Deutschland

Erstmals Frau an Spitze weltgrößter Physik-Gesellschaft

9. Mai 2011, 13:17

Teilchenphysikerin Johanna Stachel übernimmt Präsidentschaft der Deutschen Physikalischen Gesellschaft

Die Heidelberger Professorin Johanna Stachel wird ab April 2012 Präsidentin der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG). Mit der 56-jährigen Kern- und Teilchenphysikerin wird erstmals eine Frau die Leitung der weltgrößten physikalischen Fachvereinigung übernehmen. Sie wird den amtierenden DPG-Präsidenten Wolfgang Sandner ablösen, der dann turnusgemäß in die Position des Vizepräsidenten wechselt.

Arbeit am Teilchenbeschleuniger

Johanna Stachel ist Professorin für Experimentalphysik an der Universität Heidelberg. Am internationalen Forschungszentrum CERN in Genf ist sie überdies an den Experimenten mit dem Teilchenbeschleuniger LHC beteiligt. Im Mittelpunkt ihrer Forschung steht das "Quark-Gluon-Plasma". Aus diesem Materiezustand, der unmittelbar nach dem Urknall den Kosmos erfüllte, entwickelten sich einst Grundbausteine der Materie und schließlich alles, was wir heute im Universum vorfinden. Der LHC macht es möglich, diese kosmische "Ursuppe" im Labormaßstab nachzubilden und zu untersuchen.

Karrierestationen

Johanna Stachel wurde 1954 in München geboren. Sie studierte Chemie und Physik und promovierte an der Universität Mainz. Im Anschluss forschte sie 13 Jahre in den USA: An der Stony Brook University und dem nahe gelegenen Brookhaven National Laboratory arbeitete sie zunächst als Research Associate, später als Full Professor. 1996 folgte sie einem Ruf auf eine C4-Professur der Universität Heidelberg.

Stachel hat in zahlreichen wissenschaftlichen Gremien wie dem Scientific Policy Committee des CERN und dem US-amerikanischen Nuclear Science Advisory Committee mitgewirkt. Derzeit engagiert sie sich beispielsweise im Wissenschaftlichen Beirat der Wilhelm und Else Heraeus Stiftung, im Gründungsaufsichtsrat des Karlsruher Instituts für Technologie sowie im Heidelberger Universitätsrat. Sie erhielt mehrere Forschungspreise, 1999 wurde sie mit dem Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.

Zweijähriges Ehrenamt

Die Präsidentschaft der DPG ist ein Ehrenamt auf jeweils zwei Jahre. Stachel wurde vom DPG-Vorstandsrat zur Präsidentin für die Amtsperiode 2012 bis 2014 gewählt. Bis zu ihrem Amtseintritt ist sie designierte Präsidentin. Die DPG, deren Tradition bis in das Jahr 1845 zurückreicht, ist die älteste nationale und mit über 59.000 Mitgliedern auch größte physikalische Fachgesellschaft der Welt. (red)


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DPG

b2nite
01
Ich finde auch ...

wenn eine Frau es schafft sich in einer sonst von Männern dominierten Umwelt durchzusetzen, dann heißt das, wir brauchen keine Quoten und keine Frauenpolitik mehr. Nicht, dass das zu viele Frauen werden und das keine Meldung in den Nachrichten mehr wert wäre ...

Neuer Nick neues Glück
04

Ich sag's ja, Quote ist super!
Oder hat diese Frau diesen Posten etwa bekommen, weil sie einfach fähig ist und gar keine Quote braucht?
Sachen gibt's...

franz101
02

passt zum heutigen xkcd
http://xkcd.com/896/

shangl
19
und bei solchen frauen...

...bin ich stolz darauf, dass sich physiker (oder allgemein naturwissenschaftler) einen dreck um quoten scheren und es offensichtlich auch noch frauen gibt, die sich nicht zu fein sind, durch dieselben harten prozesse zu gehn, wie die männer auch...die frau ist garantiert aufgrund ihrer fähigkeiten dahin gekommen und nicht aufgrund der quote (und man sieht daran, auch frauen können es jederzeit in hohe positionen schaffen, wenn sie nur wollen)

Nevim
00
12.5.2011, 23:56

Natürlich gibt es Quoten in den Naturwissenschaften. Das fängt schon damit an, wer in Österreich Medizin studieren darf, es geht weiter mit Stipendien, die zum Beispiel auf EU-Bürger beschränkt sind oder auf Leute, die seit mehr als zwei aber weniger als fünf Jahren mit ihrer Doktorarbeit fertig sind, oder auf Leute, die Kinder haben und so weiter und so fort. Interessanterweise regt sich über diese Quoten und Beschränkungen (von denen Männer und Frauen gleichermaßen profitieren, wenn sie die anderen Kriterien erfüllen) niemand auf.

shangl
00
13.5.2011, 11:05
(2)...

...grob gesagt, du verwechselst finanzielle umverteilung (zur chancengleichheit) mit fachlichen (oder besser gesagt nicht-fachlichen) quoten, die leute in positionen hieven, die dort nix verloren haben

shangl
10
13.5.2011, 11:04
das in medizin...

...sind keine quoten, sondern aufnahmetests...nun kann ma die natürlich als quoten sehen, aber dann gibts da 2 probleme, wenn man das konsequent durchziet:
- jede prüfung ist eine quote, somit sind auch leute mit studienabschluss quotenleute und erfüllen eine quote, sobald sie einen job bekommen, der nur für dr. ausgeschrieben ist etc. (also kompletter schwachsinn ;))
- bei den stipendien für eu bürger hast natürlich recht, aber du vergisst, dass nicht-eu-bürger auch viel weniger zum staatshaushalt beitragen und stipendien in diesem fall sache des heimatstaates sind (wie übrigens überall auf der welt sonst auch)
- für leute mit kindern hat es einfach den grund, dass solche leute auch studieren können sollen

Nevim
00
13.5.2011, 19:57

Nein. Bei Medizin gibt es eine Österreicher-Quote zusätzlich zum Aufnahmetest, d.h. es kann passieren (und passiert!), dass jemand aus dem Ausland einen besseren Aufnahmetest schreibt als jemand aus Österreich und trotzdem nicht genommen wird.

Was Stipendien und so weiter angeht: Natürlich verstehe ich die politische Absicht dahinter, Stipendien z.B. speziell für EU-Bürger oder speziell für Eltern auszuschreiben. Und ich verstehe, dass es Sache der vergebenden Stelle ist, zu entscheiden, wer ein Stipendium bekommt. Aber wehe, es wird ein Stipendium speziell für Frauen ausgeschrieben, dann geht das Geschrei wieder los hier im Forum.

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