Fortpflanzungsmedizin

"Gehör bekommen die, die verbieten wollen"

20. Juni 2011, 14:08

Heinisch-Hosek plädiert für erweiterten Familienbegriff und fordert die künstliche Befruchtung bei lesbischen Paaren - Kontroverse Debatte zur In-vitro-Fertilisation

Wien - Die Enquete der Bioethikkommission des Bundeskanzleramtes, die Montag und Dienstag stattfindet, will vor allem Meinungsdarstellung und Meinungsbildung zu den heikleren Fortpflanzungsmedizin-Themen wie Präimplantationsdiagnostik, Eizellspende, Fremdsamenspende bei der In-vitro-Fertilisation (IVF), künstliche Befruchtung in lesbischen Partnerschaften etc. betreiben. Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek: "Die Frage ist, ob das österreichische Fortpflanzungsmedizingesetz noch zeitgemäß ist." Es gebe ein Recht auf - auch künstliche unterstützte - Fortpflanzung, aber auch ein Recht "Nein" zu sagen.

Die Politikerin weiter: "Es gibt Bereiche, wo ich glaube, dass man noch Schritte setzen muss. Lesbischen Paaren ist es beispielsweise verboten, eine künstliche Befruchtung durchführen zu lassen, wenn sie Kinderwunsch haben. Der Familienbegriff ist weiter geworden." Neue medizinische Möglichkeiten seien in Österreich "recht restriktiv" geregelt.

Bis zu sechs Elternteile

Gesundheitsminister Alois Stöger verwies auf Fragen, welche in seines Ressort geregelt werden sollten, zum Beispiel die Begrenzung der Zahl der bei der IVF implantierten Embryonen: "Ein-Single-Embryo-Transfer ist die Grundlage (...). Es ist klar, dass diese Empfehlung umgesetzt werden sollte." Das Gesundheitsministerium zahlt derzeit jährlich 13 Millionen Euro als Zuschuss für die IVF von aus medizinischen Gründen kinderlosen Paaren (70 Prozent der Kosten für maximal vier IVF-Versuche).

Christiane Woopen, ausgebildete Gynäkologin und Mitglied des Deutschen Ethikrates, will die Reproduktionsmedizin gesetzlich geregelt haben, wenn auch immer wieder angepasst an die Entwicklung von Medizin und Gesellschaft. Sie führte an, dass bei einer gespendeten Eizelle, die man mit Zytoplasma einer Eizelle einer anderen Mutter "aufpeppe" und dann implantiere, schon zwei genetische Mütter habe. Bei Samen vom Spender, Leihmutterschaft (wegen eines gleichgeschlechtliches Paares) wären bis zu sechs biologische, soziale und nach rechtlichem Status als solche zu bezeichnende Elternteile vorhanden.

Das müsse einfach zu Problemen führen. Christiane Woopen: "Unumstritten ist, dass die Selbstbestimmung des Menschen dort ihre Grenzen hat, wo die Würde eines Anderen geschädigt wird."Die reproduktive Selbstbestimmung betreffe aber nicht den Menschen mit Kinderwunsch allein, sondern betreffe auch das Kind, das hier zum bloßen Objekt gemacht werden könnte. Deshalb sollte diese Thematik nationalgesetzlich geregelt sein - und zwar nicht nach dem Grundsatz des "kleinsten Gemeinsamen Nenners": "Die Leute morden und stehlen. Wollen Sie deshalb die Gesetze aufheben?"

Wann beginnt das Leben?

Für mehr Liberalität warb der Wiener Medizingenetiker Markus Hengstschläger (MedUni Wien): "Es bleiben nach wie vor viele Paare übrig, denen wir nicht helfen können. (...) So wie es derzeit (rechtlich in Österreich, Anm.) ist, ist es eigentlich nicht akzeptabel. Hier ist es nötig, nachzujustieren." Man sollte auch nicht den Eindruck erwecken, das Biologen oder gar die Religionen einer Meinung seien. Die Biologen könnten sich nicht einigen, wann in der Embryonalentwicklung das individuelle, schützenswerte Leben beginne und bei den Religionen sei folgendes anzumerken: "Es gibt nichts, was die Weltreligionen so trennt, wie die Frage, wann das Leben beginnt."

