Kritik an Regenbogenparade

Ein Parade-Beispiel

28. Juni 2011, 12:22
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    foto: apa/herbert neubauer

    Unter dem Motto "Show your face!" trafen sich die TeilnehmerInnen der heurigen Homosexuellen Parade in Wien. E. Hutfless und E. Schäfer kommentieren "Hin- und Rückweg, und den gemeinsamen Weg der Parade selbst".

Zur Frage der Politisierung einer Bewegung - Ein Gastkommentar von Esther Hutfless und Elisabeth Schäfer

Die Regenbogenparade in Wien soll politischer werden, lauteten die Forderungen der letzten Jahre (siehe Ansichtssache zum diesjährigen Dykemarch). Die Gegner_innen der Politisierung berufen sich auf die Freude, den Spaß - wir sollen doch alle weniger verbissen sein, die Community ließe sich nicht unter radikalen Forderungen vereinen. Ein politisches Zeichen zu setzen, das sich hauptsächlich über "Sichtbarkeit" definiert, soll doch auch bunt, ausgelassen und schrill von statten gehen. Nichts dagegen einzuwenden, aber ...

Homophobie im Alltag

Szenenwechsel: Auf dem Weg zur Wiener Regenbogen-Parade 2011 in einem Taxi. Der Taxifahrer, sichtlich verärgert eine Reihe von Parade-Fahrzeugen zu sehen, zeigt empört auf einen Polizisten, der auf einem Motorrad die Parade-Lkws begleitet und eine Regenbogenfahne über der Schulter trägt: "Haben Sie das schon mal gesehen?!" Es folgt eine üble Beschimpfung des Polizisten: "Die schwule Polizisten-Sau!" Nachdem die Fahrgästin darauf aufmerksam macht, dass sie auch auf dem Weg zur Regenbogenparade ist und den Fahrer bittet derartige verbale Angriffe zu unterlassen, geht es gleich munter weiter: "Ihr seid's ja alle Perverse! Raus aus meinem Taxi", usw., usf.

Die Parade hat zwei Wege: Den Hin- und Rückweg und den gemeinsamen Weg in der Parade selbst. Wir fragen uns, wie die anderen Teilnehmer_innen wohl den Hin- und Rückweg bewältigen, ob es ähnliche Spießrutenläufe durch Strassen, öffentliche Verkehrsmittel und Taxis gibt - begleitet von Beschimpfungen und Bedrohungen verschiedenster Art - bis eine_r endlich das Gefühl des sicheren Angekommenseins hat.

Paradenoutfits machen angreifbar

Am Hin- und Rückweg exponiert sich die Paradeteilnehmer_in und irritiert das Wiener Stadtpublikum.
In einer schrillen Gemeinschaft, wie sie während der Parade unterwegs ist, mag dies noch exotisch und sensationell wirken, bisweilen gern angeschaut werden. Die einzelnen Personen auf ihren jeweiligen Hin- und Rückwegen stellen die Sensationslust vom Gehsteigrand jedoch hart auf die Probe. Die Präsenz und Präsentation mehr oder weniger schriller Paraden-Outfits - oder auch die schlichte Aussage zur Parade zu gehen - ruft andere Reaktionen hervor, sobald sie nicht eingebunden sind in den bunten Umzug auf der Wiener Ringstraße. Dort sind sie gut aufgehoben - allein unterwegs sind sie radikal ausgesetzt, bisweilen gefährdet.

"Show your face!"

Was hat es also mit dem Motto "Show your face!" der heurigen Parade auf sich: Verstecken wir uns nicht gerade dann, wenn neben der pluralen - und sehr wohl wichtigen, wie auch sehr schönen - eine singuläre Demonstration von Identität, Zugehörigkeit, Sympathie und Solidarität schwer möglich und in den schlimmsten Fällen gefährlich ist? Wird nicht gerade dann deutlich, dass das Schrille einer gemeinschaftlichen Demonstration eben gerade das nicht ist, was es zu sein glaubt: die politisch radikale Exposition, sondern stattdessen die Verkleidung einer Gemeinschaft - die sich also versteckt?
Was für eine Gemeinschaft ist die der Parade, die nur glaubt sich schrill zu exponieren und sich doch versteckt - wenn es gerade die schrillsten Kostüme von vielen sind, die diese Gemeinschaft schützt und zu einer annehmbaren gesellschaftlichen Sensation werden lässt?

Andererseits: Das Politische zeigt sich nicht allein dort, wo - wie in Budapest geschehen - die Parade mit Steinen beworfen und tätlich angegriffen wird, wo Teilnehmer_innen verhaftet werden, ...
Trotzdem: Eine politische Bewegung muss sich fragen, wie sich eine kritische Gemeinschaft auch in der Lust und Freude ihres Miteinanders widerständig präsentieren kann.

Über die Autorinnen:

Esther Hutfless und Elisabeth Schäfer sind Philosophinnen und Gender-Forscherinnen an der Universität Wien.

