44 Euro, um das eigene Kind sehen zu können

11. April 2011, 10:27

Wiener Jugendamt hat dringlichere Probleme als gemeinsame Obsorge: Wenn das Kontingent fürs "Besuchs-Café" ausgeschöpft ist und Elternteile fürs Treffen mit dem Kind zahlen müssen

Wien - Dass zwei sich einvernehmlich scheiden lassen, heißt noch gar nichts. Diese Erfahrung macht man beim Wiener Jugendamt fast täglich. In vielen Fällen haben es Ex-PartnerInnen so eilig, sich zu trennen, dass der wichtigste Punkt, der Umgang mit dem gemeinsamen Kind, oft nicht geregelt wird. Herta Staffa, Sprecherin der Magistratsabteilung 11 (Mag11): "Das ist vielen unangenehm, sie fürchten, dies könnte die Scheidung verzögern, und dann reden sie sich ein, es werde später, wenn die Wut aufeinander nachlasse, 'schon irgendwie gehen'."

"Irgendwie" geht es dann meistens doch nicht. Kurz nach der Trennung, wenn für die Geschiedenen alles neu ist (Wohnung, Lebensumstände, Finanzen), komme es am häufigsten zu Reibereien, berichten FamilienrichterInnen. Dann würden auch Unbeteiligte oft in die Querelen hineingezogen - etwa Kindergarten-Pädagoginnen. Es komme vor, dass Väter erst mitten im Kindergarten stehend erfahren, dass ihre Ex-Frau sie nicht auf die Abholungsliste setzen habe lassen, erzählt die Sprecherin des zuständigen Wiener Stadtrats Christian Oxonitsch, Michaela Zlamal: "Dann ist meist die Kindergarten-Leiterin die 'Böse'." Solche Probleme würden allerdings nur "in der Trennungsphase" auftreten - danach, wenn die Obsorge klar geregelt sei, gebe es zumeist keine Probleme.

"Das wird oft vermischt"

Überhaupt sieht man beim Wiener Jugendamt mehr Probleme mit dem Besuchsrecht als mit Obsorgefragen: "Das wird oft vermischt", sagt Staffa. Auch FamilienrichterInnen sehen das als Problem. Und es gebe "natürlich auch die Fälle, wo Frauen verhindern, dass der Ex-Mann das Kind sieht", sagt der Trauner Familienrichter Thomas Hacker. Allerdings: "Sehr häufig ist das nicht."

In Wien gibt es seit einigen Jahren die Einrichtung der "Besuchs-Cafés", wo jene Menschen, deren Ex-PartnerIn einen Besuch beim Kind verweigern, ihren Nachwuchs treffen können - unter Beobachtung von SozialarbeiterInnen und PädagogInnen. Die sollen herausfinden, wie der Umgang des (zumeist) Vaters mit dem Kind ist und ob die Anschuldigungen der Mutter stimmen. Zwei "Klassiker": "Er schimpft vor dem Kind über mich", "er kann nicht einmal mit dem Kind spielen."

"Das kommt leider vor"

Für diese Besuche gibt es ein Kontingent, das vom Bund subventioniert wird - allerdings ein sehr kleines Kontingent. Wer sein Kind öfter im Besuchs-Café sehen will, muss das zumeist selbst berappen: Bis zu 44 Euro kann eine Stunde Treffen kosten, wie eine Standard-Leserin schrieb.

"Das kommt leider vor", bestätigt das Wiener Jugendamt, hier sei eine Reform oder zumindest eine finanzielle Aufstockung des subventionierten Besuchsstundenkontingents, auf jeden Fall notwendig - und auch dringlicher als etwa die Einführung der verpflichtenden Obsorge. Mag11-Sprecherin Staffa: "Es darf ja kein Kriterium sein, dass jemand sein Kind nicht sehen kann, weil er es sich in diesem Monat nicht mehr leisten kann." (Petra Stuiber/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.4.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 49
1 2
knurrhoernchen
10
18.4.2011, 12:40
Irgend etwas passt da nicht

"Bis zu 44 Euro kann eine Stunde Treffen kosten, wie eine Standard-Leserin schrieb."
Ist das wieder einmal eine sogenannte Playboy-Grenze, für GroßverdienerInnen? Beim Unterhalt gibt's ja auch eine Playboy Grenze, die das 2.5fache des Regelbedarfs ist.
Kann es sein, dass sich da wieder einmal eine Unterhaltsbonzin aufregt, die normalerweise, 4x wöchentlich, 100 Euronen für jeweils 10 Minuten Zehennagelpflege hinblättert?
Ich wette, dass diese Heulerin prozentuell weniger zahlt, als die Väter und Mütter, die am Unterhaltsexistenzminimum dahinvegetieren!

