Adele bleibt sitzen

Ina Freudenschuß
31. Mai 2011, 07:00
  • Eine hübsche junge Frau auf ihrem Stühlchen: Das Management ist heute, wo Adele Millionen Alben verkauft, schlauer und wirbt mit einem neuen Frauenbild in der Musikindustrie.
    xl recordings

    Eine hübsche junge Frau auf ihrem Stühlchen: Das Management ist heute, wo Adele Millionen Alben verkauft, schlauer und wirbt mit einem neuen Frauenbild in der Musikindustrie.

Seit langem gilt ein "sexy Image" als Erfolgsvoraussetzung für Frauen im Pop. Die britische Soul-Sängerin Adele stellt hier eine Ausnahme dar

Die junge, britische Soul-Sängerin Adele ist der neue große Star der Insel: Ihr zweites Album "21" ist nicht nur ein großer Erfolg in Europa und den USA, nein, das Album hat in Großbritannien auch einen neuen Poprekord aufgestellt: Sie stieß Madonna nach 21 Jahren vom Thron jener Popsängerinnen, die mit einem Album (Ms. Ciccione schaffte dies recht unspektakulär 1990 mit der Hit-Compilation "The Immaculate Collection") die britischen Albumcharts am längsten hintereinander anführten. 

Kein sexy Girl

Die etwas pummelige Adele Adkins verteidigt nun schon seit über zehn Wochen die Chart-Spitze des popverliebten Großbritanniens. Dementsprechend rege wird dort die Diskussion geführt, wie es diesem braven Mädchen mit der großen Soul-Stimme denn gelungen sei, den Olymp des Pop zu bezwingen. Und das, obwohl sie doch auf alles verzichtet, womit andere erfolgreiche Pop-Soul-R'n'B-Sängerinnen ausgestattet sind: einen "heißen Body" samt aggressiver Vermarktung ihrer weiblichen Sexualität.

Es sind Superstars wie Britney Spears, Christina Aguillera, Lady Gaga, Beyoncé und Rihanna (um nur die Bekanntesten zu nennen), die sich nun schon seit Jahren der Inszenierung von "selbstbestimmtem" weiblichen Sex bedienen und dabei jedes Mal aufs neue Tabu-Brüche provozieren - ja müssen, weil ihre Darbietungen sonst nicht mehr wahrgenommen würden. So räkeln sich weibliche Popstars heute wie selbstverständlich in Schlammwasser, weil sie es "dirty" mögen, inszenieren Gruppen-Sex (Lady Gaga) oder Sado-Maso-Fantasien (die gereifte Aguillera und jüngst Rihanna) und halten dabei die seit Madonna so vielbeschworene befreite weibliche Sexualität hoch.

Neue Sichtweise auf Künstlerinnen?

Nun gibt es aber den überwältigenden Erfolg von Adele, der das Credo der Musikindustrie, wonach Musikerinnen ohne Sex-Vermarktung niemals Superstars werden können, deutlichst in Frage stellt. Ihr Label "XL Recordings" reagierte prompt: auf MTV würden nur noch Künstlerinnen zu sehen sein, die in ihren Videos pornographische Inhalte verbreiten. Adele hingegen hätte das Potential, die Art und Weise zu verändern, wie Frauen in der Musikindustrie gesehen werden, indem sie den Fokus wieder mehr auf die Musik und weniger auf die Sexualität der Künstlerin richten.

Die Ansichten des Label-Gründers Richard Russels in Ehren, aber sie sind wohl um einiges zu optimistisch. Adele ist schließlich nicht die erste Künstlerin, die es ohne Model-Maße zu dauerhafter Chartspräsenz schaffte. Weder Missy Elliott noch Beth Ditto haben in der Vergangenheit mit ihren körpergewaltigen Performances die dominanten Images der Popindustrie ins Wanken gebracht. Sie bleiben Ausnahmen, die wegen ihres jeweiligen "Super-Talents" neben den herkömmlichen Norm-Körpern geduldet werden.

Und dann stellt sich auch noch die Frage, ob Adeles Performance wirklich so herausragend anders ist, wie ihr Management betont. Prinzipiell erfordert es natürlich Mut, sich als Frau, die nicht den erwarteten Körperbildern entspricht, auf die Bühne zu stellen, ja überhaupt in der Öffentlichkeit das Wort zu ergreifen. Bei der Betrachtung von Adeles Video zur Hit-Single "Rolling in the deep" kann man sich allerdings des Eindrucks nicht erwehren, dass wir hier schon weiter waren. Beth Ditto zelebriert ihren Körper in hautengen Schlauchkleidern und ruft in ihren Auftritten zur Neuinterpretation von sexuellen Codes auf. Adele Adkins hingegen sitzt mit ihren 21 Jahren als Diva verkleidet auf einem Stuhl, den sie bis zum Ende des Videos nicht verlässt. Vorzuwerfen ist ihr nichts, aber schade bleibt es trotzdem, dass sich dieser Körper offenbar nicht zeigen durfte - aus Angst vor der sexistischen Verwertung. (dieStandard.at, 31.5.2011)

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>> aber schade bleibt es trotzdem, dass sich dieser Körper offenbar nicht zeigen durfte - aus Angst vor der sexistischen Verwertung.