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10 Postings
Gast1964
00
29.6.2011, 13:48
Kluger Kommentar

Der Beitrag macht eine wichtige Perspektive auf: das Verhältnis zwischen den Aktiven der Regenbogenparade einerseits und den sympathisierenden Gästinnen der Parade andererseits. Dazwischen das alltägliche Phänomen der Homophobie. Soweit ich den Beitrag verstehe, plädieren die Autorinnen dieses Kommentars für eine Politisierung der Regenbogenparade. Dem kann ich nur zustimmen. Im Übrigen bin ich zwar nicht verwundert, aber doch entsetzt, was Ihnen im Taxi zugestoßen ist. Ein klarer Fall für eine KundInnenbeschwerde beim Taxiunternehmen und eine Meldung bei der Polizei. Gratuliere für den Artikel!

bixente uhudla
 
00
29.6.2011, 11:10

eine noch politischere regenbogenparde wäre deren todesstoss..

wieviele lesben sich für den politischeren dyke-marsch begeistern konnten,wird ja in der fotostrecke eindrucksvoll dargelegt-mehr fotos als teilnehmerinnen...

die regenbogenparade ist vor allem ein ausdruck hedonistischer lebensfreude(trotz aller widrigkeiten im alltäglichen leben) und sollte nicht zu einer überkorrekten politveranstaltung verkommen...

faxmonkey
 
44
29.6.2011, 09:16
Fahrgästin ... wirklich ?

Was hat euch die deutsche Sprache denn bloß angetan, dass sie ihr sie so misshandelt.
Was nun den Rest angeht, so missverstehen meiner Meinung nach viele Minderheiten eines: es gibt kein Recht darauf nicht aufgrund seiner Person, politischen oder religiösen Überzeugung, des Charakters oder sonst irgendeiner Eigenschaft von anderen Menschen abgelehnt zu werden. Worauf man in einer freien Demokratie Anspruch hat ist, nicht von staatlicher Seite oder im öffentlichen Raum gegängelt und diskriminiert zu werden, sofern es außerhalb der politischen Debatte statt findet.
Wer offensiv mit von der Norm abweichenden Eigenschaften in die Öffentlichkeit geht, sollte sich nicht wundern wenn nicht nur positive Reaktionen kommen. So ist die Welt.

skaldjur
01
29.6.2011, 15:34

...eine hysterische Blunzin noch dazu...3 mal hintereinander dasselbe gefasel. sie stehen offensichtlich ziemlich unter neurotischem druck, hört ihnen denn sooo selten wer zu???

virginia plain
00
10.7.2011, 13:32

wieso gehen Sie davon aus, dass faxmonkey eine frau ist?

faxmonkey
 
31
29.6.2011, 08:47
...

Fahrgästin ... wirklich, womit hat sich die deutsche Sprache das denn verdient ?
Zum inhaltlichen: man sollte endlich akzeptieren, dass in eine Fülle von Einstellungen und Beurteilungen des Lebensstils der Mitmenschen legitim ist. Ich kann Menschen aufgrund ihrer religiösen, politischen oder sexuellen Orientierung ablehnen, das ist mein gutes Recht, genauso wie Leute dann das Recht haben mich und meine Einstellung abzulehnen.
Etwas völlig anderes ist es, diese private Ablehnung außerhalb der politischen Debatte in den öffentlichen Raum zu tragen. Will sagen, dass der Taxler keine Schwulen mag ist sein gutes Recht, auch das er das äußert ist sein gutes Recht, dass er sie aus dem Taxi wirft nicht, denn das betrifft rechtstaatliche Prinzipie

skaldjur
01
29.6.2011, 15:24

Will sagen...echt? Das halten SIE also für 'schönes Deutsch'?

Und jetzt mach ich gleich von dem mir von Ihnen höchstpersönlich verliehenen Recht Gebrauch und beurteile sie:

Meiner Meinung nach sind sie eine Blunze. Nein, eine Blunzin.

sozialauthistin
00
29.6.2011, 08:37
:)

Danke, dies musste einmal gesagt werden!!!

faxmonkey
 
00
29.6.2011, 07:34

Fahrgästin ... wirklich ? Was übrig bleibt ist das man in einer freien Gesellschaft niemanden zwingen kann, den Lebensstil einer anderen Person gut zu heißen, man kann nur rechtliche Gleichstellung verlangen. Mit anderen Worten, dass der Taxler Schwule nicht mag ist die eine Sache, dass er sie aus dem Taxi wirft eine ganz andere.

Timagoras
 
06
29.6.2011, 01:02
geh bitte!

da ist die fahrgästin zufällig auf einen homphoben taxler gestoßen und zieht daraus verallgemeinernde schlüsse.
ich bin schon mit indischstämmigen taxlern gefahren, die keine Türken mögen. was sagt das jetzt über Inder aus?
nix.
hier im forum trifft man auch immer wieder auf zeitgenossInnen, die mehr oder weniger verbissen der homophobie frönen.
was sagt das über dieses forum aus?
nix.
ausser dass es - wie überall - einen homophoben prozentsatz gibt (so wie es einen xenophoben, antisemitischen oder frauenfeindlichen prozentsatz gibt).

so ein grantelnder taxler spricht also weder für noch gegen die parade, sondern einzig gegen sich selbst ;o)

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