Aus für die AUF

"Was, wenn ich zur Feder greifen will?"

24. März 2011, 07:00
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    foto: privat

    "Arbeit bleibt, AUF Hört auf", stand im Editorial der 149. AUF. Eva Geber war 35 Jahre dabei.

Die älteste Frauenzeitschrift "AUF" musste das Aus verkünden - Nach 36 Jahren und 150 Ausgaben heißt es "Arbeit bleibt, AUF Hört auf"

Letztes Jahr um diese Zeit stand das große Jubiläum von Österreichs ältester feministischer Zeitschrift ins Haus. Im Mai wurde im Rathaus ein rauschendes Fest mit hunderten Frauen gefeiert um 36 Jahre "AUF. Eine Frauenzeitschrift" und ihre engagierten Autorinnen und Redakteurinnen zu ehren. Fast ein Jahr später wurde in der 149. Ausgabe, die das Thema 100 Jahre Frauentag zum Schwerpunkt hat, das Aus der AUF verkündet. Ausgerechnet zu diesem großen Jubiläum fällt jene Publikation, die die Frauenbewegung Jahrzehnte begleitet hat, sehr dünn aus. Im Editorial wurde der Entschluss zum Aufhören mit "prekären Arbeitsverhältnissen", "wenig Zeit und Energie" und auch damit begründet, dass die Frauen, die schon lange dabei sind, einfach "müde sind".

dieStandard.at sprach mit einer, die wirklich schon lange dabei ist. Seit 35 Jahren ist Eva Geber für die AUF im Einsatz. Sie erzählte im dieStandard.at-Interview mehr über die schwierige Lage, die die AUF-Frauen zu diesem Entschluss bewog und über ihre persönlichen Höhepunkte in 35 Jahren AUF.

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dieStandard.at: Frau Geber, Sie sind zur AUF schon kurz nach ihrer Gründung vor 36 Jahren gestoßen – warum kommt nun nach so langer Zeit das Aus?

Eva Geber: Ich habe schon vor anderthalb Jahren eine Warnung von der Gesundheitsfront bekommen, dass ich so nicht mehr weitermachen kann. Bis zu dem Zeitpunkt sind Endredaktion und auch das Layout meistens an mir gehangen und ich habe die anderen gebeten, die redaktionellen Tätigkeiten größtenteils zu übernehmen. Dann haben zwei jüngere Kolleginnen ein Projekt geplant, in Jugendzentren junge Frauen anzuwerben, um in die AUF reinzuschnuppern, mitzuarbeiten und mitzudiskutieren, was sehr schön gewesen wäre. Daraus ist aber nichts geworden. Die beiden erwähnten Frauen wollten damit auch eine Halbtagsstelle verbinden, was leider nicht geklappt hat.  Daraufhin konnten die beiden nicht mehr weitermachen. Und die zweite wichtige Säule seit ein paar Jahren neben mir, Britta Cacioppo, ist jetzt größtenteils im Ausland. Eigentlich waren es immer nur zwei Säulen.

dieStandard.at: Sie meinen damit Frauen, die sich auch um organisatorisches und Büroarbeit gekümmert haben?

Geber: Ja. Es war ja nie ein Problem Autorinnen zu bekommen. Über die Jahre haben über hundert Frauen in der AUF-Redaktion gearbeitet, sie schrieben Artikel, diskutierten mit und brachten frischen Wind in die Redaktion, gingen aber dann irgendwann wieder. Die redaktionelle Knochenarbeit habe ich sehr stark getragen, zusammen mit jeweils ein, zwei Frauen, die ebenfalls die Herausgabe getragen haben. Für die Büroarbeit haben wir eine geringfügig Beschäftigte gehabt, sie musste die Arbeit aber aufgrund eines AMS-Kurses aufgeben.

dieStandard.at: Von den Gründerinnen ist keine mehr dabei?

Geber: Nein, die blieben nur ein oder zwei Jahre. Ich bin keine Gründerin, ich bin ein Jahr nach der Gründung zur AUF gestoßen, ich habe mein halbes Leben für die AUF ehrenamtlich gearbeitet.

dieStandard.at: Es muss doch schon öfters Situationen gegeben haben, in denen das Weiterarbeiten auf der Kippe stand, oder?

