Und noch eine Geschichte voller Missverständnisse

Birgit Tombor
29. März 2011, 07:00
  • Am laufenden Band Missverständnisse: Die Quote ist keine Entwicklungshilfe für die zurückgebliebenen Frauen, sondern für die Herrschaften in den Chefetagen.
    foto: derstandard.at/ursula schersch

    Am laufenden Band Missverständnisse: Die Quote ist keine Entwicklungshilfe für die zurückgebliebenen Frauen, sondern für die Herrschaften in den Chefetagen.

Bei sogenannten Frauenthemen kommt so mancher nicht mit: Die Quote stellt keine Ausnahme dar, wie jüngste Aussagen des Personalchefs von T-Mobile Österreich zeigen

Warum braucht es eine Frauen- und keine Männerquote? Weil die Frauen auch nach 2000 Jahren nicht anders geschafft haben und die Männer schon. So simpel lässt sich die Erklärung des Personalchefs von T-Mobile Österreich, Joachim Burger, an, wenn es um die Entscheidung des Konzerns geht, warum nun Frauen gezielt in die ChefInnen-Etagen geholt werden. Die Sinnhaftigkeit dieser Maßnahme stellt er nicht in Frage: Weil gemischte Teams halt besser funktionieren, zum Segen der Firma.

Die österreichische Tochter muss sich hier nach der deutschen Mutter richten: Die hat sich die verpflichtende Frauenquote einer entsprechenden Gesetzgebung vorauseilend bereits selbst auferlegt. Für ein privates Unternehmen äußerst fortschrittlich, traut sich die Politik doch binnen der nächsten Jahre mit dieser Forderung nur an staatsnahe Betriebe heran. 30 Prozent der Führungsposten bei T-Mobile sollen also bei vergleichbarer Qualifikation an weibliche Mitarbeiter gehen, und das Ziel ist schon jetzt annähernd erreicht. Mit Stand Frühjar 2011 arbeiten 28,5 Prozent Frauen in den mittleren und oberen Etagen.

Naturgesetze herrschen nicht im Vorstand

Ein Förderinstrument ist die Quote allemal. Das steht außer Frage. Dass bei Aussagen wie der von Burger jedoch schnell mit biologistischen (Vor)Urteilen aufgezeigt wird, auch. Die weibliche Natur ist, wie wir spätestens seit der "Geschichte der Menstruation" wissen, eine "Geschichte voller Missverständnisse". Die Quote schert hier als anscheinendes Frauenthema nicht aus. Sie ist nicht so (leistungs)stark wie Er. Ihr fehlt Verständnis für Technik, Wirtschaft und überhaupt Männersachen. Sie hat es von sich aus nicht geschafft, aufzuholen. Dafür ist Sie besser im Zuhören, aber nicht so wie Er im Machen. Naturgesetz quasi, Schwerkraft und so.

Das Dilemma bei den zugeschriebenen Annahmen, die (Un)Fähigkeiten der Frauen adressierend, ist die Abwertung von weiblichen Fähigkeiten. Was Frauen erlernt haben über Jahrtausende der Aufgabenteilung, zählt nicht so viel wie das, was Männer aus den Strukturen geholt haben. Die Menschheitsgeschichte aber ist eine Geschichte voller Entwicklungen, von denen die Hälfte bislang nur allzu oft unter den Tisch gekehrt wurde. Das, wenn man schon in den biologistischen Derivaten nach Argumenten fischt, bitte nicht vergessen. Nix mit unveränderlich, Evolution und so.

Nach- statt Entwicklungshilfe

Die Quote braucht es also nicht, damit Frauen, wie zarte Pflänzchen vom wohlwollenden Gärtner ins Monokultur-Beet gesetzt, die Wirtschaftslandschaft bunter machen (wie der Deutsche Bank-Chef Ackermann meinte). Und schon gar nicht, weil Frauen Entwicklungshilfe - wie bei Burger anklingt - nötig haben. Aber die Herrschaften in den patriarchalen Organisationen brauchen die Quote als Nachhilfe: Damit auch sie verstehen, dass die Welt keine unerbittliche Zuteilung in weibliche und männliche Aufgaben ans jeweilige Geschlecht braucht und Qualifikation nicht am Geschlecht festzumachen ist. (bto/dieStandard.at, 29.3.2011)

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Ein bisschen ist es aber auch wie bei König und Kaiser

von Gottes Gnaden. Du wirst reich in einer vorteilhaften Position geboren. Menschen in der Vergangenheit haben die Welt zu deinem Vorteil geschaffen und verändert. Du musst jetzt gar nicht so gut sein und trotzdem fällt dir alles in die Hände. Wer zahlt schafft an, die anderen träumen von Demokratie. Der Mann geht arbeiten und bringt das Geld nach Hause. Die Frau kümmert sich um Haushalt und Kinder, unbezahlt. Ihr steht(eigentlich)das halbe Einkommen zu aber sie ist auch abhängig. Diese Rollenverteilung stammt aus Zeiten, als die Arbeit noch körperlich anstrengender war und die Kinder die Altersvorsorge darstellten. Frauen hatten schlicht keine Zeit, neben den Schwangerschaften noch vollzeit zu arbeiten. Aber die Zeiten haben sich geändert.

