"UN Women"-Bericht

Vergewaltigung in der Ehe in 127 Ländern nicht bestraft

6. Juli 2011, 12:15

Neue Behörde präsentiert globalen Status Quo im Kampf um Gleichberechtigung

New York  - Frauen genießen weltweit mehr Rechte als jemals zuvor, sind aber immer noch Opfer von Diskriminierung und Gewalt. Das ist das Ergebnis des ersten Berichts der neuen UNO-Behörde für Frauenangelegenheiten, UN Women, der am Mittwoch veröffentlicht wurde. Während zwar 186 Staaten eine Konvention zur Verurteilung von Diskriminierung von Frauen und zur Verteidigung der Gleichberechtigung ratifiziert hätten, werde aber beispielsweise Vergewaltigung in der Ehe in 127 Ländern nicht bestraft, und 61 Länder schränkten das Abtreibungsrecht ein.

Größte Erfolge im Wahlrecht

Fortschritte wurden dem UNO-Bericht zufolge vor allem beim Wahlrecht erzielt, das inzwischen in fast allen Ländern der Welt auch für Frauen gilt. Vor hundert Jahren war dies lediglich in zwei Ländern der Fall. Bei politischen Entscheidungen übten Frauen einen größeren Einfluss denn je aus, was zu einer wachsenden Anerkennung der Frauenrechte führe. 173 Staaten zahlen demnach mittlerweile Mutterschaftsgeld, 139 garantieren per Verfassung die Gleichberechtigung der Geschlechter, und in 125 Ländern gilt Gewalt in der Ehe als Straftat.

Einschränkungen im privaten Bereich

Doch obwohl Frauen größeren Einfluss und mehr politische Rechte genießen, wurde der Fortschritt der UNO-Organisation zufolge durch Einschränkungen im privaten Bereich verlangsamt. Millionen Frauen erlebten in ihrem Leben Gewalt, die meist vom Partner ausgehe. Vielen werde die Kontrolle über den eigenen Körper sowie der Schutz vor Gewalt verweigert. Rund 600 Millionen Frauen und damit mehr als die Hälfte der arbeitenden Frauen seien zudem in prekären Arbeitsverhältnissen und unsicheren Jobs beschäftigt, die häufig nicht der Gesetzgebung unterliegen.

UN Women hatte erst im Jänner die Arbeit aufgenommen. Den Vorsitz hat die frühere chilenische Präsidentin Michelle Bachelet inne. Ziel der UNO-Organisation ist es, die Gleichberechtigung zu fördern und Frauen zu mehr Rechten zu verhelfen. (APA)

Kommentar posten
16 Postings
Sand
10
Als ob "strafbar" garantiert,

dass auch bestraft wird. Beispiel Schweden: Wieso werden in S. weit mehr Vergewaltigungen angezeigt und VergewaltigerInnen verurteilt als in Ö.? Auf jeden Fall nicht, weil es in Ö. fast keine Opfer von Sexualstraftätern gibt.

Epistula non erubescit
01

ich denke, weil in Schweden ein für das Opfer ernstzunehmendes Verfahren geführt wird und nicht wie in Österreich sich das Opfer andauernd erklären muß anstatt des Täters

Arne Karlsson
44
Weil es ...

... in Schweden bereits als Vergewaltigung gilt, wenn sich die Frau - die vorher ganz begeistert ins Bett gesprungen ist - danach nicht gut fühlt.

Arne Karlsson
12
Die roten Stricherl verstehe ich nicht

im Zusammenhang mit der Causa Assange wurde auch hier im Standard detailliert genau darüber berichtet.

Das von mir oben angeführte Beispiel stammt aus einem Interview mit der schwedischen Staatsanwältin und wurde von ihr selbst angeführt.

Wo also ist das Problem?

Epistula non erubescit
11

weil dieser Satz wieder mal den möglichen Täter als Unschuldslamm darstellt, der nie eine böse Absicht hatte, und das mögliche Opfer als unentschlossene Person rüberkommt.

Vergewaltigung passiert in unserer Gesellschaft sehr sehr häufig (von Bekannten und Verwandten)

Vergewaltigung ist kein Kavaliersdelikt!!

