Frauenmannschaft aus dem Verein gekickt

24. Juni 2011, 17:58
  • Artikelbild
    foto: der standard/medienhaus/hartinger

    Vor wenigen Wochen wurden die Frauen des SC Röthis Cupsiegerinnen. Trotz ihrer Erfolge wurden sie von den Vorstandsmännern aus dem Ortsverein verabschiedet.

Frauenfußball ist nicht jedermanns Sache - Kurz vor dem Start der Weltmeisterschaft in Deutschland wird in Vorarlberg intensiv über Frauenfeindlichkeit der örtlichen Fußballklubs diskutiert

Röthis - Sie holten sich den Meistertitel und den Pokalsieg - und gleichzeitig den Rauswurf aus ihrem Verein. Die Frauen des SC Röthis sind zwar erfolgreich, aber für die Funktionäre ihres Ortsvereins entbehrlich. Die Frauenmannschaft käme zu teuer, betreibe keine Nachwuchsarbeit und integriere sich zu wenig in den Verein, argumentiert Obmann Andreas Nachbauer den Rauswurf. "Die Mannschaft besteht nur noch aus ortsfremden Frauen", sagt er.

Dieses Argument zieht bei Brigitte Kohler nicht. Die Vertreterin der Frauenklassen im Landesverband VFV weiß: "Kampfmannschaften kann man selten aus dem eigenen Dorf besetzen, das ist auch bei den Männern so."

Hannah Lina Metzler, Verteidigerin bei der siegreichen Mannschaft, sieht in den Aussagen des Vorstands Ausflüchte: "Die Funktionäre wollten einfach keine Frauenmannschaft. Wir waren dort nur geduldet." Hätte der Vorstand Nachwuchs gewollt, dann hätte er aktive Nachwuchsarbeit betreiben müssen. Über den Vorwurf der mangelnden Integrationswilligkeit kann die angehende Kindergartenpädagogin nur den Kopf schütteln. "Wir haben gearbeitet wie die Männer auch. Aber in Wirklichkeit versteht man unter Integration die Konsumation im verrauchten Klublokal. Da haben wir nicht mitgemacht" - und sich dafür den Zickenvorwurf eingehandelt.

Nachbauer hätte die Frauen bei Vereinsveranstaltungen gerne fleißiger gesehen: "Wenn die ihren Haushalt so führen, wie sie bei uns gearbeitet haben, dann gute Nacht." Dass ihm Spielerinnen Frauenfeindlichkeit vorwerfen, versteht er nicht: "Da wäre ich wohl nicht verheiratet, oder? "

Es fehlt die Akzeptanz

Die Begründung der Röthner, die Frauenmannschaft sei zu teuer, stimme sie sehr traurig, sagt VFV-Frau Brigitte Kohler. Sie beschreibe den geringen Stellenwert, den Frauenfußball bei vielen Vereinen in Vorarlberg noch habe. Die Geringschätzung zeige Auswirkungen auf die Nachwuchsarbeit: "Wir haben viele sehr begabte Mädchen in der Schülerliga und in Bubenmannschaften. Ab 15 dürfen sie dort aber nicht mehr mitspielen. Sie sind zum Aufhören verdammt, weil sie keinen Verein finden."

Die Röthner Entscheidung ist für den Vorarlberger Frauenfußball, der aus 20 Mannschaften besteht, "ganz, ganz schlecht", sagt Kohler. Nicht nur, weil man sich kurz vor Beginn der Frauen-WM in Deutschland befinde: "Verglichen mit dem, was in Deutschland abgeht, sind wir, was die Akzeptanz betrifft, noch sehr hintennach." Kohler: "Frauen-Fußball braucht mehr Unterstützung. Er funktioniert nur dort, wo Vereinsfunktionäre voll und ganz dahinterstehen."

Sorgen um Fußballerinnen

Die Frauen des SC Röthis sind nun in die Nachbargemeinde abgewandert, spielen ab Sommer für den RW Rankweil. Dort hat Frauenfußball Tradition. 1991, bei der ersten Meisterschaft in Vorarlberg, siegten die Rankweilerinnen.

Für die hinausgekickten Kickerinnen stellt sich nun die Frage nach dem Klassenerhalt. Der Landesverband wird darüber abstimmen müssen, ob die Mannschaft trotz Namens- und Vereinswechsels "dort weitermachen kann, wo sie aufgehört hat, nämlich in der Vorarlberg Liga", sagt Brigitte Kohler.

