mancherorts geht es noch weiter

Erfreulich hingegen ist, dass der Feminismus-Fokus in Funk und Fernsehen nicht schon ab 9. März ad Acta gelegt wird. Die Schwerpunktwoche auf Ö1 läuft noch bis 13. März und am Donnerstag ist auf ORF 2 die informative Doku über "Sex, Pille & Emanzipation" zu sehen. Der Fernsehfilm "Das Glück ist ein Kaktus" mit Christiane Hörbiger am 11. März wurde vom ORF auch noch unter dem Schwerpunkt "Starke Frauen" verbucht. Die ersten Zeichen eines prekären politischen Verständnisses für emanzipatorische Berichterstattung kündigen sich also schon an. (Beate Hausbichler, dieStandard.at, 10.3.2011)

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Posting 1 bis 25 von 31
1 2
Amy4
10
27.3.2011, 12:42
dieStandard supra...

wie immer sind die artikel von diestandard , u.a. von beate hausbichler supra - danke!
der maskulinismus gehört ins antiquariat - schon hedwig dohm hat sich anfang des 2o. jahrhunderts in `die antifeministen` klug geäussert - sie haben sich nicht verändert, besitzen immer noch die selben alten, überholten argumente/strategien ihrer vorgänger. hedwig dohm erkannte früh die vier kategorien d. antifeministen - hier gut nachzulesen.
" je dringlicher die gefahr d. fraueninvasion in das reich der männer sich gestaltet, je geharnischter treten ihr die bedrohten entgegen.

http://www.zeno.org/Literatur... Einleitung

okami
00
10.3.2011, 18:32
Geniale Polemik!

Zitat "Andererseits: Eine quotenablehnende Haltung von Frauen in sogenannten Top-Positionen ist nicht wirklich überraschend."

Und schon ist die Aussage von Brigitte Ederer entschärft uns als unwesentlich dargestellt, ohne dass das ausgesprochen wird!

knurrhoernchen
61
10.3.2011, 14:34
Gratulation ans dieStandard-Team

Am Dienstag -100 Tage internationaler Frauentag- hat das dieStandard-Team nicht geschwiegen.
Am Aschermittwoch, -der Tag an dem sich die FPÖ-Maskulisten wichtig machen- wurde zugesperrt und den Frauenverachtern der Rücken gezeigt!

Meine Meinung: Sämtliche Hightlights verblassen gegen das klare Zeichen, das ihr gesetzt habt! Wenn's etwas gibt, das "perfekt" ist, dann war genau das "perfekt"!

knurrhoernchen
01
11.3.2011, 09:47
Hahaha, ich liebe es, wenn sich die Frauenhasser

einen runterbietzeln :)
Dieser gleichgeschlechtliche, bürschchengekuschelte Forumsbietzler, ist richtig niedlich.
DSDS ... dieStandard sucht den Starbietzler :)

fumare humanum est
02
10.3.2011, 17:15

schneidig, fürwahr.

schade, dass nur einmal im jahr frauentag ist. der unterhaltungswert ist unübertroffen.

Neuer Nick neues Glück
02
11.3.2011, 07:48

Aber passenderweise am Faschingdienstag.

no G. D. M.
02
10.3.2011, 16:14
Aber was machen wir jetzt, wenn man auch den SPÖ/Grün- Femischistinnen

und Männerverachterinnen den Rücken zeigt?

Dann sind wir ja gleich wieder auf einer 10% Frauenquote in der Politik.

Neuer Nick neues Glück
02
10.3.2011, 15:54

Welch eine Genietat, am Tag der Frau das Forum nicht zu sperren!
So klug sind in der Tat nur Frauen.

Nennt mich Loretta
 
04
10.3.2011, 14:42
Inwiefern hat "die Standard" geschwiegen?

Artikel wurden ja trotzdem veröffentlicht. Nur das Posten wird blockiert.

knurrhoernchen
00
10.3.2011, 15:30
Wo schreibe ich, dass dieStandard geschwiegen hat?

Jemandem den Rücken zuzukehren impliziert nicht, dass geschwiegen wird. Das impliziert eher "Ihr Maskulisten könnt mir heute mit eurer Meinung den Buckel runter rutschen, egal wie laut ihr herumbietzelt!"
Das nennt man auch "Unauspostbare ins Leere laufen lassen!" :)

Quargelbrot
01
10.3.2011, 16:25

Hurra!

Ich lege mir jetzt auch einen eigenen Feiertag zu, wo mir andere Meinungen den Buckel runterrutschen können!
Egal, wie richtig sie sein könnten! Ich hau sie einfach weg!

