Präzendenzfall in Slowenien

Erste Adoption in lesbischer Beziehung

21. Juli 2011, 09:58

Im Fall eines lesbischen Paares erlaubte das Familienministerium einer der Partnerinnen die Adoption des leiblichen Kindes ihrer Partnerin

Ljubljana - In Slowenien wurde zum ersten Mal eine Adoption innerhalb einer homosexuellen Beziehung ermöglicht. Im Fall eines lesbischen Paares erlaubte das Familienministerium einer der Partnerinnen die Adoption des leiblichen Kindes ihrer Partnerin, berichteten slowenische Medien. Das ist eine bedeutende Entscheidung für Homosexuelle, denn das Ministerium wandte das "alte" Familiengesetzbuch an. 

Homosexuelle sollten das Adoptionsrecht für leibliche Kinder ihrer PartnerInnen eigentlich erst mit dem vor einem Monat verabschiedeten Familiengesetzbuch bekommen. Das Inkrafttreten des Gesetzes ist jedoch wegen einer angekündigten Volksabstimmung ungewiss. Die Entscheidung des Familienministeriums stellt nun klar, dass Homosexuelle schon nach geltendem Recht die Kinder ihrer Lebenspartner adoptieren dürfen.

Sozialamt verweigerte Adoption

Im geltenden Familiengesetz gäbe es bei einseitigen Adoptionen keine Unterschiede aufgrund des Partnerschafts-Status, erklärte das Ministerium in einer Aussendung. In solchen Fällen sei weder eine Ehe noch eine außereheliche Beziehung oder eine andere Partnerschaft erforderlich, sondern könne das Kind von jeder Einzelperson adoptiert werden, wenn das zum Vorteil des Kindes sei.
Im konkreten Fall stellte das Ministerium fest, dass eine Adoption "absolut zum größten Vorteil" für das Kind wäre, das in einer solchen Gemeinschaft lebt und eine entsprechende Familienumgebung genießt. Das lesbische Paar hatte laut Medienberichten vor drei Jahren mittels künstlicher Befruchtung ein Kind bekommen. Seitdem sorgten beide Frauen für das Kind, nur hatte das Sozialamt der nicht leiblichen Mutter eine Adoption verweigert. Das Ministerium gestattete jedoch in einem Berufungsverfahren die Adoption. 

"Wenn ein außerehelicher Partner das leibliche Kind seines Partners adoptieren kann, würde die Verweigerung der Adoptionsmöglichkeit für gleichgeschlechtliche Partner eine rechtlich unzulässige Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung bedeuten." Dies würde gegen die slowenische Verfassung, gegen die Europäische Menschenrechtskonvention sowie gegen etliche Urteile des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte verstoßen, argumentierte das Ministerium. Für RechtsexpertInnen ist die Entscheidung in diesem Fall nicht umstritten. Ihrer Meinung nach ist es nicht wahrscheinlich, dass ein Gericht die Entscheidung des Ministeriums aufheben wird.

Neue Familiendefinition umstritten

Für GegnerInnen des Familiengesetzbuches ist das vorgesehene Adoptionsrecht für Homosexuelle einer der am umstrittensten Inhalte des Gesetzbuches. Am 1. September werden sie beginnen, die erforderlichen 40.000 Unterschriften zu sammeln, um eine Volksabstimmung zu erzwingen. Die Durchführung des Referendums ist ungewiss, denn die Regierung wird bestimmt versuchen, das Referendum mit einer Klage vor dem Verfassungsgericht zu unterbinden. Dieses hat schon mehrere Volksabstimmungen untersagt, mit denen Menschenrechte eingeschränkt werden sollten. 

Das neue Familiengesetzbuch, mit dem die Rechte gleichgeschlechtlicher Partnerschaften ausgeweitet werden, wurde im Juni verabschiedet. Die Mitte-Links-Regierung hatte mit einem Kompromissvorschlag Abstriche von ihren ursprünglichen Plänen einer völligen Gleichstellung homo- und heterosexueller Paare machen müssen. Für die rechtsgerichtete Opposition und eine konservative Zivilinitiative, die von der katholischen Kirche unterstützt wird, ist neben dem Adoptionsrecht für Homosexuelle auch eine neue Definition der Familie, die von der traditionellen Auffassung "Mutter-Vater-Kind" abweicht, umstritten. (APA)

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10 Postings
Sigrun1
12
22.7.2011, 08:51

wieder ein großer Schritt in kultureller Entwicklung!
Die RK kirche wird sich natürlich aufregen, denn Waisen sind dankbare Opfer für ihre gailen Priester

bio_tech
12
21.7.2011, 15:59

also den Werner Faymann und Josef Pröll eine lesbische Beziehung zugestehen ist aber nicht die feine Art

karakal
57
21.7.2011, 10:24
Wow...

Sogar Slowenien ist weiter als Österreich. Wie wäre es mal mit einer wirklich Säkularisierung Österreichs?

honsikversteher
16
21.7.2011, 17:59
wieso "sogar" slowenien.

die haben den Vorteil echten sozialismus in der vergangenheit zu haben. Was ncihts grundsätzlich positives ist, aber was gleichberechtigung und aufbrechen von traditionellen strukturen anbelangt natürlich einem konservativen VP nahen system meilen überlegen ist.

Österreich sollte wirklich langsam schaun dass es den Anschluss an morderne Nationen nicht verliert.

Sigrun1
11
22.7.2011, 08:53

Österr hatte den Anschluß. Den an moderne Nationen wird es wohl nie finden. Die Volksverdummung wurde nie aktiv bekämpft wie es an der Sympathie zum Rechtsextremismus evident wird

-blos so-
03
21.7.2011, 19:49
gleichberechtigung im Sinne von Emanzipation der Frauen

oder Akzeptanz von Homosexuellen?

letzteres kann ich kaum glauben...

wenn diese Entwicklung Schule macht, dann kann man nur gratulieren - es ist nicht einzusehen warum homosexuelle Paare schlechtere Eltern sein sollten als hetero-Paare...

Nennt mich Loretta
 
81
21.7.2011, 15:37
Ja, ja....heute stehen wir vor dem Abgrund, morgen sind wir schon einen Schritt weiter

Helicopterman
10
22.7.2011, 07:22
Gibt es auch eine Begründung

für diese seltsame Aussage?

Pogled
00
21.7.2011, 11:59

Da kann sogar ein gebürtiger Afrikaner Bürgermeister werden.

http://derstandard.at/128710003... r-in-Piran

(Stell Dir das mal in Koroška.Nord vor)

Kleines Sumpfhuhn
11
21.7.2011, 11:43

Aber da geht doch das Abendland unter, wissen Sie das nicht!?

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