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Tumult vor dem japanischen Tor. Eine typische Szene in einem Spiel, das die Amerikanerinnen dominierten und doch verloren.
Frankfurt - Vor 48.817 ZuseherInnen in der ausverkauften Frankfurter Arena, darunter Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel, die am Sonntag ihren 57. Geburtstag feierte, und Bundespräsident Christian Wulff, stürmten die Amerikanerinnen von Beginn an und hatten reichlich Chancen. Schon nach wenigen Sekunden scheiterte Lauren Cheney an Japans tapferer Torfrau Ayumi Kaihori. Megan Rapinoe traf die Außenstange, und Abby Wambach malträtierte mit einem prächtigen Weitschuss die Querlatte.
Die Japanerinnen, genannt Nadeshiko, die Prachtnelken, hatten dem wenig entgegen zu setzen, waren viel zu sehr mit dem Verteidigen beschäftigt, brachten kaum sinnvolle Offensivaktionen zustande. US-Torfrau Hope Solo musste vor der Pause nur einmal ernsthaft einschreiten.
Nach der Pause ging es auf diese Art weiter. Zur Abwechslung schoss die eingewechselte Alex Morgan, die viel Schwung brachte, den Ball an die Stange. Und just als die Japanerinnen etwas aufkamen, erzielte Morgan aus einem Konter das längst fällige 1:0 (69.). Die Nadeshiko versuchten, dem Tempo des US-Teams mit Kurzpassspiel beizukommen. Und doch verdankten sie den Ausgleich durch Aya Miyama (81.) einem groben Schnitzer der gegnerischen Abwehr.
Die ansehnliche und spannende Partie ging in die Verlängerung. 104. Minute: Morgan flankt, Wambach köpfelt spektakulär das 1:0. Doch das war nicht alles. 117. Minute: Homare Sawa verlängert eine Flanke zum 2:2. Mit fünf Toren ist sie WM-Schützenkönigin. Dann vergab Wambach. In der Schlussminute fällte Azusa Iwashimizu Morgan knapp vor der Strafraumgrenze und wurde des Feldes verwiesen.
Im finalen Elferschießen stellten die Japanerinnen quasi die Partie auf den Kopf, siegten mit 3:1 und feierten den größten Erfolg der einschlägigen Geschichte. Und widmeten ihn den Opfern von Erdbeben, Tsunami und Atomkatastrophe in der Heimat.
Joseph Blatter, Präsident des Internationalen Fußballverbandes (Fifa), zog Bilanz - und war nicht nur begeistert. "Der Frauenfußball ist der große Gewinner", sagte der Schweizer. Allerdings sorgten der dubiose Dopingskandal der Nordkoreanerinnen und teilweise kuriose Schiedsrichterleistungen für Negativ-Schlagzeilen. Blatter: "An den Leistungen der Schiedsrichterinnen müssen wir definitiv arbeiten. Zudem handelt sich bei Nordkorea um einen ganz groben und bösen Dopingfall."
Nordkoreas Verband begründete die fünf positiven A- und B-Proben mit der Gabe von "Traditioneller Chinesischer Medizin". Diese habe man eingesetzt, nachdem das Team im Trainingslager angeblich von einem Blitzschlag getroffen worden war. Bei der Medizin handelt es sich um ein Drüsenextrakt, das von einem Moschushirsch gewonnen wird. Jedoch enthielt die Substanz 14 verschiedene anabole Steroide, von denen vier auf der Dopingliste stehen. Eine Kolumbianerin wurde positiv auf Anabolika getestet.
Mit Blick auf die internationale Vermarktung bewertete Blatter das vorzeitige Aus der Deutschen positiv. Erst dadurch sei die WM in Ereignis von internationaler Größe geworden. 782.000 von 900.000 Karten wurden verkauft. Im Schnitt kamen mehr als 26.000 BesucherInnen zu den 32 Spielen in die neun WM-Stadien. (bez, sid/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.7.2011)
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