Heinisch-Hosek

"Die Welt ist nicht überall in Ordnung"

13. Mai 2011, 18:34
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    foto: der standard/urban

    "Die Dinge, die ich von der ÖVP höre, sind neue Töne in ganz alten Hörnern." Daher, sagt Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ), müsse sie bei Verhandlungen oft harte Bretter bohren.

Dank nicht abgeholter Steuerbegünstigungen bleiben 200 Millionen Euro für Familien übrig - Gabriele Heinisch-Hosek will damit vor allem Kinderbetreuung ausbauen

Standard: Vizekanzler Michael Spindelegger hat Familienpolitik zu seinem "Herzensanliegen" erklärt. Wie weit teilen Sie die familienpolitischen Ansichten der ÖVP?

Heinisch-Hosek: Familienpolitik ist auch ein Herzensanliegen der Sozialdemokratie. Moderne Familienpolitik bringt Frauen weiter. Die Dinge, die ich von der ÖVP höre, sind neue Töne in ganz alten Hörnern. Wir haben unser Familienbild weiterentwickelt, das beinhaltet eine moderne Definition von Familie auch außerhalb von Mutter-Vater-Kind. Wir haben Familien ohne Kinder, Ein-Eltern-Familien oder gleichgeschlechtliche Paare mit Kindern, sogenannte Regenbogenfamilien. Es gibt natürlich Meinungsunterschiede mit dem Koalitionspartner, was Familie bedeutet. Aber wir müssen die Buntheit und Vielfalt anerkennen und Antworten finden. Zum Beispiel für die Rechtslage von Patchworkfamilien.

Standard: Eine alte Forderung ist, dass Eltern, die nicht im selben Haushalt wohnen wie ihre Kinder, Pflegeurlaub nehmen können. Ist das für Sie vorstellbar?

Heinisch-Hosek: Das war in einem Gesetzesentwurf zu einer Novelle des Familienrechts bereits enthalten, jetzt müssen wir das weiter diskutieren. Neben der Pflegefreistellung würde ich mir auch wünschen, dass es möglich ist, den dazugekommenen Elternteil als Angehörigen zu sehen, dann hätte er oder sie mehr Rechte, was zum Beispiel Auskunft im Spital betrifft. Das ist bisher nur geregelt für Patchworkeltern, die verheiratet sind. Ich würde mir auch wünschen, dass in Regenbogenfamilien die Stiefkindadoption möglich wird - die Fremdkindadoption wäre der nächste Schritt. Im Namensrecht gäbe es auch einiges zu verändern, Doppelnamen für Kinder zum Beispiel. Für Ein-Eltern-Familien ist es wichtig, dass der vorläufige Unterhalt, der vom Gericht ausgesprochen werden kann, höher angesetzt wird.

Standard: Österreich hinkt bei den EU-Zielen für die Betreuung unter Dreijähriger hinterher. Sie wollen die Anstoßfinanzierung für den Ausbau der Kindergärten im Herbst fortsetzen. Gibt es da Gespräche?

Heinisch-Hosek: Da warte ich auf Rückmeldung von Familienminister Mitterlehner, wann er für ein Gespräch Zeit hat. Die gute neue Nachricht ist, dass wir wirklich Geld zur Verfügung haben, weil es nicht abgeholt wurde aus der Absetzbarkeit der Kinderbetreuungskosten und aus den Kinderfreibeträgen. Da waren für 2009 300 Millionen budgetiert, und wir haben noch über 200 Millionen. Das heißt, die 15 Millio- nen Anstoßfinanzierung sind eine ganz kleine Summe, aber mit großer Wirkung.

Standard: Warum ist so viel Geld übrig? Wurde falsch budgetiert, oder sind die Eltern schlecht informiert?

Heinisch-Hosek: Es gibt auch andere steuerliche Begünstigungen, die nicht von allen, die es könnten, tatsächlich geltend gemacht werden. Wichtig ist für mich: Es bleibt hier eine beachtliche Summe, die andere Projekte möglich macht.

Standard: Um 200 Millionen Euro kann man sich aber einiges mehr wünschen als einen Zuschuss für den Ausbau der Kinderbetreuung.

Heinisch-Hosek: Wir könnten die Anstoßfinanzierung auch verdoppeln, aber da bin ich bescheiden. Mit den 15 Millionen Euro pro Jahr (die die Länder verdoppeln müssen, Anm.) können wir zigtausende Plätze schaffen. Ich denke auch, dass zur Finanzierung des Familienlastenausgleichsfonds Geld nötig ist, der ist ja ständig im Minus.

