Schönheitswahn

Der Körper als Ware

20. Mai 2011, 10:50

Bei einer Podiumsdiskussion wurde die neoliberale Körperpolitik hinterfragt - Frauenministerin Heinisch-Hosek setzt auf Aufklärung in den Schulen

Wien - Bei einer am Donnerstagabend veranstalteten Podiumsdiskusion zum Thema "Körperpolitiken: Wie selbstbestimmt ist die Frau von heute?" forderte Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek Gegentrends zu einem tiefst neoliberalen Umgang mit dem Körper. "Es ist eine riesige Industrie über Körperbilder entstanden, wir dürfen nicht akzeptieren, dass dieser Markt nun auch schon Kinder betrifft", betonte die Frauenministerin. 

Sie plädierte, Kinder schon in den Bildungseinrichtungen mit dem Umdenken zu konfrontieren. Dabei sei ein höherer Stellenwert des Sexualunterrichts relevant. Ziel sei es, vor allem jungen Mädchen ein gesundes Körperbewusstsein zu vermitteln und medial verbreitete Körperbilder zu hinterfragen. Dazu sollten vermehrt ExpertInnen in die Schule geschickt werden. "Frauenpolitik muss hier Akzente setzen", so Heinisch-Hosek, "wir dürfen uns nicht fremdbestimmen lassen".

Neoliberale Körperpolitik

Es habe sich ein neoliberales Körperbild in der Gesellschaft etabliert, das Schönheit auch durch medizinische Eingriffe käuflich und zur Pflicht macht. Auch die Wiener Gesundheitsbeauftragte Beate Wimmer-Puchinger stellte fest: "Schöne sind zu Leistungserbringern geworden." Immer mehr Mädchen seien mit ihrem Körper unzufrieden. "Das, was da passiert ist, ist dass der Körper zur Ware gemacht wurde", so Wimmer-Puchinger. Auch in der Politik müsse man darauf achten, dass Frauen nicht unverhältnismäßig nach ihrem Äußeren beurteilt werden, meinte Heinisch-Hosek. Hier würde viel stärker als bei Männern nach einem Schönheitsideal bewertet und Inhalte treten in den Hintergrund. "Es geht um Herrschaftsverhältnisse", betonte Heinisch-Hosek, "weil das Patriarchat noch nicht abgeschafft ist", seien diese Mechanismen noch immer wirksam.

An der Veranstaltung, die von SPÖ-Bundesfrauengeschäftsführerin Andrea Mautz eingeleitet wurde, nahmen unter der Moderation von Karin Strobl Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek, die Frauengesundheitsbeauftragte der Stadt Wien Beate Wimmer-Puchinger, die Modefotografin Inge Prader, sowie der Arzt für plastische Chirurgie Artur Worseg teil. (red)

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23 Postings
atlan2001
 
02
22.5.2011, 13:25
Ich bin ein Mann und mag schlanke Frauen...

...das ist mein gutes Recht als freier Mensch. Aber wenn an der Person ausser schlank und schön nix dran ist empfinde ich die Frau als hohl und uninteressant. Ist sie nett und hat ein wenig Speck - so what ?
Ich habe jeden Tag mit vielen Menschen zu tun und beobachte dass dieser Schlankheitswahn vor allem ein Thema von Frauen für Frauen ist - und KEINE Patriachatserscheinung. Die meisten meiner Freunde finden diese dürren Knochenhaufen einfach nur bedauernswert. Letzthin haben wir zu 5. eine Bekannte mit viel Zureden davon abgehalten sich die Nase korrigieren zu lassen - hat sie dann auch nicht getan und dafür die Brust korrigieren lassen - wir haben nur noch den Kopf geschüttelt.

ecologyst
00
22.5.2011, 14:20

denken 99 von 100 männer wie sie, ist es dann immer noch ein thema von frauen für frauen?

soll die erwähnung von "ein wenig speck" den wunsch nach einer schlanken frau relativieren?

frauen dürfen sich nicht nur mit partnern rumschlagen, die anfangen zu meckern, wenn sie etwas speck anlegen, nein auch die männlichen freunde fangen an zu lästern - ob böswillig oder nur als scherz. oder schwiegervater bzw. -mutter.

und von völlig fremden darf man sich manchmal auch bemerkungen anhören, aber das passiert ihnen als mann ja wohl eher nicht.

Schmidi
01
22.5.2011, 16:35

Warum sollte das für Männer anders sein?

ecologyst
00
23.5.2011, 22:42

ist es ja nicht.

manche lassen sich halt statt der nase die diplomarbeit "korrigieren". :-)

Quargelbrot
00
22.5.2011, 16:17

Als ob Frauen weniger an uns Männern zu meckern hätten...nur haben wir soviel Ego, dass wir nicht nur optisch gefallen wollen.

ecologyst
01
22.5.2011, 21:23

dass auch manche frauen gerne meckern sehe ich selbst.

nur, das ego scheint bei manchen männern auch nicht zu reichen, sonst wärens nicht 5x pro woche im kraftstudio oder würden sich mit pillen behelfen.

habe selbst bekannte, die deswegen aufgegangen sind wie ein hefeteig. hat sich gott sei dank wieder gelegt.

