Erstmals nach Einführung der Eignungstests gehen in Graz mehr als die Hälfte der für Österreicher reservierten Plätze an Frauen
Graz - Beim jüngsten Auswahlverfahren für einen Studienplatz an der Medizinischen Universität Graz haben in diesem Jahr Frauen mit österreichischem Maturazeugnis erstmals besser abgeschnitten als ihre inländischen männlichen Kollegen. In der "österreichischen Gruppe" - für sie sind 75 Prozent der Plätze reserviert - gehen 136 der Studienplätze (rund 51 Prozent) an Frauen und 132 an Männer, hieß es am Mittwoch vonseiten der Med-Uni. Im Vorjahr betrug dieser Anteil nur 43 Prozent.
1.702 MaturantInnen aus Österreich, der EU und Drittländern haben am diesjährigen Auswahlverfahren teilgenommen: 968 Frauen und 734 Männer stellten sich dem über viereinhalbstündigen Verfahren mit Tests zu medizinrelevanten Grundlagenfächern, Textverständnis sowie Situational Judgement, um einen der insgesamt 360 Studienplätze in Human- und Zahnmedizin zu ergattern.
75 Prozent der Plätze sind für ÖsterreicherInnen, 20 Prozent für EU-BürgerInnen und fünf Prozent für MaturantInnen aus Drittländern reserviert. Das beste Ergebnis überhaupt wurde von einem Maturanten aus Österreich erzielt. 51 Prozent bzw. 136 der insgesamt 268 für inländische Maturanten reservierten Plätze gehen diesmal an Frauen (2010: 43 Prozent). Die österreichweit schlechteren Ergebnisse von Frauen bei den Zulassungstests an den Med-Unis haben Zweifel an der Geschlechtergerechtigkeit der Tests und der Bildungssozialisation der Mädchen durch die Erziehung der Eltern und die Schule aufkommen lassen.
Gap kleiner geworden
"Was uns besonders freut, ist der Umstand, dass der Gap zwischen den angetretenen und erfolgreichen Frauen kleiner geworden ist", so Gilbert Reibnegger, Vizerektor für Studium und Lehre. Demnach waren in diesem Jahr 58 Prozent der österreichischen BewerberInnen Frauen, sie erhalten mit 51 Prozent nun auch mehr als die Hälfte der für österreichische MaturantInnen reservierten Studienplätze. Im Vorjahr waren 56 Prozent der österreichischen BewerberInnen Frauen, erhielten jedoch nur 43 Prozent der Studienplätze.
Seitens der Med-Uni hat man sich zuletzt bemüht, die Information der Bewerberinnen und Bewerber zu verbessern. Ihnen stand erstmals ein Probetest im Internet zur Verfügung, um das eigene Wissen zu überprüfen und sich auf den Umgang mit Multiple Choice-Fragen einzustellen: "Das scheint den Frauen entgegengekommen zu sein", so der Vizerektor. Der Test sei rund 1.700 mal abgerufen worden. Zudem habe man die Kooperation mit den Schulen verstärkt, was sicher auch zum Aufholprozess beigetragen habe.
Das endgültige Ergebnis des Aufnahmeverfahrens der Med-Uni Graz steht nach einer Einspruchsfrist am 12. August fest. Die Ergebnisse der Aufnahmetests an den Medizin-Unis Wien und Innsbruck werden für Anfang August erwartet. (APA)