Indien

Immer weniger Frauen wegen selektiver Abtreibung

18. Juli 2011, 11:14
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    foto: apa/epa/jaipal singh

    Ungeschätzte Mädchen: Die Zahl der abgetriebenen weiblichen Föten in Indien steigt - aber auch das Bewusstsein, dass das ein Unrecht mit gesellschaftlich drastischen Konsequenzen ist.

Verbot von missbräuchlichem Einsatz von Geschlechtsbestimmungen greift nicht: Schere zwischen Mädchen und Buben klafft drastisch

Neu Delhi - Das Ungleichgewicht zwischen Mädchen und Buben in Indien ist weiter stark gestiegen. In den Dörfern des Landes kommen laut offiziellen Daten bei Kindern unter sechs Jahren im Schnitt nur noch 919 Mädchen auf 1.000 Buben. Im Jahr 2001 lag das Verhältnis in ländlichen Gebieten noch bei 934 zu 1.000.

Töchter als teuere Last

Das steigende Missverhältnis ist die Folge der gezielten Abtreibung weiblicher Föten. Per Gesetz sind selektive Abtreibung und auch der missbräuchliche Einsatz von Geschlechtsbestimmungstest an Föten zwar verboten, aber aufgrund der gesellschaftlichen Abwertung von Frauen gang und gäbe. Weil Söhne weiterhin als Ernährer und Versorger der Eltern im Alter gelten, während Töchter angesichts der zu zahlenden Mitgift vielfach als Last gesehen werden, entscheiden sich viele Paare gegen eine Tochter.

Um gegen den Mädchenschwund vorzugehen, wurden seit 2003 805 MedizinerInnen wegen illegalen Geschlechtsbestimmungen festgenommen; 55 davon wurden verurteilt. Ein Tropfen auf den heißen Stein, denn Techniken wie Sonografie sind mittlerweile auch in kleinen Städten angekommen.

Millionen abgetrieben

So erklären sich die horrenden Zahlen abgetriebener weiblicher Föten in den letzten 30 Jahren: Eine Studie in "The Lancet" nennt 12 Millionen. Andere Schätzungen besagen, dass in Indien heute 7,1 Millionen Mädchen weniger als Buben leben. 2001 lag die Differenz noch bei sechs Millionen. Einer Studie von 2006 zufolge werden in Indien noch immer jedes Jahr rund eine halbe Million Mädchen abgetrieben.

Verstärkte Praxis am Land

In den Städten klafft die Schere zwischen den Geschlechtern zwar größer, doch sie wächst weniger schnell als in ländlichen Gebieten. So liegt das Ungleichgewicht heute bei 902 zu 1.000, im Jahr 2001 war es bei 906 zu 1.000. Die wachsende Schere am Land bestätigt laut ExpertInnen die Befürchtung, dass der leichtere Zugang zu Ultraschallgeräten, die die Ermittlung des Geschlechts der Föten erlauben, zur Zunahme gezielter Abtreibungen führt.

In den vergangenen Jahrzehnten haben verschiedene Regierungen versucht, die Vorbehalte in der Bevölkerung gegen Mädchen auszuräumen, etwa indem sie monetäre Anreize bei der Geburt von Mädchen anboten. Bisher waren diese Maßnahmen jedoch wenig erfolgreich. (APA/red)

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Posting 1 bis 25 von 49
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Pygar
 
30
18.7.2011, 21:43

Auch etwas, was mich sprachlos macht.

Strenge Regelungen sind möglich und der Status von Frauen muss dringend erhöht werden. Strenge Vorgangsweisen gegen Mitgift, Witwenverbrennungen, Beschränkung der Kinderzahl und vieles mehr ist längst überfällig in Indien.

Man muss dazusagen, dass die Regierung dieses Breeding men Projekt gefördert hat und diese verbrecherische Praxis noch in den Köpfen der Menschen fixiert hat.

Hafniumcarbid
62
20.7.2011, 10:25
Wieso? Sind doch nur Zellhaufen.

Und es ist das Menschenrecht jeder Frau, abtreiben zu dürfen.
Ist doch deine Rede oder?

noirc80
10
21.7.2011, 00:56

"Strenge Regelungen sind möglich und der Status von Frauen muss dringend erhöht werden. Strenge Vorgangsweisen gegen Mitgift, Witwenverbrennungen, Beschränkung der Kinderzahl und vieles mehr ist längst überfällig in Indien."

wo steht da was von abtreibungsverbot?
p.s. natürlich sind es nur zellhaufen.