Quer denker1
00
17.4.2011, 10:46
Das ist ein Beweis, dass wir dringend ABGB ändern müssen.

Das Problem ist, wer soll ABGB ändern? Die PolitikerInnen, die in Parlament sitzen?

Sind die PolitikkerInen geistig in der Lage?

Welche Möglichkeit habe die Männer, wenn die Demokratie versagt?

Gerd Huber1
 
00
16.4.2011, 08:07
die Probleme liegen tiefer

erstens haben die Besuchscafe nichts im Ressort des Sozialministers verloren

zweitens bräuchten sie dringend Kontrollen

drittens ist es ein Unding, Besuchscafes darüber mitentscheiden zu lassen, ob Besuche künftig ohne Begleitung erfolgen dürfen

viertens zeigt der Begriff "Besuche", wie falsch alles läuft (Ex-Väter werden zu zahlende Besucher für die Kinder)

fünftens begleiten oft "Studentinnen" als Besuchsbegleiterinnen (siehe oben: Kontrolle)

sechstens sind Monopolvergaben immer gefährlich.

langer Rede kurzer Sinn: die Einrichtung der Besuchscafe wurde im Wesentlichen zum Selbstzweck von gefärderten Einrichtungen, die ohne jede Kontrolle schalten und walten, wie sie wollen.

Jeder Maronibrater wird vom Fiskus überprüft, ob er ja auch nicht zu

Johannes St.
 
64
11.4.2011, 22:40
warum soll die allgemeinheit die kosten übernehmen, wenn ein gewalttätiger vater nur über das besuchscafe seine kinder sehen darf

K. K. Lacke
03
13.4.2011, 09:51
wieso soll jeder Vater der ein Besuchscafe in Anspruch nimmt

gewalttätig sein?

verleumden sie da nicht schon wieder alle Väter die solche Einrichtungen in Anspruch nehmen müssen OHNE Gewalt ausgeübt zu haben?

sljudanka
18
11.4.2011, 21:40
Es muss endlich wieder die Natürlichkeit bei den Familien Einzug halten

die Grauröcke, die sich mit Gesetzen Verordnungen und Verboten in die Familien reindrängen müssen wieder aus dem Familien-leben verjagt werden!!

Weg mit dem ganzen Firlefanz!

Die Menschheit existiert seit 2 Millionen Jahren, und es gabe sich erin der Steinzeit nicht mehr Gewalt gegen Kinder wie heute (und das trotz, oder vielle. wegen? dem Fehlen von Familiengerichten, div. Jugendämter, ScheidungsindustriellInnen, etc.)!

Eine riesen-geschäftemacherei!!

Wie pervers, dass Väter "beweisen" müssen, dass sie "gute" Väter seien.

kein Wunder dass immer mehr Männer vom Vatersein absehen, wenn sie das mitkriegen!
Der Vater als BIttsteller,Pausenonkel und Besuchs-clown...

armseelig das ganze!

Kann so eine Gesellschaft überleben?

Mann40
19
11.4.2011, 21:03

ich habe das bei einem guten Freund miterlebt, er hatte ein gerichtlich beschlossenes Besuchsrecht, die Mutter des Kindes hat sich 3 ! Jahre lang geweigert das Besuchsrecht einzuhalten.
Sie wurde weder bestraft, noch hatte das irgend eine Konsequenz für sie.

Erst nach 3 Jahren ordnete das Gericht Besuchcafé an.

Wohlgemerkt....das Kind und der Vater haben sich diese 3 Jahre nicht gesehen oder gehört.
Begründung der Mutter vor Gericht: die oben im Artikel genannten Klassiker.

froilein froilein
92
11.4.2011, 21:31

Offenbar war die Begründung zutreffend- sonst hätte das Gericht kein Besuchscafe angeordnet.

Mann40
35
11.4.2011, 22:29

@fr....

was bilden Sie sich eigentlich ein dazu, ohne den Fall zu kennen, eine laienhafte Ferndiagnose abzugeben.
Unterlassen Sie das.