Zinnmo
 
02
22.5.2011, 08:19
Neoliberal?!

Ist das jetzt der Begriff für alles und jedes?

CL
01
22.5.2011, 06:51

Vielleicht werden da von HH Äpfel mit Birnen (:-D) verwechselt!
Ich stimme zu, dass dieses Thema bei jungen Mädchen wirkl. sehr prekär ist, da diese heutzutage als Top-Thema Schönheits-OPs auserkoren haben u. bereits mit 15 Jahren beginnen, für einen solchen Eingriff ihr Geld zu sparen!
Ob diese ungute Tendenz durch Sexualunterricht gelöst werden kann, bezweifle ich stark. Die größte Grundlage liefern die Eltern während des Heranwachsens ihrer Kinder selbst. Negat. Einflüsse in der Pubertät durch z. B. sog. Stars, die so gut wie alle mehr od. weniger durch Eingriffe verunstaltet sind, können nur abgefedert werden, wenn d. Eltern ihren Zöglingen bereits in der Kindheit ein gesundes, normales Körperbild u. -bewusstsein vermitteln konnten.

12345 k
41
21.5.2011, 19:09
passt aber nicht gut zusammen mit der SPÖ forderung nach aufwertung der prostitution zur ganz normalen arbeit

H-H:"eine riesige Industrie über Körperbilder entstanden, wir dürfen nicht akzeptieren, dass dieser Markt nun auch schon Kinder betrifft" ...aber prostitution soll zu ,sexarbeit' werden und als ganz normale ,ehrliche' arbeit nicht ohne vorbildwirkung auf junge menschen bleiben?
H-H: "wir dürfen uns nicht fremdbestimmen lassen" ... aber prostituierte sollen sich ganz professionell nach dem frauenbild richten, welches triebgesteuerte männer verwirklicht haben wollen?
H-H:,,Auch in der Politik müsse man darauf achten, dass Frauen nicht unverhältnismäßig nach ihrem Äußeren beurteilt werden'' ... aber für prostituierte soll selbstverständlich gelten, dass sie in ausübung ihres berufes von männern rein nach ihrem äusseren beurteilt werden?

gnadevorrecht
14
21.5.2011, 20:17
Der Sozialismus und sein Ableger, der Feminismus, waren immer schon in sich widersprüchlich.

Vor einiger Zeit war im diestandard ein Artikel, in welchem vom Problem in einigen asiatischen Ländern berichtet wurde, dass ungeborene Kinder deshalb abgetrieben werden, weil es sich um Mädchen handelt.

Ich habe mich dann gefragt, was nun der "politisch korrekte" Standpunkt in dieser Frage (aus Sicht der FeministInnen) ist:

a) Abtreibung ist ein Menschenrecht, und selbstverständlich darf eine Mutter ihre Tochter abtreiben, wenn sie sich einen Sohn wünscht.

b) Wenn Menschen deshalb nicht leben dürfen, weil es sich um weibliche Wesen handelt, muss eine FeministIn dagegen protestieren.

Eine (vernünftige) Antwort habe ich bisher noch nicht bekommen.

john the miracle
01
22.5.2011, 15:27
ich kann ihnen weiterhelfen...

...denke ich jedenfalls. frauen sollen das recht haben abtreiben zu dürfen, denn sie bestimmen über ihren eigenen körper. eine abtreibung aufgrund von parametern die diskriminierung bedeuten würden (das sind dinge wie geschlecht, ob jemand behindert ist oder nicht, religion, sexuelle orientierung, politische überzeugung etc) ist dagegen nicht zulässig, weil diskriminierend (freundlich ausgedrückt). bei einem ungeborenen bleiben mangels religion, sexueller orientierung und politischer überzeugung im wesentlichen nur noch geschlecht und behindertsein übrig, auch eine bestimmte konstellation der gene wäre als nicht zulässiger grund denkbar. alles klar?

gnadevorrecht
00
23.5.2011, 19:49
Sind wir jetzt nicht wieder in dergleichen Endlosschleife?

Was gilt nun zB bei einem behinderten Kind?:
a) "frauen sollen das recht haben abtreiben zu dürfen, denn sie bestimmen über ihren eigenen körper." oder
b) "eine abtreibung aufgrund von parametern die diskriminierung bedeuten würden (das sind dinge wie geschlecht, ob jemand behindert ist oder nicht, religion, sexuelle orientierung, politische überzeugung etc) ist dagegen nicht zulässig, weil diskriminierend (freundlich ausgedrückt)."