Minister der Ökomonie
00
10.3.2011, 22:07
Das sollte jeder machen:

Der "Ignoranz-Tag" als ein Tag in der Woche, in der man jegliches Komment, abperlen lässt.

Ich empfehle hierzu die "Äffchen-Haube", ein schickes Teil, das man sich über den Kopf stülpt und gleichermaßen temporär blind und taub macht. Dazu ein T-Shirt mit dem Aufdruck: "Ihr könnts mich heut alle, aber morgen hab ich euch wieder lieb." (durchaus dem Sprachgebrauch angepasste Variationen).

Alternativ zur Äffchenhaube könnte man auch verspiegelte Sonnenbrillen und Stöpsel mit Kabel zu einem MP3-Gerät tragen sowie ein T-shirt mit der Aufschrift: "Mäh?"

Eine antiquierte laute Trockenhaube geht auch, und vor der Nase ein Magazin mit Abnehmtipps zur Selbstverwirklichung.

Hauptsache 24 Stunden Durchzug.

Quargelbrot
00
11.3.2011, 00:19

Keine so schlechte Idee. ;-)

knurrhoernchen
20
10.3.2011, 14:40
Und aus Tagen wurden dann doch Jahre :)

Dr. Oztafan Kolibril
01
10.3.2011, 14:34
Frauentag.....

Hier sieht man sehr schön, welches Frauenbild die Kärntner FPK/FPÖ Politiker haben. Fremdschämen inklusive....

http://www.youtube.com/watch?v=U... cker=False

Quargelbrot
13
10.3.2011, 11:42

"Kraftvoll" war in diesem Fall gleich "nervig".

Wieder ein paar Tage vergangen, wo man sich als Mann als Bürger letzter Klasse vorkam.

Lilith Boessse
 
32
10.3.2011, 13:07
alles käse!

was machen sie auf DIEstandard, wenn sie über frauen eh schon nix mehr hören/lesen können?

;oP

(als würd jemand mit heuschnupfen bevorzugt auf einem kräuterkissen schlafen und sich dann aber ständig beschweren .....
dabei sind kräuterkissen was tolles!! (kuschelig, riechen gut, sind gesund))

Quargelbrot
10
10.3.2011, 13:09

Hier sollten also nur Menschen posten, die einhellig einer Meinung sind, oder wie?

Leider leider denke ich demokratisch, und gebe meine Meinung dort kund, wo ich es für richtig halte! :-)

Neuer Nick neues Glück
01
10.3.2011, 14:14

"Hier sollten also nur Menschen posten, die einhellig einer Meinung sind, oder wie?"

Dafür sorgt schon die Zensur, dass wirklich widersprüchliche Meinungen nicht veröffentlicht werden.

Lilith Boessse
 
12
10.3.2011, 13:59
sie beschweren sich darüber, dass zu viel über frauen thematisiert wird,

und gehen auf eine frauen-website.

da stimmt ja was gehörig nicht.

es könnte der eindruck entstehen, sie kommen nur auf diese seite um zu nörgeln.

was wir ihnen natürlich NIE unterstellen möchten!!

never
ever
nie!

Quargelbrot
22
10.3.2011, 14:02

Zuerst einmal: Mir ist es wurscht, ob derstandard oder diestandard.

Auf der Hauptseite sinds nur Rubriken.

Also poste ich dort, wo ich etwas zu sagen habe.

Mundtot-machen zieht nicht. So verhält man sich nicht in einer Demokratie.
Oder fehlt Dir da rudimentäres in politischer Bildung? ;-)

Lilith Boessse
 
01
10.3.2011, 13:57
schon wieder nicht versdtanden!

no G. D. M.
22
10.3.2011, 15:24
Oder Sie haben es nicht verstanden.

Frauen können sich thematisieren, selbst beweihräuchern, ... so viel sie wollen.
Darum gehts aber nicht, sondern um Privilegien die sie damit durchpressen wollen.

Die Politik ist keine Frauenwebseite und da geht es ja nicht anders zu, als auf Frauenwebseiten.

Frauensachen können Frauen sich ja gerne unter sich ausschnapsen, wenn Männer aber mitbetroffen sind, ist das was anderes.

Es könnte übrigens der Eindruck entstehen, Frauen-Websites wären überhaupt nur dazu entstanden um zu nörgeln und zu jammern.

Lilith Boessse
 
11
10.3.2011, 20:29
bla bla raunz raunz

bla schaaaaaaaß

Quargelbrot
01
11.3.2011, 00:21

Wahnsinn!

In zwei unverständlichen Worten hast Du die Aussage von 10 Jahren diestandard.at wiedergegeben.

Genial!

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