Der Wiener IVF-Pionier Wilfried Feichtinger übte im Zusammenhang mit der Enquete heftige Kritik: "Solche Symposien beobachte ich seit 30 Jahren. Es finden immer diejenigen Gehör, die etwas verbieten wollen. (...) Es sollte alles erlaubt werden. Die Betroffenen sind immer die Patienten. Die müssen dann ins Ausland fahren. Warum sollten sich Eltern auch nicht das Geschlecht ihres Kindes aussuchen können, wenn sie es wollen? Ich habe schon so die Nase voll, weil es ist immer derselbe Quatsch. Wie kommen die Patienten dazu, dass sie durch ganz Europa fahren müssen, wenn sie ein Problem haben?" (APA)

Kommentar posten
16 Postings
ReinhardS
05
20.6.2011, 16:24
Fair

Wenn lesbische Paare das Recht auf IVF haben - womit ich übrigens überhaupt kein Problem habe solange ich nicht als anonymer Samenspender unterhaltspflichtig werde) - bekommen dann analog schwule Paare das Recht auf eine Leihmutter?

noirc80
10
20.6.2011, 18:53

nein. aber sie können gerne die leihmutterschaft legalisieren wollen. denn lesben bekommen nicht das recht auf eine spermaspende, sondern nur das recht, wenn sie einen spender finden, diese auch zu benutzen:) des weiteren dürfen heterosexuelle frauen schon gebrauch von spermaspenden machen. da werden lesbische frauen eindeutig diskriminiert bei der ivf. wenn die leihmutterschaft für alle verboten ist, also auch für heterosexuelle, dann ist das keine diskriminierung von schwulen, mehr ein fall von selbstbestimmungsbeschneidung.

K. K. Lacke
00
22.6.2011, 11:21
ähm nein

das Recht auf Forztpflanzung wird Frauen auch dann zugestanden wenn es ihnen körperlich unmöglich wäre

ergo ist das Recht homosexueller Männer auf ein Kind durch die Leihmutterschaft zu realisieren

das wäre GLEICHBEHANDLUNG

die Selbstbestimmungsbeschneidung setzt ja bei der Leihmutter an, sie ignorieren hier daß wir grad einem Geschlecht ein "Recht auf Fortpflanzung um jeden Preis" zugestehen, und dem anderen absprechen sich fortpflanzen zu dürfen wenn kein Uterus vorhanden ist

noch sexistischer und diskriminierender gehts eh schon nimmer

noirc80
00
22.6.2011, 19:09

selbstbestimmungsrecht: ich beziehe mich auf die leihmutter. nein, sie haben kein recht auf ein kind. es wird nicht extra eines gemacht, wenn sie selber keines bekommen können.
heterosexuellen frauen medizinische unterstützung zu geben, homos nicht, ist diskriminierung. allen die leihmutterschaft zu verwehren, nicht, denn das gilt sowohl für schwule, heterosexuelle männer, heterosexuelle frauen, lesben und welche gruppen ihnen sonst noch zu ALLE einfallen.

Indi Ana
20
20.6.2011, 18:25
denken sie doch mal nach

bevor sie sowas schreiben,
glauben sie wirklich dass eine Ejakulation (Samenspende) vergleichbar ist mit einer 9-manatigen Schwangerschaft?

dann können sie vielleicht selbst auf die faire Antwort kommen

K. K. Lacke
00
22.6.2011, 11:26
JA, IST VERGLEICHBAR

was wollen sie uns denn hier weismachen? daß Männer keine emotionale Bindung an ein Kind haben?

oder daß alleinerziehende Frauen auf Kassenkosten Kinder kriegen sollen, während ihr Sexismus die einzige Begründung ist dies Männern vorzuenthalten?

