GynäkologInnen sollen Vorsorgemedizin pauken

24. März 2011, 12:02
  • Österreichs GynäkologInnen rüsten in Sachen Vorsorge nach.
    foto: apa/fohringer

    Österreichs GynäkologInnen rüsten in Sachen Vorsorge nach.

"Wirklich fundiertes Wissen im Studium nicht unterrichtet": ÄrztInnen setzen verstärkt auf Früherkennung, Beratung und nicht-hormonelle Methoden

Wien - Die österreichischen niedergelassenen GynäkologInnen wollen sich in Zukunft intensiver um die Vorsorgemedizin kümmern. Dazu gibt es bereits in nächster Zeit einen Kurs für Ärztinnen und Ärzte. "Wirklich fundiertes Wissen über Präventivmedizin wird im Studium nicht unterrichtet", sagte Michael Elnekheli, Obmann des Berufsverbandes der Österreichischen GynäkologInnen, am Donnerstag bei einem Pressegespräch in Wien.

Keine Stellungnahme zu Mammographie-Programm

Allerdings: Auf der anderen Seite will sich der Berufsverband vorerst nicht in den Diskussionen rund um das geplante Mammakarzinom-Screeningprogramm in Österreich engagieren, meinte Elnekheli. Derzeit gibt es harte Auseinandersetzungen über den Umfang und die Organisation des Früherkennungsprogrammes zwischen dem Hauptverband der Sozialversicherungsträger und den RadiologInnen - speziell über die Zahl der vorgesehenen Untersuchungsstellen und die neben der Röntgen-Mammografie oft zusätzlich verwendeten Ultraschalluntersuchung. Der Standesvertreter: "Dazu haben wir keine Stellungnahme."

IVF und Hormonbehandlungen brennende Themen

Diskutiert wird unter den Gynäkologinnen und Gynäkologen aber sehr wohl die Frage, wie man Mehrlingsschwangerschaften und Frühgeburten bei In-vitro-Fertilisierungen bzw. Hormonbehandlungen verhindern könnte. Die Wiener Gynäkologin Doris Gruber: "Mehrlingsschwangerschaften nehmen zu. (...) Hier sind eine Stellungnahme und ein einheitliches Vorgehen notwendig." Von ExpertInnen wird derzeit auch für Österreich eine bindende Regelung mit Begrenzung der Zahl der bei der IVF implantierten extrakorporal befruchteten Eizellen gefordert. Der St. Pöltener Kinderarzt Karl Zwiauer: "Wir sind hier die Leidtragenden. Wir haben eine steigende Rate der Frühgeburten. (...) In den skandinavischen Ländern sinkt die Frühgeburtrate dramatisch." Die finanziellen Rahmenbedingungen (Finanzierung der IVF durch einen öffentlichen Fonds, Anm.) hätte hier eine nachteilige Wirkung.

Homöopathie und nicht-hormonelle Methoden...

Zunehmend auf nicht-hormonelle Methoden setzt man bei den GynäkologInnen in der Betreuung von Frauen mit Zyklusstörungen. Lebensstilberatung und eventuell homöopathische Präparate mit Pflanzenextrakten (z.B. Mastodynon) kommen dort zum Einsatz, wo früher praktisch automatisch zur "Pille" gegriffen wurde. Eventuell nachteilig auf die Knochendichte wirken sich die niedrig dosierten oralen Kontrazeptiva aus, welche besonders jungen Mädchen verschrieben werden. Auch hier können nicht-hormonelle Verhütungsmethoden eine gute Alternative darstellen. Dazu gehört neben dem Kondom vor allem die Spirale. Auf diesem Gebiet gibt es mit "Gynefix" seit kurzem eine "Minispirale" für Frauen, die noch keine Kinder hatten.

...bis hin zu Ernährungstipps

Auf gesunde Ernährung mit ausreichend Omega-Fettsäuren sollten Schwangere achten. Zwiauer: "Eine Studie mit der Befragung von 12.000 Frauen über ihre Ernährungsgewohnheiten hat gezeigt, dass je mehr Fisch gegessen wurde, desto höher der verbale Intelligenzquotient ihrer Kinder war." Kein Fisch bedeutete ein um 48 Prozent höheres Risiko für einen niedrigeren verbalen IQ. Der Pädiater: "Frauen im gebärfähigen Alter sollten ein bis zwei Portionen Seefisch pro Woche zu sich nehmen." Geht das nicht, wäre auch eine Supplementierung mittels entsprechender Präparate in Erwägung zu ziehen. (APA)

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