Kongo

Deutlich mehr Vergewaltigungen als angenommen

27. Juni 2011, 10:20

UNHCR spricht von 170 Frauen

Kinshasa - Im Kongo sind nach Erkenntnissen der Vereinten Nation deutlich mehr Frauen Opfer der jüngsten Massenvergewaltigung geworden als bislang bekannt. In der Nacht vom 11. auf den 12. Juni seien bei bewaffneten Angriffen auf zwei Dörfer in der Provinz Süd-Kivu im Osten des Landes vermutlich etwa 170 Frauen missbraucht worden, sagte eine Sprecherin des UN-Flüchtlingskommissariats am Freitag. Sie berief sich auf Angaben von lokalen Organisationen, die mit den UN in der instabilen Region zusammenarbeiten. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen hatte am Vortag gesagt, ihre Mitarbeiter hätten mehr als 100 Frauen behandelt, die kürzlich vergewaltigt oder traumatisiert worden seien.

Im Ost-Kongo treiben auch acht Jahre nach dem 2003 beendeten Krieg, in dem mehr als fünf Millionen Menschen ums Leben kamen, zahlreiche bewaffnete Gruppen ihr Unwesen. Vor einem Jahr wurden über 300 Frauen während mehrerer Tage in Nord-Kivu vergewaltigt, vermutlich von ruandischen Rebellen. Kürzlich wurde ein Armee-Offizier zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt, weil er seinen Untergebenen befohlen haben soll, mehr als 60 Frauen zu missbrauchen.

Ein Sprecher der kongolesischen Regierung sagte, womöglich stecke der ehemalige Rebellenchef Kifaru Niragiye hinter der jüngsten Tat. Er sei kürzlich zusammen mit 100 Männern aus einem Ausbildungslager der Armee desertiert. Eigentlich sollte die Gruppe in das Militär integriert werden. Mit dieser Strategie hofft die Regierung, die ehemaligen Rebellen davon abzuhalten, erneut Aufstände anzuzetteln. (Reuters)

Kommentar posten
Posten Sie als Erste(r) Ihre Meinung

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.