mücke86
 
00
außerdem: fehler in der logik

man kann nicht äpfel und birnen miteinander vergleichen..
bei genauerem überlegen muss doch jedem klar sein, dass eine samenspende etwas völliganderes ist als eine schwangerschaft oder haben sie eine emotionale bindung zu ihrem sperma? andersherum wäre eine anonyme eizellenspende für die frau auch nicht emotionaler, als die samenspende für den mann.
und auf der anderen seite würde niemand bei klarem verstand abgestreiten, dass eine durch- oder bewusst miterlebte schwangerschaft die gefühle kalt lässt... und ich habe väter, wie mütter gesehen, die ihre kinder über alles lieben, genauso, wie ich väter, wie auch mütter kennengelernt habe, denen ihre kinder völlig egal sind.

mücke86
 
00
ein blick ins gesetz erspart viel geschwätz...

alleinstehende frauen bekommen keine samenspende.. frauen, die aus körperlich-biologischen gründen keine kinder bekommen können, bekommen ebenfalls keine leihmutter gestellt.. wenn man hier vergleichen will, sollte man gucken WAS man vergleicht und dann gucken, ob es bei ungleichbehandlung vielleicht auch einen guten grund dafür gibt.
sie können einerseits frauen und männer vergleichen.. das frauen kinder bekommen (im sinne von schwanger werden) können und männer nicht, ist durch kein gesetzt der welt zu ändern.. das ist ein biologischer unterschied mit dem MANN sich abfinden muss..
wenn sie aber die menschen miteinander vergleichen, die (ob nun weiblichen oder männlichen geschlechts) von sich aus keine kinder bekommen können, dann werden di

Colette
00
11.8.2011, 17:21

ich finde alleinstehende frauen sollten auch die möglichkeit zur schwangerschaft durch eine samenspende haben. find ich komisch dass das nicht geht.

noirc80
00
22.6.2011, 19:10
ist es nicht!:)

eine spermaspende ist nicht gleichwertig ist mit neun monaten schwangerschaft und einer geburt.

Inglib summoned
04
20.6.2011, 20:04
heul heul heul

Männer sind genausowenig schuld Männer zu sein wie Frauen schuld sind Frauen zu sein.
Die Frage ist gar nicht so blöd denn, derartiges ist schon vergekommen, dass ein lesbisches Pärchen dann den samenspender verklagt hat, wenn ein neues gesetz kommt müssen Männer auch eine entsprechende REchliche absicherung bekommen.

noirc80
00
20.6.2011, 18:56

vielleicht ging es dem vorposter mehr um das recht auf selbstbestimmung. die leihmutter wird ja nicht gezwungen, brutkasten zu sein. ihre entscheidung. ist es ein schutz für frauen, leihmutterschaft zu verbieten oder ist es eine beschneidung der selbsbestimmung? und wie man das dann regelt, sprich, was wenn die frau nach der geburt sagt, geb ich doch nicht her, steht nochmal auf einem anderen blatt.

Niemand & Keiner
21
20.6.2011, 17:49

Ich vermute mal nein, sind ja nur Männer. Wo käme denn Frau hin, wenn Mann die selben Rechte hätte.

noirc80
00
20.6.2011, 18:59
macht keinen sinn, hier ungleiches gleich behandeln zu wollen:)

wie soll das gehen? männer können nicht schwanger werden, der "aufwand" bzw. die belastung/ einschränkung ist für die frau bei einer schwangerschaft immer ungleich höher. wie weiter oben schon wer schrieb: spermaspende und schwangerschaft plus geburt sind nicht zu vergleichen.

K. K. Lacke
00
22.6.2011, 11:24
ungleiches?

tut mir leid, mit Biologismen oder Naturalismus ist kein Topf zu gewinnen

entweder Mann und Frau werden gleich behandelt um nicht eine/n davon zu diskriminieren oder eben nicht

wenn Naturalismen wie "die haben keine Gebärmutter" anführen dann gibts halt IVF für NIEMANDEN, weil "die von NAtur aus keine Kinder kriegen können"

ich verstehe nicht warum sie zu so unehrlichen Argumentationen greifen

daß alles GLEICH zu sein habe ist ja die Forderung der FrauenrechtlerInnen, aber diese sind leider nicht konsequent wenn sie ihr Gebärmonopol in Gefahr sehen

noirc80
00
22.6.2011, 19:12
ok. weil sies sind. dann erlauben wir halt die ivf auch für männer. wo pflanzen sie mir das dann ein? prostata?

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.