Quoten-Debatte

In Superman-Manier zur "modernen Trümmerfrau"

Sandra Ernst Kaiser, 30. Juni 2011, 15:30
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    foto: ap/mark lennihan

    Im Bilder-Archiv findet sich gar eine gschaftige Barbie-Version. Die "modernen Trümmerfrauen" sollen auch äußerlich den Vorstellungen von Weiblichkeit entsprechen.

"Verschont uns mit der Quote" titelte der Kurier und zieht eine weitere Trennlinie in eine ohnehin solidaritätsgehemmte Gruppe - Ein Kommentar

In einer Sonderbeilage titelte der Kurier am 29. Juni: "Verschont uns mit der Quote!". Bebildert ist die Beilage mit einer Frau, die in Superman-Manier vor einer Skyline schwebt. "Die meisten Power-Frauen halten nichts von verordneten Quoten. Sie wollen sich mit Qualität und Leistung durchsetzen", ist darunter zu lesen. In der Beilage erzählen Frauen aus unterschiedlichen Betrieben über das jeweilige Unternehmen, skizzieren betriebliche Frauenprogramme und geben persönliche Standpunkte zum Besten. Sie haben sich also auch ohne (verordnete) Quote durchgesetzt. Flankiert wird die Beilage von Inseraten der Wirtschaftskammer und der Wien-Holding.

Kaum geht es um die geschlechtergerechte Aufteilung von Macht und Mitbestimmung, gleichen sich die medialen Debatten ungemein: Mit sehr klaren Worten machen sich die ProtagonistInnen gegen die Quote stark. Gibt es überhaupt genug qualifizierte Frauen? Eine gern gestellte Frage. Dabei ist doch die viel interessantere Frage: Wer hat bei den Führungskräften der jüngsten Malversationen bei Buwog, Skylink, Hypo-Alpe-Adria Group und so weiter nach den Qualifikationen der Verantwortlichen gefragt? Offenbar niemand.

Gerade wenn es um mächtige und/oder prestigeträchtige Positionen geht, hat das mit Qualifikation wenig zu tun. Viel mehr verhelfen Geschlecht, Herkunft, soziale Beziehungen (auch Freunderlwirtschaft genannt) und die Etablierung eben dieser Strukturen zu den gewünschten Positionen. Eine triviale, aber etablierte Erkenntnis. Die stets steigende Zahl von Hochschulabsolventinnen spiegelt sich keineswegs in den mächtigen Positionen.

"Schaut her, wir bringen Euch Gewinne"

Die mediale Inszenierung zum Quoten-Nein prophezeit zudem, katastrophale Auswirkungen für die Wirtschaft. Personen, die sich für die Quote aussprechen entgegnen dann: "Schaut her, wir bringen Euch Gewinne. Das Unternehmen kann von den weiblichen Eigenschaften profitieren". Es scheint immer mehr so, als solle die Frau in der Wirtschaft als "moderne Trümmerfrau" mit biologistischem Impetus zur Verfügung stehen. Neben der Notwendigkeit grundlegender struktureller Änderungen des Wirtschaftssystems, stellt sich die Frage, ob Frauen in der Wirtschaft - siehe Einkommensschere, Verteilung unbezahlter Reproduktionsarbeit, unbezahlte Pflege von Angehörigen - nicht ohnehin schon genug Gewinne für die Wirtschaft einfahren.

Ein Blick in die Statistik zeigt, dass etwa vier Prozent der geschäftsführenden Positionen in Österreich Frauen innehaben, in Aufsichtsgremien sind es rund neun Prozent. Männer fühlen sich durch die Quote - ebenso ein oft angeführtes Argument - aber diskriminiert. Ganz offenkundig hat ein bestimmter Teil der Bevölkerung Angst vor dem Wanken einer bornierten sozialen Ordnung. Eine Ordnung, die männliche Herrschaft permanent reproduziert.

