Frau/Maschine

Die Norm sind Bedienerinnen

15. März 2011, 18:29
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    illustration: fatih aydogdu

    Die Maschinen werden nach männlichen Kriterien hergestellt, aber der Frauenanteil in heimischen Industrieunternehmen steigt stetig.

Maschinenbauer bauen für Männer: Ein Forschungsprojekt fordert nun die genderkritische Schnittstelle ein

Es begann mit der einfachen Frage eines Herstellers von Lasersystemen: "Arbeiten Frauen effizienter auf speziell für sie gestalteten Maschinen?", wollte das oberösterreichische Unternehmen Trotec wissen. Nicht zuletzt, weil die Lasergravur typischerweise zu jenen industriellen Tätigkeiten gehört, die heute vorwiegend von Arbeiterinnen verrichtet wird. Konzipiert und konstruiert werden diese Maschinen allerdings noch immer überwiegend von Männern für Männer. Frauen treffen also im konkreten Fall auf eine Arbeitswelt, in der Männer grundsätzlich "Industrienormen" prägen - selbst wenn diese nur minoritär oder gar nicht am Produktionsprozess mit solchen Maschinen beteiligt sind.

2009 formulierte dann ein Konsortium aus insgesamt sechs Partnern einen Projektantrag, der auf eine gesamtgesellschaftlich relevante Beantwortung dieser Frage abzielt: "Genderspezifische Anforderungen für die Entwicklung neuer Maschinen unter Berücksichtigung der Mensch/Maschine-Schnittstelle" sollen in einem FemTech-Forschungsprojekt ausgelotet werden, das im September 2010 begonnen wurde und vorerst drei Jahre dauert. Dabei berücksichtigt dieses Programm des Infrastrukturministeriums zur Förderung der Chancengleichheit in Forschung und Technologie interdisziplinäre Zugänge. Und demnach sollen auch bei der überfälligen Erstellung eines Leitfadens für genderkritischen Maschinenbau gar nicht erst ausschließlich Techniker mitwirken.

Ergonomie ist keine Maßzahl

Sabine Köszegi vom Institut für Managementwissenschaften an der TU Wien erklärt zunächst einmal, was die Ergonomie beitragen kann. Als tradiertes Gebiet in der Arbeitswissenschaft beschäftigt sich diese Disziplin zwar schon lange mit den Unterschieden von Männern und Frauen im Umgang mit Maschinen, allerdings vorwiegend nach anthropometrischen Kriterien. Geschlechtsbedingte Differenzen in Bezug auf Kraft, Körpergröße und -haltung stünden aber nicht im Zentrum des Interesses bei diesem Forschungsprojekt. "Vielmehr sollte die Ergonomie das gesamte Arbeitsumfeld in seiner Organisationsstruktur begreifen", stellt Köszegi klar und meint, es reiche nicht aus, wenn Bedienerinnen ihre Maschinen körperlich beherrschen. Wichtiger sei das Selbstverständnis der Arbeiterinnen in diesem Produktionsprozess, weil es massive Konsequenzen auf den Arbeitsablauf hat.

Lernen könne man von Bereichen des Produktdesigns, die sich bereits länger mit gendersensiblen Aspekten als Verkaufsargument beschäftigen müssen. Köszegi spitzt es zu: "Männer verstehen unter der Effizienz eines Autos tendenziell eher, wie schnell es von 0 auf 100 beschleunigt. Frauen fragen in diesem Zusammenhang öfter nach Kriterien der Sicherheit oder der Nachhaltigkeit." Auch auf den Maschinenbau umgelegt, bedeute dies, dass Produktivität nicht mit technischer Effizienz gleichgesetzt werden dürfe.

Köszegi konstatiert allerdings grundsätzlich, dass der Technik- und der Technologiebegriff historisch gesehen um wichtige Aspekte verstümmelt wurde. Einigen Techniken - etwa der Stricktechnik, dessen Klischeehaftigkeit sich Köszegi durchaus bewusst ist - sei irgendwann einmal der Charakter einer Technik überhaupt in Abrede abgestellt worden, weil es sich dabei angeblich um eine rein "weibliche Technik" handle. Schon aus diesem Grund würden die Projektpartner ihre Ziele sprachlich völlig unterschiedlich formulieren.