Standard: Kinderbetreuung ist eigentlich Ländersache. Wenn der Bund Geld zur Verfügung stellt, wünschen Sie sich auch Einfluss?

Heinisch-Hosek: Mein Wunsch ist selbstverständlich ein Bundesrahmengesetz für die Kinderbetreuungseinrichtungen mit Qualitätskriterien, damit alle die gleichen Angebote haben. Ich bin überzeugt, dass alle qualitativ das Beste wollen, aber die Rahmenbedingungen sind oft sehr schwierig für Eltern, wenn der Kindergarten neun Wochen im Jahr geschlossen ist oder über Mittag zusperrt. Deshalb brauchen wir einen Bundesrahmen, wo man festlegt, so viele Tage im Jahr darf der Kindergarten maximal geschlossen sein, er soll mindestens acht Stunden pro Tag offen haben, ein warmes Mittagessen anbieten, und so weiter.

Standard: Da höre ich die LandesrätInnen rufen: Das brauchen wir nicht.

Heinisch-Hosek: Ich würde gerne die Eltern rufen hören, was sie brauchen, und ich glaube, das würde sich schon ganz anders anhören, denn die Welt ist nicht überall in Ordnung. Vom Bodensee bis zum Neusiedler See brauchen Eltern einheitliche und qualitätsvolle Angebote.

Standard: Schon Ihre Vorvorgängerin Doris Bures hat über den Papamonat verhandelt, warum gibt es den noch nicht für alle?

Heinisch-Hosek: Das ist ein großes und wichtiges Projekt. Der öffentliche Dienst ist da Vorbild. Wenn wir einen Papamonat für die Privatwirtschaft hätten, dann glaube ich, dass das bei Vätern die Lust auf das In-Karenz-Gehen wecken würde. Das könnte über das Kinderbetreuungsgeld geregelt werden und würde keine Mehrkosten verursachen. Ein gewisser Prozentsatz an Vätern in Karenz ist ja budgetiert.

Standard: Woran scheitert es dann, wenn es nichts kostet?

Heinisch-Hosek: Da warte ich nur auf den Termin mit dem Kollegen Mitterlehner.

Standard: Warum sind Veränderungen im Familienbereich so zäh?

Heinisch-Hosek: Wenn jemand sehr traditionell in seinem Familienbild verhaftet ist, wird es langwierig. Hier gehört ein Modernisierungsschub her. Der ist zum Teil gelungen mit der eingetragenen Partnerschaft, aber manches ist dennoch das Bohren harter Bretter. Es muss erkannt werden, dass es nicht immer das Beste ist, wenn Kinder möglichst lange bei der Mutter bleiben. Da haben wir eine zu lange etablierte Tradition. Es dauert halt noch ein bisschen, dieses Umdenken herbeizuführen.

(Die Fragen stellte Andrea Heigl, DER STANDARD, Printausgabe 14./15.5.2011)

Gabriele Heinisch-Hosek (49) ist Ministerin für Frauen und öffentlichen Dienst sowie SPÖ-Frauenvorsitzende.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 157
1 2 3 4
take it easy1
218
16.5.2011, 15:52
Interessant ist, dass es in diesem Forum...

...nur max. 3 Personen gibt, die die Politik von H.H.
befürworten!

A.B. Artig1
142
16.5.2011, 17:56

ROFL.

Acvh so, darum das massive Getroolle hier im forum- glaubens echt, man nimmt die multiplen Identitäten ernst, die hier munter rot vergeben? Ist eh nur einer oder maximal zwei.

take it easy1
25
16.5.2011, 18:04
@A.B. Artig1

Ein kleiner Hellseher?

noirc80
32
16.5.2011, 18:49

ein guter beobachter.

Ein Mann
12
27.5.2011, 17:00

ein guter multi-nick-troll.

BlackAdder
153
16.5.2011, 16:01

Und das sagt uns jetzt WAS ?

"millionen fliegen irren nicht" ?

take it easy1
212
16.5.2011, 16:15
Das sagt, dass die meisten User mit ihrer Politik...

nicht einverstanden sind!

A.B. Artig1
114
16.5.2011, 17:56

Neeee. Das sagt nur, dass die üblichen zwei Vollheinis am Computer mit Umloggen Überstunden machen.

BlackAdder
173
16.5.2011, 16:22

Nein, das sagt es überhaupt nicht, denn es darf als bekannt vorausgesetzt werden daß positiväußerungen wesentlich seltener sind als unmutskundgebungen.

Und wenn man sich das "niveau" der kritiker hier ansieht, die sich in keiner weise konstruktiv mit der politik auseinandersetzen, sondern prinzipiell jede frauenministerin auf dümmlich-schäbige art beflegeln, dann fragt man sich ernsthaft ...

