Rezension

Der Vater als Standortvorteil

Ina Freudenschuß, 15. März 2011, 07:00
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    foto: cover geo

    Männer in der Rolle ihres Lebens? Die Mehrheit der Väter hat sich bisher vornehm zurückgehalten.

Engagierte Väter machen den Nachwuchs selbstbewusster und intelligenter, weiß das aktuelle GEO "Wissen" zum Thema Väter - Das Heft eint eine krude Mischung aus Väter-Mythen

Wir leben in Zeiten, in der der Vater eine permanente Werbeeinschaltung genießt. Nachdem in Deutschland der uneheliche Vater mit der Mutter gleichgestellt wurde, gibt es - eh klar - auch in Österreich Diskussionen darüber, wie der "natürliche Zustand" von der beider-elterlichen Betreuung und Fürsorge verwirklicht werden könnte - aber ist das nicht schon ein Widerspruch in sich?

Um die Interpretation der Wortergüsse unserer tapferen Väter-Ministerin Bandion-Ortner soll es hier aber eigentlich nicht gehen, vielmehr um das Begleitrauschen im Zuge der Eltern-Rechte-Neu-Regelung in den Medien.
Neben den vielen Schadensmeldungen, die über ausgeschlossene Väter und geschädigten Nachwuchs an unser Ohr drängen, verdient das Magazin "GEO Wissen" , das sich in seiner aktuellen Ausgabe mit dem Thema "Väter" beschäftigt, eine besondere Würdigung. Immerhin handelt es sich bei GEO um DAS Organ der anspruchsvollen Populärwissenschaft.

Vorab: Es wäre ein Leichtes, die Väter-Ausgabe rundherum abzulehnen. Dafür sorgt schon einmal die Verpackung, die (gegen Aufpreis) mit dem unsäglichen Film "Der entsorgte Vater" von Douglas Wolfsperger ausgestattet ist. In der Ausgabe selbst kommt dieser dann auch noch zu Wort, etwa in dem Artikel "Wenn Krieg herrscht um die Kinder", eine einseitige Tirade gegen egoistische Mütter, die dem biologischen Vater aus Rache das Kind vorenthalten - wir haben uns schon daran gewöhnt, dass in solchen Reportagen keine einzige betroffene Mutter zu Wort kommt. Zu lesen ist darin auch von dem sogenannten "Parental Alienation Syndrome", das ähnlich dem "Post Abortion Syndrome" mehr über die ErfinderInnen als die angeblich Betroffenen dieser Störung aussagt. So lässt sich die bittere Pille der emotionalen Ablehnung durch das eigene Kindes noch in ein wissenschaftliches Schema pressen, auf das man von außen Einfluss nehmen kann.

Einfach bessere Menschen

In der Ausgabe wimmelt es zudem von meist nicht ausgewiesenen Studienergebnissen, die die umfassend positive Wirkung von engagierten Vätern belegen soll: Im Einführungstext "Wie Väter ihre Kinder prägen" erfahren wir: "Im Durchschnitt sind diese Kinder (von engagierten Vätern, Anm.) einfühlsamer, selbstbewusster, verfügen über eine bessere Selbstkontrolle und sind intelligenter als der Nachwuchs von weniger präsenten Männern." Diesen Traum-Nachwuchs könnten wir in Zeiten des globalen Wettbewerbs doch ganz gut gebrauchen, oder?

Sehr problematisch ist schließlich der Beitrag von Ute Eberle, in dem es großteils um die evolutionsbiologischen Aspekte der Vaterschaft geht. Sie verweist ebenfalls auf "zahllose Studien", die belegen, dass Töchter von engagierten Vätern nicht nur "mehr Selbstvertrauen haben, seltener Drogen nehmen und sozial oft besonders kompetent agieren", nein, sie reagieren auch entwicklungstechnisch wünschenswert auf die Präsenz des Vaters: So bekommen Töchter von präsenten Vätern ihre erste Menstruation angeblich später als ihre vaterlosen Kolleginnen und werden auch erst später sexuell aktiv. Weiters heißt es: "Möglicherweise steckt dahinter ein uralter biochemischer Mechanismus, bei dem die Duftstoffe des Vaters die Geschlechtsreife der Tochter verzögern, um Inzucht zu vermeiden. Die Anwesenheit eines Stiefvaters dagegen beschleunigt die sexuelle Reifung." Schluck.