Sprachliche Präzision fordert auch Waltraud Ernst vom Institut für Frauen- und Geschlechterforschung der Kepler-Uni Linz. Ziel des Projekts müsse es sein, nicht von stereotypen Vorstellungen über Geschlechterdifferenz oder -gleichheit auszugehen, sondern vor Ort mit allen Beteiligten Problembereiche zu lokalisieren. Ernst schickt voraus, dass diese Frauen bisher noch nicht einmal gefragt wurden, wie es ihnen im Umgang mit den Maschinen überhaupt geht. Erst wenn dies passiert sei, könne das Team sinnvolle Empfehlungen für einen genderkritischen Maschinenbau aussprechen. Würde sich aber herausstellen, dass Frauen deshalb krank werden, weil sie an für Männer konzipierten Maschinen arbeiten, sollten diese natürlich adaptiert werden.

Ernst betont, dass es für das Institut völlig neu ist, an einem derart konkreten Maschinenbauprojekt beteiligt zu sein. Vorwegnehmen wolle sie rein gar nichts für die gendergerechte Gestaltung von Mensch/Maschine-Schnittstellen, außer vielleicht, dass dabei "garantiert keine rosaroten Handies herauskommen werden".

KundInnenwünsche einbauen

Am nächsten dran an der Maschine ist freilich Eugenia Cojocaru vom Linz Center of Mechatronics (LCM). Ihr wurde unter anderem auf einer Messe vor dem Anschauungsobjekt bewusst, dass Maschinenbauer Kundenwünsche bei der Gestaltung schlicht zu oft negieren. Entsprechend nüchtern sah sie zunächst die "Zielgruppe Frauen" als Kundinnen, die vom Maschinenbau schlecht bedient werden, und stellte den Projektantrag. Doch selbst der Begriff der Kundin wird bei diesem Projekt unter Leitung des LCM am Ende sprachlich differenzierter zu fassen sein: Sind damit nur die Bedienerinnen von Maschinen gemeint, die nun ein adäquates Produktdesign einfordern, oder wird gar jene weibliche Mehrheit von Konsumentinnen berücksichtigt, die zu Recht ein genderkritisches Technikverständnis verlangt? Letzteres wäre nur eine verdrängte Grundvoraussetzung für die funktionelle Gestaltung von Mensch/Maschine-Schnittstellen. (Sascha Aumüller/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.3.2011)

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Wolfe Tone
00
17.3.2011, 19:22

Bin ich der einzige hier der das frauenfeindlich findet?

Markus H.
 
04
16.3.2011, 11:36

Mich würde jetzt schon konkret interessieren wie konkret sich eine Bedienbarkeit von Frauen und Männern konkret unterscheiden soll, abgesehen von offensichtlichen Faktoren ala Kraft, Körpergröße, etc.

Dass es viele Maschinen geben wird, deren Bedienkonzept kompliziert und unlogisch ist, sei unbestritten. Das werden aber wohl Frauen und Männer so empfinden und als verbesserungswürdig einstufen. Nur wo unterscheidet sich ein gutes Bedienkonzept für Frauen von einen guten Bedienkonzept für Männer?

PlasticVoice
00
16.3.2011, 11:24

Also stricken fällt ohne Zweifel unter Technik. Ich bin nämlich eine absolute Niete in technischen Dingen. Das hat sich in der Volksschule im Handarbeitsunterricht auch überdeutlich gezeigt. :-D

Mr. G
09
16.3.2011, 10:02
ALs Konstrukteur kann ich sagen

Konstruiert wird im Normalfall für Menschen mit durchschnittlicher Köpergröße.
Aber ja wenn einem fad im Hirn ist kann man sich immer ein Thema finden.
Warscheinlich sind die Firmen schuld warum bestellen sie auch immer in Stahl und nicht in Aluminium dann könnten Frauen das viel leichter heben...

knurrhoernchen
00
16.3.2011, 14:22
Wenn ich an die Sitze der Bundesbahnen denke,

dann wird wohl "für Männer mit durchschnittlicher Körpergröße" richtiger sein :)

Der Unkurze
01
16.3.2011, 14:47

nicht wirklich, dafür sind die Sitze zu schmal ;) Von den Sitzen der Wiener Linien mal ganz zu schweigen.