Geber: Ja, das gab es schon öfters. Es waren aber zumindest immer drei Frauen da, die das auffangen konnten. Vor ein paar Jahren gab es eine ernste Krise, die mich sehr erschüttert hat. Wir fanden keinen Konsens mehr und unsere Entscheidungsfindung war sehr beeinträchtigt. Das hat uns fast zerrissen.

dieStandard.at: Sie haben im Editorial der aktuellen Ausgabe geschrieben, die "Medien haben sich verändert". Inwiefern? In Österreich tut sich in Sachen feministische Publikationen einiges.

Geber:  Ja, wir haben gewaltig viele Frauenzeitschriften, auch wenn hin und wieder eine eingeht. Aber einige halten sich schon sehr lange. Genauso wie es überproportional viele tolle Autorinnen gibt für so ein kleines Land. Innerhalb der Frauenbewegung sind einfach sehr viele schöpferische und kreative Frauen zugange. Diese Vielfalt ist toll. Marlene Streeruwitz hat mal ein feministisches Medienrestlessen vorgeschlagen: Alle gehen zusammen und machen gemeinsam eine größere feministische Zeitung. Das haben wir zwar angedacht, aber letztlich haben alle gemeint, dass das unmöglich sei. 

dieStandard.at: Im Editorial steht auch, die Rezeption und der Nachwuchs hätte sich verändert.

Geber: Die älteren Abonnentinnen sterben glatt aus, oder sie haben in der Pension nicht mehr so viel Geld für mehrere Abos. Da gibt es einen deutlichen Rückgang und die neuen und jüngeren Abonnentinnen kennen uns nicht, das wollten wir eben mit solchen Projekten ändern, wie eben in Jugendzentren gehen.

Wir haben immer auch viele junge Mitarbeiterinnen gehabt, die hier auch viel gelernt haben – vom Layout bis zum Reden halten. Viele haben sich natürlich dann einfach ihren Jobs widmen müssen und hatten dann keine Kraft mehr. Ich hab nebenbei bis vor eineinhalb Jahren sicher um die 20 Stunden pro Woche für die AUF gearbeitet. Engagement ist zwar etwas anderes als ein Hobby, aber ich hab das ebenso gern gemacht.

dieStandard.at: Hat die AUF kontinuierlich Förderungen bekommen?

Geber: Außer einer Publizistikförderung hat die AUF selber nichts bekommen, wir haben neben der Zeitschrift noch einen Verein, für den wir für Kulturveranstaltungen Förderungen beantragt haben. Was über die Veranstaltungen für unsere Organisationsarbeit reinkam, wurde der AUF gespendet. Zu diesen Veranstaltungen haben wir immer prominente Frauen wie Ruth Klüger, Frigga Haug oder Marlene Streeruwitz eingeladen, diese Veranstaltungen haben natürlich auch immer Zusatzarbeit bedeutet.

dieStandard.at: Wodurch haben sie die meiste Unterstützung für die Arbeit an der AUF bekommen?

Geber: Das Wichtigste waren da immer die Leserinnen, ihr Feedback oder das Nachbestellen von den Heften – wir haben ja immer Schwerpunktausgaben. Wichtig und aufbauend war auch, wenn wir bekannte Frauen angefragt haben, ob sie zu einem bestimmten Thema was schreiben wollen und diese dann meinten, dass sie sich geehrt fühlen. Die Zeitschrift hat ein sehr gutes Renommee. Dass die AUF von Anfang an "eine" Frauenzeitschrift hieß, und so auch auf die Vielfalt verwies und eine dienende Plattform für die diversen Darstellungen von Feminismus bot, war wesentlich für das Heft. Die Vielfalt des Diskurses war uns immer wichtig. Ich wurde oft auf Demos oder sonst wo von Frauen angesprochen, die meinten: Ihr habt das und das geschrieben, aber das kann man doch nicht einfach so sagen – das wurde doch nicht abgestimmt! (lacht) Es sollten eben die verschiedenen Meinungen abgebildet werden.

dieStandard.at: Was war für Sie der Höhepunkt bei der AUF-Arbeit der letzten 35 Jahre.

