Fußball-Studie

Fußball verbindet, vor allem weiße Männer

Beate Hausbichler, 22. Juni 2011, 07:00
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    foto: apa/georg hochmuth

    Die Studie "Hetero, weiß und männlich? Fußball ist viel mehr!"schaute sich im Fußball nach struktureller Diskriminierung um.

Dem Fußballvergnügen können sich nur weiße, heterosexuelle Männer uneingeschränkt hingeben - Eine Studie nahm Sexismus, Homophobie und Rassismus im Fußball unter die Lupe

Jeder/jede zehnte FußballspielerIn ist homosexuell. Zumindest müsste das laut Statistik in Deutschland so sein. De facto gibt es aber bei den ProfifußballerInnen in der ersten oder zweiten Bundesliga kein einziges Bekenntnis zur Homosexualität. Trotz des oft hervorgehobenen integrativen Charakters von Fußball, bei dem sich Menschen verschiedenster sozialer und ethnischer Herkunft in die Arme fallen, ist auch unbestritten: Bei Homosexualität hört sich der Spaß auf. 

Eine Studie der Friedrich-Eberl-Stiftung nimmt sich den homophoben, sexistischen und auch rassistischen Tendenzen im Fußball an und schlägt Strategien und Maßnahmen vor, um Ausgrenzungen und Diskriminierungen zu verringern. Dafür beinhaltet die Studie "Hetero, weiß und männlich? Fußball ist viel mehr!" neben dem Abschnitt über die wissenschaftlichen Analysen einen umfangreichen Teil über politische und strukturelle Maßnahmen.

Schwule und Frauen als "die anderen"

Zuvor weist die Studie allerdings auf das hin, was eigentlich überall sichtbar ist: die Selbstverständlichkeit der männlichen Dominanz. Alles andere als "normal" im Fußballkontext sind demnach Frauen und schwule Männer, sie sind "die anderen". Bei Frauen funktioniert diese Markierung laut Studie zum Beispiel über den Naturalisierungsdiskurs. Zwar sei man sich auch bei kleineren Dorfmannschaften mittlerweile bewusst, dass eine offene Ächtung von Fußball spielenden Frauen nicht mehr drin ist. Um Frauen aber dennoch draußen zu halten, bediene man sich des allseits beliebten Rückgriffes auf die Natur, die halt einfach so ist wie sie ist: langsamer, körperlich unterlegen oder schlechter im Zweikampf, fasst die Studie ein paar dieser altbekannten Sager über die sportlichen Leistungen von Frauen zusammen.

1955 folgte das Verbot für Frauen

Dass die scheinbare Symbiose zwischen Männern und Fußball aber alles andere als naturgegeben ist, zeigt ein Schwenk in die Geschichte. Frauen hatten seit den Anfängen des Fußballsports an dem "sehr körperbetonten wilden Volkssport partizipiert, aus dem sich in England im 19. Jahrhundert der moderne Fußball entwickelte", so die Studienautorinnen Nina Degele und Caroline Janz. In Abwesenheit der Männer erfuhr der Sport während des ersten Weltkrieges einen Aufschwung, erst in den 20er-Jahren avancierte Fußball zum prestigeträchtigen Massensport und die Frauen spielten zeitgleich immer weniger. Der Ausschluss von Frauen gipfelte in Deutschland 1955 im Frauen-Fußball Verbot des DFB. Die offizielle Begründung: "Der harte Sport würde nicht nur der Psyche der Frau widersprechen, sondern auch ihrer Gebärfähigkeit und sei damit gesundheitsschädigend." Schon damals wurden somit die Naturalismus-Geschütze aufgefahren, die sich bis heute ganz gut gehalten haben (Kommentar: Ganz brav auf sexy Hexy).

Ab 1970 durften Frauen in Deutschland endlich wieder spielen, allerdings mit Sonderregelungen, wie etwa kürzere Spielzeit und mit einem leichteren Ball. Die verhinderte Gleichsetzung mit dem "Männer-Fußball" schlug sich natürlich in finanziellen Belangen nieder: 1974 verdienten Männer bereits 35.900 Euro für einen WM-Gewinn, für die Fußballerinnen gab noch über zehn Jahre später nur ein Kaffeeservice. Doch auch im Jahre 2011 kann frau darüber nur mäßig schmunzeln, denn noch heute verdienen männliche Profis das Vierfache von dem, was Fußballerinnen bekommen.

