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Angela Harrison hat am Cern Risikoanalyse betrieben
Statistisch gesehen kommt es im knapp 27 Kilometer langen Tunnel des Urknallsimulators LHC in Cern alle 217 Jahre zu einem Feuer, das nicht detektiert wird und "gröbere Auswirkungen hat". Das war ein Ergebnis von Angela Harrisons Dissertation über Risikoanalyse. Die Arbeit führte sie für drei Jahre in die Schweiz, wo sie viel Zeit in der unterirdischen Anlage verbrachte. Nach einer Zwischenstation in Schweden und einem Job in der Risikoanalyse landete die Absolventin der Montanuni Leoben im Leichtmetallkompetenzzentrum Ranshofen (LKR) in Oberösterreich, einem Tochterunternehmen des Austrian Institute of Technology (AiT).
In der Beschäftigung mit Materialeigenschaften, wobei es auch darum geht, den Kraftstoffverbrauch von Autos durch leichtere Bauteile zu senken, schließt sich für Harrison der Kreis zu ihrer ursprünglichen Karriereentscheidung, dem Studium von Industriellem Umweltschutz. Dass ihr in Leoben auch Grundzüge der Metallurgie vermittelt wurden, war für den Job kein Nachteil. Am LKR, das in Kooperationen mit Audi, BMW oder Daimler an der Optimierung der Fahrzeugtechnik arbeitet, beschäftigt sie sich seit 2009 mit Simulationen von Gieß- und Wärmebehandlungsprozessen. Sie dreht an den Parametern der Produktionsvorgänge, damit möglichst langlebige und robuste Materialien möglichst günstig produziert werden können.
Das kann der Bremssattel eines Autos sein, der als 700 Grad heißes, flüssiges Aluminium mit einem bestimmten Druck in eine Form gegossen wird. Verbessert sie die Legierungen, müssen die Gießformen, die sich schnell abnützen, weniger oft gewechselt werden, und der Fahrzeugteil wird günstiger. Auch bei den Versuchen, die ihre Rechenergebnisse verifizieren, ist sie dabei.
Durch ihre digitalen Simulationen von Wärmebehandlungsprozessen versucht sie, die Festigkeit der Endmaterialien vorherzusagen. Legierungen, die bestimmte Anforderungen erfüllen müssen, können so weniger kostenintensiv entworfen werden. "Die Ergebnisse der ersten Simulation entsprechen meistens nicht den in Versuchen ermittelten Werten, das zugrundeliegende Modell muss entsprechend weiterentwickelt werden", sagt Harrison. Das Ende ist dann erreicht, wenn die Simulation auch mit anderen Legierungen verifiziert werden kann.
Dass sie sich mit ihrer Arbeit nach wie vor in einem männlich dominierten Feld bewegt, sei sie "gewohnt": "Ich glaube, die meisten Frauen trauen sich nicht zu, dass sie das können." Auch an der Uni gab es nur "zehn bis 20 Prozent Frauen". Die Familie hat sie dafür gewappnet: "Ich habe auch zwei ältere Brüder und habe mich da auch immer durchschlagen müssen." Für die Laufbahn hat sie sich entschieden, weil sie "die Fakten interessieren", die man in der Technik findet.
Im Cern hat die 1979 geborene Salzburgerin ihren englischen Ehemann kennengelernt. Trotz Karenz (zwei Kinder im Alter von fünf Jahren und neun Monaten) arbeitet sie in Teilzeit an ihrem Arbeitsplatz. Ab Juni wird sie wieder voll einsteigen. (Alois Pumhösel/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30.3.2011)
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