(Aber auch das fällt nicht in den Bereich des Maschinenbaus)

knurrhoernchen
01
16.3.2011, 16:25
Eigentlich ging's um die Rückenlehnen der ÖBB-Sitze

Die normalwüchsige Frau steigt aus der ersten Klasse mit Rückenbeschwerden aus.
Wie sich das Geschlecht beim Maschinenbau auswirkt ist mir auch rätselhaft. Dafür muss ich erst die Damenwelt befragen.
Das Einzige das mir dazu einfällt ist die durchschnittliche Körpergröße. Wenn alles für die durchschnittliche Körpergröße des Mannes konstruiert wird, dann nützt sich der Körper der Frau schneller ab (jahrelang falsche Bewegungen). Vergleich z. B. den Laufstil einer Vollbusigen mit dem Laufstil eines Leptosomen. Nachdem Frauen sofort zum Arzt rennen, wirkt sich das auch auf unser Sozialsystem aus. Also passt's, dass sich ein paar schlaue Köpfe darüber Gedanken machen.

.M .D .G on
00
17.3.2011, 13:15
Und wie soll man die Rückenlehen denn machen?

Wollen Sie jetzt unterschiedliche Frauen- und Männersitzplätze machen? Was wenn dann alle Frauensitzplätze belegt sind, dann muss die Frau sich erst auf einen Männersitzplatz setzen.

Ich schätze mal die Sitzplätze sind im Mittel zwischen der 75% Frau und dem 75% Mann.

Im übrigen ist es wesentlich problemloser mit 1,60 in einem 2,0 Bett zu liegen, als mit 2,0 in einem 1,6 Bett.

Und wie schlecht sieht es für Männer erst in der Küche aus, die sind ja für Frauen konstruiert und bemessen.

Der Unkurze
00
17.3.2011, 13:47

Bei den Küchen muss ich widersprechen, die Höhe der Arbeitsplatte ist (wenn man eine neue Küche kauft) durchaus so wählbar, das man mit 185 ideal darauf arbeiten kann.

Das war mir damals ein Hauptanliegen, da eigentlich nur ich daheim koche ;)

.M .D .G on
00
17.3.2011, 14:35
Nein, müssens mir nicht widersprechen.

Ich habs ja zu ca 80% ironisch und nur zu 20% ernst gemeint. :-)

Klar kann mann sichs auf die eigene Körpergrösse einstellen, aber dann kann in der Küche ja keine Frau mehr arbeiten weil wieder alles zu hoch ist. :-)

Der Unkurze
00
17.3.2011, 15:35

sorry da gingen meine maschinenbaugene durch ;)

Der Unkurze
03
16.3.2011, 16:54

Falls es tröstet, ich bekomm von den Sitzen auf Dauer auch Rückenschmerzen und mir ist die Beinauflage zu kurz.. die ÖBB hats irgendwie geschafft die Sitze für alle unbequem zu machen ;)

Das mit der Größe ist ein guter Punkt, der aber zumindest bei den Betrieben bei denen ich bisher war, durchaus in der Gestaltung der Bedienelemente berücksichtigt wurde.

Der Forschungsgruppe gehts aber anscheinend nicht darum
"Geschlechtsbedingte Differenzen in Bezug auf Kraft, Körpergröße und -haltung stünden aber nicht im Zentrum des Interesses bei diesem Forschungsprojekt."

Da frage ich mich ernsthaft, was diese Gruppe denn erforschen will. Mir fällt in der Hinsicht, bis auf alle ausgeschloßenen Punkte, nichts brauchbares ein...

Der unglaubliche Bert
115
16.3.2011, 08:01
WAS ZUM GEIER ...

Der Unkurze
00
16.3.2011, 09:15

besser hätte ichs nicht ausdrücken können..

Graph Bobby
05
16.3.2011, 00:19
Welche Unterschiede?

Das klingt fuer mich alles ziemlich nach heisser Luft, was waeren denn konkret "genderspezifische Unterschiede" einer Mensch-Maschine-Schnittstelle?

Normalerweise werden solche Schnittstellen nach technischer Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit konzipiert, im Idealfall auf Uebersichtlichkeit, Eindeutigkeit, und effektive Bedienbarkeit getrimmt.

Was waere "genderkritisches Technikverstaendnis"?

Technik ist, wie sie ist, sie basiert im Wesentlichen immer auf Physik und/oder Logik. Das kann man kapieren oder auch nicht, aber was das mit dem Geschlecht zu tun haben soll, ist mir schleierhaft.

kopfsalat
02
16.3.2011, 13:16
weil gerade reaktoren aktuell sind:

wie muesste sich der kontrollraum eines kernkraftwerkes, der gendersensibel ausgelegt wurde, von einem herkoemmlichen unterscheiden? wie der reaktor, die kuehlwasseranlage?

sollte es da tatsaechlich erkenntnisse geben, waere das natuerlich sehr interessant, allein ich befuerchte in diesem diskurs geht es gar nicht um solche, GEE (Grösster Erwartbarer Erkenntnisgewinn) ist systemimmanent nahe null.

anders and
 
23
16.3.2011, 06:11

es gibt massive Unterschiede!

