Human Rights Watch

Tschetschenien: Kritik an neuem Kopftuch-Zwang

10. März 2011, 16:37
  • Artikelbild
    foto: apa / oliver berg

    In Tschetschenien ist laut HRW zuletzt Frauen ohne Kopftuch der Zugang zu öffentlichen Gebäuden verwehrt worden. 

Frauen ohne Kopftuch wurde Zugang zu öffentlichen Gebäuden verwehrt und mit Farbgeschoßen gedemütigt

Moskau - MenschenrechtlerInnen haben das sofortige Ende des neuen Kopftuch-Zwangs für Frauen in der islamisch geprägten russischen Teilrepublik Tschetschenien gefordert. Das erzwungene Tragen einer Kopfbedeckung sei ein Verstoß gegen die russische Verfassung und das Recht der Frauen auf Selbstbestimmung, teilte die internationale Organisation Human Rights Watch (HRW) am Donnerstag in Moskau mit.

BeobachterInnen beklagen in dem früheren Kriegsgebiet seit längerem eine zunehmende Radikalisierung des Islams unter dem kremltreuen Republikchef Ramsan Kadyrow. Der Kreml habe die Pflicht, die autoritären Methoden zu beenden, forderte HRW.

Mit Farbgeschoßen öffentlich markiert

In Tschetschenien seien zuletzt Frauen ohne Kopftuch zur Warnung mit Farbgeschoßen öffentlich markiert und gedemütigt worden, hieß es. Zudem werde ihnen der Zugang zu öffentlichen Gebäuden verwehrt. Nach Darstellung von HRW-Mitarbeitern stecken tschetschenische Sicherheitskräfte selbst hinter den Aktionen. Auf Flugblättern werde Frauen ohne Kopfbedeckung künftig mit "härteren Strafen" gedroht.

Aus Sicht von KommentatorInnen ist der frühere Tschetschenien-Krieger Kadyrow dem Kreml schon seit langem politisch außer Kontrolle geraten. MenschenrechtlerInnen werfen Kadyrow auch Mord und Folter vor. Der Politiker hatte unlängst in einem Zeitungsinterview gesagt, dass Frauen sich bescheiden anziehen sollten, um Männer nicht mit ihren Reizen abzulenken. Außerdem warb er offen dafür, dass Männer bis zu vier Ehefrauen haben dürften. Kadyrow hatte islamisches Recht immer wieder über die russische Verfassung gestellt. Im Gegensatz zu den Terroristen im Konfliktgebiet strebt er aber nicht nach einer Unabhängigkeit der Republik von Russland. (APA)

Kommentar posten
23 Postings
hexe caracas
02
11.3.2011, 12:27
das ist nur ein Trick

er strebt Islam an, aber keine Abspaltung von Russland (kann es sein, daß das Land überbevölkert ist?)

Frauenzimmer
05
11.3.2011, 08:50
MenschenrechtlerInnen werfen Kadyrow auch Mord und Folter vor. Der Politiker hatte unlängst in einem Zeitungsinterview gesagt, dass Frauen sich bescheiden anziehen sollten, um Männer nicht mit ihren Reizen abzulenken. Außerdem warb er offen dafür, da

ungeachtet dieser tragödie, die frauen ohne verhüllung ihres körpers vorderhand "nur" mit farbbeuteln trifft (nach dem sturz des schahregimes wurde der schador auch mal mit nägeln am kopf festgemacht und bis heute riskieren frauen im iraln hohe strafen, wenn sie sich nicht an die bekleidungsvorschriftebn halten!) sehe ich mich als feministin und menschenrechtsaktivistin darin bestätigt, die ganzkörperverhüllung, der leider auch die hiesigen kopftuchträgerinnen folgen, als schweren akt von islamischer frauendiskriminierung abzulehnen. auch in Österreich. Die verhüllung der frau hat nichts mit den heiligen lehren des koran zu tun, sondern ist- wie aus obigen text leicht zu entnehmen ist - ein machtinstrument zur unterdrückung der frau. muslim

sljudanka
00
11.3.2011, 19:08
Da muss ich sie leider enttäuschen, obwohl ich selber kein Muslimer bin

die nehmen alles was in ihrer "heiligen Schrift" steht pedantisch genau.

