Bilanz über sieben Jahre Frauenförderprogramm Femtech und was danach kommt
Immer mehr Frauen schließen eine Hochschule ab, doch nur 16 Prozent arbeiten in der Forschung. "Das ist ein Verlust von Ressourcen", erklärte Rupert Pichler vom Verkehrministerium vergangenen Montag im Rahmen eines Femtech-Netzwerktreffens. Dabei ließ man sieben Jahre Frauenförderung in Forschung und Technologie Revue passieren.
Vorgestellt wurden bei dieser Gelegenheit die Ergebnisse der Evaluierung von Femtech, die mittels Onlinebefragung unter Unternehmen, die Forschungsförderungen erhalten oder an Femtech-Projekten teilnehmen, erhoben wurden. Heraus kam, dass das Bewusstsein für Chancengleichheit zwar gewachsen und das Programm bekannter geworden ist, konkrete Zahlen über den Erfolg können derzeit allerdings nicht genannt werden. Denn langfristige Effekte, wie etwa Neueinstellungen und Führungspositionen von Frauen in Unternehmen, seien noch nicht messbar.
Das Verkehrsministerium arbeitet derzeit an einer Weiterentwicklung des Programms durch den neu gegründeten Förderschwerpunkt "Talente". Noch diesen Monat soll die Förderung von Forschungspraktika für Studentinnen starten. Neu hinzukommen soll voraussichtlich ab 2012 eine Forschungsförderung für Dissertationen. Bei der anschließenden, von Standard-Redakteurin Heidi Aichinger moderierten Diskussion wurde die gesellschaftliche Struktur, die Frauen am Aufstieg auf der Karriereleiter behindern, bemängelt. In der männerdominierten Forschung herrsche ein spezielles Selbstbild vor, sagte etwa Gertraud Oberzaucher von AustriaTech, der Gesellschaft des Bundes für technologiepolitische Maßnahmen. "In Österreich ist man der Meinung, dass Forschung nur über Selbstausbeutung durch Überstunden funktioniert", ist sie überzeugt. Allein diese Struktur bietet für Frauen in Österreich, die oft Teilzeitjobs nachgehen, keinen idealen Arbeitsplatz. Wobei eine höhere Beschäftigung in Teilzeitberufen eigentlich nicht das Ziel sein sollte, merkte Wolfgang Haidinger von der Industriellenvereinigung an. "Wir müssen die Frauen aus der Teilzeitarbeit herausbekommen, die Kinderbetreuung ausbauen, und Männer sollten häufiger in Karenz gehen", argumentierte er.
Hedda Weber, Bereichsleiterin im Kompetenzzentrum Holz GmbH, sieht beim Brechen von Stereotypen auch andere Probleme: "Frauen stehen sich oft selber im Weg. Das beginnt schon bei trivialen Kleinigkeiten wie: Wer räumt die Kaffeehäferln nach einer Besprechung auf." Zudem seien Frauen, wie Studien nachweisen, in Gehaltsverhandlungen zu kulant. Die fehlende Einkommenstransparenz fördere diesen Missstand. "Ich wünsche mir, dass Österreich fortschrittlicher wird, die Männer weniger Angst vor Veränderungen haben, und wir nicht den anderen Staaten hinterherhinken", sagte Pichler abschließend. (Sophie Niedenzu, DER STANDARD/Printausgabe 22. Juni 2011)