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Katrin Watschinger will in Oxford weiterforschen.
Viel ist über Funktion und Stoffwechsel von Etherlipiden im Körper nicht bekannt. Was man allerdings weiß, ist essenziell: Sie schützen das Auge vor Grauem Star, strukturieren das Gehirn und beteiligen sich an der Samenreifung. 2010 wurde am Innsbrucker Biozentrum eine neue Enzymfamilie, die Etherlipide abbaut, entdeckt. Federführend dabei war Katrin Watschinger.
Die Euphorie hat sich, wie sie sagt, nicht schlagartig eingestellt: "Man macht die Experimente natürlich mehrmals. Ein Vergleich der Sequenzen mit Enzymen verwandter Klassen hat schließlich gezeigt, dass die Alkylglycerolmonooxygenasen (AGMO) in Funktion und DNA-Sequenz eine völlig neue Klasse sind." Im Rückblick sei es aber ein herausragendes Gefühl, weil "wirklich etwas gefunden wurde, das einmal in Lehrbücher eingehen könnte". Für ihre Studie, die zum besseren Verständnis des Fettstoffwechsels beiträgt, erhielt die 32-jährige Biochemikerin einen Sanofi-Aventis- Forschungspreis.
Als Zellkulturmodell wurde eine Standardzelllinie verwendet, in welche neben den Kandidatengenen für AGMO auch ein weiteres Enzym eingeschleust wurde, um im Nachhinein die erfolgreiche Etherlipidspaltung messen zu können. Da der Bauplan entschlüsselt ist, konzentriert sie sich nun auf die Beschreibung des Enzyms: Welche chemischen Bestandteile sind für die Funktion wichtig, in welchen Kompartimenten der Zelle befindet es sich und was sind seine physiologischen Eigenschaften. Außerdem unterrichtet sie Biochemie an der FH Innsbruck.
Das Sanofi-Aventis-Preisgeld will sie für Kongresse und Reisen zu Kooperationspartnern verwenden. Mit dem British Council Exchange Programme verbrachte Katrin Watschinger 2007 bereits ein Monat am Londoner University College. Weitere Forschungsaufenthalte führten sie an die Med-Uni Wien und das Institut de Génomique Fonctionnelle am CNRS in Montpellier, also ist sie auch in Zukunft "offen für einen Tapetenwechsel". Ihre PostDoc-Stelle läuft bis Ende April, aber sie ist zuversichtlich, sich in Innsbruck zu habilitieren. 2012 will sie - bei erfolgreicher Verlängerung - nach Oxford, um dort an "ihrem" Enzym weiterzuforschen.
Die Südtirolerin aus Sexten studierte Chemie mit Wahlfach Biochemie in Innsbruck und belegte das PhD-Programm "Molecular Cell Biology" der Med-Uni Innsbruck. Während des Studiums fehlte ihr vor allem das italienische Essen, weshalb sie taschenweise Lebensmittel von Süd- nach Nordtirol importierte. In der Zwischenzeit hat sich das Angebot in Innsbruck deutlich verbessert. Seit kurzem ist sie Mentee im Helene-Wastl-Programm des Referats für Frauen-Empowerment der Medizinischen Universität Innsbruck und kann die angebotenen Kursinhalte innerhalb der Arbeitsgruppe aber auch in der Lehre unmittelbar umsetzen.
Sprachen faszinieren die Biochemikerin ebenso wie Forschung. In ihrer Freizeit liest sie gerne in verschiedenen Sprachen und reist. Gerade ist sie aus Tansania zurückgekehrt. (Astrid Kuffner/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.4.2011)
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