Vater als Beschützer?

Andererseits finden sich in der Ausgabe aber auch andere Beiträge, die ein erstaunlich differenziertes Bild zu (biologischer) Vaterschaft zeichnen. Zu einseitig sei die Vorstellung des Vaters als "Beschützer", körperlicher Bändiger und Welterklärer von Kindern, Väter können auch fürsorglich und emotional kompetent auf das Kind einwirken, heißt es da. Soll das etwa heißen, dass Mütter und Väter doch vom selben Stern kommen?

Viele der biologistischen Argumentationsweisen werden zudem in dem Artikel über die Volksgruppe der Mosuo im Südwesten Chinas konterkarriert. Die Frauen dort leben mit ihren Kindern und ihren eigenen männlichen Verwandten zusammen, während die biologischen Väter in der Aufzucht der Kinder nur eine marginale Rolle einnehmen.
Die Ausgabe porträtiert zudem eine österreichische Gerichtspsychiaterin, die sich mit sexuellem Missbrauch durch (mehrheitlich) Väter beschäftigt und es kommt ein Mann zu Wort, der in den 1980ern Samen gespendet hat und heute biologischer Vater von geschätzten 400 Kindern ist.

Alles in allem findet sich in dem Heft also eine wilde Mischung an Vater-Impressionen, die nichts anderes ausdrückt als die vielfältige Deutbarkeit von Vaterschaft in einer globalen Welt. Die vielbeschworene Krise der Männlichkeit ist auch eine der Väter und ihrer neuen Rolle in geschlechteregalitäreren Zeiten, davon zeugen diese Diskussionen. Die Werbung für Vaterschaft nervt zwar ziemlich, aber sie kann der Sache auch gut tun. Vielleicht kommen die freigesetzten Väter nach dem vielen Jammern und zur Schau gestellten Leiden ja irgendwann auch zum Nachdenken. (Ina Freudenschuß, dieStandard.at, 15.3.2011)

GEO Wissen "Väter"
Nr. 46, 2010/2011

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Geo Wissen

 

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 290
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Sumsebrum
00
26.9.2011, 10:18

@knurrhoernchen Irgendwie hab ich das gefühl das du nciht ganz von dieser Welt bist, wenn ich mir deine Wertlosen unqualifizierten Kommentare hier so durchlese. Registrier dich bei Toggolino, dort kannst du mit gleichaltrigen über dein Problem diskutieren. Besser wäre es natürlich wenn du gleich zum Psychiater gehst.

Urnenfriedhof
00
Sehr tendenziöser Artikel

Der Autorin geht es wohl hauptsächlich darum, einen in den letzten Jahrzehnten festgeschriebenen Mißstand in der Gesellschaft weiter beibehalten und jegliche Kritik daran ausschalten zu wollen. Es sollte eigentlich jedem klar sein, daß die Degradierung und Ausgrenzung der Väter auf Dauer nicht mehr so weitergetrieben werden kann. Das Heft mag ein ungeschickter Versuch sein, an dem derzeit vorherrschenden System zu rütteln, das einen aktiven Kindesmißbrauch als Macht- und Einkommensquelle unterstützt, ist aber auch Zeichen eines wachsenden Bewußtseins, daß die Vaterrolle nicht auf 14-tägige Besuchsstunden und Alimentezahlung reduzierbar ist, ohne zu Nachteilen für die Kinder zu führen.

Verdammt Coole Schreckschrauwe
31
18.3.2011, 22:54
Ach ja, Ihr Haberer, bevor ich es vergesse: Es gibt auch Männer die Euch auf die dreckigen Finger schauen

Hier eine Studie der Friedrich Ebert-Stiftung zu den Maskulisten: http://library.fes.de/pdf-files... /07054.pdf
Geschlechterkampf von rechts - Wie Männerrechtler und Familienfundamentalisten sich gegen das Feindbild Feminismus readikalisieren
= äußerst aufschlussreich!

Baron Mucki
 
00
20.3.2011, 13:22
Mag sein.

Deswegen wird man aber nicht seine Haltung aufgeben. Sollte die FPÖ einmal eine Position haben, die mir verrnünftig erscheint, werde ich ich sie auch genausowenig aufgeben, wie béi den grünen oder sogar bei den Kommunisten.

