Die vielen Gesichter von Gewalt an Frauen

3. Juni 2011, 09:55

Fast 40 Prozent der Frauen sind Opfer physischer Gewalt - 13 Prozent sind von sexueller Gewalt betroffen, 58 Prozent belästigt

Grado - Ein enormes Problem, oft unterhalb der Wahrnehmungsschwelle der Gesellschaft: häusliche Gewalt. Ein hoher Prozentsatz der Frauen dürfte auch in Österreich Opfer von physischer bzw. psychischer und/oder sexueller Aggressionen werden. Gewalt in der Familie - das sind zumeist wiederholte Attacken, die in den meisten Fällen Frauen und Kinder betreffen. Dies waren am Donnerstag Hauptaussagen bei einem Seminar zu diesem Thema bei den Österreichischen Ärztetagen in Grado (bis 4. Juni).

"Unter dem Begriff 'Häusliche Gewalt' wird in erster Linie Gewalt in Ehe und Partnerschaft bzw. männliche Gewalt gegen Frauen im sozialen Nahraum verstanden. Trotz der augenscheinlichen Neutralität des Begriffes handelt es sich fast immer um eine geschlechtsbezogene Gewalttat an Frauen, die in enger persönlicher Beziehung zu den männlichen Tätern stehen. (...) Häusliche Gewalt ist kein einmaliges Ereignis, sondern ein System von Misshandlungen, das auf Macht und Kontrolle abzielt", stellten die Wiener Gerichtsmedizinerin Andrea Berzlanovich bzw. Maria Rösslhumer, Geschäftsführerin des Vereins der Autonomen Frauenhäuser in Österreich, in der Zusammenfassung ihres Seminars fest.

Keine wissenschaftlichen Arbeiten zum Thema

Wie auf vielen anderen Gebieten im medizinischen und sozialen Umfeld mangelt es an Austro-Daten. Die Expertinnen: "Für Österreich gibt es keine wissenschaftlichen Arbeiten, die das Ausmaß von Gewalt gegen Frauen auf Basis einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage aufzeigen. Prävalenzstudien auf europäischer Ebene liefern konkrete Daten, die Rückschlüsse auf Österreich zulassen." Herausragend und wohl auch für Österreich aussagekräftig sei eine Umfrage bei 10.264 Frauen ab 16 Jahren, die vor einigen Jahren in Deutschland durchgeführt wurde:

  • 37 Prozent der befragten Frauen hatten zumindest einmal in ihrem Leben körperliche Gewalt (von Ohrfeigen bis hin zu Verprügeln und Waffengewalt) erlitten.
  • 13 Prozent der Befragten hatten zumindest einmal Sex-Attacken in strafrechtlich relevantem Ausmaß erlitten.
  • 58 Prozent der Frauen waren schon einmal sexuell belästigt worden.
  • 42 Prozent aller Frauen hatten psychische Gewalt (von Einschüchterung bis hin zu Psychoterror) erlitten.

Für Österreich gibt es aktuelle Behördendaten, die ganz klar für ein erhebliches Problem sprechen: Vergangenes Jahr verfügte die Exekutive exakt 6.759 Wegweisungen wegen Gewalt in der Familie, es gab 2.534 Anzeigen nach dem Anti-Stalking Gesetz. Die Expertinnen: "In Österreich passieren mehr als die Hälfte aller Morde im Familien- und Bekanntenkreis. Die Opfer sind mehrheitlich Frauen und Kinder. Im Jahr 2010 wurden 157 Morde auf ihre Opfer-Täter-Beziehung hin untersucht. In 111 Fällen lag ein Verwandtschafts- bzw. Bekanntschaftsverhältnis vor. Das sind 70 Prozent." 1.733 Frauen suchten mit ihren 1.715 Kindern im Jahr 2010 Zuflucht in einem der 26 autonomen österreichischen Frauenhäuser. Die Gewalttäter als Auslöser waren zu 83 Prozent die Ehemänner bzw. Lebensgefährten, nur in vier Prozent der Fälle die Ex-Partner.

Leiden und hohe Kosten

Die Leiden der Opfer häuslicher Gewalt sind riesig und sollten allein deshalb zu vermehrter Aufmerksamkeit sorgen. Doch es sind auch die Kosten, welche eigentlich zum Handeln zwingen müssten. Gerichtsmedizinerin Andrea Berzlanovich und Frauenhaus-Expertin Maria Rösslhumer: "Eine Kostenermittlungsstudie legt die jährlichen Folgekosten von häuslicher Gewalt in Österreich unter Einbeziehung des Aufwandes für Polizei, Gericht, Strafvollzug, Gesundheitsversorgung, Sozialhilfe, Opferhilfe etc. auf rund 78 Millionen Euro (im Jahr, Anm.) fest. Mit allen wirtschaftlichen Folgekosten könnten bis zu 5,3 Milliarden Euro pro Jahr entstehen."

