Mehr als tausend Meldungen von 2000 bis 2009 - Aktivistinnen kritisieren Umgang der Organisation Peace Corps mit sexueller Gewalt
Washington - Frühere Aktivistinnen des freiwilligen US-Weltfriedensdienstes "Peace Corps" haben den Umgang der Organisation mit Fällen sexueller Gewalt kritisiert. Bei einer Anhörung am Mittwoch vor dem Auswärtigen Ausschuss des US-Kongresses warfen mehrere Frauen dem Dienst die Vertuschung entsprechender Fälle vor. Catherine Puzey, deren Tochter Kate vor etwa zwei Jahren im westafrikanischen Benin getötet wurde, sagte, ihr breche es "jeden Tag das Herz", wenn sie an die Umstände der Ermordung denke.
Kate hatte in einem Dorf Englischunterricht gegeben, bis sie das Peace Corps über fortgesetzte Belästigungen durch einen Kollegen informierte, der bereits zuvor wegen sexueller Gewalt gegen Kinder auffällig geworden war. Ihre Beschwerde fiel jedoch ausgerechnet in die Hände eines Bruders des Beschuldigten. Wenige Tage später wurde die 24-Jährige mit durchschnittener Kehle aufgefunden.
Tausend Beschwerden wegen sexueller Gewalt
Nach Angaben des Peace Corps gingen in den Jahren 2000 bis 2009 mehr als tausend Beschwerden wegen sexueller Gewalt ein. In 221 Fällen sei es um Vergewaltigung oder versuchte Vergewaltigung gegangen. Betroffene Aktivistinnen werfen der Organisation vor allem vor, die Schuld für die Übergriffe auf die Opfer abwälzen zu wollen. Nach den Aussagen mehrerer Frauen im Kongress versprach Peace-Corps-Chef Aaron Williams eine schnelle Aufarbeitung der Fälle.
Seit der Gründung des Peace Corps im Jahr 1961 durch den damaligen US-Präsidenten John F. Kennedy engagierten sich etwa 200.000 Menschen in fast 140 Staaten freiwillig für die Organisation. Derzeit arbeiten mehr als 8.000 Peace-Corps-Aktivisten in 77 Ländern. Sie sind im Durchschnitt 28 Jahre alt. Rund 60 Prozent von ihnen sind Frauen. (APA)