Wenn fakten, die nicht in's konzept passen, prinzipiell kindisch mit rot bewertet werden, schäbig-untergriffige beleidigungen aber schenkelklopfend und johlend positiv bewertet werden, was sagt uns das dann ?

Mir einiges.

Buckladahund
213
16.5.2011, 17:19
Arbeiten Sie im Auftrag von Frau Dr. Heinisch Hosek?

BlackAdder
103
16.5.2011, 17:22

Treten sie demnächst schon in den kindergarten ein oder dauert das noch ein paar jahre ?

Ein Mann
03
27.5.2011, 17:01

nein, kindergarten kommt dann erst nachher, vorher geht es noch einen posten als frauenministerin anzutreten ;-)

Buckladahund
220
16.5.2011, 17:32
Ja, mit 1.September muss ich in den Kindergarten!

Bin erst 18 Monate alt, wäre noch so gerne daheim,
aber durch die böse Hoschek werde ich einfach abgeschoben!

take it easy1
214
16.5.2011, 16:50
Das sagt nichts...

Einer dummen Frau soll man das letzte Wort lassen!

+-
212
16.5.2011, 11:11
Wenn ich wieder auf die Welt komme, werde ich H.H.!

BlackAdder
22
16.5.2011, 11:12

Und zwar weil ?

+-
13
16.5.2011, 11:27
Antwort hat Hellseher "ok?" gegeben!

BlackAdder
132
16.5.2011, 11:31

Na dann seht mal hell was ich von "menschen" wie euch halte.

Reaction Path
03
16.5.2011, 09:01
Es gibt

"EU-Ziele für die Betreuung unter Dreijähriger"? wtf....

BlackAdder
222
16.5.2011, 11:10

Wäre die EU die sozialunion, als die sie früher dargestellt wurde (heute nur mehr manchmal, und das berechtigt schamhaft), dann ist das natürlich auch ein teilthema.

"Die Barcelona-Ziele der EU sehen bei den Unter-Dreijährigen eine Betreuungsquote von 33 Prozent vor - dies allerdings bereits für 2010. Derzeit halte Österreich bei rund 14 Prozent, die Quote soll bis 2013 verdoppelt werden. "

BlackAdder
201
16.5.2011, 11:11
Allerdings:

"Auf dem EU-Kongress 2002 in Barcelona hatten noch alle europäischen Staaten zugestimmt. Ausreichend Kinderbetreuungsplätze bis 2010 sollten jungen Müttern den Wiedereinstieg ins Berufsleben erleichtern. Jetzt droht dieses Ziel verwässert zu werden. Der tschechischen Regierung, die seit Beginn des Jahres die EU-Ratspräsidentschaft inne hat, scheinen Kinderbetreuung außer Haus und damit gleiche Chancen für Frauen in der Arbeitswelt nicht so wichtig zu sein.

Statt auf die Einhaltung der so genannten Barcelona-Ziele zu pochen, setzt die tschechische Regierung auf Kinderbetreuung durch die Eltern. In ihrem Arbeitsprogramm für die kommenden Monate ihres EU-Vorsitzes betont die tschechische Regierung die Wichtigkeit der häuslichen

Reaction Path
211
16.5.2011, 11:17

Ich finde es gut, wenn die EU sich Ziele setzt für die Zurverfügungstellung von Betreuungsplätzen, aber sowas wie eine vorgesehene Quote ist dann doch ein zu grosser Eingriff in die Privatsphäre. Reicht schon, wenn unsere Politiker versuchen, den Leuten vorzuschreiben, was sie zu tun haben.
Angebot garantiert – gut.
Quoten vorschreiben wollen – schlecht.
"Bis zum Jahre xy haben soviel Prozent der Kinder in diesen Institutionen untergebracht zu werden" klingt für mich eher nach 1984; unabhängig vom Thema Fremdbetreuung an sich.

BlackAdder
202
16.5.2011, 11:30

Das ist auch nicht der fall, weder die EU noch unsere politiker können vorschreiben wer oder wieviele ihre unter dreijährigen in kinderbetreuungseinrichtungen geben, ich weiß nicht woraus die vorstellung resultiert es wäre so.

Fakt ist daß der bedarf größer ist als das angebot.

K. K. Lacke
23
16.5.2011, 12:13
fakt?

dann her mit dem Nachweis....

BlackAdder
102
16.5.2011, 12:33

Dummstellen (nehme ich mal zu ihren gunste an) hilft nicht wirklich weiter.

Googeln nach "zu wenig kinderbetreuungseinrichtungen site:.at" und nach herzenslust stöbern

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