Bitte keine Zukunft gestalten! Nicht ihr!

  • Nach dem Begrüßungsküsschen übernimmt sie seine Tasche und den Mantel. "Die Gepäcksträgerin".
    foto: youtube/tiroler övp-frauen

    Nach dem Begrüßungsküsschen übernimmt sie seine Tasche und den Mantel. "Die Gepäcksträgerin".

  • Multitasking-Finger an den Füßen des Göttergatten...
    foto: youtube/tiroler övp-frauen

    Multitasking-Finger an den Füßen des Göttergatten...

  • ...der sich biertrinkend zurücklehnt.
    foto: youtube/tiroler övp-frauen

    ...der sich biertrinkend zurücklehnt.

  • ÖVP-Superwoman: Staubsauger, Kind, Laptop und Telefon.
    foto: youtube/tiroler övp-frauen

    ÖVP-Superwoman: Staubsauger, Kind, Laptop und Telefon.

  • Im Sprech-Chor (v.l.n.r.): Verena Steinlechner-Graziadei, Sonja Ledl-Rossmann, Resi Schiffmann, Martha Schultz.
    foto: youtube/tiroler övp-frauen

    Im Sprech-Chor (v.l.n.r.): Verena Steinlechner-Graziadei, Sonja Ledl-Rossmann, Resi Schiffmann, Martha Schultz.

Die Tiroler ÖVP-Frauen präsentieren in einem Kurz-Video ihr mittelalterliches und borniertes Rollenverständnis von Frau und Mann

Von den Tiroler ÖVP-Frauen ist frau schon so einiges gewohnt. Seit einigen Tagen allerdings kursiert - anfangs auch auf der Tiroler ÖVP-Frauen Homepage - auf Youtube ein "Imagefilm" der es in der Zeit des beginnenden Libyen-Krieges und der nuklearen Bedrohung in Japan sogar in die "Zeit im Bild 1" geschafft hat.

Der sieben minütige Film zeigt den Tagesablauf einer "ÖVP-Powerfrau". Sie ist "die Erste", die am Morgen aufsteht, während sich ihr Mann noch gemütlich auf das rechte Ohr legt und weiter schlummert. Sie ist "die Checkerin" in dem Moment, als ihr Mann ihr seine Kaffeetasse in die Hand drückt, "die Organisatorin" wenn sie das Kind in die Schule schickt. "Die Karrierefrau" im Büro, telefonierend, unterschreibend auf den Bildschirm schauend. In einem treibstoff-fressenden Geländewagen wird sie zur "Taxifahrerin", während das Kind auf der Rückbank aus unerklärlichen Gründen laut schreit.

Laptop, Bier und Sex

"Die Lehrerin" mit Laptop am Schoß, dem Kind bei den Hausübungen helfend. Den Ketchup-Fleck des Kindes mit Pflaster abklebend gibt sie "die Krankenschwester". Durch einen tröstenden Kuss auf den Kopf der Göre wird sie schließlich zur "Geduldigen", als die Tochter geschminkt vor dem Spiegel steht. Der Staubsauger darf dabei nicht fehlen und schon mutiert sie zur "Putzfrau". In vorderster Front das Laptop, dahinter dampft der Kochtopf wenn sie als "Köchin" durch die Küche fegt. Der Arbeitstag des Mannes scheint zu Ende und sie wird zur "Gepäcksträgerin". Den Müll des Alltags abladend, mit gelockerter Krawatte versteht sich, greift sie nach seinem Arm und ist "die Zuhörerin". "Die Vorleserin" sitzt am Bett der Tochter bevor sie die Rolle "der Erotischen" einnimmt.

Kamera Totale auf eine aufreißende Bluse: Ein roter Büstenhalter ist zu sehen. "Die Erotische" kniet vor dem biertrinkenden Göttergatten und krallt ihre Multitasking-Finger in seine Füße. Er lehnt sich zurück, trinkt Bier. Und schon ist sie in Laufschuhen unterwegs "weil wir dann noch aktiv sind, wenn die Männer schon schlafen". Ist er also doch eingeschlafen?

ÖVP-Frauen weil...

Bis zu diesem Zeitpunkt des Imagefilmes glaubt frau, einer großen Verarschung auf den Leim zu gehen. Nachdem aber das erste Mal das Logo der Tiroler ÖVP-Frauen zu sehen ist, wird klar, dass dahinter ernste Absichten stehen. Zumal im zweiten Teil des Filmes eben die dort ÖVP-Vereinigten ihre Berufslaufbahnen schildern und Gründe nennen, den ÖVP-Frauen beizutreten. Finalisiert wird der Film im Sprech-Chor: "Deshalb gestalten wir die Zukunft mit". In diesem Kontext wirkt das wie eine Androhung. Also: Bitte keine Zukunft gestalten. Nicht ihr!

Keine Einsicht

Was hier unter dem Deckmantel "Powerfrau" abgehandelt wird, stellt eine spröde Anordnung einer Reihe von Klischees und bornierter Rollenmuster dar. In einer Stellungnahme auf tirol.orf.at lässt die Tiroler ÖVP-Frauen-Chefin, Sonja Ledl-Rossmann, wissen, "dass es zwar viele Dinge gibt, die die Frauen nebenher leisten, aber es ist sicher nicht in der überzogenen Form, wie sie der Film zeigt". Die Einsicht, dass sie die Diskriminierung und Diffamierung von Frauen gleich selbst betreibt, fehlt ihr allerdings. Ulli Velano (Produzentin des Films) verweist wiederum darauf, dass der Film "den Startschuss zu einer Gender-Diskussion" darstellen soll. All die Rechtfertigungen zum "Imagefilm" aus Tirol sind verwässert und umschiffen die Problematik dieser Darstellungen.

Dass Frauen, die nicht in diese Schubladen gesteckt werden wollen, erzürnt sind, versteht sich von selbst. Wo aber bleiben die zornigen Männer? Wollen diese mit derartige Rollenklischees in Verbindung gebracht werden? Ist der Leidensdruck unter aufoktroyierten Zuschreibungen zu gering?

Liebe Tiroler ÖVP-Frauen, belästigt uns bitte nicht weiter mit Euren antiquierten Vorstellungen der Geschlechterrollen. Ihr verdient keine Zitrone. Für Euch soll es Zitronen regnen! (Sandra Ernst Kaiser, dieStandard.at, 21.März 2011)

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