Ich hab einmal gehört, dass vor Mohammed die Verschleierungspflichten bei den arabsichen Beduinen viel stärker gewesen sind.
Muhammad wollte also mit seinen - für die damalige Zeit- relativ liberalen Bekleidungsvorschriften eher in die anderer Richtung gehen.

Leider ist die Auslegung der Koranverse nicht rational zhu diskutieren, sondern entzieht sich jeglicher rationaler Grundlage!!

Aber - wenn wir das weiterdenken - Muhammad erlbete die Welt eben so wie ein arabischer Beduine vor 1400 Jahren.

Kein Wunder dass ihm damals vieles als 'göttlich' erschien, was uns heute im Nachhinein eher als banal erscheint.
Und - er wusste nichts von Industrieländern in EUropa...

Frauenzimmer
00
12.3.2011, 17:49
ein erhellender beitrag

http://www.religion-online.info/islam/the... -info.html
Die diskussion um die bekleidungsvorschriften ist kennzeichnend für liberale u. demokratische Demokratien. In mehrheitlich islamischen staaten bzw. in gottesstaaten darf die diskussion nicht geführt werden. warum? Weil frauen dort nichts zu reden haben, weil sie menschen zweiter wahl sind, weil ihre meinung nur halb so viel zählt wie die des mannes. (sharia) weil sie auch nur halb soviel erbt, wie ihr bruder. die zwangsvorschrift zur ganzkörperverhüllung ist das synonym für unerdrückung. und deshalb sollten wir das in einer freien gesellschaft nicht dulden. und die hiesigen muslimas sollten aus solidarität auf das kopftuch verzichten. aber das kann alles nur freiwillig erfolgen

Pygar
 
00
10.3.2011, 23:09

Wieso greifen die Russen nicht hart durch?

Cassius
00
12.3.2011, 17:02
Nicht gesehen?

Das haben sie schon. Zweimal. Sie können ja mit ihren Feministinnen Kolleginnen rüberfliegen und ihrerseits versuch hart durchzugreifen.

timurinamanu
82
10.3.2011, 20:14
Wir haben das beste Modell, jeder darfs sich selbst aussuchen

Manche Länder sind mit dem "kein Kopftuch Zwang" sind auch nicht besser

Timagoras
 
01
11.3.2011, 12:01
"Manche Länder sind mit dem "kein Kopftuch Zwang" sind auch nicht besser"

.
in welchem land gibt es denn einen "kein Kopftuch Zwang"?
meines wissens dürfen'S in jedem land der welt ein kopftuch tragen (außer in manchen ländern in bestimmten berufen, in denen auch das tragen von dornenkronen, vollvisierhelmen, sm-outfits oder kukluxxklan-kapuzen nicht gestattet ist).

sündenfool
00
18.3.2011, 11:15

kopftuch!=burka!=niqab!=gamshut

Tethys
03
11.3.2011, 08:46

Jeder darf es sich selbst aussuchen?

Sehe ich nicht so.

Zwang kann sehr subtil sein.

an kog
02
10.3.2011, 23:36

"kein Kopftuch Zwang" ist in jedem Fall besser. Man sieht ja wohin die "Freiheit" ein Kopftuch zu tragen in den Ländern im Allgemeinen führt.

Es ist und bleibt ein Zeichen für ein antidemokratisches, reaktionäres, klerikales und patriarchales Herrschaftssystem.
Da kann man herumeiern und lamentieren so oft und so lange man will. Es ist ganz offensichtlich einfach so.