Aber nur in diesem einen Video, in anderen steht und geht sie... - und was für eine sexistische Verwertung bitte???

>>Kein sexy Girl

Sagt wer? dieStandard?

>>Seit langem gilt ein "sexy Image" als Erfolgsvoraussetzung für Frauen im Pop.

1) siehe weiter oben...
2) möglicherweise - ich weiss damit lehne ich mich weit aus dem fenster - liegt der erfolg im pop an der musik?
ich wußte bis heute nicht wie Adele aussieht und es könnte mir nichts egaler sein, das gleiche gilt für Britney, Rihanna,... ich sehs im radio eh nicht.

um nochmal auf das "gilt als Erfolgsvoraussetzung" zurückzukommen:

nur weil erfolgreiche ... zu einem großteil etwas gleich haben/machen (was auch ansichtssache ist) kann man daraus nicht schließen dass die eine voraussetzung für den erfolg ist.

oder um nach gleichem schema etwas zu konsturieren um die fehlannahme aufzuzeigen: häßliche frisuren gelten bei weiblichen politikern als Erfolgsvoraussetzung...

erbsen bedingen bei iglo gemüse den hohen absatz...

usw.

auch beth dito ist erfolgreich und hat nicht 90-60-90 maße..

glücklicherweise ist doch noch auch talent ausschlag gebend für erfolg und nicht nur brüste und hintern :)

Vorzuwerfen ist ihr nichts, aber

schade bleibt es trotzdem, dass sich dieser Körper offenbar nicht zeigen durfte - aus Angst vor der sexistischen Verwertung

tja - wie man bzw. frau es auch macht - es ist auf jeden fall falsch...

Sie scheinen von Blindheit geschlagen zu sein.

Mir ist es sowieso unbegreiflich warum

Musikvideos noch immer so hoch bewertet werden.
Mir gefällt ja das Lied selber weder mehr noch weniger, ob darin "Sexszenen" oder was auch immer vorkommen.
Wenn ich mich stimulieren muß, lade ich das dementsprechende Filmchen runter, spiele ein Spiele, usw.. Es ist halt das "Sex-sells" Prinzip, mit dem Aufmacher, im neuesten LadyGaga Clip gibt's einen Gruppensexorgie, fangen die Verlage doch noch eine Menge dummer Käufer ein.

videoclips sind eine eigenständige kunstform....was nicht heissen soll,daß alle musicvideos auch künstlerisch wertvoll sind-aber es gibt durchaus videos die es in komplexität und cinematografischer gestaltung mit vollwertigen spielfilmen aufnehmen können

Naja:

Bruno Mars´ neue Nummer "Lazy Song" finde ich entbehrlich.
Allerdings bleibe ich beim Vidoe immer hängen, weil ich auf die Szene warte, wo er die Hose runterläßt und in der Short herumhüpft.

Ich weiß das ist sexistisch und dumm, aber ich kann mir ein Schmunzeln dabei nicht verkneifen!

das ist weder sexistisch noch dumm...sie schauen sich etwas an,was ihnen freude berietet und niemand dabei zum schaden kommt,niemand diskriminiert wird oder etwas gegen seinen willen tun muß...wo ist das problem???

Das ist es ja:
Ich schaus ja trotzdem ;-)

Und sie schreiben auch: ...niemand diskriminiert wird.

Da bin ich mir bei dem Video nicht ganz sicher:
Die affenköpfigen Jungs im Hintergrund, das Runterlassen der Hosen...

Kommt man sich da als Mann nicht blöd vor wenn man auf sowas reduziert wird?

ich würde nie auf die idee kommen,so eine darstellung,sei es in einem musikvideo oder einer werbung,auf mich oder auf alle männer zu beziehen-die einzigen die da auf irgendetwas reduziert werden(wenn man überhaupt von "reduzieren" reden kann-ich finde an sexyness nichts abwertendes und kann demnach die ganze "reduktions-debatte" nicht ganz nachvollziehen...) sind ja die konkreten männer die im video mitspielen
...und abgesehen davon,wenn frauen sowas sexy finden ist es doch gut so...;-)

Naja sexy, ist das eh nicht wirklich.
Ich weiß selber nicht, warum ich bei dem Blödsinn hängenbleibe. Fällt bei mir schon fast in die Kategorie "billig". Vielleicht gerade deswegen, weil das so ein Paradoxon zu sein scheint.

Aber es gibt auch die umgekehrte Variante, dass ich Videos mit viel Haut scharf finde (Snoop dog Sweat z.B) und andere (z.B. Flo Rida Turn around) die auch nicht mehr zeigen billig und abwertend.
Ich denke es kommt auf die Art und Weise der Präsentation an.

pikant

...wenn gerade eine Frauenseite sich der Männerdiktion bedient, und ausser Frage stellt, dass Dickere auch sexy sein können.

