Wegen des 100 Jahr Jubiläums überschlug sich die Berichterstattung zum heurigen Frauentag - Hier einige Highlights
Das heurige 100 Jahr Jubiläum des Frauentages brachte eine beachtliche Medienpräsenz für frauenpolitische Themen mit sich. Wovon Feministinnen unterm Jahr oder auch an anderen Frauentagen nur träumen, wurde in den vergangenen Tagen wahr: Zeitungen, Radio und Fernsehen waren knallvoll mit Frauenpolitikerinnen, Künstlerinnen, Wissenschaftlerinnen und politisch engagierten Frauen.
"Starke Frauen" nannte der ORF seinen Themenschwerpunkt zum großen Jubiläum. Eine etwas antiquierte Formulierung, nichts desto trotz hatte der Schwerpunkt einige interessante Sendungen zu bieten. Besonders spannend war das "Weltjournal" am 2. März. Unter dem - wieder etwas zweifelhaften - Titel "Die Wirtschaft ist weiblich" tourte die Journalistin Christa Hoffmann durch Europa um zu fragen, wie es Frauen in der Arbeitswelt geht. Da kann natürlich Norwegen nicht außen vor gelassen werden, das Land der verpflichtenden Väterkarenz, der vollen Gehaltsfortzahlung für 10 Monate für beide Elternteile und der 40 Prozent-Quotenregelung für börsennotierte Unternehmen. Das Gesetz ist übrigens geschlechtsneutral formuliert: Beide Geschlechter müssen zu mindesten 40 Prozent vertreten sein. Eine Regelung, die in Norwegen unumstritten ist. Ohne all diese Maßnahmen, so die interviewte IT-Managerin Silvija Seres, ist sie nicht sicher, ob sie heute drei Kinder hätte. Dass sie diesen Beruf ausüben kann, schreibt sie auch der Quote zu. "Ich habe diese Position nicht geerbt, in meiner Familie gibt es niemand wichtigen. Ich habe Familie und Kinder - ich bin nicht Superwoman." Seres schwärmt auch von den norwegischen Männern, die von feministischen Müttern erzogen wurden, wissen, was im Haushalt zu tun ist und gute Väter sind, weil sie viel Zeit mit ihren Kindern verbringen. So kann es also auch gehen.
Nicht ohne Brigitte Ederer
Und wenn es um Frauen in der Wirtschaft geht darf natürlich auch Brigitte Ederer nicht fehlen, Ex-SPÖ Politikerin und Chefin von 400.000 MitarbeiterInnen. Was andere ManagerInnen vor allem mit ihrem Können erklären, begründet Ederer - unprätentiös wie immer - auch mit "zeitlicher Verfügbarkeit" und einer "großen Portion Glück". Sie sprach sich im "Weltjournal" allerdings gegen eine gesetzliche Quote aus, erstaunlich - ist sie doch tagtäglich von Männern in anthrazitfarbenen Anzügen umzingelt. Andererseits: Eine quotenablehnende Haltung von Frauen in sogenannten Top-Positionen ist nicht wirklich überraschend. Interessanter Themen-Mix und spannende Interviews also im "Weltjournal", unter dem früheren "Weltjournal"-Chef Franz Kössler hätte es aber vielleicht auch noch den einen oder anderen systemkritischen Beitrag gegeben.
Hosen und wer sie anhat
Am selben Abend zur Prime Time ging letzte Woche das Bürger-Forum auf Sendung. Frauenpolitische Ausgabe hin oder her, auf ein geschlechtergerechtes "BürgerInnen-Forum" wurde verzichtet. Keine Frage, das Format ist eine sehr gute Idee. Inhaltliches wird aber zugunsten des Anspruchs, alle Themen ins Boot holen zu wollen, etwas vernachlässigt (dieStandard.at kommentierte übrigens live).
Enttäuschend war die Film-Schiene des ORF-Schwerpunktes. Dabei lag es weniger an der Auswahl der Filme, als an der geringen Menge und der Sendezeit. "Saving Face" (1. März) wurde etwa erst um 23:50 Uhr gezeigt. Sehr schade, denn der Film über die lesbische Ärztin Wilhelmina, die aus einer sehr traditionsbewussten Familie kommt, die ihr schon drängend die Ehe ans Herz legt, ist sehenswert. Auch "Die Bankiersfrau" mit Romy Schneider war erst um 0:15 Uhr und "La vie en rose" um 0:00 Uhr zu sehen. Obwohl "Saving Face" und "La vie en rose" sogar ORF-Premieren waren, konnte man sich nicht zu einem früheren Sendetermin entschließen.
Der fetteste Frauenschwerpunkt
Die "Presse am Sonntag" brachte am Wochenende vor dem 8. März mit einer beachtlichen Menge an themenspezifischen Texten wohl den fettesten Frauenschwerpunkt von allen österreichischen Tageszeitungen. Vom obligatorischen Quoten-Artikel, einer Graphik mit entbehrlichem Stöckelschuh-Dekor, einem Einblick zu den Themen der Gender-Forschung bis hin zu Frauen als Künstlerinnen und von der Kunst dargestellte - da wurde wenig ausgelassen. Besonders lesenswert war das Interview mit Marlene Streeruwitz und ein Artikel über die (ehemalige?) "Macho-Hochburg" Wiener Rathaus.
Dass antifeministische und sexistische Stimmen noch immer unter dem Label der Ausgewogenheit laufen, bewies aber auch diese "Presse am Sonntag"-Ausgabe. Wie auch in der Printausgabe vom 8. März des STANDARD (dieStandard.at kommentierte: Dumm, dreist und frauenfeindlich), wurde auch in der "Presse" einem Autor Platz gegeben, der sich vom Feminismus verfolgt fühlt. Der Autor Norbert Bolz wird in der "Presse" als "Tabubrecher für Denk-und Sprechverbote der politisch korrekten Medienwelt" vorgestellt. Er ortet "Radikalfeminismus", der bereits in der Regierungspolitik angekommen sei, und alles nur, weil "einige Akademikerinnen nicht in der Lage sind, zwischen Gleichberechtigung und Gleichheit zu unterscheiden." Ahnungslos sind hier vielmehr Autoren wie Bolz, warum sollen uns also derartige Kommentare ausgerechnet rund um den Frauentag interessieren? Schließlich haben solche selbsternannten Tabubrecher schlichtweg nur Fehlinterpretationen und einen riesen Haufen von falschen Behauptungen im Köcher. So etwas als kritische Position gegenüber Frauenpolitik und Feminismus zu verkaufen - das muss doch nicht sein. Auch der kurier.at ist mit seinem Foto zum Frauentag nicht gerade positiv aufgefallen: Drei Eis lutschende junge Frauen ließ viele rätseln, was das mit dem Frauentag zu tun hat.
Mancherorts geht es noch weiter
Erfreulich hingegen ist, dass der Feminismus-Fokus in Funk und Fernsehen nicht schon ab 9. März ad Acta gelegt wird. Die Schwerpunktwoche auf Ö1 läuft noch bis 13. März und am Donnerstag ist auf ORF 2 die informative Doku über "Sex, Pille & Emanzipation" zu sehen. Der Fernsehfilm "Das Glück ist ein Kaktus" mit Christiane Hörbiger am 11. März wurde vom ORF auch noch unter dem Schwerpunkt "Starke Frauen" verbucht. Die ersten Zeichen eines prekären politischen Verständnisses für emanzipatorische Berichterstattung kündigen sich also schon an. (Beate Hausbichler, dieStandard.at, 10.3.2011)