Die zwei Lebensfragen einer Frau

Beate Hausbichler, 5. April 2011, 07:00
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    dr. oetker, youtube

    "Das wichtigste für ihn ist der Pudding."

Werbespots aus den 50ern bringen uns erstmal zum Schmunzeln – Aber wo räumt die Werbung Frauen und Männer heute hin?

Neulich verschickte eine Kollegin ein YouTube-Video, das eine Uralt-Werbung von Dr. Oetker zeigte. Bei den im Büro anwesenden Kolleginnen rief die Backpulver-Werbung lautes Lachen oder zumindest Schmunzeln hervor, gefolgt von Fassungslosigkeit über die Sager in dem Spot und über ein Frauenbild, mit dem unsere Mütter und Großmütter allerdings noch aufwuchsen. Eine kampflächelnde, geschätzte Mitte Zwanzigjährige, die ihrem Mann etwas Leckeres bäckt, denn dafür ist sie schließlich da. Nicht zu vergessen, die andere "Lebensfrage", die sie sich neben "Was koche ich heute?" als Frau stellen muss: "Was ziehe ich heute an?"


Ohne die feministischen Errungenschaften relativieren zu wollen, könnte sich eine nach dem ersten Staunen aber durchaus fragen, was die heutige Werbung eigentlich so fundamental von dieser Dr. Oekter Reklame unterscheidet? Denn Fakt ist heute wie damals, dass schier alle Produkte, die den Haushalt betreffen, wie Kochutensilien, Nahrungsmittel, Küchengeräte, Waschmittel oder Putzmittel, von Frauen beworben werden. Aber auch der Konsum rund um Kinder wird von Frauen angeheizt und die Frage "Was ziehe ich an?" wird in der Werbung Frauen durchaus noch immer als "Lebensfrage" unterstellt, ist sie doch in Sachen Kosmetik, Kleidung oder Körperpflege nach wie vor die Werbeträgerin Nummer eins. Wenngleich Männer hier aber durchaus als Zielgruppe mehr und mehr an Land gezogen werden (aber natürlich auf viel coolere Art: Männerkosmetik wird mit einer durchgemachten Nacht legitimiert, um auch am nächsten Morgen wieder für den schnellen Flirt auf der Straße fit zu sein). 

Frauen werben weiterhin brav für alles, was sich drinnen abspielt, während sich die Konsumenten in den männlichen Werbeträgern wiederfinden sollen - für Autos, Sportartikel, Werkzeug oder Bier. Dass diese Feststellung fast schon trivial ist, führt uns schmerzlich den Status quo der geschlechtsspezifischen Rollenzuschreibungen vor Augen. 

Vor Beispielen kann man sich leider gar nicht retten: Über das Potenzial von Waschmitteln wie "Persil", "Vanish" oder "Fewa" sind durchwegs Frauen begeistert. In eine Miele-Küche sind gleich Mutter und Tochter verliebt und auch Produkte wie "Maggi" bewirbt Artikel gleich generationenübergreifend, aber natürlich streng entlang der Geschlechtertrennung. Besonders ungeniert ist die Werbeindustrie auch bei Produkten, an denen nicht ganz so stark eine konservative Rollenverteilung klebt. Die Frauen-Runde, die zwecks "Toffifee"-Bewerbung gecastet wurde, ist nur schwer zu ertragen: Eine Gruppe Frauen sitzt im Wohnzimmer und tauscht sich darüber aus, wann eine Packung "Toffifee" in ihrer Familie am Besten zum Einsatz kommt, eine zweite Packung sollte jede sowieso immer im Küchenkastl haben. Oder auch "Kinder-Pingui": Eine Hausfrau fegt durchs Heim, eine fröhliche Einpeitsch-Musik im Hintergrund, sie freut sich auf drei Sekunden Pause, in denen sie sich die Süßigkeit gönnt, die eigentlich für die Kinder gebunkert ist. Nach dem Päuschen laufen diese wieder schreiend ums Eck, ein warmherziges Schmunzeln der Mutter und weiter geht's.

