"Zara"-Jahresbericht 2011

Kopftuchträgerinnen bekommen Rassismus deutlich zu spüren

21. März 2011, 12:29

Hemmschwelle sinkt, vor allem im Internet - Angriffe vornehmlich auf muslimische, jüdische und schwarzafrikanische MitbürgerInnen

Wien - Rassismus gegen Frauen mit Kopftuch nimmt zu. Das ist eine der wesentlichsten Schlussfolgerungen aus dem "Rassismus-Report 2010", den die Initiative "Zara" am Montag in einer Pressekonferenz vorgelegt hat. Demnach gibt es vor allem Probleme, als gläubige Muslimin einen Job zu bekommen, wenn man diesen mit Kopftuch ausüben will.

Auch Beschimpfungen im Alltag sind keine Ausnahme: "'Dreckige Polin', 'Japanische Fotze', 'Scheiß Kopftuchweib' - so und anders mussten sich im vergangenen Jahr Frauen aufgrund ihrer Herkunft oder ethnischen Zugehörigkeit beschimpfen lassen", schreiben die Zara-AutorInnen.

Wahlkampf-Konsequenzen

"Zara"-Geschäftsführerin Barbara Liegl und der Leiter der Beratungsstelle Wolfgang Zimmer sehen diese Entwicklung auch im Zusammenhang mit gezielter Politik gegen MuslimInnen. Dass durch den Wien-Wahlkampf hier zusätzliche Negativdynamik entstanden ist, wird vermutet.

Das Problem stellt sich laut Zimmer gar nicht in erster Linie durch die rassistische Einstellung von ArbeitgeberInnen. Vielmehr wollten diese oft vermeintlich negativen KundInnenreaktionen vorbeugen. Entsprechende Erfahrungen musste etwa eine Frau machen, deren Qualifikationen zwar eine Wiener Firma für Heilbedarf überzeugten, die aber nach Rücksprache mit den Filialen mit dem Argument doch nicht engagiert wurde, dass sich die KundInnen über eine Mitarbeiterin mit Kopftuch beschweren würden.

Ein weiterer Daueraufreger bleibt auch der Burkini. Das Tragen dieses stoffreichen Badeanzugs büßte eine Frau im Schwimmbad einer geförderten Wohnungsanlage mit wilden Beschimpfungen durch andere Hausparteien.

Anonyme Hass-Schriften

Überhaupt scheint laut "Zara" die Hemmschwelle bei Rassismus zurückzugehen, vor allem im Internet. Hier werde gepostet, "was das Zeug hält". Angriffe gingen gezielt vor allem auf MuslimInnen, Jüdinnen und Juden sowie SchwarzafrikanerInnen.

Letztere Gruppe hat unverändert immer wieder mit Problemen zu kämpfen, was den Zutritt zu Lokalen betrifft. Berichtet wurde von Vorfällen, wo in einer Art von Apartheid "Ausländer" nur an einem Wochentag in Bars zugelassen werden oder wo unter Hinweis auf eine bereits erfüllte "Ausländerquote" der Einlass verwehrt wird.

Vorfälle mit Exekutive

Ferner Verbesserungsbedarf erkennt "Zara" bei der Exekutive, der "ethnic profiling" sowie Anhaltungen und Personendurchsuchungen bei AusländerInnen ohne jeglichen Verdachtsmoment vorgehalten werden. So wurde ein Bildhauer nigerianischer Herkunft bei einem Aufenthalt in Oberwart von einem Hotelparkplatz aus auf die nächste Polizeidienststelle mitgenommen, um eine Kontrolle seiner Ausweise durchzuführen. Die Exekutive spricht von einer "Routineüberprüfung".

Insgesamt wurden von "Zara" im Vorjahr 745 Fälle dokumentiert, das sind rund 50 weniger als im Vorjahr. Vertreten sind dabei auch Fälle, wo ÖsterreicherInnen Opfer von Diskriminierung werden, etwa bei Beschimpfungen als "Scheiß-Österreicher" durch ausländische Jugendgruppen.

Negative Klischees gegenüber PolInnen

Eingang in den Bericht findet auch Österreichs Formel 1-Legende Niki Lauda. Dieser hatte bei einem Zweikampf zwischen dem späteren Weltmeister Sebastian Vettel und dem polnischen Fahrer Robert Kubica auf RTL gemeint: "Sebastian gegen den Polaken." Dass PolInnen hierzulande noch immer mit Negativklischeses konfrontiert sind, beweist ein weiterer Fall aus dem Kapitel Medien. Der Nachrichtensprecher einer privaten TV-Station meint angesichts der Bilder einer über einem Auto einstürzenden Mauer: "Da waren wohl polnische Arbeiter am Werk." (APA)

Der Ruhestifter
 
01
10.6.2011, 01:54
Kopftuch, springerstiefel, ...

oder auch: uniformen schlagender verbindungen: alles symbole von weltanschauungen, die ich verabscheue. Und mit irgendwelchen rassischen aspekten hat das nichts, aber auch gar nichts, zu tun. Haut- haar- oder augenfarbe sind mir völlig gleichgültig.

