"Grünbuch" vorgestellt: "Frauen haben nachweislich anderen Führungsstil" - Kommission will AGs zur Frauenquote zwingen
Straßburg/Brüssel - Die EU-Kommission will börsenotierte Unternehmen in Europa zwingen, mehr Frauen in ihre Aufsichtsräte zu entsenden. Gleichzeitig soll die Anzahl der Aufsichtsratsmandate für jede/n einzelne/n KontrollorIn begrenzt werden. EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier stellte am Dienstag in Straßburg ein entsprechendes Diskussionspapier ("Grünbuch") vor. Im Herbst könnte daraus ein Gesetzesvorschlag werden.
"Haben eine positive Wirkung"
"Eine Lektion aus der Finanzkrise ist, dass die Unternehmensführung - die bisher meist auf Selbstregulierung basierte - nicht so effektiv war, wie sie hätte sein können", schreibt die Kommission und geht davon aus, dass Frauen die besseren Aufsichtsräte sind: "Frauen haben nachweislich einen anderen Führungsstil, nehmen öfter an Sitzungen teil und haben eine positive Wirkung auf die Gruppe", steht in dem Grünbuch.
EU-Justizkommissarin Viviane Reding hat mehrfach gefordert, in Europa müssten mehr Frauen in Chefsessel aufrücken. Bis März 2012 lässt sie den Konzernen Zeit für eine freiwillige Lösung, danach strebt Reding eine gesetzliche Frauenquote an. Bisher sind nach Angaben der Kommission nur 12 Prozent der Aufsichtsräte in Europa weiblich.
Begrenzte Mandate
Für die Anzahl der Mandate, die ein/e einzelne/r Aufsichtsrat/rätin innehaben darf, will die EU-Behörde eine Grenze setzen: "Das könnte [...] sicherstellen, dass die Aufsichtsräte genügend Zeit dafür aufwenden, die einzelnen Unternehmen zu kontrollieren." Auf eine konkrete Zahl wollte sich die Kommission zunächst nicht festlegen. In Deutschland sind bis zu zehn Mandate erlaubt. Zudem sollen AktionärInnen stärker in die Angelegenheiten der Unternehmensführung eingebunden werden. (APA/Ag.)