Trismegisto
 
10
11.3.2011, 13:53

wenn man "klerikal" mal weglässt passt der Rest auch auf ein Kopftuch-Verbot.

an kog
01
11.3.2011, 14:20

wenn Sie meinen...

wo-man
01
11.3.2011, 10:57
richtig an-kog

und deshalb hat es mich einigermaßen gewundert, dass man dieses Thema hierzulande nicht auch zum Thema am Weltfrauentag gemacht hat? Aus Angst politisch unkorrekt, d.h. rechtsrechts zu erscheinen? Nur weil H.C.Strache gegen TürkInnen mit Kopftuch als unwillkommene Menschen zweiter Klasse geifert, dürfen Andere nichts gegen diese Form der Frauendiskriminierung sagen? Also übernehmen wir die Diktion des Herrn Erdogan und des Vereins ATIB, wonach Muslimas ihre Religionszugehörigkeit mittels Kopftuch zeigen sollen. Ganz im Sinn Allahs und seiner männlichen Adlaten.

Cassius
31
12.3.2011, 17:06
Patriarchat böse

Jede Frau und Familie sollte es sich selbst aussuchen können, ob sie in patriarchalen Verhältnissen leben will oder nicht. Ihre Hetze gegen Patriarchale Strukturen in Ehren, aber bloß weil sie meinen, das Patriarchat als die Wurzel allen Übels identifiziert zu haben, heisst noch lange nicht, das alle mit ihrer Erkentniss Zwangsbeglückt werden müssen.

Wer das Kopftuch tragen will, soll es silch selbst aussuchen und wer keinen Grund sieht, sich gegen das pöse pöse Patriarchat aufzulehnen, soll nicht für den Feminismus zwangsrekrutiert werden. Wenn nicht alle Frauen für den Feminismus begeistert werden können, dann ist das eben so.

josefa maier449
02
16.3.2011, 15:49
Das Patriarchat ist die Wurzel allen Übels!

Vergleichen Sie Länder wo es vorwiegend das Patriachat gibt und Länder die eine (halbwegs) ausgeglichene Verteilung von Rechten und Pflichten zw. Mann und Frau haben! In westlich kulturbeeinflußten Ländern, gibt es für ALLE eine wesentlich höhere Lebensqualität!

gegen rechts
00
13.3.2011, 19:30
Das ist eine sehr beschränkte Antwort auf eine angebliche Hetze

Wo sehen Sie diese? Von Patriarchat ist nicht die Rede, wohl von Frauendiskriminierung durch ein fundamentalistisch - religiöses Zwangsregime. Sie bringen das folgerichtig mit dem Patriarchat in Verbindung. Das ist richtig, denn ohne Patriarchat keine Frauendiskriminierung. Und bitte fragen Sie eine Frau im Iran, in Saudiarabien, im Jemen, und neuerdings auch in Tschetschenien, wovon dieser Artikel handelt, wie FREIWILLIG sie ihre Zwangsbekleidung tragen!

Satthaber
12
11.3.2011, 10:24
Hier ein Kopftuchverbot, dort ein Kopftuchgebot

das ist daselbe Niveau. Punkt.

Hier die Freiheit, dort der Zwang. <-- das ist fortschrittlich.

Tethys
00
11.3.2011, 12:03

Haben Sie sich schon mal gefragt, was das Kopftuch eigentlich mit dem Islam zu tun hat? Und ob jede Frau, die eines trägt, auch wirklich WEISS, was sie da trägt?

an kog
02
11.3.2011, 11:38

das ist die naive Sichtweise, die völlig außer acht lässt was alles mit den kleinen Stückchen Stoff verbunden ist.

Der Unkurze
00
11.3.2011, 11:11

sollte man also auch nazisymbolik wieder zulassen?

wenn sie so strickt gegen solche verbote sind, sollte dies für sie auch ein klares anliegen sein. Oder doch nicht?

Falls nicht, überdenken sie vielleicht ihre Ansichten nochmal.

Trismegisto
 
01
11.3.2011, 13:57

ich finde man sollte Kopftücher erlauben, und auch Nazisymbolik wieder zulassen.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.