Nur ein Beispiel: Elektrische Rasierer für Männer müssen schwer sein und brummen, sonst glauben die Männer es wäre mit dem Gerät etwas nicht in Ordnung, während Rasierer für Frauen leicht sein müssen und surren sollen.

Das ist nur ein Beispiel. Bei Form Farbe, Gewicht, Größe, Geruch, Geräusch, Bewegung gibt es enorme Unterschiede zwischen dem was Frauen und Männer als "richtig" empfinden.

(Natürlich gibt es auch Unterschiede zwischen den Generationen und Kulturen - ich vertrete da keinen dumpfen Biologismus.)

der gärtner
02
16.3.2011, 16:25

männerbärte sind ein bisserl dichter und fester als frauenbärte, auch wollen wir nicht stunden im bad für letztendlich eh sinnlose kosmetik vertrödeln,
deswegen brauchen wir männer mehr power.

logisch oder?

siliconvalley
00
16.3.2011, 18:43

wenn Männerhaare dichter und fester sind als Frauenhaare, dann brauchen's eher eine schärfere Klinge, aber keinen schwereren Rasierer mit höherem Geräuschpegel.

Auch Frauen wollen nicht Stunden mit Achsel -und Beine rasieren vertrödeln, sondern ein Produkt das auf schnelle, leise und schonende Art (ohne Schnittwunden wenn's geht) Behaarung überall dort entfernt, wo Frau das wünscht.

.M .D .G on
02
16.3.2011, 19:42
"aber keinen schwereren Rasierer mit höherem Geräuschpegel."

Rasierer haben aber bereits sehr scharfe Klingen, viel mehr geht da nicht mehr.
Nur mit mehr power und das hat eben nebeneffekte.

Den schnellen, leisen schonenden, ... gibts halt nicht und wenn dann würde diese Qualität dann entsprechend teuer sein.

kopfsalat
00
16.3.2011, 13:10
weil gerd

hitchy
01
16.3.2011, 13:07

"Massive" Unterschiede?
Bin ich jetzt kein richtiger Mann wenn ich einen Rasierer will der möglichst leicht und ruhig ist? Hauptsache er rasiert gut. Können wir uns von diesen Gendervorurteilen (für Männer muss es wumm machen und für Frauen muss es am besten rosa glitzern) bitte langsam lösen und effektive Geräte produzieren die für Menschen gut sind?

Für die Industrie ist es ja in erster Linie wichtig dass das Ding möglichst nach 2 Jahren wieder kaputt wird, damit man sich einen neuen kaufen muss.

Montgomery McFerryn
01
16.3.2011, 16:09

Ein Tag nach ablauf der Garantie ist das Ziel der Wirtschaft.

Graph Bobby
02
16.3.2011, 12:48
Das hat aber mehr mit Industrial Design...

...als mit Technik zu tun. Da geht es dann um Oberflaechlichkeiten, nicht um die Technik an sich, und das betrifft dann praktisch nur den Heimbedarf, den Maschinenbau vermutlich kaum.

Geraete fuer professionelle/kommerzielle/wissenschaftliche/medizine/militaerische/etc. Nutzung sind normalerweise rein funktionell gestaltet, da sind weder Form noch Gewicht "absichtlich" gewaehlt, sondern das ergibt sich, wie schon erwaehnt, aus der Konstruktion.

Der Unkurze
22
16.3.2011, 09:22

Das hat mit Maschinenbau aber nur sehr entfernt zu tun... daher geht die Argumentations ins leere.

Mit Maschinen sind dinge gemeint wie Fräsen, Drehbänke, Roboter, Handlingmaschinen, Förderbänder, Spritzgußanlagen...
Also Geräte die in erster Linie dazu dienen, Produkte wie den Rasierer herzustellen. Bei deren Design gehts nicht um aussehen sondern rein um Funktionalität und Kosteneffizienz.
Die Schnittstellen/Interface von denen gesprochen wird, sollen in erster linie zu einer guten (eindeutig, klar Strukturiert, ergnonomisch etc) Bedienung, einer hohen Sicherheit sowohl für Mensch als auch Maschine führen.

Was will ich damit sagen? Das Beispiel mit dem Rasierer ist komplett unbrauchbar. Versuchen sie selbiges mit einer Drehbank.

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