Sorgen um die talentierten Fußballfrauen macht sich auch Grünen-Politiker Harald Walser. Selbst erfahrener Fußballfunktionär, appelliert der Abgeordnete zum Nationalrat an den ÖFB. Denn es sei fraglich, ob die Cupsiegerinnen mit dem neuen Verein am ÖFB-Cup teilnehmen können. Walser: "Sportlich ist das für die jungen Frauen eine mittlere Katastrophe, da sie um den verdienten Lohn ihrer sportlichen Leistung gebracht werden. Zu fordern ist vom ÖFB jedenfalls, in diesem Fall im Sinne der Sportlerinnen zu entscheiden."(Jutta Berger, DER STANDARD, Printausgabe 25./26.6.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 193
1 2 3 4 5
PaterWilli
00
Sie waren halt zu erfolgreich. Das weckt neid!

Helga Echtermeyer
01
Mann/schaft? Elf Frauen sollt ihr doch sein.

Hallo - Warum Frauenmannschaft? :-( Warum nicht von Frauen-Team oder Frauen-Elf sprechen?

Pia aus Frankreich
00
haben sie eh den ganzen artikel gelesen?

das dürfte nicht das problem hier sein, sorry.

knurrhoernchen
01
27.6.2011, 18:17
Frauenmannschaft?

So wie Herrenmannschaft, Herrenfrauschaft, Frauenfrauschaft oder Hörnchenhörnschaft?

Dimple
13
27.6.2011, 12:06
Die Aussage war dumm

wobei das Anliegen durchaus erklärlich sein kann:

1. Eine Frauenmannschaft, die nicht zum Verein gehört, da Röthis AFAIK nur eine Fremd-Mannschaft aufgenommen hat.
2. Die Frauenmannschaft, da nicht Orts-Zugehörig, hilft nicht bei den Dingen, für die ein Ortsverein auch zuständig ist: Kinder- und Jugendarbeit, Vereinssitzungen und -feste (darunter auch Organisation der Kinder- und Jugendarbeit, Feste für Zusatzeinnahmen organisieren, Spornsoren keilen,... - alles unter Einsatz von unbezahlter Arbeit, wie alle erwachsenen Mitglieder des Vereins)
3. Die Frauenmannschaft bringt dem Verein daher nur Zusatzkosten (Platzkosten, SchiRis,..) und keinen (auch immateriellen) Gewinn.

Wenn es so war, dann verstehe ich den Verein.

lg
Dimple

Flo mit O
00
27.6.2011, 20:41
saublöd halt...

... wenn alle drei punkte so nicht stimmen.
Ad 1: überlegen sie mal ob und bei welchem herrnteam jemals so argumentiert werden würde? Machts schon klick?
Ad 2: nachweislich falsch, habens den artikel eh gelesen?
Und die Zitate sind nicht einfach nur blöd, sondern diese sagen über den Obmann und den Verein viel mehr aus, als denen bewusst ist.

Dimple
01
27.6.2011, 21:30
natürlich wird bei Hobbyvereinen so gedacht und argumentiert

den
n wie überlebt ein Verein denn sonst?

Der zweite Punkt: die Frauenmannschaft ist nicht im Verein entstandwn sondern komplett aufgenommen worden.
Dass der Obmann ein echter Trottel ist, ist klar.

lg
Dimple

info 6832
00
26.6.2011, 22:08
info6832

Ausse mit de gfriesa, sogt die Studie aus Pisa !

info 6832
02
26.6.2011, 21:57
dere

Da ich ein sponsor des sc röthis bin, und alle hintergründe kenne, stehe ich voll und ganz hinter den entscheidungen des vorstandes und werde den Verein weiterhin so gut es geht unterstützen.

Ich kann nur anderen sponsoren empfehlen diesen tollen verein weiterhin zu unterstützen.. :-)

knurrhoernchen
01
27.6.2011, 18:19
Du bist sicher ein Säufer, der sich als Sponsor fühlt,

wenn er ein Bier aus der Bierwerbung konsumiert :)

info 6832
00
27.6.2011, 20:21
Feministinen im Vormarsch

welche von tuten und blasen keine Ahnung hat

knurrhoernchen
00
27.6.2011, 18:46
Apropos Werbung für Männer und saufen

Frage: Was trinken 4 Männer, wenn sie gemeinsam Fußball schauen?
Antwort: 4 Halbe, aus der 1.5 Liter Puntigamler Flasche :)

Der Unkurze
00
29.6.2011, 10:59

sie trinken nicht oft bier oder? das sind die seidln von puntigammer..