Träume sind Schäume..
43
18.7.2011, 19:39
Unlogischer Artikel

Femministinnen finden Abtreibungen bzw. derren legale Durchführung allgemein als Fortschritt.
Nach dem Prinzip über den eigenen Körper verfügen zu dürfen.

Nun verfügen viele Frauen, übrigens statistisch prozentuall höher in der gebildeten Mittel bis Oberschicht.
Das sie keine Mädchen aus tragen.
Also was tun damit.

Ergo killen, ähm fachlich ausgedrückt einen Schwangerschaftsabruch durchführen.

Viele Frauen bevorzugen Söhne wenn sie schon die Mühe der Austragung auf sich nehmen und die Wahl haben.
Die Statistik beweißt interessanterweise dass dies umso stärker der Fall ist, je gebildeter, wohlhabender die Frau und kleiner der Haushalt ist.

Kurz gesagt 1 Kind Familien bringen oft Söhne hervor ;)

Chien de Pique
11
18.7.2011, 20:00
Furchtbar, aber ich denke, dass diese Verknappung sehr langfristig dem Stellenwert der Frauen eher helfen

wird, bis es dann vielleicht zu einer Umkehrung oder Auflösung der traditionellen Werturteile und der Mitgiftsituation kommt. Znächst: Mehr Mitgift für verbliebene Töchter, eine größere Auswahl an Brautwerbern, günstigere Ehemöglichkeiten und Eheverträge. Zur Verlangsamung des Bevölkerungswachstums trägt es auch bei. Umgekehrt droht den unerwünschten Mädchen, wenn man ihre Geburt erzwingt, wie früher oft ein schlimmes Los durch Tötung, Weglegung, Vernachlässigung...

Noch ist dies demographisch nicht wirklich relevant, aber notfalls könnte auch wieder auf die Polyandrie zurückgegriffen werden, die im Hinduismus seit der legendären Königin Draupadi und den Pandava existiert und heute noch v.a. in nördlicheren Teilen Indiens vorkommt.

noirc80
00
21.7.2011, 01:03

glaub ich nicht. die taliban haben auch einen frauenmangel, hört man zumindest hin und wieder und das scheint die irgendwie nicht dazu zu bewegen, freundlicher mit "ihren" frauen umzugehen.

sie denken da vielleicht etwas falsch, vermutlich meinen sie, wenn es weniger frauen gibt, müssten sich die männer mehr um diese bemühen. letzten endes bekommt aber der, der sich die mitgift leisten kann, was er haben will oder er versucht sich das gewollte mit gewalt zu nehmen. letzteres sorgt dann mehr dafür, dass frauen "beschützt" also weggesperrt werden müssen, um neidern nicht zusätzlich anreize zu bieten und ersteres... tja... dsk.

gottisttot
03
20.7.2011, 12:37

Den Stellenwert der Tochter als Handelsgut wirds auf jeden Fall heben und damit vermutlich die Stellung der Frau selbst nicht.

Radiolar
00
18.7.2011, 19:12
Opus Dei lasst aber in Indien ziemlich aus !

Dork
00
18.7.2011, 18:19

Ich bin für eine Quotenregelung.

BlackAdder
01
18.7.2011, 18:29

Betreffend sinnlose forumsbeiträge ?

mika33
07
18.7.2011, 16:35
... aufgrund der gesellschaftlichen Abwertung von Frauen gang und gäbe.

Das stimmt so nicht, es geht im wesentlichen um die Tradition der Mitgift, die viele Familien in den finanziellen Ruin treibt, während heiratende Männer die Mitgift erhalten, also quasi doppelter Verlust oder Gewinn.
Diese bescheuerte Mitgift-Tradition ist die Wurzel des Übels und gehört bekämpft .... wird auch gemacht, aber nicht so richtig erfolgreich. Die Abtreibungen und die Geschlechtsbestimmung sind lediglich die traurigen Symptome.

wizardofoz
00
18.7.2011, 13:27

ansicht ist die pränatale geschlechtsbestimmung in indien verboten, aber hohe mitgiftzahlungen als zukunftsaussicht treiben viele in die zahlreichen illegalen abtreibungskliniken....

g_icebear
26
18.7.2011, 13:21
So erledigt sich das Bevölkerungswachstum

in Indien von selbst. Vernunft hat nichts gebracht, aber die eigenen Traditionen sorgen für eine langfristige Lösung.
Vielleicht ändert sich dann sogar das indische Gesllschaftssystem.