Die Dusche ist noch immer Thema

Das zweite große "Andere" im Fußball sind Schwule. Homosexualität entpuppte sich in den 18 Gruppendiskussionen, die über dieses Thema für die Studie geführt wurden, als besonders heikle Angelegenheit. Schwulsein schön und gut, im Stadion wolle man aber davon nichts sehen, fassen die Autorinnen zusammen. Würden Schwule ihre Sexualität offen zeigen, könnten sich die Heteros nicht mehr gefahrlos in den Arm nehmen, rekonstruiert die Studie die Ängste im Stadion: "Schwule im Stadion konfrontieren die sich vor Freude in den Armen liegenden Geschlechtsgenossen mit der Frage, was möglicherweise Schwules an ihnen sein könnte." Unsicherheiten mit Homosexualität wurden in den Diskussionen auch mit einem Anstrich von Toleranz in Kombination mit Witzen kaschiert ("desch heut nemme so schlimm, weil´s heut koina Soifa meh gibt"). Die Distanznahme zur Homosexualität zieht sich von dem omnipräsenten Begriff "Schwuchtel" bis zur vermeintlich betont lockeren Haltung gegenüber Schwulen.

Lieber homophob als Rassist

Neben dem Ausschluss von Frauen und Homosexuellen thematisiert die Studie auch Nicht-Deutsche und Deutsche mit Migrationshintergrund als marginalisierte Gruppe im Stadion. Während es beim Thema Homosexualität mit der Bemühung um das Vokabular nicht weit her ist, wird in puncto Rassismus schon mehr Vorsicht an den Tag gelegt. Auch zieht Rassismus im Fußball derzeit härtere Sanktionen als Homophobie nach sich. "Als 2007 beispielsweise ein Torwart den Spieler Gerald Asamoah mit 'schwarze Sau' beleidigte, behauptete er danach, Asamoah nicht als 'schwarze', sondern 'nur' als 'schwule Sau' bezeichnet zu haben. Das Sportgericht senkte daraufhin die Strafe von sechs auf drei Spiele Sperre", so die Autorinnen. 

Degele und Janz thematisierten auch weitaus tiefer liegende Rassismen: Bei der WM 2010 wurde zwar der internationale Charakter des Männer-Nationalteams hervorgehoben, auf der anderen Seite wurden aber auch ethnisch-nationale Denkmuster sichtbar. So wurden etwa "deutsche Tugenden" gepriesen, die zum Erfolg geführt hätten. 

"Mixen statt trennen"

Wie sind diese diskriminierenden Strukturen im Fußball in den Griff zu bekommen? Durch die Praxis, schlagen die Autorinnen vor: Denkpraxis, Sprechhandlungen oder Verhaltensweisen sollen jene Verhältnisse ändern, die letztendlich auch nur von Menschen gemacht wurden. Ein konkreter Vorschlag der Autorinnen ist z.B. "mixen statt trennen", denn die Differenzierung entlang Alter und Geschlecht halten sie für fraglich. Geschlechterübergreifendes Training könnte laut Studien-Autorinnen ein Rezept gegen stereotype Zuschreibungen sein, „zumal die Unterschiede unschwer und nicht selten unbewusst in Ab- und Aufwertungen überführt werden". Sensibilisierungsarbeit mit TrainerInnen, Fanbeautragten oder sonstigen Verantwortlichen sollten auch auf der Agenda stehen. Klare Positionen in Sachen Rassismus, Homophobie und Sexismus muss es aber allen voran von Verbänden wie dem DFB geben. Denn diese würde sich letztlich auf die Berichterstattung auswirken. (beaha, dieStandard.at, 22. Juni 2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 91
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PlasticVoice
07
24.6.2011, 09:36
Ich möchte den Damen bei Die Standard danken.

Solche Artikel lassen mich den Tag mit einem Lächeln auf den Lippen beginnen. Schon alleine den Begriff Bundesligaspieler zu gendern bei 100% Männeranteil ist an Kuriosität fast nicht zu überbieten.

o glorioso pé de friedenreich
02
24.6.2011, 00:40
liebe autorin

max eberl - sportdirektor von borussia mönchengladbach
friedrich ebert - erster deutscher reichspräsident

120 Jahre Karl Schranz
04
23.6.2011, 13:01
letzten sommer mussten arabischstämmige deutsche in berlin ihre fahne

gegen übergriffe aus der linken szene verteidigen

http://www.morgenpost.de/berlin-ak... rannt.html

außerdem kann ich den nationalismus-vorwurf nicht nachvollziehen. man spricht die "deutschen tugenden" (die im übrigen im fußball ein feststehender begriff sind) ja nicht nur mertesacker, schweinsteiger etc zu, sondern auch boateng und kedhira.