Vielleicht sollte irgendwer den zara-leuten sagen, dass rassismus etwas mit 'beurteilung von menschen aufgrund der zuordnung zu einer rasse' zu tun hat? Und dass das nicht einfach dasselbe ist wie 'ablehnung eines menschen aufgrund eines verhaltens', selbst wenn das verhalten unter den angehörigen manchen ethnischer gruppen häufiger als bei anderen zu finden ist.

Koinoentität
04
21.3.2011, 18:13
Ein unglaubwürdiger Verein

Das Einbeziehen von Religion und Bauernkultur in den Rassismus-Begriff ist eine gängige Art zu trollen.

Wir dürfen diese Provokation auch noch zu einem Drittel selbst bezahlen.

gracchus l'ouverture
30
21.3.2011, 19:19
Rassismusbegriff

muss angepasst werden, wenn er noch einen Sinn haben soll. Warum soll man denn den Glauben an aus eingebildeten körperlichen Dispositionen hervorgehenden sozialen Eigenschaften nicht gleichsetzen mit dem Glauben an eingebildete "kulturelle" Dispositionen, aus denen irgendwelche soziale Eigenschaften hervorgehen würden? Beides nicht sichtbar, beides willkürlich (man betrachte den "vollee" Wechsel von Ausländer/Türke zu Moslem), beides mit demselben Ergebnis - partieller Ausschluss aus den Bürgerrechten.

Christoph Karl Steininger
02
21.3.2011, 18:01
Was oder wer sind Pollnnen?

Das geschlechtsneutrale "Polen" scheint mir hier besser als das obige Wortungetüm!

Optimistin1951
14
21.3.2011, 17:40
Probleme bei Jobsuche mit Kopftuch

Ich vermisse eine genaue Analyse der Ablehnungen wegen Kopftuchtragens. Um welche Art von Arbeit handelt es sich? Es gibt Berufe und auch Firmen, in denen eine bestimmte Arbeitskleidung vorgeschrieben ist. Wer dies nicht akzeptiert, kann dort nicht arbeiten- auch wenn es sich um andere Kleidungsgewohnheiten als ein Kopftuch handelt.
Zu klären ist auch, ob bestimmte religiöse Sitten den Arbeitsablauf stören.

Erst wenn dies alles herausgerechnet ist, kann man die Häufigkeit von Rassismus - der abzulehnen ist- beurteilen.

Mit globalen Anschuldigungen schadet man eher der Sache. Notwendig sind objektiv nachvollziehbare Analysen und Dokumentationen der Einzelfälle.

King Of Wörschtlständ
00
27.7.2011, 00:33
Se san ja a begnadete und hingegebene Erbsenzählerin...

... die Gefahr läuft, den Wald vor lauter Bam net zu segn.
Mant unser blader Franz zu Ihnern Posting und macht es kurz und bündig.
Bis hunderte Gutachten und Gegengutachten sich aneinander stumpf gfochten ham, veergehn 20 Jahr, bis endlich Ihner objektiv berechnets Ergebnis da is. Und des is dann aa nimmer objektiv, weil sie in der Zwischenzeit dreimal de Referenzsysteme geändert ham.
Und die Frauen mit de Kopftüchln ham immer no kan Job. Brauchen wohl a kaan, solange net alles ordentlich ausgmessen und ausgrechnet is, oder? Und de Rassisten? Wurscht, solange sie net auf der Apothekerwaag abgwogn worn san.
I glaub, Se wolln de Sache ewig dahinziagn bis es nur mehr Rassisten gibt und niemand mehr da is, der sie mitn Millimeterpapier ausmesse

Robert Jaritsch
09
21.3.2011, 16:01
Der Nachrichtensprecher einer privaten TV-Station meint angesichts der Bilder einer über einem Auto einstürzenden Mauer: "Da waren wohl polnische Arbeiter am Werk."

Der hat ja keine Ahnung. Das waren wenn, dann russische Arbeiter. Pfusch ist immer russisch...

Mah, und *sowas* findet Eingang in einen Diskriminierungsbericht? Wirklich?

Brauchen Sie da eine Selbstbestätigung, weil's sonst nix zu berichten gibt? Das wäre ja schön, nur glaub' ich das halt nicht ganz...

sündenfool
11
21.3.2011, 15:36

die zahl der kopftuchträgerinnen steigt. die zahl der (gefühlten) diskriminierung wegen des kopftuchs steigt. das passt überhaupt nicht zusammen.

wie werden jüdinnen diskriminiert? wegen ihrer perücken oder wegen der knielangen schwarzen röcke? oder generell wegen der religion?

sobald mehr migrantInnen in der polizei unterkommen, werden die diskriminierungen bestimmt aufhören.

buena1vista1
40
21.3.2011, 14:33
Hr. LAUDA

ist schon lange nicht mehr gesellschaftsfähig. Eine Frechheit, dass er trotzdem zu allen Themen gefragt wird bzw. seinen Senf dazugeben muss.

Auch die homophoben Äußerungen im Bezug auf A. Haider ... hier müsste mal wer sagen STOP, so geht es nicht weiter ....

Aber solange es Firmen gibt, die ihm sogar Kohle für Werbung nachschmeissen, wird sich nix ändern.

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