Nicht zu vergessen, die unsägliche "Nimm2"-Werbung, in der sich Frauen der richtigen Entscheidung versichern, diese Süßigkeit ohne schlechtes Gewissen den Kleinen verabreichen zu können.


Also was hat sich verändert? Die rigiden Rollenverteilungen und Zuschreibungen werden zwar nicht mehr explizit ausgesprochen, vor der Nase haben wir sie aber ohne Unterbrechung. Und: Die These der Philosophin Elisabeth Badinter, nach der Frauen sich nicht mehr ihren Männern, sondern ihren Kindern unterwerfen - diese also die neuen Patriarchen wären - gewinnt angesichts der neuen alten Werbung an Plausibilität.

Es wird uns gezeigt, dass Frauen kochen, waschen, putzen und Kinder versorgen und dass all das Männer nicht tun. Sie haben hingegen den lässigen Part - selbst beim Verwenden einer Augencreme kommt er gut rüber. Das Äußerliche muss passen, klar, es ist aber für ihn nur eine kleine Facette in seinem coolen, selbstbestimmten Leben. Währenddessen stellt sie sich noch immer zwei Lebensfragen, die ihr Dr. Oekter schon in den 50er Jahren vorsagte: "Was koche ich heute?" und "Was ziehe ich heute an?". Da vergeht einer das Lachen über den Spot aus den 50ern dann ganz schnell. (beaha, dieStandard.at, 5.4.2011)

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Workdesk
01
22.6.2011, 09:05

werbung gehört verboten..

der gerüchterstatter
 
01
19.5.2011, 17:15
werbung funktioniert

die frage ist ja wohl. warum funktionieren diese werbungen und warum waren alle versuche (vor allem in den spät-90ern), männer für haushaltsspots zu verwenden, gescheitert?

aqualung
00
25.6.2011, 14:47
ein teufelskreis

solange die gesellschaft so tickt, funktioniert die werbung auch so am besten. aber in einer in diesem ausmaß von diversen medien geprägten gesellschaft, könnten strenge richtlinien für werbung (konsequent umgesetzt) doch auch einen großen einfluss haben

ina sommer
00
vorige Woche waren "Damentage"

Als ich heute die Zeitung durchblätterte wurde ich auf ein großes rosarotes Inserat eines Möbelhändlers aufmerksam. „Damentage“ lautete der Titel. Aha...mal sehen, was sich Marketingleute so unter diesem Motto einfallen lassen: Kinderbetreuung und Männer, die den Einkauf zum Auto schleppen. –Gefällt mir, würd ich sagen. Dann weiter: „Astrologie Beratung“ mit gleichzeitiger Charity-Aktion (ein Teil des Geldes geht also an Bedürftige). Weiter.....Vollkorn Flakes Probepackung –gratis, Beratung zur rein pflanzlichen Nahrungsergänzung und Kosmetik, Gratis Willkommenswasser und Sonderpreis auf den Salat mit gegrillter Putenbrust...

Weiterlesen auf:
http://www.diekolumnistin.com/content/damentage

spacedakini
00
25.4.2011, 09:46

"Es macht Spaß, zuzusehen, denn Backen macht Freude!"

Lilith Boessse
 
01
17.4.2011, 12:36
werbung bereitet mir körperliches unbehagen und macht mich agressiv.

ich halte werbung schlichtweg nicht aus. ob im fernsehen oder radio ist da wurscht.
im kino "erdulde" ich die scheiXe halt.

hab unter anderem wegen der permanenten werbesendungen im tv keinen fernseher mehr

aqualung
00
25.6.2011, 14:49
stirb, fernseher - stirb!

zitat aus farin urlaub's "dusche"

Gabel
02
16.4.2011, 18:55
Guter Artikel

Vielen Dank.

Johannes Benn
03
10.4.2011, 01:45
.

in fernsehwerbungen hat sich ein neues sozialmodell etabliert: der freundeskreis. meistens mitelalte bis junge menschen in gruppen von 5-7 personen, gleich viele frauen und männer, spaß steht im vordergrund. vorbild ist vielleicht soetwas wie die amerikanische tv serie friends. der gesellschaftliche trend ist klar: aufwertung der "peer group" gegenüber der familie.