Für Beschäftigte im Gesundheitswesen als potenzielle AnsprechpartnerInnen bzw. als "Personal", das auf jeden Fall "hinsehen" müsste und nicht "wegsehen" oder "übersehen" dürfte, wäre eine entsprechende Aus- und Bewusstseinsbildung notwendig. Deutliche Warnsignale sind unter anderen:

  • Verletzungen, die nicht mit der Erklärung ihres Entstehens übereinstimmen oder Verletzungen in unterschiedlichen Stadien der Ausheilung.
  • Verzögerungen zwischen Zeitpunkt der Verletzung und Inanspruchnahme ärztlicher Hilfe.
  • Chronische Beschwerden, die offenbar keine physischen Ursachen haben.
  • Physische Verletzungen während der Schwangerschaft bzw. spätes Beginnen mit der Schwangerschaftsvorsorge.
  • Häufige Fehlgeburten
  • Suizidversuche und Suizidgedanken

Die Expertinnen plädieren im Zweifelsfall für einfühlsames gezieltes Nachfragen von Ärzten und anderen im Gesundheitswesen Tätigen im umklaren Fall: "Wie aus verschiedenen Studien bekannt ist, empfinden viele Frauen Erleichterung, wenn sie vorsichtig und gezielt befragt werden." Damit könnten wenigstens mehr bereits erfolgte Fälle häuslicher Gewalt früher aufgedeckt werden. (APA)

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Richard Ebner
04
Erstens: Ohne Link zur Studie ist der Artikel ...

... ohnehin wertlos.
Zweitens: Wenn ich Kindheit mit einschließe, was bei diesen Studien meistens der Fall ist, sind wahrscheinlich die meisten von uns Opfer von männlicher und auch weiblicher Gewalt.
Drittens: Ohne Definition von Gewalt brauchen wir gar nicht weiterreden. Wenn anschreien - wie meistens - als Gewalt gewertet wird, sind wir alle Gewaltopfer und zwar von Männern und von Frauen.
Viertens: Gewalt in der Familie ist zu etwa 50% weiblich.
Fünftens: Wenn es wieder mal darum ging, Frauen als Opfer und Männer als schlecht hinzustellen, ist das auch nicht gelungen, dafür ist der Artikel zu offensichtlich manipulativ.

Jumper
31
belegen sie ihre aussagen.

noirc80
20

hm, wo sind denn ihre links zu den studien?

die naive
38
Mein Sohn

wurde mehrmals von seiner ersten Liebe aus - grundloser - Eifersucht geohrfeigt.

Er war hilflos, da ich im beigebrachte hatte, Mädchen, Frauen eben nicht zu schlagen.

Als ich das bemerkte habe, mußte ich ihm zu der Gleich-Zurück-Ohrfeige raten.

marcopolo1971
 
00

klar, super plan, wie wäre es mit ner geistig normalen freundin?

Jumper
00
für alle betroffenen (männer) im raum salzburg:

www.maennerwelten.at

Nennt mich Loretta
 
24
Also, so als Anregung....ich kenn eigentlich kaum einen Mann, der nicht irgendwann mal in seinem Leben eine Ohrfeige von einer Frau kassiert hat. Sind das jetzt alles Gewaltopfer?

Abgesehen davon...wenn das "Opfer" weiblich ist, ist der Täter nicht automatisch männlich.

So als keiner Imput...

http://www.youtube.com/watch?v=Jvk5Koe7m1s

;-)

Nennt mich Loretta
 
00
Also ich

Mad_Max86
 
08
Es gibt auch einige Studien,

die darauf hinweißen, das Gewalt an Männern einfach nicht wahrgenommen wird, bzw. sogar als "gut" befunden wird. Darum ist es auch nicht überraschend, das immer nur von Gewalt an Frauen gesprochen wird.

Guter ABC-Bericht dazu:
http://www.youtube.com/watch?ind... D8EA331363

die naive
16
Habe auch bereits eine Ohrfeige von einem Mann

bekommen und ihm reflexartig auch eine geklebt.

Dann war Ruhe!

Bitte mich nicht in die Statistik aufnehmen.

obibiber
31

herr naive, dann leben sie aber in einer gewaltbeziehung oder in einer beziehung, in der gewalt passiert ist, und fallen unter jene, die bei befragung ihre gewaltbeziehung nicht als solche deklarieren würden.

K. K. Lacke
11
liefern sie bitte ein Definition für Gewalt

dann könnte man wirklich drüber diskutieren, inwiefern Gewalt nicht auch in Beziehungen ausgeübt wird, die von KEINER Seite als solche bezeichnet würden

sie werden feststellen, daß gerade der Bereich "psychische Gewalt" nur selten als "Gewalt" wahrgenommen wird

sie kennen ja dieses Forum auch schon länger...

obibiber
01

sie hören das ja sowieso nicht, was sie hören wollen: psychische gewalt wird in erster linie von frauen ausgeübt, wieso sollte ich das sagen? es ist absurd, die ganzen stalking-anzeigen beweisen gewaltigen druck auf personen, psychoterror kann nicht von physischem terror losgelöst werden...

