Stand by your Man?

Beate Hausbichler, 17. Mai 2011, 07:00

Eine Zitrone für die Urologen-Gesundheitskampagne, die das Vorsorge-Verhalten von Männern verändern will und dabei auf Geschlechterklischees setzt

Pro Jahr sehen sich ca. 6.000 Männer in Österreich mit der Diagnose Prostatakrebs konfrontiert. Grund genug für eine Kampagne des "Berufsverbandes der Österreichischen Urologen" (wahrscheinlich sind Urologinnen auch gemeint), um für Vorsorge zu werben. Früherkennung ist bei Krebs, wie auch bei den verschiedensten anderen urologischen Erkrankungen, sehr wichtig, das leuchtet natürlich ein. Die dafür nötige regelmäßige Vorsorgeuntersuchung für Männer ab 40 wird allerdings noch immer viel zu wenig in Anspruch genommen, weshalb sich der Berufsverband vorgenommen hat, das zu ändern. Die Fakten sind klar, die Motivation für die Kampagne auch: Die zweithäufigste Krebstodesursache bei Männern muss verringert werden.

"Ich schau auf meinen Mann"

Über die Art und Weise, wie Männer von der Wichtigkeit einer regelmäßigen Vorsorgeuntersuchung überzeugt werden sollen, kann aber gestaunt werden. Denn die Männer selbst werden bei der Kampagne nur in zweiter Linie angesprochen. Aktion ist vielmehr von den Frauen gefragt, die im Titel der Kampagne gleich direkt angesprochen werden: "Frauen, die auf ihre Männer schauen" lautet dieser, die dazugehörige Homepage heißt ich-schau-auf-meinen-Mann.com. Frauen finden statistisch gesehen den Weg zur Vorsorge bei der/dem Gynäkologin/Gynäkologen schließlich regelmäßig, während Männer - nicht zuletzt durch Besuche beim Arzt oder bei der Ärztin - keine Schwäche zeigen wollen. Und weil das so ist, meint zumindest der Berufsverband, sind Frauen die, die Männer in Gesundheitsfragen "managen" müssen.

Gesunder Körper versus Rationalität

Die Kampagne baut also auf die Stabilität von geschlechtsspezifischen Zuschreibungen. Frauen kümmern sich um ihren Körper, hegen, pflegen und sorgen sich um ihn - tun sie das nicht, erinnert man sie gern an ihre reproduktiven Aufgaben, die sie mit ihrem Körper noch zu verrichten hätten - dafür muss derselbe schließlich was hermachen und gesund sein. Männern hingegen tut so schnell nichts weh, und wenn doch, ist es dann immer noch früh genug, um sich untersuchen zu lassen.

Der mächtige Zuordnung von Körper (Frau) und Geist (Mann) beschert Männern zwar noch immer in vielen Bereichen höher bewertete Attribute wie Rationalität oder eben Stärke. Dennoch scheint sich zunehmend herumzusprechen, dass Rollenstereotype auch Männern schaden können.
Deshalb ist eine gemeinsame Emanzipation von jeglichen Geschlechterklischees das, was wir brauchen. Eine solche ist für den Bereich Gesundheit ebenso überfällig, wie etwa auch für die Kindererziehung oder die Betreuungsarbeit.

Rollenzuschreibungen schaden

Der Berufsverband der Österreichischen Urologen hat zwar kapiert, dass Rollenzuschreibungen auch Männern schaden und sie einschränken, er macht diesen Hauch von einer Erkenntnis aber gleich mit der wenig glorreichen Idee zunichte, Rollenstereotypen mit Rollenstereotypen zu begegnen. Diese Schmalspurvariante eines gesellschaftlichen Fortschrittes haben wir in Österreich schon bei der Väterrechtsbewegung - bitte nicht auch noch in der Gesundheitspolitik. (Beate Hausbichler, dieStandard.at, 17.5.2011)

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"Diese Schmalspurvariante eines gesellschaftlichen Fortschrittes haben wir in Österreich schon bei der Väterrechtsbewegung - bitte nicht auch noch in der Gesundheitspolitik."

wie geht es ihnen frau hausbichler, wenn sie ihr kind nicht mehr zu gesicht bekommen (ohne irgend etwas angestellt zu haben)?

ihr statement erinnert an aussagen von unternehmern, denen es lieber wäre, es gäbe keine gewerkschaften.

