Hemmschwelle sinkt, vor allem im Internet - Angriffe vornehmlich auf muslimische, jüdische und schwarzafrikanische MitbürgerInnen
Wien - Rassismus gegen Frauen mit Kopftuch nimmt zu. Das ist eine der wesentlichsten Schlussfolgerungen aus dem "Rassismus-Report 2010", den die Initiative "Zara" am Montag in einer Pressekonferenz vorgelegt hat. Demnach gibt es vor allem Probleme, als gläubige Muslimin einen Job zu bekommen, wenn man diesen mit Kopftuch ausüben will.
Auch Beschimpfungen im Alltag sind keine Ausnahme: "'Dreckige Polin', 'Japanische Fotze', 'Scheiß Kopftuchweib' - so und anders mussten sich im vergangenen Jahr Frauen aufgrund ihrer Herkunft oder ethnischen Zugehörigkeit beschimpfen lassen", schreiben die Zara-AutorInnen.
Wahlkampf-Konsequenzen
"Zara"-Geschäftsführerin Barbara Liegl und der Leiter der Beratungsstelle Wolfgang Zimmer sehen diese Entwicklung auch im Zusammenhang mit gezielter Politik gegen MuslimInnen. Dass durch den Wien-Wahlkampf hier zusätzliche Negativdynamik entstanden ist, wird vermutet.
Das Problem stellt sich laut Zimmer gar nicht in erster Linie durch die rassistische Einstellung von ArbeitgeberInnen. Vielmehr wollten diese oft vermeintlich negativen KundInnenreaktionen vorbeugen. Entsprechende Erfahrungen musste etwa eine Frau machen, deren Qualifikationen zwar eine Wiener Firma für Heilbedarf überzeugten, die aber nach Rücksprache mit den Filialen mit dem Argument doch nicht engagiert wurde, dass sich die KundInnen über eine Mitarbeiterin mit Kopftuch beschweren würden.
Ein weiterer Daueraufreger bleibt auch der Burkini. Das Tragen dieses stoffreichen Badeanzugs büßte eine Frau im Schwimmbad einer geförderten Wohnungsanlage mit wilden Beschimpfungen durch andere Hausparteien.
Anonyme Hass-Schriften
Überhaupt scheint laut "Zara" die Hemmschwelle bei Rassismus zurückzugehen, vor allem im Internet. Hier werde gepostet, "was das Zeug hält". Angriffe gingen gezielt vor allem auf MuslimInnen, Jüdinnen und Juden sowie SchwarzafrikanerInnen.
Letztere Gruppe hat unverändert immer wieder mit Problemen zu kämpfen, was den Zutritt zu Lokalen betrifft. Berichtet wurde von Vorfällen, wo in einer Art von Apartheid "Ausländer" nur an einem Wochentag in Bars zugelassen werden oder wo unter Hinweis auf eine bereits erfüllte "Ausländerquote" der Einlass verwehrt wird.
Vorfälle mit Exekutive
Ferner Verbesserungsbedarf erkennt "Zara" bei der Exekutive, der "ethnic profiling" sowie Anhaltungen und Personendurchsuchungen bei AusländerInnen ohne jeglichen Verdachtsmoment vorgehalten werden. So wurde ein Bildhauer nigerianischer Herkunft bei einem Aufenthalt in Oberwart von einem Hotelparkplatz aus auf die nächste Polizeidienststelle mitgenommen, um eine Kontrolle seiner Ausweise durchzuführen. Die Exekutive spricht von einer "Routineüberprüfung".
Insgesamt wurden von "Zara" im Vorjahr 745 Fälle dokumentiert, das sind rund 50 weniger als im Vorjahr. Vertreten sind dabei auch Fälle, wo ÖsterreicherInnen Opfer von Diskriminierung werden, etwa bei Beschimpfungen als "Scheiß-Österreicher" durch ausländische Jugendgruppen.
Negative Klischees gegenüber PolInnen
Eingang in den Bericht findet auch Österreichs Formel 1-Legende Niki Lauda. Dieser hatte bei einem Zweikampf zwischen dem späteren Weltmeister Sebastian Vettel und dem polnischen Fahrer Robert Kubica auf RTL gemeint: "Sebastian gegen den Polaken." Dass PolInnen hierzulande noch immer mit Negativklischeses konfrontiert sind, beweist ein weiterer Fall aus dem Kapitel Medien. Der Nachrichtensprecher einer privaten TV-Station meint angesichts der Bilder einer über einem Auto einstürzenden Mauer: "Da waren wohl polnische Arbeiter am Werk." (APA)