"wird dort die Diskussion geführt, wie es diesem braven Mädchen mit der großen Soul-Stimme denn gelungen sei, den Olymp des Pop zu bezwingen"

.
indem sie geile musik macht und eine wahnsinnsstimme hat.
as simple as that ...

tja, sexappeal ist eben nicht alles

manche haben den körper dafür (zumind. für über 90% der zuschauer) manche eben nicht.
das aber genau dieses thema von diestandard.at angesprochen wird ... naja.

dort wo andere mitunter eben ihren körper einsetzen, pyrotechnik , bühnenshows usw verwenden gibts bei adele einfach nur eine stimme. und diese kann ziemlich viel.
man braucht sich nur ihre darbietung bei den brit awards ansehen ("someone like you").
da war nichts ausser einem klavier und ihrer stimme - und dennoch war das das beste an diesem abend/nacht.

Wenn ich mich als Mann zwischen dem Sexappeal von Adele und Fr.F. entscheiden müsste, fiele mir die Wahl nicht schwer.

was ist da jetzt so neu und anders...

tracy chapman,suzanne vega,tanita tikaram,sinead o`connor,sade,kate nash,björk,erika baduh..die fallen mir jetzt ganz spontan ubd ohne nachzudenken ein...alles frauen die im musikgeschäft erfolgreich sind/waren und dabei nicht ihren körper vordergründig eingesetzt haben(wenn ich jetzt etwas länger nachdenke,fallen mir wahrscheinlich nochmal 10 ein...)

kommt halt immer auch auf die musik drauf an-es gibt musik die ist sexy bzw. hat bezug zu sexualität-da wäre es schon unpassend,wenn die interpretin wie adele nur züchtig herumsitzt-und es gibt musik,wo andere dinge im vordergrund stehen,da wärs dann wieder unpassend,wie dessous-model rumzulaufen...

upsi, zu doof zum Posten.

Naja, jedenfalls, Adele hat im "Rolling Stone" -Interview gesagt:

‘I love seeing Lady Gaga’s boobs and bum. I love seeing Katy Perry’s boobs and bum. Love it. But that’s not what my music is about. I don’t make music for eyes, I make music for ears.’

Steht ja auch im Link von The Guardian:

Adele talked openly about her image in an interview with Q magazine, insisting that a sexualised image did not fit her music. "If you've got it, flaunt it, if it works with your music," she said.

"But I can't imagine having guns and whipped cream coming out of my tits. Even if I had Rihanna's body, I'd still be making the music I make and that don't go together."

DER MUSIKSTIL PASST EINFACH NICHT ZU SEX SELLS!!!

Redaktion dieStandard.at1
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das verlangt ja auch keiner, am wenigsten dieStandard.at, von ihr. aber in dem video ist das Verstecken ihres Körpers so offensichtlich, dass es nicht überlegen sondern defensiv wirkt.

so ein blödsinn!!

wo soll da ein "offensichtliches verstecken des körpers" sein!
video ist eine kunstform, das sitzenbleiben ein stilmittel.
wenn wer was verstecken wollte, bräuchte man nur das gesicht zeigen oder gar keine sängerin.
es hat durchaus schon videos ohne sänger oder nur mit models gegeben.
fr. freudenschuss, da sind sie sowas von am holzweg mit ihrem artikel und mit ihnen scheinbar die gesamte die-standard-redaktion!
*kopfschüttel!!*

Genau!
Brooke bleibt auch sitzen!!!

Gerade gibt es ein aktuelles Video von Brooke Fraser: Something in the Water
http://www.youtube.com/watch?v=u5C-YHSy3Fw

Brook sitzt die ganze Zeit! Dazwischen ist Animation und sie gibt sich überhaupt nicht sexy.

Unter dem Youtube Link hat jemand geschrieben:
Great example of? a girl who doesn't use sex appeal for fame!

Also Fr. Freudenschuß: Nix Neues aber auch nix Altes ohne Körpereinsatz zu singen und sitzend ist auch nicht einzigartig.

ich frag mich auch

woran die autorin erkannt hat, dass adele "etwas pummelig" ist.
wo sie doch extra sitzen bleiben musste.

Anscheinend brauchte sie eine Begründung für ihre abstruse Theorie und da war ihr nichts zu billig.

"ist das Verstecken ihres Körpers so offensichtlich, dass es nicht überlegen sondern defensiv wirkt"

.
meine güte!
hängen die mädels ihre titten in die kameras, sind's natürlich "talentfreie schlampen", die nur mittels körpereinsatz erfolg haben.
und tun sie das nicht, dann "verstecken sie ihren körper" und "wirken defensiv".
kann man die leute nicht einfach so agieren lassen, wie sie wollen, ohne gleich große analysen darüber anzustellen, "was denn nun mit denen los" sei?
der erfolg gibt ihr recht.
und der erfolg wird (anders als vermutlich bei den Britneys und Gagas dieser welt) nachhaltig sein.

ist doch schön :o)

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