Geber:  Das waren für mich die beiden Sonderhefte zum Jahr 1938, die haben sich auch bis Deutschland herumgesprochen. 1988 ist das erste erschienen, also 50 Jahre nach Kriegsbeginn. Wir wollten in diesen Sonderheften nicht nur Opfern und Widerstandskämpferinnen Platz geben, sondern wir wollten auch Täterinnen und Mitläuferinnen sprechen lassen. Die haben uns allerdings die Tür vor der Nase zugeknallt. Wir hatten im ersten Sonderheft dann viele Interviews mit Widerstandskämpferinnen und auch mit Frauen, die überhaupt das erste Mal davon erzählt haben. Ein Jahr später haben wir für das zweite Sonderheft doch die Antworten der Mitläuferinnen bekommen. Für manche war es auch eine Katharsis und sie haben dann ihr Leben geändert, manche meinten über den Nationalsozialismus, dass es auch etwas Gutes gab – also es war in diesen beiden Ausgaben alles drinnen. Das Heft brachten uns besonders stark dahin, darüber nachzudenken, wie wir selber gehandelt hätten.

dieStandard.at: Welche feministischen Medien lesen Sie persönlich? Wenn es die AUF nicht mehr gibt, werden Sie sicher noch mehr in anderen Zeitschriften lesen.

Geber: Jetzt kommt der Finger in die Wunde, ich hab da ja meine ganze Kreativität reingelegt. Was, wenn ich unbedingt zur Feder greifen will? Aber es gibt einige gute Zeitschriften: Die an.schläge, die Frauensolidarität und es gibt auch andere Medien, wo Platz für Feminismus ist, wie etwa die Malmoe. Ich werde mich noch umschauen müssen, bis jetzt fehlt mir für mein Herzblut eine Zeitschrift, in der, wie in der AUF, ausführlich Platz für Reflexion und gründliche Auseinandersetzungen ist. (Die Fragen stellte Beate Hausbichler, dieStandard.at, 24.3.2011)

Info

Die AUF wird noch ein 150. Mal erscheinen. Alle Hefte, wie etwa die Sonderhefte zu 1938, können unter AUF - Einefrauenzeitschrift bestellt werden.

Link

AUF - Einefrauenzeitschrift

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19 Postings
Verdammt Coole Schreckschrauwe
00
31.3.2011, 15:14
Hallo SIC!, WO BIST DENN DU HIN VERSCHWUNDEN, so klammheimlich

Amy4
01
25.3.2011, 00:13

schönes video mit eva geber - aktion unabhängiger frauen - zum 8. wiener frauenpreis 2009 AUF /

http://www.youtube.com/watch?v=FwbxMTbel5E

Frauenpower
44
24.3.2011, 22:15
Ministerinnen und Parlamentarierinnen

... her mit der Kohle! Subito!
Da hat die AUF seit 36 Jahren den Boden beackert, um Österreich feministischer und weniger sexistisch zu machen. Ohne AUF würdet ihr vielleicht noch immer hinter Männern anstehen und Kaffee kochen.
So geht das nicht: davon zu sprechen, dass man für Frauen sei - und dann die AUF eingehen lassen.
Also: Geldbörse auf - aber rasch, bitte!
Wir wollen AUF weiterleben sehen!

Nennt mich Loretta
 
22
25.3.2011, 08:14
Worauf hinaus?

Wir leben nicht in einer Planwirtschaft. Wenn Sie dieses Blatt am Leben halten wollen, sollten Sie es selbst abonieren und eventuell aus PRIVATEN Mitteln unterstützen. Es ist nicht Aufgabe des Staates Zeitschriften zu subventionieren, die halt Ihre persönliche Weltanschauung vertreten.

Das sollte übrigends auch für Massenmedien gelten.

Verdammt Coole Schreckschrauwe
00
31.3.2011, 15:11
Na, du Typ, regst Dich bei der Subventionierung (Presseförderung) der Krone auch so auf?

Nennt mich Loretta
 
10
So lang und kompliziert war mein Posting nun auch wieder nicht.

"Das sollte übrigends auch für Massenmedien gelten."

Wie siehst Du das, Typin? ;-)

Amy4
22
25.3.2011, 10:44
frauenprojekte/-einrichtungen müssen auch subventioniert werden anstatt mit kürzungen zu belasten

ich finde diese feministischen publikationen wichtig - sie helfen mit aufzuklären über die situation der frauen weltweit, über den herrschenden sexismus, diskriminierungen, gewalt-, macht- , autoritätsmissbrauch i.d. lebens- und arbeitswelt - und geben antworten darauf. es geht hier nicht um eine sog. Persönliche `weltanschauung ` sondern um ein politische auseinandersetzung , d.h. auch die abkehr und überwindung patriarchaler, kapital. denk- und verhaltenslogik, die uns alle schadet.
"..ohne die eigene geschichte ist uns frauen die möglichkeit einer kollektiven identität u. eines historischen selbstbewusstseins abgeschnitten, denn jede frau ändert sich, wenn sie erkennt, dass sie eine geschichte hat" gerda lerner, fem. forscherin

Nennt mich Loretta
 
10
Wie gesagt....dann subventionieren SIE.

Der Staat hat andere Aufgaben als unser aller Steuergeld für Zeitschriften fließen zu lassen, die bestimmte Ihnen genehme Ideologien verbreiten.