"Ich schau auf meinen Mann"

Welche?

Statt: "Tod dem Patriarchat" "Tod dem Ehemann/Lebensgefährten".

Feminismus betreibt Geschlechtsverhetzung.

Indianer kennen keinen Schmerz!

Die Werbung ist an die Frau gerichtet weil sie dem Mann das Komando geben muss dort hin zu gehen. Warum? Damit er vor den Kollegen sagen kann "Mei Oide wollt dos i do hingeh, kennst'as eh wenn'sa se wos ei'büt!". Weil Männer sind so erzogen das Arzt gehen schlecht ist (keine Schwäche zeigen), Sorgen machen schlecht ist (unzerstörbar) und krank sein erst recht unmännlich ist. Obendrauf das unmännlichste an der Sache: Man(n) läßt sich doch keinen Finger reinschieben!

Werbung spricht Ewiggestrige an!

Mehr kann man dazu nicht sagen.

Über den Link findet ihr einen selten verblödeten sexistischen Artikel im Standard über die "Präferenzen" von Frauen bei der Hotelwahl: http://derstandard.at/130455302... forumstart

Könnt Ihr da nicht mal intervenieren?

find ich jetzt eigentlich nicht so sexistisch, werden halt frauen befragt haben. und ich hätt auch lieber ein paar interessante magazine im zimmer (müssen nicht frauenmagazine sein) als diese blöden pornokanäle für die geschäftsmänner.

"Frauen, die auf ihre Männer schauen"

Ja wirklich schrecklich.

Fast so schlimm, wie wenn sich Männer um Frauen kümmern. Frechheit.

Also in meiner Beziehung ist es in der Tat so, dass ich mich um meine Partnerin kümmere/auf sie schaue und meine Partnerin um mich.

Schrecklich, oder?

bei der kampagne geht es ja nicht darum, auf sich gegenseitig zu schauen. meinem verständis nach sollen frauen männer ab 40 bemuttern, während den männern ihre eigenverantwortung abgesprochen wird.

die welt ist so grausam... *sacklzitronenschenk*

Die Zitrone ist verdient

aber ich sehe in erster Linie eine Diskriminierung der Männer: "Ich kann nicht selbst für mich sorgen, ich brauch eine Mami, die auf mich aufpasst." Das ist natürlich unterste Schublade. Und wer springt natürlich auf den Zug auf und ist jederzeit bereit jede noch so dumme und beleidigende Klischeevorstellung zu unterstützen solange sie gegen Männer geht? Richtig: DieSTANDARD.
Erhebt dieses Klischee gleich zur allseits bekannten Wahrheit.
Zum Kotzend diese Verdreherei. Man empört sich und macht genau dasselbe. Zitrone auch für Euren ständigen Sexismus.

Werbung 101

Wer die Menschen erreichen will, ob er ihnen jetzt Waschpulver verkaufen oder sie zur Vorsorgeuntersuchen bringen will, muss sie dort ansprechen, wo sie sind. Simple as. Werbung ist halt nicht der Ort, um die Gesellschaft zu verändern, sonst wäre sie schlechte Werbung. Und grad wenns um die Gesundheit geht, darf die Aufregung Pause machen.

LOL ihr könnts rotstricheln wie ihr wollt, aber das ändert nix. Da Ihr Werbefrizen vermutlich nicht traut, fragt halt einen Psychologen Eurer Wahl

Männer brauchen nicht lange zu leben

jede Versicherung ist froh wenn man(n) früh einzuzahlen beginnt, wenig Leistungen (Arztbesuche) konsumiert und möglichst kurz Bezüge hat (schnell stirbt)

da körperliche Schwerstarbeit idR Männern zugeordnet wird ist der geringere "Gesundheitsgrad" eine SELBSTVERSTÄNDLICHKEIT in unserer Gesellschaft

es würde sich wohl ehestens eine "Verbesserung" des männlichen Gesundheitsbewusstseins einstellen, wenn die Zuordnung von hoher körperlicher Belastung und männlichem Geschlecht fällt

Beispiele: Müllabfuhr der MA48, Kanalräumung, Militär-Kampfeinsätze

wenn es nichtmehr "normal" ist, daß Männer schneller "verschleissen" ist es realistisch den gleichen Anspruch an die Gesundheitsvorsorge zu tätigen

Von der Arbeit bei der Müllabfuhr bekommen's Prostatakrebs? Sonst noch neue wissenschaftliche Erkenntnisse?