Richard Ebner
01
19.3.2011, 19:00
Vielen Dank für die Info ...

... ich hab allerdings auf Seite 1 wieder zu lesen aufgehört, als ich "Arbeitsbereich Frauen- und Geschlechterforschung" gelesen habe.

emanze c
02
17.3.2011, 20:03

""zahllose Studien", die belegen, dass Töchter von engagierten Vätern nicht nur "mehr Selbstvertrauen haben, seltener Drogen nehmen und sozial oft besonders kompetent agieren""

Dass Kinder in der Entwicklung davon profitieren, von 2 statt 1 Person als junger Mensch ernst genommen, geprägt, erzogen, geleitet, inspiriert und gepflegt zu werden in mehr als nur kurzen Abendessen und ein paar Wochenendaktivitäten, erscheint einleuchtend.

BlackAdder
11
17.3.2011, 21:19

Und was sagen die studien zu töchtern von nicht engagierten vätern ?

Oder zu töchtern die von engagierten großeltern aufgezogen werden ?

Oder von engagierten ...

Cassius
00
18.3.2011, 16:28

Was haben sie eigentlich gegen leibliche Väter?

BlackAdder
13
18.3.2011, 18:17

Nichts, nur gegen manipulation.

sljudanka
33
17.3.2011, 18:40
Gibt es irgendeinen wissenschaftlichen Beweis für die kruden feministischen Thesen?

hab noch keinen gehört.

aber - Presseförderung kassieren, und mit Zeitungen die Öffentlichkeit kontaminieren...

Welche wissenschafliche Grundlage gibt es dafür, Männer und Frauen "gleichmachen" zu sollen?

Wer hat das verlangt?

Es wird heute geradezu deer Eindruck erweckt, das ist ein Imperativ - aber WER hat das verlangt, WER will das?

Wurde schon mal eine Volksbefragung gemacht, ob das Volk diesen Feminismus mit seinen unbewiesenen Theorien, seiner Hetze und Aufwiegelung zu Geschlechterhass überhaupt will?

Eben nicht.

Es gibt keine demokratische Legitimierung dafür, keine wissenschaftlichen Beweise für eine Gleichheit von Mann und Frau, für Homosexualität.

Alles Virtuell...

Tethys
14
18.3.2011, 11:38

"Es gibt keine demokratische Legitimierung dafür, keine wissenschaftlichen Beweise für eine Gleichheit von Mann und Frau, für Homosexualität. "

Aha - Sie haben offensichtlich Verständnisprobleme mit Demokratie, seine Voraussetzung und Ausprägung. Demokratie, ohne dass Männer und Frauen egal welcher sexuellen Orientierung "gleich" sind, funktioniert schwer, denn alle sind das Volk, von dem das Recht ausgeht.

BlackAdder
13
18.3.2011, 00:35

Sie schwadronieren über krude thesen ?

Gerade SIE ?????

Originell.

Was ist das da oben, außer eine aneinanderreihung kruder thesen und unterstellungen fern jeder realität ?

Minister der Ökomonie
14
17.3.2011, 17:40
Kann mir jemand erklären...

...was so schlimm daran ist, dass Väter ebenso eine Rolle für die Kinder spielen, wie Mütter?

Einerseits will die Frauenbewegung die Männer zu den Kindern bringen, gleichzeitig aber ist es ganz furchtbar, wenn das den Kindern auch noch gut tut? Um wen oder was geht es da eigentlich?

Geht es nur darum, dass Väter die Mütter entlasten, den Haushalt machen? Eine Beziehung zu den Kindern aufbauen, oder den Kindern gar gut tun, das ist ein Wekltuntergang? Ging es der Emanzipation etwa bei der Forderung nach Väterkarenz nie um das Wohl der Kinder sondern nur um die Freiheit der Frau? Und... wird diese Freiheit gefährdet, wenn ein Vater dieselben Rechte bekommt, wie die Mutter? Gehts echt nur um Macht?