Arne Karlsson
02
Völlig richtig, Vergewaltigung ist kein Kavaliersdelikt, aber

deswegen kann man auch nicht den Frauen ein Instrument in die Hand geben, dass es ihnen ermöglicht, jeden Mann zu jeder Zeit "einfach so" komplett zu vernichten.

Ich will weder Vergewaltiger schützen, noch Frauen generell unterstellen, dass sie nichts anderes im Sinn hätten, Männer zu "vernichten". Mir fällt nur auf, dass in letzter Zeit zu oft zu viele Leute der Vergewaltigung bezichtigt werden (Assange, S-Kahn,...) und damit vorerst politisch aus den Verkehr gezogen werden ohne dass ihnen anschliessend tatsächlich etwas nachgewiesen wird.

Dieses Thema ist ein extrem zweischneidiges Schwert, eine Gratwanderung sondergleichen - egal wie man es macht, man macht es falsch.

skata
02
wie sollen sich politiker damit beschäftigen können wenn

s doch mit "wie kommt das geld in die tasche" beschäftigt sind - traurig traurig aber: never stop the fight!

byron sully
22

erschreckenderweise war das auch in österreich bis in die 90er jahre der fall. wenn ich mich nicht irre, wurde erst unter vranitzky vergewaltigung in der ehe strafbar.

anders and
 
14
was so nicht stimmt:

Nötigung war auch in der Ehe immer strafbar,
und es gibt keine Vergewaltigung ohne Nötigung.

Praktische Auswirkungen hat das neue Gesetz übrigens keine gehabt, das war nur ein symbolischer Akt.

Ein Mann
30
sehr richtig.

und so wird es sich auch in vielen der pöhsen ländern verhalten, die einfach keine extra erwähnung machen, dass das, was ohnehin verboten ist, natürlich auch in der ehe verboten ist. aber für schlagzeilen und solche "statistiken" reicht es eben...

Thank God I'm A Country Boy
12

Es ist schon ein gewichtiger Akt, im Gesetz festzuschreiben, dass du, nur weil du mit jemanden verheiratet bist, nicht über dessen Körper frei verfügen kannst.
Nötigung hin oder her- alleine dass es immer noch Menschen gibt- sogar hier im Land, die meinen, Sex ist eine Pflicht in der Ehe, zeigt, dass es nicht schaden kann, dieses Gesetz explizit zu formulieren.

Ein Mann
01

Das ändert aber nichts daran, dass man es nicht extra aufschreiben muss, wenn es ohnehin bereits verboten ist.

Aus pragmatischer Sicht lehne ich solche sinnlosen Gesetze eher ab, da wir ohnehin bereits genug davon haben, zusätzlich zu viel totem Recht, das einfach nicht exekutiert wird.

Ob der Aha-Effekt wirklich so groß ist, wie Sie meinen, bezweifle ich. Aber ich denke, das ist dieselbe Diskussion wie bei den Leuten, eine Änderung der Sprache brächte eine Änderung der Realität. Nur bei letzterem weiß man inzwischen, dass es kaum so ist - wer es noch immer behauptet, ist nicht informiert.

Oh - und Sex IST übrigens eine Pflicht in der Ehe. Nur erzwingen darf man ihn nicht. Scheidungsgrund ist es aber allemal,dem nicht nachzukommen.

anders and
 
02
das alles ist etwas komplizierter:

Wo es rechtlich eine Vergewaltigung in der Ehe gibt wird die so gut wie nie verfolgt,

und wo es diesen Paragrafen nicht gibt lässt sich die Vergewaltigung in den meisten Fällen unter einem anderen Titel (etwa Nötigung) verfolgen - was aber genauso selten geschieht.

der schwitzbär der schwitzt sehr
00
127 Staaten - das ist eindeutig die Mehrheit

youmakemefart
42

Da können sich Frauen bei den Religionen bedanken...

rierei
00

nien, sie können sich bei den männern "bedanken" (die im übrigen auch die diversen religionen gegründet haben).

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.