Karl Kuketz
21
18.7.2011, 13:17
Angebot und Nachfrage

die Frauen werden sehr begehrt sein...und viele Männer allein bleiben.

biodiesel - das moderne lampenpetroleum
01
18.7.2011, 19:18

steigt der wert als frau, möchte ich nicht eine der frauen sein, die den trennungswillen äußert.

suche prov.freie(!) 3ZiWhg in/um Wien
06
18.7.2011, 15:49
Leider fürchte ich, dass sich die "Seltenheit" der Frauen ähnlich ausdrücken wird wie in anderen asiatischen Ländern,

wo Frauen teils aus Nachbarländern verschleppt werden, um den Mangel der eigenen Region auszugleichen.

"... Wird sich die Lage der Frauen, weil sie rar geworden sind, nun auf längere Sicht hin verbessern? Dafür gibt es derzeit keinerlei Anhaltspunkte. Besonders in China und in Indien werden Frauen mehr und mehr als Ware wahrgenommen und behandelt und gelten in manchen Gegenden nur noch als ein Konsumgut unter anderen. Weit davon entfernt, den symbolischen Wert von Frauen zu steigern und ihnen dadurch mehr Respekt zu zollen, befördern die ökonomische Modernisierung und das Phänomen der "fehlenden Frauen" deren Verdinglichung. ..." (http://www.monde-diplomatique.de/pm/2006/0... 0009.idx,6 )

:-(

hexe caracas
52
18.7.2011, 12:31
es ist besser nicht zu leben

als geboren zu werden und an Hunger zu sterben...

gnadevorrecht
20
18.7.2011, 16:40

Von Goethe, kennen Sie das?:

"Ich bin der Geist der stets verneint,/
Und das mit Recht; denn alles was entsteht /
Ist wert, daß es zu Grunde geht; /
Drum besser wär’s daß nichts entstünde. /..."

Wissen Sie, wie's weitergeht?

pox vobiscum
00
18.7.2011, 21:06

Es gibt ein paar Tote.

Karl Kuketz
12
18.7.2011, 13:15
...die Männer setzt man diesem Schicksal aus

und den Frauen bleibt es erspart.
Ist das gerecht?

Chien de Pique
01
18.7.2011, 20:06

Die Männer verhungern ja nicht so leicht, weil man alles daran setzt, dass sie überleben und im Gegenteil Familienernährer werden; die sind eine Investition, kein großer Kostenfaktor. Abgesehen davon verhungern generell weniger Menschen, wenn es in Summe weniger von ihnen gibt, geschlechtsunabhängig.
Nichts ist daran gerecht. Trotzdem ist es Fakt, dass durch effiziente Unterbindung der pränatalen Geschlechtsbestimmung wieder bzw. noch mehr "gehimmelt" würde durch Vernachlässigung, Unterernährung usw.

Quintus Beckloeffel
22
18.7.2011, 12:41
Geboren zu werden ist in der Regel kein unzumutbares Problem.

Und wenn der Hunger eine derart unzumutbare Belastung ist, dann müssten nach diesem Grundsatz auch geborene Kinder getötet werden um ihnen dieses Schicksal zu ersparen.

guggi102
02
18.7.2011, 13:06

Werden eh, indem man sie einfach nicht versorgt. Die meisten armen Eltern werden sich die späte Abtreibung nicht leisten können/wollen, wenns nach der Geburt auch gratis geht.

Black Widdow
03
18.7.2011, 12:17
Wenn sich in den Köpfen nichts ändert

ist jede Maßnahme sinnlos.

gnadevorrecht
117
18.7.2011, 12:09
Eine Gesellschaft, die Ihre Kinder abteibt, stürzt sich selbst den Abgrund hinunter.

Während bei uns die FeministInnen die Erlaubnis zur straffreien Kindesabtreibung (noch) als größte Errungenschaft der modernen Frau feiern, zeichnet sich anderenorts bereits die Folge dieser Praktiken ab. Das Paradoxon, welches jeder Feministin die Augen öffnen sollte: Nunmehr führt das scheinbare Frauenrecht gerade dazu, dass Frauen benachteiligt werden - Buben dürfen leben, Mädchen werden abgetrieben.

Was für eine vernichtende Niederlage für den Feminismus!

Was unsere Gesellschaft bräuchte, wäre eine höhere Wertschätzung des ungeborenen Lebens.

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