BlackAdder
21
18.3.2011, 08:49

Einfach lesen, angefangen bei "Das Heft eint eine krude Mischung aus Väter-Mythen" bis zum ende des artikels wird genau erklärt was die autorin an diesem heft stört, ich verstehe also die hier an den tag gelegte ratlosigkeit nicht.

emanze c
03
17.3.2011, 20:04

"Einerseits will die Frauenbewegung die Männer zu den Kindern bringen, gleichzeitig aber ist es ganz furchtbar, wenn das den Kindern auch noch gut tut? Um wen oder was geht es da eigentlich? "

Sehe ich genauso - versteh den Artikel/die Kritik nicht wirklich. Warum "nervt" der Vaterfokus? Weil Väter für kleinste Leistungen auf die Schulter geklopft wird in Anerkennung? gut, kann frustrierend sein für Mütter, die deutlich mehr selbstverständlich machen sollen.
Hier sollte man aber nicht übersehen, dass auch das bisschen bei Vätern mitnichten selbstverständlich und ein wichtiger Anfang ist, den man tatsächlich begrüßen sollte!

BlackAdder
41
17.3.2011, 19:54

Korrekt, den männern geht's nur um macht.

Cerberus303
00
23.3.2011, 11:54
hehe...

... aber frauen nicht, hm?

So ein Schwachsinnn

Cerulean Warbler
10
18.3.2011, 08:59

Und ihr diesbezuegliches praezises Wissen beziehen Sie aus welcher Quelle? Allaussagen sind heavy stuff.

Cerulean Warbler
11
17.3.2011, 16:41
Bei so viel "Männerfreundlichkeit" der Feministinnen

ergibt sich binnen einer Generation großteils eine natürliche Lösung des Problems, da es keine Kinder mehr geben wird, um deren alleinige oder gemeinsame Obsorge man sich streiten kann.

Der einzige Hoffnungsschimmer ist, dass alle Mütter mit AO ihre männlichen Kinder endlich zu richtigen, guten Männern erziehen, im Gegensatz zu unseren Müttern, die kläglich versagt haben, obwohl sie auch Frauen und daher per default bessere Menschen waren ;-)

Erimet
00
18.3.2011, 10:42
Die beste Lösung ist natürlich, keine Kinder zu bekommen.

Dann löst sich das Problem von selbst.

Wer Kinder in diese Welt setzt, handelt verantwortungslos und egoistisch.

Minister der Ökomonie
12
17.3.2011, 17:49
Ja, ich frage mich schon...

...warum die heutigen Männer immer noch solche Monster sind. Laut Feminismus, waren die Väter und männlichen Vorbilder abwesend (haben sich geschlichen, kein Interesse). Also blieb die Erziehung der Männer großteils bei den Frauen.
Die Folge sind Männer, die Väter sein wollen. Männer, die im Kontrast zu ihren Vätern darum kämpfen, Väter sein zu wollen. Und werden dafür promt in das schlimmste Eck gestellt, das möglich ist: Das Rechte.
Haben also all die linken Alleinerzieherinnen (ach innerhalb intakter Beziehung/Ehe) rechtsradikale Väterrechtler herangezogen? Warum haben sie keinen Wert darauf gelegt, ihre Söhne so zu erziehen, dass sie abwesende Väter sein wollen? Wie muss ein Mann heute sein, um femkinistisch richtig zu sein?

R.M. S.
21
17.3.2011, 21:13

"Wie muss ein Mann heute sein, um femkinistisch richtig zu sein?"

Zahlungswillig, Abwesend, Ohne verlangen seine Kinder sehen.

BlackAdder
33
17.3.2011, 19:56

Ist es also endlich soweit daß der links-rechts-schwachsinn in die "diskussion" eingebracht wird ?

Ihr habt es noch immer nicht kapiert, oder ?

Es geht darum daß männer dann, und nur dann, ihre außergewöhnliche und tiefe liebe zu ihren kindern immer erst nach einer trennung entdecken, und sich davor recht wenig drum scheren.

Und dann wundert man sich wenn an der aufrichtigkeit un den motiven gezweifelt wird ?

Cerberus303
10
23.3.2011, 11:57
möglich...

... dass dies bei vielen so ist. Ist allerdings auch unerheblich, selbst wenn es so ist, dass viele Männer ihre tiefe Liebe zu den Kindern erst nach der Trennung erkennen, so ist es dennoch Vaterliebe, die dem Kind gut tut - so what?

Diese Argument von Ihnen beweist leider, dass es den Feministinnen ebenfalls nur um Machterhalt geht, und nicht - wie so gern vom "sanften" Geschlecht behauptet - um die Kinder.

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