Die 16. Regenbogen-Parade zog über den Wiener Ring - Abschlussfeier war diesmal am Rathausplatz
Wien - Bunt, schrill, laut und viel nackte Haut: Am Samstag
ist die Regenbogenparade über die Wiener Ringstraße gezogen. Laut
Organisator Christian Högl, Obmann des Vereins Hosi (Homosexuelle
Initiative), kamen rund 110.000 Menschen zur Veranstaltung, um in
fantasievollen Outfits gegen die Diskriminierung Homosexueller und
Transgender-Personen zu demonstrieren. Die Schlusskundgebung auf dem
Rathausplatz wurde aufgrund des am Abend einsetzenden Regens
schließlich zum feucht-fröhlichen Spektakel.
Bei der Schlusskundgebung, "Pride Show" genannt, versprach
Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek, dafür zu kämpfen, dass
homosexuelle Paare auch am Standesamt heiraten dürfen.
Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou will sich auch einsetzen,
dass schwule und lesbische Paare heiraten können, "wo sie wollen, wie
sie wollen und wann sie wollen". Die Grüne EU-Abgeordnete Ulrike
Lunacek rief die ZuhörerInnen auf, gemeinsam zu kämpfen, dass "wir den
Platz in der Mitte der Gesellschaft nicht mehr verlieren".
Frauenstadträtin Sandra Frauenberger unterstrich: "Gemeinsam
zeigen wird heute Haltung gegen Homophobie und Transphobie." Die
Kundgebung fand heuer erstmals am Rathausplatz statt und wurde vom
Verein CSD Vienna organisiert.
Politischer Hintergrund
Dass die Regenbogenparade einen politischen Hintergrund hat,
war
nicht nur bei der Schlusskundgebung, sondern auch beim Umzug selbst
klar ersichtlich. Auf Plakaten hielten die ParadeteilnehmerInnen nämlich
Forderungen und Slogans fest: "Zivilcourage zeigen! Diskriminierung
und Homophobie bekämpfen" oder "Verstecken ist out" war etwa zu
lesen. Eine Gruppe demonstrierte mit deftigen Slogans gegen die FPÖ.
Der Tross zog am Nachmittag von der Börse am Schottenring zum
Rathausplatz. Die Route führte - anders als in den vergangenen Jahren
- in Fahrtrichtung. Laut Hosi-Obmann Högl hatte der Richtungswechsel
vor allem organisatorische Gründe. Außerdem wollte man "als
politisches Zeichen" am Parlament vorbeimarschieren. Ob die Route
auch im kommenden Jahr so beibehalten werde, hänge davon ab, ob die
Schlusskundgebung wieder am Rathausplatz stattfinde.
"Show your face"
Das Motto des Events lautete "Show your face". Anlässlich des
100-Jahr-Jubiläums des Frauentags wurde der Zug von Frauen, den
"Lesbians' Pride", angeführt. In Sachen Styling zeigten die
TeilnehmerInnen viel Fantasie: Es gab Dragqueens, Polizeikostüme, Engel,
Schmetterlinge, Außerirdische, aber auch viel nackte Haut und bunt
bemalte Körper zu sehen. Insgesamt nahmen rund 40 Gruppen an der
Parade teil, darunter viele mit aufwendig geschmückten Fahrzeugen.
Mit von der Partie war auch Hermes Phettberg, der in einem
Fahrradtaxi kutschiert wurde.
Für Partystimmung unter den TeilnehmerInnen wie auch bei den
Schaulustigen am Straßenrand sorgte die passende Musik: Viele
Fahrzeuge waren mit Lautsprechern bestückt, aus denen laute Techno-
und Discosounds schallten. Eine Promi-Jury, in der unter anderem
Moderator Alfons Haider und Musical-Sänger Uwe Kröger saßen,
prämierten die originellsten TeilnehmerInnen.
Positive Bilanz
Insgesamt zog Högl eine positive Bilanz: "Die Stimmung war
wirklich sehr ausgelassen." Zwischenfälle hätte es keine gegeben.
Einziger Wermutstropfen sei der Regen bei der Abschlusskundgebung
gewesen, dadurch hätten nicht so viele BesucherInnen wie sonst dort feiern
können.
Die "Pride Show" dauerte noch bis 23.00 Uhr. Wer dann noch nicht
nach Hause gehen wollte, konnte bei der Abschlussparty "Pride Night"
weiterfeiern. Diese fand in drei Locations - am Badeschiff, im "brut"
am Karlsplatz sowie im "lutz - der club" in der Mariahilfer Straße -
statt.
Auch in Budapest, Zürich und Zagreb fanden am Samstag Pride Parades statt. (red, APA)