Wenn b) zum Zug kommt, heißt das dann eine Frau hat in diesem Fall ihre "Selbstbestimmung" (Fall a) verloren? Ich glaube viel Beifall werden Sie für diese Antwort von den FeministInnen nicht bekommen.
;o)
War ein guter Versuch, aber eben NICHT durch die feministIsche Brille betrachtet, stimmt's?

gnadevorrecht
44
21.5.2011, 11:07
Kausalkette

Aufkommen des Feminismus => se_xuelle Revolution => Enthemmung der Geschlechtlichkeit => se_xuelle Ausbeutung der Frau (inkl. Filme eines einschlägigen Genres) => gesellschaftlicher Druck auf Frauen "schön" und "attraktiv" zu sein => krankhafte Verhalten, wie Magersucht etc.

bixente uhudla
 
05
21.5.2011, 19:09

blödsinn-siehe auch die antwort auf ihr posting von jcmaxwell...auch sexuelle ausbeutung von frauen hat es schon sehr lange vor der sexuellen revolution gegeben und es gibt auch in kulturkreisen wo es die sexuelle revolition nicht gegeben hat(die war als solches ja ein ereignis der westlichen welt) sexuelle ausbeutung von frauen und gesellschaftlichen druck schön zu sein

jcMaxwell
13
21.5.2011, 15:43

ich würd mal sagen, dass es schon lang vor der sexuellen revolution gewissen gesellschaftlichen druck bzw. modeerscheinungen gab, die frauen zu gesundheitsschädlichen maßnahmen zwang (zB korsett) bzw. lässt sich die modifikation von körpern durch implantate bis auf naturvölker zurückverfolgen

Karinkoller
02
21.5.2011, 10:51
Bewusstsein schaffen

Die weibliche Sxualität ist auch im 21. Jahrhundert noch ein Tabuthema. Gleichzeitig wird Körperlichkeit als abstossend empfunden. Eine Entkrampfung kann nur stattfinden, wenn Frauen mit ihrem Körper zufrieden sind ( http://karinkoller.wordpress.com/2011/05/2... piercings/ ). Beschäftigung mit dem Körper erweckt Lust und führt zu Selbstbestimmtheit.

Johannes Benn
00
21.5.2011, 05:12
.

der zusammenhang zwischen kommerz und koerper ist meiner meinung nach vor allem die nahrumgsmittel- und gesundheitsindustrie. beide trachten mit erfolg die koerper dick und krank zu machen um sie dann fuer geld wieder erloesen zu koennen. dass dabei die aesthetik auf der strecke bleibt ist nur nebenwirkung

ecologyst
00
22.5.2011, 13:04

hat man gut mit der masseneinführung von zucker gesehen.

bis dahin war karies ein viel harmloseres thema.

jetzt haben schon 25jährige ihre ersten dritten zähne und die zahnputzmittelindustrie jubelt.

jcMaxwell
00
21.5.2011, 15:44

activia ;)

Gerhard Müller
11
20.5.2011, 13:49
man muss niemanden in die Schule schicken

es ist nur das bestehende Strafrecht konsequent anzuwenden.

Ein Eingriff ohne nachgewiesene medizinische Indikation ist schwere Körperverletzung.

Schwerwiegender, wer den Eingriff macht, denn er macht das noch in Gewinnabsicht.

Damit wäre das Problem gelöst. Und kommt jemand auf die Idee, dass er halt ins Ausland dafür fährt, dann gilt dasselbe. Für den/die die sich den Eingriff hat vornehmen lassen, und erst recht für den, der den Eingriff macht.

Und schon gibts eine Fahnungsliste mit internationalem Haftbefehl.

Grenzfälle zu medizinischer Indikation wird es immer geben. Aber darüber kann ja eine Kommission entschieden, am besten in öffentlicher Sitzung.

anders and
 
01
21.5.2011, 22:31

ich empfehle Ihnen den §90, Absatz 1 des StGB zu berücksichtigen:

"Eine Körperverletzung oder Gefährdung der körperlichen Sicherheit ist nicht rechtswidrig, wenn der Verletzte oder Gefährdete in sie einwilligt und die Verletzung oder Gefährdung als solche nicht gegen die guten Sitten verstößt."

Den Bürgern ihre Selbstbestimmung zu verwehren gehört nicht zu unserem Rechtsverständnis.

Ein Mann
10
21.5.2011, 16:45

Wenn jemand zustimmt, dann ist er selbst schuld.

Bei unzähligen männlichen Babies, die ohne Zustimmung verstümmelt (beschnitten) werden, stimme ich Ihnen allerdings zu.

Challenger
02
21.5.2011, 06:22

Wo passt die ausdrückliche Zustimmung und umfassende Eingriffsaufklärung in Ihr Konzept und wollen Sie alle Schönheitschirurgen dieser Welt per internationalen Haftbefehl suchen lassen ;-)

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