Wenn es für Frauen tatsächlich so wichtig ist, aufgeklärt zu werden, dann wird es wohl nicht zuviel verlangt sein, dieses Produkt kostendeckend über den Preis zu finanzieren.

Wem, was, wie wichtig ist, lassen wir die Menschen immernoch am besten selbst entscheiden.

Wastl Steinbeisser
34
24.3.2011, 22:03
Frauenzeitschriften, welche die Frauen wirklich ansprechen:

Brigitte, Tina, Goldenes Blatt, Wummen.....haben keine Existenzsorgen. Behandeln ja auch wichtige Frauenthemen, wie Mode und Styling, Astrologie, Problemzonen, Keksrezepte und königliche Hochzeiten.

Amy4
13
25.3.2011, 01:30

"...haben keine existenzsorgen" - in der tat, gruner & jahr und die bauer media group haben weniger existenzsorgen - hier sind die genannten frauenzeitschriften nur ein teil des riesigen angebotes an zeitschriften. aber die dt. bild-zeitung darf sich eines hohen männl. kundenstammes erfreuen / ca. 70 % der leserInnen sind männer - und was die porNOindustrie in ihrer medialen angebotsauswahl betrifft, auch da herrscht eine satte , über 90 %ige männerquote. frauen lesen anders, brigitte und tina so nebenbei....

Verdammt Coole Schreckschrauwe
01
31.3.2011, 15:13
diese Zeitungen sind doch nur Container für die viele Werbung, die dort abgedruckt und

auf die Frauen als Konsumentinnen losgelassen wird.
Purer Kommerz und ein bissl was zum Lesen und viele Büterln, eh immer und immer wieder derselbe Schmarren

roundabout
00
24.3.2011, 17:56
Das Auge Gottes Kino

hat auch zugesperrt.

sündenfool
00
25.3.2011, 00:02

darüber hat man schon vor einer woche berichtet.

Eva Geber
03
24.3.2011, 17:13
2 Feedbacks & 1 Berichtigung

Feedback 1: Jetzt kommen Bestellungen für AUF-Hefte ein. Ein melancholisches Danke ...
Feedback 2: ... und manche wünschen sich ein feministisches Wunder: die AUF soll weiter erscheinen. Dann müssten aber welche übernehmen.
Berichtigung: Das Heft "AUF hört auf" war die Ausgabe Nr. 152. Das letzte Heft (Wunder ausgenommen) wird Nr. 153 sein und wird einen fulminanten Überblick auf Status quo und Zukunft feministischer Arbeit geben.
AUF zur Bestellung!
Eva Geber

rosa1
00

Feedback3: Danke für so viele kluge, bunte, feministische Zeitungen! Das habt ihr gut gemacht (und ich gerne gelesen)

Amy4
43
24.3.2011, 14:11
frauensolidarität - frauen kämpfen weiter - besitzen eine starke internetpräsenz

schade - diese feministinnen zeigten ein starkes ehrenamtl. engagement - frauen geben nicht auf! vieles verteilt sich auch auf die enorme internetpräsenz an feminist. webseiten, fraueninitiativen -angefangen von `frauensolidarität, femina politica, wir frauen, irrsinn, emma, courage/digitalisiert , aviva , dieStandard = wunderbar.
junge frauen können viel lernen von engagierten, älteren feministinnen - radik. feminismus ist ein weg des werdens v. frauen "wissen a.d. vergangenheit, erfahrungen d. gegenwart, hoffnungen, visionen f.d. zukunft" /M.D.

1oo1 frauenadressen / zeitschriften / webseiten
http://www.emma.de/service/1... essen-a-g/
http://www.frauennews.de/themen/me... /liste.htm

Der unglaubliche Bert
73
24.3.2011, 15:03
Junge Frauen wollen wissen, wie man einen Mann abkriegt ...

bluebeard's 8th wife.
01
28.3.2011, 07:30

brav getroll, bubi.

Der unglaubliche Bert
46
24.3.2011, 13:01
Warum wird kein Mann eingestellt?

Junge Frauen haben jedenfalls keinen Grund dorthin zu gehen.

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