K. K. Lacke
10
ja stimmt

psychoterror kann nicht von physischem terror losgelöst werden

wieso also wird psychische Gewalt nicht geahndet?

es spricht NIEMAND davon mit physischer Gewalt zu antworten, es geht lediglich darum die Kongruenz der beiden Gewaltformen nicht derart aus den Augen zu verlieren. Psychische Gewaltausübung muss über soziale Mechanismen bekämüft werden weil eine rechtliche Verfolgung aufgrund der Tatsache daß sich solche im zwischenmenschlichen Bereich abspielt de facto nicht möglich ist (kaum Zeugen, Aussage vs Aussage)

weshalb psychische Gewaltausübung derzeit noch völlig straflos und spgar als raumnehmendes Mittel eingesetzt wird

und das Studien zufolge vorwegs durch Frauen

obibiber
01

psychische gewalt ist auch, wenn
...eine person abhängig vom einkommen der andren person ist und das drohende druckmittel jederzeit zum einsatz kommen kann (damokles schwert) und bekannterweise auch eingesetzt wird
...einkommensscheren für alleinerzieher_innen nochmal bedeuten, dass sie weiter ins prekäre fallen
...eine person angst hat, sich zu trennen, weil sie dann um sichere existenz fürchten muss (fehlen von freiwilligkeit...
usw. usf.

die naive
10

Bin eine Frau.......

In einer temperamentvollen Beziehung kann es mal zu einer wie von mir beschriebenen Situation kommen. Das ist natürlich nicht erstrebenswert! Wichtig war, dass ich gleich zurück geschlagen habe! Dass wirkt nachhaltiger, als 1000 Worte.
Will damit nicht existente wirkliche Gewalt bagatellisieren - die gibt es leider wirklich und musss weiter angeprangert werden!

Diona007
10

Stimmt, eine entsprechend deutliche und spontane Antwort wirkt oft deeskalierend.

Man muss sich nicht Alles gefallen lassen und reden hilft nicht immer weiter.

obibiber
01

auch als mann können sie gehen, sie müssen nicht zurückschlagen, das sollte eine weiterentwicklung von gesellschaft sein, die erkennt, dass gewalt nicht in ordnung ist. ansonsten bleibt eine schlag auf schlag logik, die wenig durchbricht.

Johannes Benn
33
.

es wuerde mich nicht wundern, wenn die gewalt gegen frauen in manchen islamischen laendern weitaus geringer waere

noirc80
11

.
interessant. warum würde sie das nicht wundern?

Diona007
08

Wichtiger als diese ganzen Diskussionen wäre es, wenn Mütter das Selbstbewußtsein ihrer Töchter stärken und diese als erwachsene Frauen jedem der sie belästigt mit einer entsprechenden Antwort konfrontieren.

Ein Problem ist das Ausüben von Gewalt, das andere das Erdulden selbiger (womit nicht angedeutet werden soll, dass die Opfer selbst schuld sind).

die naive
00

Das stimmt.

In meiner Familie ist es Tradition :-), dass sich Frauen nicht schlagen lassen. Bin mit einer selbstbewußten Mutter aufgewachsen, die wiederum eine selbstbewußte Mutter hatte usw.

Meine erwachsene Tochter läßt sich auch keine Gewalt gefallen.

sljudanka
97
Was in unserer heutigen Welt komplett ausgeblendet wird ist dsa grosse Dunkelfeld weiblicher Gewalt

das sich weniger durch körperliche Gewalt ausdrückt, sondern meist durch psychische.
Diese kann aber genauso zerstörerisch sein.
Auch der Entzug von Liebe wird sehr häufig (gezielt) eingesetzt, weil viele Frauen der Überzeugung sind, Sexualität sei iene "Bringleistung", und Mann hätte gefälligst dafür was zu leisten!

Viele sagen sich "jetzt hab ichs mir x-mal machen lassen, und WAS hab ich eigentlich dafür bekommen"?

Es gibt eine sehr umfangreiche, listenreiche Instrumentarium psychischer Gewalt, die von Keiferei, über Liebesentzug bis zur Lächerlichmachung reicht.
Körperliche Gewalt ist das männliche Metier, psychische Gewalt das weibliche, wobei offen ist was verurteilenswerter ist.

das 2.ere gibt es offiziel aber nicht....

noirc80
13
das ist nicht offen, es ist ganz einfach: wenn sie provoziert werden, gehen sie. wenn sie drauf los schlagen, gehen sie auch, aber ins gefängnis. ausreden a la aber sie hat mich provoziert gelten nicht.

Nennt mich Loretta
 
11
Zumindest für Männer, gell?

...

http://www.youtube.com/watch?v=L... D8EA331363

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