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2005 veröffentlichte Andrea Grill ihren ersten Roman.
"Evolution bedeutet Veränderung, und Veränderung interessiert mich", erklärt Andrea Grill. Die 36-jährige Biologin ist seit kurzem Elise-Richter-Stipendiatin am Department für Biodiversität der Tiere der Universität Wien, wo sie sich mit der Evolution von Schmetterlingen befasst. Davor hat sie schon in halb Europa gelebt, geforscht und gelehrt: Ihr Studium absolvierte sie in Salzburg, ihre Diplomarbeit schrieb sie in Griechenland, ihre Dissertation an der Universität Amsterdam, es folgten Forschungsaufenthalte in der Schweiz und Italien.
Die Forschungsobjekte des derzeit laufenden Projekts sind Falter, genauer gesagt Ochsenaugen (Maniola), die auch bei uns vorkommen. Grills Interesse gilt dabei einer Art (Maniola nurag), die ausschließlich auf Sardinien verbreitet ist, dort aber sehr wohl in Kontakt mit dem auch auf dem Festland weit verbreiteten Großen Ochsenauge (Maniola jurtina) kommt. Wie Grill schon im Zuge ihrer Dissertation herausgefunden hat, kreuzen sich die beiden Arten auf der Insel.
Grills Projekt untersucht nun, welche Faktoren die Hybridisierung limitieren und wie Schmetterlinge auf Temperaturanstieg reagieren. Durch die globale Klimaerwärmung werden sich nämlich Flugzeiten und Verbreitungsgebiete von Tagfaltern ändern. Das könnte zu vermehrter Vermischung von Arten führen, die bisher geografisch getrennt waren. Am Modell der Ochsenaugen will Grill untersuchen, welchen Einfluss die Erwärmung des Klimas auf die Biologie von Tagfaltern hat. Außerdem wird sie sich damit befassen, welche Rolle die von den Männchen produzierten Duftstoffe bei der Paarung spielen.
Auch wenn sie während ihrer Kindheit im Salzkammergut "schon immer eine Affinität zur Natur" und außerdem "eine ganze Nahrungskette von Haustieren: Hund, Katze, Fisch, Mäuse, Vögel" hatte, war Biologin nicht ihr Traumberuf. Ursprünglich wollte sie erst Bibliothekarin, dann Journalistin werden. Dass sie als Biologin so erfolgreich sein würde, hat sie sich als Studentin nicht vorgestellt: "Ich hatte mehr Talent für Sprachen und habe deshalb auch angefangen, Sprachen zu studieren." Dieses Studium hat sie zwar nicht beendet, mit Sprache hat sich sie aber weiterhin beschäftigt: Nach der Veröffentlichung ihrer Dissertation erschien 2005 mit "Der gelbe Onkel" ihr erster Roman, dem seither weitere gefolgt sind. Ihre Bücher wurden bisher mit drei Literaturpreisen ausgezeichnet.
Und wie unterscheiden sich ihre wissenschaftliche und ihre künstlerische Arbeit? "Ein Roman ist auch ein Experiment, etwas, das man ausprobiert. Aber er bleibt eben ausgedacht, nur von meinem Kopf abhängig und von den Köpfen der Leser. Und ein Forschungsexperiment ist wie ein Roman, den man ausprobieren kann. Ich denke mir etwas aus, das ich wissen will." So auch das laufende Projekt, bei dem sie einen möglichst breiten Ansatz versucht: "Viele Forschungsvorhaben sind heute sehr spezialisiert. Ich versuche, verschiedene Disziplinen zu vereinen, wie Populationsgenetik, Ökologie und experimentelle Biologie."
Das Elise-Richter-Stipendium des Wissenschaftsfonds FWF schafft ihr den nötigen Freiraum: "Ich habe mein eigenes Budget und kann das machen, was mich interessiert." Nebenbei arbeitet sie an einem Gedichtband und ihrem nächsten Roman. (Susanne Strnadl/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.4. 2011)
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