o glorioso pé de friedenreich
40
24.6.2011, 00:36
die "deutschen tugenden"

sind, ob als fest stehender begriff oder nicht, auch im fußball ausdruck der jahrzehntelang gelebten nähe zu nationalismus und reaktionärem weltbild, um es mal sanft auszudrücken. denn die "deutschen tugenden" kampfkraft, siegeswille, vorwärtsdrang und "nie aufgeben" sind genau die selben "deutschen tugenden", die vor 60 jahren noch anderen vertretern der deutschen mit auf den weg gegeben wurden (da waren die ösis übrigens auch dabei).
und es ist kein wunder, dass seit rudi völler eigentlich kein deutscher teamchef oder bundestrainer mehr das wort von den "deutschen tugenden" in den mund nimmt. schmeckt auch grauslig.

o glorioso pé de friedenreich
30
24.6.2011, 00:41
und...

die deutsche mannschaft der WM 2010 zeichnete sich vor allem durch die abwesenheit der "deutschen Tugenden" aus.

o glorioso pé de friedenreich
40
24.6.2011, 00:43

oder vielleicht besser formuliert: dadurch, dass sie ihre erfolge vor allem mit spielfreude, taktik und technik erreicht haben und eben nicht ausschließlich mit diesen unsäglichen sekundärtugenden.

Flexman
00
24.6.2011, 11:42

und durch schiedsrichter die nicht sehen ob der ball vor oder hinter dem tor ist. :)

Steffen Schilling
05
23.6.2011, 07:20

"De facto gibt es aber bei den ProfifußballerInnen in der ersten oder zweiten Bundesliga kein einziges Bekenntnis zur Homosexualität."

Es war mir bislang nicht bekannt, dass der FCR Duisburg, das Team der zweiten deutschen Nationaltorhüterin, die mit einer Frau verheiratet ist, nicht in der ersten Bundesliga spielt.

Flexman
01
24.6.2011, 12:05

Es ist wirklich lustig dass man das Wort Profifußballer zwar gendert, dann aber offenbar die Frauen-Fußball-Ligen doch nicht miteinbezieht und so unnötig Verwirrung stiftet. (Wobei ja wie weiter unten gesagt das ohnehin kein Profifußball sein dürfte, weil da viele ihrem normalen Job nachgehen).

o glorioso pé de friedenreich
00
24.6.2011, 00:51

und dass welttorhüterin nadine angerer offen bisexuell ist zählt offenbar auch nicht....

Flexman
03
23.6.2011, 12:09

tja... schlecht recherchiert und klischees bedient. aber wenn die klischees zu einem vermeintlich guten zweck sind dann darf man das auf einmal wieder machen.

speakers corner
05
23.6.2011, 07:06
"De facto gibt es aber bei den ProfifußballerInnen in der ersten oder zweiten Bundesliga kein einziges Bekenntnis zur Homosexualität."

Liebe Autorinnen auch wenn es nur wirkliche Insider wissen: In der in der ersten oder zweiten Bundesliga spielen leider nur Männer. Das Wort Profifußballer zu gendern sagt deshalb mehr über euch aus als über die Bundesligen.

o glorioso pé de friedenreich
30
24.6.2011, 00:46
Flexman
04
24.6.2011, 11:36

und was willst du uns mit dem link sagen??

Frauenfußball ist kein Profifußball - wenn dem so wäre, dann müssten die Spielerinnen nicht nebenbei einem Job nachgehen, der teilweise sogar verhindert dass sie bei diversen Spielen teilnehmen können.

Zudem Titeln auch diverse seriöse Medien "Steinhaus erste Schiedsrichterin im Profi-Fußball" (obwohl sie ja schon Frauenliga-Spiele geleitet hat).

-blos so-
11
22.6.2011, 23:38
Fußball verbindet, vor allem weiße Männer

die Formulierung ist wieder mal typisch für diestandard sehr einseitig...

es ist keine Frage der Hautfarbe, sondern des Kulturkreises und vielleicht auch nocht des Millieus...

Ein hier aufgewachsener Farbiger wird genau so mit feiern und begeistert sein... zumindest kannte ich vor einigen Jahren einen bei dem das so war...

Hannes Kartnig
00
23.6.2011, 11:16

ach nö, Sie kannten da mal einen? herzig!