Neuer Nick neues Glück
00
11.4.2011, 22:07

Genau! Weil Familienrichterinnen ja auch noch nie einen Schwachsinn verordnet haben.

Alex ;)
21
11.4.2011, 20:51

mir fällt dazu in letzter zeit immer das lied von Michael Jackson ein.

"all i want to say is, that they don't really care about us (väter)"

schmidi-wien
 
215
11.4.2011, 15:02
Naja, ohne Unterton wäre es fast ein normaler Artikel geworden.......

Das dies mit d. 44,- Euro ein Problem ist stimmt in vielen Fällen tatsächlich.

Aber man muss dazu sagen, das die 44,- Euro der Vater für 1h bezahlen muss um sein Kind sehen zu dürfen. (Natürlich unabhängig vom Kindesunterhalt, eh klar)
Wenn er 2h alle 14 Tage Besuchscafe hat, dann sind das 4x44,- Euro = 176 Euro für 4 h im Monat !

Beim Hilfswerk bezahlt man das nicht für 1h sondern für 1 Einheit = 50 Minuten, da ist das noch schlechter !

1) Obwohl der Obsorgeberechtigte dafür zu sorgen hat, das Kind positiv vorzubereiten ist und ebenfalls dazu verpflichtet ist ein Besuchstreffen zu ermöglichen braucht dieser nichts zahlen ?

2) Liebe Justizministerin, Warum werden Väter unter das Existenzminimum gepfändet ?
Väter werden diskriminiert

Erimet
00
14.4.2011, 06:32
Ich könnte mir das nicht leisten.

Allerdings bin ich so klug und setze deswegen erst gar keine Kinder in die Welt.

Insofern müssen sich all die diskriminierten Väter einmal mit ihrer eigenen Dummheit konfrontieren. Denn es ist wirklich dumm, unter diesen Umständen Kinder in die Welt zu setzen. Erst recht, wenn kein Goldesel zur Verfügung steht.

da schau
162
11.4.2011, 14:47
das wr. jugendamt hat tastächlich wichtigere probleme zu regeln

als die (finanziellen) folgen von sich asozial verhaltenden geschiedenen zu berappen.

schon einmal von todesfällen, gewaltopfern, vergewaltigungskindern uam. gehört?
allein damit wäre das jugendamt schon ausgelastet.

"breite gesellschaftiche psychotherapie" oder andererseits finanzierung der selbstverursachten schäden oder bedürfnisse sollten nicht in die verantwortung des jugendamts abgeschoben werden!

"...erfahren, daß sie nicht auf der abholliste sind"... wenn sie DAS nicht schaffen, dann kann das keinesfalls Jugendamtssache sein.

froilein froilein
181
11.4.2011, 17:28
Die Behauptung, dass manche Väter erst "im Kindergarten erfahren, dass sie nicht auf der Abholliste sind" ist ja schon deshalb seltsam, als das Kind ja auf jeden Fall abgeholt werden muss.

Heisst das, der Vater wollte das Kind abholen, ohne die Mutter darüber zu informieren? Bzw gegen ihren Willen?
Die Mutter wäre kurz darauf in den KIGA gekommen um zu erfahren, dass das Kind gar nicht da ist.
In so einem Fall kann das ja dann nicht abgesprochen worden sein, wenn er erst beim Abholen erfährt, dass er das eigentlich gar nicht darf.

Sehr, sehr seltsamer Artikel. Wohl ungelesen von einem dieser Väterrechtlern übernommen, die jetzt gerichtlich Verordnet in psychiatrische Behandlung müssen.

froilein froilein
102
11.4.2011, 21:36
Was was wird da rot bestricherlt???

Ich glaube mein Einwand ist berechtigt: wäre eine Abholung be- und angesprochen worden, dann hätte er ja bereits im Vorfeld erfahren, dass er das Kind eben nicht abholen kann.
Dass er das erst im KIGA erfährt, kann nur bedeuten, dass er unabgesprochen aufgetaucht ist. Das ist doch logisch.

Nach den vielen Vorfällen in letzter Zeit, in denen Männer die Kinder ermordet haben, um es der Ex heimzuzahlen, ist es beruhigend zu wissen, dass sich die Kindergartenpädagoginnen schützend vor die Kinder stellen.

Und jetzt her mit den grünen Stricherln!