Cassius
00
26.6.2011, 17:30
Und?

Was hindert die Frauen daran ihren eigenen Verein zu gründen?

knurrhoernchen
00
27.6.2011, 18:26
Wieso sollten sie?

Ich bin mir sicher, dass da öffentliche Subventionen im Spiel sind. Im Zweifel werden halt sämtliche öffentliche Geldflüsse gestrichen.

Zugang zu und Versorgung mit öffentlichen Gütern und Dienstleistungen:
http://www.gleichbehandlungsanwaltschaft.at/site/6459... fault.aspx

Cassius
00
Dann

gibts aber auch keinen Bubenfußball mehr. Was soll das bitte bringen? Wer soll hier auf wen Druck ausüben?

K. K. Lacke
02
27.6.2011, 09:21
da wären:

das Patriarchat
die gläserne Decke
strukturelle Diskriminierung
strukturelle Gewalt
die zementierten Rollenklischees

suchen sie sich ein paar aus... die treffen eh immer zu

ch. b.1
00
26.6.2011, 17:27
Protest an ÖFB

ich habe mich jetzt genug geärgert! Hier eine mail Adresse vom ÖFB, überschwemmen wir sie doch mit unseren Mails. presse@oefb.at

Da gibt es leider nur die Pressestelle, aber wenn derer Ihre mailbox am niederbrechen ist, werden sie dann schon reagieren, ansonsten könnte sich ja eine facebookgruppe bilden:)

sonja1978
23
26.6.2011, 13:12

"Nachbauer hätte die Frauen bei Vereinsveranstaltungen gerne fleißiger gesehen: "Wenn die ihren Haushalt so führen, wie sie bei uns gearbeitet haben, dann gute Nacht."

Na, wahrscheinlich wollten sie nicht putzen. Warum auch? Hätten ja die Männer auch putzen können. Oder wurde es von ihnen erwartet, weil man sie eh schon im Verein duldet?
Und dass man nicht in einer schiachen (meine Annahme jetzt) stinkenden Spelunke die Besprechungen abhalten wollte, versteh ich auch.
Kanns sein, dass Verbesserungsvorschläge nicht angenommen wurden? Mit dem Hinweis: Ihr seids do lei geduldet. Budelts eich net auf.?
So ists in meiner Vorstellung, lass mich gern überzeugen, dass ich nicht recht habe - aber lieb. Garstig mag ichs nicht.

dizzkutant
14
26.6.2011, 12:22
die aussage von diesem nachbauer ist ja noch bedenklicher, ...

... als der hamidi-sager!

meischi@leistung.at
04
26.6.2011, 11:57
Das findet man doch in jedem Kaff-Verein.

Stammtischgruppen voll mit Buberln, die sich nur dort stark fühlen. Wenn's nicht Fußball spielen, dann saufen's halt.

Der Satz "Wenn die ihren Haushalt so führen, wie sie bei uns gearbeitet haben,... " sagt doch eh alles.

Kinder, , Küche, Kirche....

Antagonist1
00
26.6.2011, 10:44
Köstlich, köstlich>>>

Frauen-MANNschaft!
Kommen die Gender-I-nnen nicht zum Posten, weil sie fassungslos rotieren?

obibiber
01
26.6.2011, 10:35

"Wenn die ihren Haushalt so führen, wie sie bei uns gearbeitet haben, dann gute Nacht."

sagt eh schon alles...

info 6832
10
26.6.2011, 07:17
wieso?

- haben sie die Möglichkeit sich selbst zu
organisieren nicht genutzt?

- hat mann nicht berichtet als der FC Koblach die Damenmannschaft aufgelöst hat und die Spielerinnen beim SC Röthis aufnahme fanden?

Fragen auf die anscheinend keiner eingehen will!?

Auch nicht die anscheinend unwissende Vertreterin der Frauenklasse Fr. Kohler die mit ihren Aussagen schwer daneben liegt.

Und liebe Fr. Metzler zur Info es gibt sehr wohl Nachwuchs in Röthis was sie anscheined mangels Interesse am Verein übersehen haben.

Neuer Nick neues Glück
00
26.6.2011, 08:37

"haben sie die Möglichkeit sich selbst zu
organisieren nicht genutzt?"

Warum sollten sie nicht auf eine bereits bestehende Vereinsstruktur zurückgreifen?

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 193
1 2 3 4 5

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.