Bericht zum Menschenhandel

Unsichtbare Opfer

28. Juni 2011, 18:26

Strengere Gesetze und mehr Einsatzgruppen sind gut - ein Ersatz für genaueres Hinschauen sind sie nicht, kommentiert Tobias Müller

Bessere Kooperation der Behörden, mehr Strafverfolgung, höhere Strafen: Das fordert der Bericht des US-Außenministeriums im Kampf gegen Menschenhandel und lobt Österreich für seine Bemühungen. Was Opfer von Menschenhändlern aber viel dringender brauchen, ist Sichtbarkeit - und weniger Fremdenfeindlichkeit.

Die moderne Sklaverei gilt als eines der größten transnationalen Geschäfte, 2010 soll damit gleich viel Geld verdient worden sein wie mit dem Drogenhandel. Doch während es etwa in Österreich 2009 fast 22.000 Anzeigen wegen Drogendelikten gab, waren es wegen Menschenhandels - 65. Gerade 240 Opfer wurden als solche auch betreut. Dabei sind sich NGOs und Polizei einig: Das liegt nicht daran, dass es nicht mehr gibt.

Um mehr Täter zu erwischen und mehr Opfern zu helfen, braucht man die Kooperation der Betroffenen: Sie müssten aktiv Hilfe suchen und bereit sein, über ihre Peiniger zu sprechen. Dass sie das nicht tun, hat viele Gründe - einer davon ist, dass viele wissen, dass sie in ihren Gastländern nicht willkommen sind. Dazu kommt, dass sie oft eher als Kriminelle denn als Opfer gesehen werden; dass Justizbehörden lieber ein Verfahren fallenlassen, als aufwändige Ermittlungen zu führen; oder dass ihnen, wenn sie sich zeigen, vielleicht die Abschiebung droht.

Strengere Gesetze und mehr Einsatzgruppen sind gut - ein Ersatz für genaueres Hinschauen sind sie nicht. (Tobias Müller, DER STANDARD, Printausgabe 29.6.2011)

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