Frauen untereinander ausspielen

Haben sich bisher - oft auch anonymisiert - Männer öffentlich zur Quote zu Wort gemeldet, schickt der Kurier geballt in einer Sonderbeilage Frauen als Quoten-Gegnerinnen ins Rennen. Es gibt nun jene Frauen die meinen "Wir haben es ohne Quote geschafft", andere "Wir haben es mit Quote geschafft" und schließlich "Wir haben es gar nicht geschafft". Es wird eine weitere Trennungslinie zwischen die Frauen gezogen, die bezüglich Solidarität ohnehin geschwächt sind. Durch die regressive Berichterstattung fördert der Kurier das gegenseitige Ausspielen von Frauen weiter zu Tage. Ein Muster, worunter die Frauenbewegung seit je her leidet: Solidarität wird unter Frauen - im Unterschied zu Männern - nicht entlang des Geschlechts, sondern entlang von Klasse und Schicht gelebt. (Sandra Ernst Kaiser, dieStandard.at 30.6.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 35
1 2
JosyH1
01
28.8.2011, 03:21
So ein Quatsch

Diskriminiert fühlt man sich als Mann (meiner Meinung zu Recht) wenn eine schlechter qualifizierte (wirklch gleich gibts ja nie) oder weniger geeignete (z.B. gibt es sehr wenig Technikereinnen) Frau eine begehrte Position bekommt weil sie eben Frau ist.

Genauso würde man sich übrigens diskriminiert fühlen, wenn ein Mann den Job bekommt nur weil es eben aus der richtigen Familie oder Partie kommt - was zwar Realtät aber dennoch von den Meisten als nicht wünschenswert beurteilt wird.

Daher fühlen sich Männer (und Frauen) zu Recht durch eine Quote bedroht die rein aufgrund des Geschlechts eine Vorreihung herbeiführen soll. Das führt folgerichtig zu im Schnitt unterlegenen Aufsichtsrätinnen was das Image der Führungs- Frauen weiter schädigt

AlBundyFan
 
01
mich würde eher mal intressieren

was die 99,9% frauen und die 99,8% männer die in keinem freundesnetzwerk sind und niemals in die positionen kommen werden, in denen man unbedingt eine quote einführen möchte(im artikel werden geschäftsführende positionen und aufsichtsräte), dazu zu sagen haben....
dann von diesen positionen ist fast die gesamte menschheit ausgeschlossen - egal welchen geschlechts.

auch wenn man dort eine 100% frauen-quote einführen würde, hätte das auf das leben von 99% der männer keinerlei einfluß.

ravenna
03

Wäre nicht schlecht, wenn sich die Autorin einmal mit den Realitäten auseinandersetzen würde. Nur ein Beispiel:

"Solidarität wird unter Frauen - im Unterschied zu Männern - nicht entlang des Geschlechts, sondern entlang von Klasse und Schicht gelebt."

Der Anteil an Männern, die für Frauenquoten sind, ist nicht nur nicht gleich Null, sondern etwa im mittleren zweistelligen Prozentbereich. Soviel zur behaupteten "Solidarität" unter Männern.

Hat dieses Medium eigentlich einen Anspruch an sich selbst, offensichtlich Falsches NICHT zu veröffentlichen?

Captain Smoker
05

Es gibt leider noch keine Quoten für wahrheitsgetreue Artikel. ;)

Ein Mann
01

sie wissen ja, realitätsbezug ist ja hierbei nicht unbedingt arbeitsvoraussetzung.

der gärtner
02
in der praxis treffen quote und frauenförderung

in erster linie die berufseinsteiger,
und auch hier werden eher nur die männlichen, die gerne einen frauendominierten beruf ergreifen wollen, davon abgehalten.

an meinem arbeitsplatz zum bsp. verhindert die frauenförderung erfolgreich, dass es ein mann ins büro schaffen könnte, da die regel "bei gleicher quali muss die frau genommen werden" sehr strikt angewendet wird und selbst wenn dem nicht der fall wäre, die zeugnisse der mädels meistens besser als die der buben sind.

gleichzeitig hat sie auf männerposten, die ja das eigtl ziel wären, keinen effekt, da sich hier praktisch keine frauen bewerben.

alles in allem also, ungerecht, diskriminierend und überwiegend falsch angewendet.

Lilith Boessse
 
110
dicker, fetter, grüner balken für

frau kaiser.

guter artikel, danke!

Johannes Benn
10
.

dass frauen kinder kriegen ist notwendige bedingung fuer ein irgendgeartetes ueberleben von gesellschaft, nation, wirtschaft, volk. dass sie stark im arbeitsleben integriert sind hinreichende bedingung fuer vollste zufriedenheit

Ein Mann
56
Bravo Kurier

"geschlechtergerechte Aufteilung von Macht und Mitbestimmung" ...dazu muss frau aber auch wollen: viel arbeiten, auf viel verzichten. Geschenkt gibt es nichts - obwohl die Quote leider in diese Richtung geht.