Ravenspower
02
Alte Bauernweisheit aus Kärnten

"A Dirndl des net krendln kann, kriegt kan Mann."

"krendln" bezeichnet man die obligatorische schliessung eines kärntner käsnudel.

SchneckenChecker27cm
00
11.4.2011, 18:55

Kärnter Käsnudel gibts genausowenig wie italienische Pizza.

Lectrice
10

"Bei uns" muss(te) man einen Strudelteig so machen und ausziehen, dass man die Zeitung drunter lesen kann ;-).

Mia Meier
02

Ich vermisse besonders schmerzlich die "kloputzenden" Männer...
Die sind auch eine ausgestorbene Spezies in der Werbung, da gibt es nur einen jungen Mann der gegen üble Gerüche ankämpft... (wahrscheinlich der letzte seiner Art).

Brigitte Novacek
01
Stimmt

Leicht offtopic: Im Piefke-Werbefenster gibt es zumindest einen wäschewaschenden Mann (für Spee).

K. K. Lacke
10
sie richten sichs aber auch grade wie sie es brauchen :D

schon mal von "Meister Proper" gehört?
Glatzenträger der nix anderes zu tun hat im Leben als putzen...
der "Weisse Riese" ist auch keine Riesin...
die "Tofix"-Werbung mit dem Butler der erklärt "etwas billigeres können wir uns nicht leisten"
das Geschirrspülmittel mit der Schlussfolgerung "dann klappts auch mit der Nachbarin" wird von einem männlichen Single in den Geschirrspüler gefüllt

andererseits habe ich bisher keine Waschmaschinenmonteurin erlebt, die "Calgonit" anpreist
und den Tampon (die Geschichte der Menstruation ist eine Geschichte der Missverständnisse) den zwar ein Mann bewirbt aber Frau kauft, den zeigen sie mir bitte...

Lilith Boessse
 
01
17.4.2011, 12:25
ja, der MEISTER proper zeigt der frau

was sie zu tun hat.

ER putzt ja nicht, er hat nur das super-mega rezept!

;o)

Mynnia
00

Das ist aber die Marke und die Markenfigur (seit gefühlten 80 Jahren) und nicht der Hauptdarsteller einer Werbung. Der Proper ist ja mehr ein Flaschengeist, keine Identifikationsfigur.

Mia Meier
03

Nein Nein Nein
Ich will einen Mann sehen, der mit einen Klobesen bewaffnet dem Schmutz zu Leibe rückt... (ähm, so wie die Dame in der Harpic? Werbung)

Drunter gebe ich mich nicht zufrieden.

Meister Propper zählt nicht, ist ja eine Comic Figur (und wer putzt mit Mr. Propper sein Häusl? *g*)
Und bei der Tofix Werbung hält er ja auch nur das Flascherl in der Hand, gilt auch nicht...

Und von den anderen angeführten Dingen sprechen wir nicht, weil da kein WC geputzt wird.

Thomas Felder1
00

warum wollns unbedingt einen klo putzenden mann sehen???

K. K. Lacke
00
na bei einem Butler

dürfens schon auch annehmen daß der putzt, wenn er den Klostein schon findet

Nevim
02

Meister Proper ist ja nur dazu da, die Frauen, die sich nicht einmal beim Putzen alleine helfen können, zu retten. Ähnlich andere männliche Retterfiguren in solchen Werbespots.

Eine Waschmaschinenmonteurin in der Werbung hats übrigens früher mal gegeben, ich müsste das nochmal nachschauen.

K. K. Lacke
00
das war damals doch die "Hermine" oder so

die sah aus als hätte sie eine Waschmaschine geschluckt und warb auch für Waschmittel mit Wasserenthärter

aber montiert hat die nicht, zumindest meines Wissens nach

T' Bok
 
00
28.4.2011, 09:23

Die Klementine hat nicht montiert, sondern repariert. Die war ja vom Waschmaschinennotdienst.

http://www.youtube.com/watch?v=BUfII_9uIPM

Brigitte Novacek
00
Clementine

.... und hat für Persil geworben.

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