Nicht jede Frau möchte zu Hause bleiben

Die Arbeit ist oft nicht mehr so hart, die Altersvorsorge ist Geld, Kinder gibt es nicht mehr jedes Jahr. Die Rollenverteilung ist aber immer noch da. Die Familien sind nicht mehr so fest wie früher. Immer mehr Frauen müssen arbeiten und werden dafür schlechter bezahlt als männliche Kollegen. In Führungspositionen sind Männer, die eher ihren Freunden einen Job geben. Burschenschaften machen sich die Zukunft aus. Schwangerschaften wirken sich auf den Gehalt und auf die Pension aus. Frauen sind immer in Gefahr schwanger zu werden und werden auch deshalb nicht so gerne eingestellt. Frauen brauchen eine Chance sich in der heutigen Zeit zu beweisen. Solange sie das nicht konnten, werden wir nie wirklich wissen, wer recht und wer Unrecht hat.

Das bevorzugte Geschlecht...

...wurde in den sicheren Tod geschickt. Immer wieder. Wenn es so dominant Frauen unterdrückt, warum genau hat der Mann die Frauen nicht an die Fronten geschickt? Kanonenfutter wären sie allemal, und biologisch nachweisbar nicht schlechter geeignet um ein Gewehr/Schwert zu halten oder im Schlamm zu warten bis sie einen Fremden töten müssen. Derweil hätten sie daheim saufen können und ihr Macht zelebrieren - anstatt zu verrecken.
Die Erwerbstätigkeit in Abhängigkeit von einem Chef war immer eine Notlösung für Arme, kein Lebenskonzept - und Frauen haben nun erreicht, dass auch sie wie der Mann, keine Wahl mehr haben: Hackeln oder verhungern. Wer ums Überleben hackelt aber kann sich nicht um Kinder kümmern.

Außerdem gibt es heute...

...keinen Zwang, Kinder zu bekommen. Niemand muß. Es ist ein privates Vergnügen, meistens um das individuelle, private Ego zu befriedigen - wie etwa einen Lebenssinn finden oder jemanden bedüddeln wollen. Niemand sagt "ich MUSS Kinder bekommen" sondern jeder sagt "ich WILL ein Kind". Es ist ein Wunsch. Aber Wünsche erfordern Einsatz. Ich kenne mehr Frauen, die ihre Männer verlassen haben, weil er KEIN Kind wollte, als Männer die ihre Frauen verlassen haben, weil diese kein Kind wollte. Wenn eine Familie zur Selbstverwiklichung dazu gehört, dann muss man auch die Energie einsetzen. Entweder, indem man selber daheim bleibt, oder, für jemanden zahlt, der das tut. Und Lebenserhaltungskosten sind nie gratis.

Wenn eine Frau...

...Karierre machen möchte, und dennoch eine Familie. Für diese aber lieber nur zahlen, der Mann soll zu Hause bleiben bei den Kindern - dann muss sie sich auch einen entsprechenden Mann suchen. Dann kann sie keinen Mann wollen, der sie finanziell unterstützt, sie auf Dates einlädt, der sie bei sich wohnen lässt... sondern dann muss sie sich einen suchen, der keinen Karierrewunsch hat, sich auch gerne aushalten lässt und lieber Kinder Wickelt als dem Chef in den A. kriecht. Solche Männer gibt es genug, leider nur sind sie genau deswegen vielfach nicht attraktiv genug, weil sie ja keine "Macher" sind, im Status unter den Frauen. Eher selten interessiert sich die Akademikerin für den Billa-Kassier.

Wer im Schulsport nicht die Leistung bringt...

...oder sich anderwertig unbeliebt macht, wird nicht ins Team gewählt.

Wenn der Lehrer nun fordert, betreffende Person ins Team zu wählen, wird der Schüler deswegen nicht beliebter bei den Kollegen oder besser im Sport. Er bekommt eine Chance die zugleich durch das Eingreifen des Lehrers zu einem Fluch wird.

Im täglichen, harten Kampf des Berufsalltags wird nicht Chef, wer am beliebtesten ist, sondern wer am härtesten im Nehmen ist, die Kontrahenten am direktesten aus schaltet und alles in Bewegung setzt, da anzukommen. Auch wenn ihn alle hassen. Quote ist ebenso ein unfaires Mittel, ein Ellenbogen wie manch anderes. Sie hilft beim Aufstieg, nicht aber bei der Beliebtheitsskala. Kapiert?

Um Beliebtheit geht es den Femifaschisten ja auch nicht.

Sondern nur um ein wenig Freunderlwirtschaft, ganz nach dem Vorbild der Burschenschaften und der Mafia.

allein Ihre wortwahl, "femifaschisten", (nichtmal ein Innen habens geschafft, da kriegen Sie wahrscheinlich krämpfe), zeigt ja schon, wie hasserfüllt Sie an das thema gleichberechtigung herangehen.

bleiben Sie einfach in Ihrer höhle, Sie machen sich ja doch nur lächerlich.

Das "-innen" dürfen Sie sich dazudenken.

So viel Kreativität darf ich Ihnen doch wohl abverlangen?

Burchenschaften und Mafia - klassische Männerdomäne. Bauen Frauen sich Netzwerke auf und versuchen sich durch Quoten zu behaupten, ist das also weniger rechtzufertigen als wenn Männer das tun, auf welche Art auch immer?

Nein.

Schon die Mafia/Burschenschaften sind ein großes Übel. Statt aus den Fehlern der Männer zu lernen, machen die Frauen nun bei diesem Blödsinn mit, na toll. Es gibt ja sowieso viel zu wenig politisch-wirtschaftliche Geheimbünde, nicht?

Kann nicht endlich jemand auf's rote Knöpfchen drücken...

...und die zweite Sonne aufgehen lassen...

...kann auch eine Frau sein, Hauptsache, alle sterben...

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