Steht in dem posting von User "Lacke" etwas von "Prostatakrebs bei der Müllabfuhr"?

"Die Kampagne baut also auf die Stabilität von geschlechtsspezifischen Zuschreibungen"

Die Kampagne baut auf die soziale Realität. Und das ist allemal sinnvoller als von feministischen Idealvorstellungen auszugehen.

Diese Werbekampagne ist sinnlos.

Ich habe das bei diveresen Männern in einer bestimmten Generation (40plus) in der Familie und auch im Bekanntenkreis mehrfach erlebt: die gehen selbst dann nicht zum Arzt, wenn sie bereits länger unter Symptome leiden und Ehefrau/Mutter/Tochter/Schwester darum betteln.

dem kann ich nur zustimmen. Als selbst Betroffener, der auch nur nach häuslichem Zwang zum Arzt geht.
Die Werbung bedient alle Klischees, ob sie deswegen schon frauen- und männerfeindlich ist, weiß ich nicht.
De**ert ist sie auf jeden Fall.

Aufgrund des Bekanntenkreises

werden sich diese Männer wohl schon aufgegeben haben....

???

HäH!? Was hat denn der Bekanntenkreis damit zu tun?

Ist halt voll "lustig", wenn der Ehemann an der Prostata einen auffälligen Befund hat und sich 1 Jahr lang weigert, die Untersuchungen zur weiteren Abklärung durchführen zu lassen, oder wie darf ich diesen tollen "Witz" verstehen?

Bekanntenkreis?

Nun, schwatzten nicht Sie vom Ihrigen?
Wer will, der kann - und braucht dazu keine weibliche Animation. Wie kämen sonst Single-Männer, die nicht Sie oder Ihresgleichen im Bekanntenkreis haben, zu Befunden?

eine Sache die halt in Zukunft häufiger stattfinden wird

aber wayne interessierts?

ob Frau Österreicherin und Herr Österreicher gesund sind kratzt doch keine/n

wichtig ist nur daß es eine brave workforce gibt, die uns wettbewerbsfähig hält, brav sinnlosen schei** konsumiert und den großteil der steuerlast trägt

ahja, und ein bissl Bildung sollen diese Menschen auch haben, damits effizienter arbeiten

damit all das bereitgestellt wird ist eine Gesundheitsvorsorge notwendig, die die Arbeitskraft erhält

ist die Prostatakrebsvorsorge evtl auch nur ein Teil des "Wettbewerbsfähigkeitspakts" der EU?

wundern würd mich das nicht...

Von gestern auf heute

wurde aus "statisch" zumindest "statistisch", aber was soll: "DER mächtige Zuordnung von Körper und Geist..."?
Außerdem wird mit diesem Text auf dieser Seite genau das betrieben, was Der/die/das STANDARD den Urologen vorwirft: stereotype Zuordnung! Warum ist der Artikel nicht in den Gesundheitsforen zu finden?
Und nur nebenbei: Glaubt "DIE STANDARD" immer noch, Männer für so blöd sehen zu dürfen, dass sie ohne Aufforderung des "Schönen Geschlechts" nicht für sich entscheiden können? In Zeiten, wo Männer sogar schon selbst ihre Unterwäsche einkaufen!!!

Ich weiß nicht, aber ich finde, dass diese Werbung in erster Linie eigentlich das männliche Klischee attackiert und ausdrücken will, dass Männer eben doch nicht so unverwüstlich und stark sind, wie manche von sich behaupten. Diese Uneinsichtigkeit ist tatsächlich ein Problem, wenn es um Vorsorgeuntersuchungen geht.

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