Erster SlutWalk in Indien

1. August 2011, 10:38
  • "Ich muss mich für nichts schämen": Am Sonntag ist die SlutWalk-Bewegung auch in Indien auf die Straße gegangen.
    foto: apa/ap/dapd/mustafa quraishi

    "Ich muss mich für nichts schämen": Am Sonntag ist die SlutWalk-Bewegung auch in Indien auf die Straße gegangen.

Hunderte DemonstrantInnen prangern Tradition an, Schuld an sexuellen Übergriffen dem Verhalten oder der Kleidung von Frauen zuzuschreiben

Neu-Delhi - Am Sonntag hat der erste "SlutWalk" Indiens stattgefunden. Hunderte von enthusiastischen DemonstrantInnen sind auf die Straßen der Hauptstadt Dehli gegangen, um gegen sexuelle Gewalt zu protestieren. Die Frauen und vereinzelt teilnehmenden Männer kritisierten die allgemeine Auffassung im Land, es liege am Verhalten bzw. der Kleidung der Frau, wenn sie Opfer sexueller Übergriffe wird. Das könne keine Rechtfertigung oder gar Entschuldigung für Vergewaltigung sein, so der Tenor des "Besharmi Morcha", wie der Begriff "SlutWalk" in Hindi genannt wird. Die DemonstrantInnen foderten ein Ende der sexuellen Gewalt und erklärten dieses Unterfangen zur gesellschaftlichen Aufgabe.

"Indische Frauen sind keine Schlampen, und die Männer haben kein Recht, uns als solche zu behandeln", sagte die 22-jährige Studentin Ashima Awal. Die Hausfrau Raksha Gupta, die zusammen mit ihrem Mann und ihren Schwiegereltern an dem Protestzug teilnahm, klagte: "Selbst wenn wir uns von Kopf bis Fuß bedecken, werden wir belästigt."

Im Gegensatz zu den vergangenen SlutWalks in Nord- und Südamerika, Großbritannien oder Südkorea haben die Teilnehmerinnen laut Medienberichten keine sexuell aufgeladenen Outfits wie Korsagen oder Netzstrümpfe getragen. Die TeilnehmerInnen konnten ihre persönlichen Botschaften im Rahmen des Marschs auf Nachrichtentafeln verewigen.

Belästigung weit verbreitet

Gewalt gegen Frauen ist in Indien weit verbreitet, öffentliche verbale Übergriffe sexueller Natur, sexuelle Belästigung und Begrapschen von Frauen ebenfalls. Dafür gibt es sogar einen Ausdruck: "Eve Teasing". Laut einer Umfrage der indischen Regierung und der UNO aus dem Jahr 2010 haben 85 Prozent der Frauen in Neu-Delhi Angst vor Belästigungen. 45 Prozent der Frauen gaben an, dass sie nach Einbruch der Dunkelheit nicht allein aus dem Haus gehen, 65 Prozent fahren nicht gerne mit öffentlichen Verkehrsmitteln. In der Hauptstadt, die als unsicherste Stadt Indiens gilt, wurden nach Polizeiangaben 2010 fast 500 Vergewaltigungen zur Anzeige gebracht.

Massenbewegung

Seinen Ursprung hatte der SlutWalk im April im kanadischen Toronto. Anlass war die Bemerkung eines Polizeibeamten, der in einem Universitätsvortrag Frauen empfohlen hatte, sich "nicht wie Schlampen anzuziehen, um nicht zum Opfer" von sexueller Gewalt zu werden. Nach der ersten Demonstration in Toronto gab es auch bald Kundgebungen in zahlreichen anderen Städten auf der Welt. Die nächsten SlutWalks in Österreichs nächster Nähe sind am 13. August in Berlin und anderen Großstädten Deutschlands geplant. (red/APA)


Links

Slutwalk Berlin

Mehr zu den Slutwalks hier und hier.

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7 Postings
Ich würde gerne mein Auto unversperrt ...

... überall die ganze Nacht stehen lassen können ohne dass etwas daraus geklaut wird.
Welchen walk muss ich da machen?

Prinzipiell eine gute Sache - nur was ich nicht verstehe:

Klar ist sexuelle Gewalt zu verurteilen und Frauen sollen anziehen, was sie wollen.

Ich denke aber, dass extrem freizügig gewählte Outfits zumindest bei gewissen potentiellen Vergewaltigern, die Hemmschwelle zur eigentlichen Tat senken könnten.

Das hat nichts mit Schuld beim Opfer,Frauenfeindlichkeit o.ä. zu tun, sondern, dass jemand, der gerade ausschließlich durch Triebe gesteuert wird, eher weniger auf rational richtige (und wichtige) Argumente eingehen wird.

bitte bitte denken sie nochmal nach was sie da gerade geschrieben haben, es ist zum weinen.

Wieso ist es zum weinen? Rational (oder halbwegs vernünftig) denkende Menschen werden die Idee des Slutwalks bereits jetzt als sinnvoll ansehen und auch umsetzen bzw. danach leben (ich kenne persönlich keinen, der es zmd. öffentlich nicht tut)

Die Idioten, um die es geht, sind triebgesteuert und mMn sinnvollen Argumenten nicht zugänglich. Wie wollen Sie das denen mit Hilfe von Demos, Vorträgen o.ä. ausreden?

das, was sie gepostet haben ist zum weinen, weil sie genau die selbe argumentationsmasche verwenden. wie jemand angezogen ist ist vollkommen unerheblich in dieser sache, und alleine die erwähnung dieses umstandes könnte bedeuten, dass sie verständnis dafür haben.

Ich habe kein Verständnis für die Art, wie besagter Polizist es ausdrückt und gemeint hat (denn er hat pauschalisiert und alle Vergewaltigungsopfer als Schlampen abgestempelt)

Ich weiß aber, dass viele Männer (inkludiert mögliche Vergewaltiger) gut auf optische Reize reagieren.

Und Teilnehmerinnen von Slutwalks sollten verstehen, dass die Täter sich nicht um die Meinung ihrer Opfer scheren, egal wieviel sie protestieren.

Ich revidiere meine Meinung aber gerne, wenn Sie mir einen Verweis auf eine Demo geben, die ein normalerweise spontan begangenes Verbrechen verhindert hat.

like it

als ich in indien war, haben mir viele europäische frauen gesagt, sie würden von den indern meist als freiwild gesehen, die sowieso mit jedem sex haben wollen. dementsprechend aufdringlich haben sich die burschen aufgeführt.

einige urlaubsbekanntschaften hatten schon gar keine freude mehr schwimmen zu gehen, weil sofort eine traube (junger) männer um sie herumzuplantschten begann und sie anbaggerten.

sogesehen macht der "event" sicher sinn. beußtseinsbildung halt.

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