Dann wieder der Einserschmäh: "Die stets steigende Zahl von Hochschulabsolventinnen spiegelt sich keineswegs in den mächtigen Positionen."
...Na no na ned - wer braucht die 100.000te SoWi/GeWi Tante? Sicher nicht im Management - oh Wunder!

Dabei sind es viel tiefgreifendere und einfachere Mechanismen:
1) Frauen stehen auf Status, Ausnahmen bestätigen...
2) Deswegen arbeiten Männer sich ins Grab und sind "erfolgreich".

Männer haben an 2) keine Schuld. Als Frauen könnten Sie etwas an 1) ändern, dann wird sich auch 2) ändern.

Ashdod
51
irgendwie scheint an freuds theorie der kastrationsangst

etwas wahres zu sein.

ravenna
03

Dann schlagen Sie mal unter "Penisneid" nach.

Ashdod
21
warum sollte ich als

mann einen penisneid haben. wie erklärst du das?

Ein Mann
03

stellen sie absichtlich so lustige fragen, die wie ein aufgelegter elfer zu beantworten wären? ;-)

Ashdod
11
nach der uhrzeit ihres posts sind einige schlussfolgerungen möglich

hart arbeitend oder doch wieder nur eine nacht mit arbeitslosem, aber dennoch abgemartertem penis oder präcox und frustig.

Ein Mann
02

ach, manche sind in der glücklichen lage, sowohl arbeit zu haben, als auch mehrmals zu können und in der zwischenzeit sogar fähig, im internet zu posten... neidig? ;-)

Ein Mann
00

haha, brilliant ;-) aber sie haben schon recht, wer meint, originell zu sein und mit freud kommt, der hat auch freud verdient!

Ein Mann
22

Sie müssen natürlich auch gar nichts ändern. Nur dann bitte aufhören, uns laufend für 2) die Schuld zu geben, weil sie nunmal 1) tun, was uns dazu anhält.

Robert Schein
05
aha

unter Männern - im Unterschied zu Frauen - wird Solidarität also entlang des Geschlechts und nicht entlang von Klasse und Schicht gelebt...

na klar, der sandler vor dem büroturm versteht sich ja auch prächtig mit dem ceo im 30. stock. wahrscheinlich kennen sie sich ja vom golfclub...

...und dann sind sie aufgewacht?

obibiber
22

quoten sind ja wohl auch nicht zu befürworten. aber nicht deshalb, weil es frauen auch ohne 'schaffen', sondern weil quoten in erster linie bestimmten frauen was bringen, und das auch nur oberflächlich, strukturell ändert sich hingegen wenig.
aber so lange sich frauen halt noch immer brav mit dem hetero-patriarchat arrangieren wird halt weiter über die oberflächlichkeit von quote oder nicht-quote diskutiert...

Ein Mann
42

fangt gut an - dann kommt der hetero-patriarchat-spruch und es ist vorbei mit dem ernst nehmen.

obibiber
31
relevanz?

hm? ich lege keinen wert darauf, von ihnen ernst genommen zu werden. ich halte nichts von leuten, die keine ahnung haben, was heteronormativität bedeuten könnte oder patriarchale strukturen sind...
das wäre so, als würde ich mein weiß-sein nicht hinterfragen, dumpfbackige kurzsichtigkeit. privilegien-erhalter sind unreflektiert und deshalb nicht sehr spannend... so: gerne: nehmen sie mich nicht ernst.

maxmilgram
00
30.6.2011, 23:56
naja...

"Männer fühlen sich durch die Quote - ebenso ein oft angeführtes Argument - aber diskriminiert."

Nur weil ein Argument oft angeführt wird ist es noch nicht schlecht. Einer Quote "zum Opfer zu fallen" ist für das (männliche) Individuum immer eine lupenreine Diskriminierung aufgrund des Geschlechts ( = Sexismus). Ob das jetzt "for the greater good" sinnvoll ist oder nicht sei dahingestellt.

knurrhoernchen
00
Quote bedeutet "Mindestens gleich qualifiziert, wie der beste Mann"

Erklär wie ein schlechterer Bewerber einer besseren Bewerberin zum Opfer fallen kann?

The Chaos Path
00

und eine diskriminierung, die nicht zugegebn wird, ist deswegen keine diskriminierung?

Andreas Olbrich
00
30.6.2011, 19:42
superman ist falsch!

sie heisst supergirl! zu wenig comics gelesen? oder nicht das neue addIn installiert ;)

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