Alter Knacker
22
22.6.2011, 21:49

das ist ja die meist diskriminierte Bevölkerungsgruppe, die den größten Minderwertigkeitsstatus hat: Die einheimischen, katholischen, heterosexuellen Männer.

Amy4
82
22.6.2011, 20:27
archaische männlichkeitsmuster

prima artikel von beate hausbichler!
wie der fußballsport d. frauen von vielen männern abgewertet wird , erlebe ich kont. in den medien und in internet-blogs. der fußballsport eine männerdomäne, wo gewünschte archaische männlichkeit konstruiert und gelebt wird. der fußball stellt sich als eine arena d. männlichkeit .
da haben auch heute noch in zeiten des männlichkeitswahns frauen, lesben und schwule nichts zu suchen, erleben häme, spott und abwertung. hinter der abwertung des frauenfußballs steckt die angst vor dem verlust des maskulinums, die selbstverständlichkeit von dominanz..das erleb(t)en frauen seit beginn /historisch belegt.

http://www.kos-fanprojekte.de/fileadmin... ehnert.pdf

stefan1981
13
23.6.2011, 09:33

männlichkeitswahn? WTF?

es ist eher genau umgekeht.

Flexman
28
22.6.2011, 22:22

der Frauenfußball wertet sich schon selbst ab indem Frauen Weltmeisterteams gegen eine U16 von Stuttgart mit 0:4 verlieren, oder der Frauen-Champions-League Sieger gegen Haus im Ennstal mit 0:6. Soviel zu den klar sprechenden Fakten.

Was dann aber noch dazukommt ist, dass es keine wirkliche Konkurrenz gibt. Deutschland hat in 4 Testspielen eine Bilanz von 15:0, Frankreich in der Qualifikation gar 50:0. Bei solchen Resultaten und Teams ist ein Wettbewerb sportlich wertlos, deswegen wird wohl auch hierzulande kaum über die Tischfussball-WM (wo es Mixed-Bewerbe gibt und Österreich Weltmeister war), und die Football-WM berichtet. Aber die Deutschen nutzen die Gelegenheit mal wieder um sich zu feiern...

o glorioso pé de friedenreich
50
24.6.2011, 00:54
na und?

schifahrerinnen, tennisspielerinnen und leichtathletinnen würden genauso klar gegen männer verlieren. spricht ihnen deswegen jemand die existenzberechtigung ab? wirklich eine selten blöde argumentation.

deiml
00
26.6.2011, 14:37

dahinter steckt selbstredend neid und der vorwurf des protektionismus. "meine nachbarin steht in der zeitung, ich nicht, obwohl sie sich sportlich mit mir nicht messen kann". der einzige grund dafür ist die tatsache dass sie eine frau ist. noch einmal: neid und der vorwurf des protektionismus. ohne umschweife.

und jetzt kommen wir zur frage des niveaus. beim skifahren ist die sache eine andere. kaum jemand wird bezweifeln dass die frauen die man im fernsehen bewundern kann sportlich über sich selbst zu stellen sind. das liegt auch daran dass die meisten menschen in diesem land skifahren nicht als sport betreiben. dass was man hier skifahren nennt hat mit skifahren in etwa soviel zu tun wie baden mit schwimmen.

deiml
00
26.6.2011, 14:26

niemand spricht dem frauenfußball die existenzberechtigung ab. bis hierhin geht es um die sportliche wertung.

amy4 bedauert dass frauenfußball gegenüber männerfußball abgewertet wird, Flexman hält dagegen dass das sportliche niveau der frauen eher trist ist.

dahinter steckt folgendes: sportler werden verehrt weil sie in der lage sind dinge zu tun die man selbst nicht tun kann. jemand der selbst amateurfußballer ist bewundert die profis weil die einfach über fähigkeiten verfügen die man selbst nicht besitzt.

nun fällt es schwer spielerinnen ehrlich mit dem selben gefühl gegenüberzutreten wenn man eine woche zuvor mit der eigenen mannschaft aus der vorletzten österreichischen liga, diese spielerinnen 6:0 o.ä besiegt hat.

Flexman
00
24.6.2011, 11:41

...bitte den zweiten absatz und weiter unten weiterlesen, da steht alles weitere erklärt.

noirc80
30
23.6.2011, 01:07

mh. ja nach ihrer logik sollten sie auch besser deutschen fußball anschauen, der verdient diese bezeichnung nämlich im gegensatz zum österreichischen ball geschiebe *gg*

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