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Angelina Vidali ist auf der Suche nach "eleganten" Theorien.
Wahlsysteme, Versteigerungen im Internet oder der Bau einer Brücke: Das sind Probleme, die Angelina Vidali interessieren. Auch wenn sie scheinbar nichts miteinander zu tun haben - "mathematisch gesehen sind sie ganz eng verknüpft", sagt Vidali, Postdoc an der Fakultät für Informatik der Universität Wien.
Ob es um die Vergabe einer Stimme bei einer Wahl, um das Zuteilen eines Objekts bei einer Auktion oder um die Kostenaufteilung bei großen Bauprojekten geht - die dahinterliegenden Mechanismen sind ein Fall für algorithmische Spieltheorie, das Spezialgebiet von Angelina Vidali.
In der Forschungsgruppe von Monika Henzinger, ehemals Leiterin der Forschungsabteilung von Google, hat Vidali auch die ideale wissenschaftliche Spielwiese für ihre Arbeit gefunden. "Das Wichtigste ist, dass man Leute findet, von denen man sich begeistern lassen kann", sagt die 29-Jährige. Und wenn es dann noch eine höchst erfolgreiche Frau wie Henzinger ist, umso besser.
In Athen geboren, lernte Vidali ab dem Alter von zehn Jahren in einer Sprachschule Deutsch. Angetan hat es ihr vor allem die deutschsprachige Literatur, von Arthur Schnitzler über Max Frisch bis zu Thomas Bernhard. Trotz des Interesses an Sprache und Kunst entschloss sie sich zu einem Mathematikstudium, wo sie die größte Herausforderung sah. "Kunst und Wissenschaft haben gemeinsam, dass man erst ganz für sich allein etwas herausfinden muss, um es dann nach außen zu tragen", sagt Vidali, die es schätzt, auch in der Mathematik kreativ sein zu können. Bei ihrer Arbeit vertraut sie auf ihre Intuition: "Es geht darum, die richtige Linie bei der Lösung eines Problems zu finden, eine Situation mit all ihren Aspekten zu verstehen."
Ein dreimonatiges Auslandsstipendium brachte sie erstmals nach Wien, wo sie sich dank Museen, Kaffeehäusern und Theatern sofort wohlfühlte. Zurück in Athen, schloss sie das Mathematikstudium ab und sattelte für die Dissertation, in der sie sich bereits mit der spieltheoretische Analyse von Netzwerken befasste, auf Informatik um. "Ich finde es spannend, verschiedene Wissensgebiete verbinden zu können: Wirtschaftstheorie, Spieltheorie und Mathematik", sagt Vidali. Den Doktor in der Tasche, ging sie für ein Jahr ans Max-Planck-Institut für Informatik in Saarbrücken, Ende 2010 übersiedelte sie dann nach Wien.
In einem vom Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds WWTF geförderten Projekt erforschen Vidali und Henzinger derzeit Auktionen, mit denen Suchmaschinen im Internet gesponserte Links versteigern. Dabei bieten Werber Geld für bestimmte Suchbegriffe. Werden diese angefragt, führt die Suchmaschine eine Sponsored-Search-Auktion durch und vergibt nach einem bestimmten System die Positionen für die Anzeigen. Henzinger und Vidali wollen mithilfe von theoretischen Modellen und mathematischen Werkzeugen dieses komplexe System analysieren und für alle Beteiligten optimieren.
Letztlich gehe es darum, die Interessen vieler Einzelner so auszugleichen, dass sie dem Wohl aller dienen, schildert Vidali. Um die Strukturen dahinter zu verstehen, seien Theorien nötig, die "einfach, verständlich und elegant" sind. Damit sie auch im Alltag eingesetzt werden können - und den Brückenbau genauso wie Web-Auktionen verbessern. (Karin Krichmayr/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.5.2011)
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