Viktoria Roth
00
15.4.2011, 11:35
Liebes FroileinFroilein, hier wird automatisch rot gestrichelt, reflexartig,

von den vielen dümmlichen Alimentationsschuldnern, die sich "organisieren" und mit den Mitteln der organisierten Banden arbeiten gegen alle und alles, was nicht in ihrem Sinne ist.
Da hat Argumentation und Logik keinen Vorrang.

Erimet
00
15.4.2011, 02:11
Ca. 95% aller Kindstötungen...

...gehen auf das Konto der MÜTTER...

...weltweit.

Google ist auch Ihr Freund.

Alex ;)
14
11.4.2011, 22:02

es könnte ja auch sein, dass es mit der mutter abgesprochen war, diese aber im kindergarten nicht bescheid gegeben hat.

nur so als beispiel..

rot bekommen sie von mir, weil sie reflexartig die schuld beim vater suchen. alle anderen möglichkeiten ziehen sie nicht einmal in betracht.

froilein froilein
70
11.4.2011, 22:24
Ihr "Beispiel" klingt zwar an den Haaren herbeigezogen...

aber selbst wenn man das gelten lässt, ist das je kein besonderer Skandal. Dann war das halt ein Versehen und die Mutter muss halt beim nächsten Mal im Kiga die Luste aktualisieren.
Gerne ziehe ich auch andere Möglichkeiten in betracht. Sie sollten doch zumindest rudimente der Logik und der Plausibilität enthalten.

knurrhoernchen
00
13.4.2011, 13:15
Das Versehen ließe sich mit einem Anruf beseitigen

Erimet
10
14.4.2011, 06:40
Solche "Versehen"...

Die Mutter schafft es nicht, den Vater auf die Abhollisten setzen zu lassen. Und zwar deswegen nicht, weil sie so überlastet ist. Und sie ist deswegen so überlastet, weil der Vater die Kinder nicht abholt. Das tut er nicht, weil er sich nicht traut, da er nicht weiß, ob er schon auf den Abhollisten steht, er will es ja auch nicht wie eine Kindesentführung aussehen lassen. Telefonische Anfragen werden mit "Ich habe jetzt keine Zeit" beantwortet, weil die Mutter so überlastet ist...

Ein Spiel für die ganze Familie... ;-)

Alex ;)
14
11.4.2011, 22:56

es tut mir leid, aber: "Gerne ziehe ich auch andere Möglichkeiten in betracht.", dass nehme ich ihnen nicht ab.

und ich habe schon im kindergarten gearbeitet (bin ausgebildeter kindergärtner) und ich muss ihnen sagen, dass es sehr liebevolle mütter/väter, aber genauso mütter/väter gibt, wo einem die kinder wirklich leid tun.

und wenn sie es nicht als skandal bezeichnen, wenn z.b. der vater wiederholt einen langen weg auf sich nimmt, um wie besprochen, sein kind abzuholen und dann sehen muss, dass er wieder nicht auf der liste steht, dann naja haben wir da einfach unterschiedliche auffassungen.

und was glauben sie was sich das kind denkt, oder fühlt, wenn der vater wieder gehen muss ohne selbst mitgenommen zu werden.
das kind könnte auf

froilein froilein
11
13.4.2011, 14:27
Dass zwei Leut nicht miteinader wollen und einander sekkieren können ist jetzt keine weltbewegende Neuigkeit.

Dieses Szenario, welches Sie beschreiben, ist nicht sehr plausibel. Das Kind muss ja trotzdem abgeholt werden. Dass die Mutter das Kind deshalb im Kiga übernachten lässt, ist doch eher sehr unwahrscheinlich.

Es macht also keinen Sinn, irgendwelche seltsamen Szenarien zu konstruieren. Dass der Vater vor Ort sagt:" Aber es war doch ausgemacht", wird schon zutreffen. Ob das dann der Wahrheit entspricht, ist eine andere Frage.
Ich kenne selber einen Vater, der sich an keine Vereinbarungen hält, dann aber einfach ungeplant auftaucht und die Mutter dann die Böse ist, wenn sie sich nicht alle Pläne umschmeissen lassen will. (Nicht Kiga, aber eben bei der Wohung). Der rennt auch gern herum und jammert, dass die Ex ihm das Kind entzieht.

Viktoria Roth
00
15.4.2011, 11:37
Na vielleicht sollte sie die Mutter beim Kindergärtner rechtfertigen müssen,

wieso der Vater noch immer nicht auf der AbholerInnenliste steht...

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 49
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.