Familienpolitik

Ganztagsbetreuung als Hebel

Gastkommentar | MARGIT SCHRATZENSTALLER, 5. August 2011, 17:54
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    foto: der standard/matthias cremer

    Margit Schratzenstaller ist Referentin für öffentliche Finanzen beim Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo).

Um Frauen die Verwirklichung eines Kinderwunsches zu ermöglichen, bedarf es gut ausgebauter Kinderbetreuungsstrukturen

Eine Reihe von Initiativen wurden in den letzten Monaten im Bereich des Kinderbetreuungsangebots gesetzt. So kündigte Familien- und Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner jüngst die Aufstockung der Förderung für die Ausbildung von Tageseltern an, sofern diese gewisse Qualitätsstandards erfüllt. Der Bund stellt auch in den kommenden beiden Kindergartenjahren Mittel für das kostenfreie verpflichtende letzte Kindergartenjahr bereit. Zudem wird bis 2014 der Ausbau der Kinderbetreuung insbesondere für die unter Dreijährigen weiter gefördert.

Dabei will Mitterlehner die Mittelvergabe an die Bedingung knüpfen, dass die neuen Betreuungseinrichtungen maximal fünf Wochen im Jahr geschlossen haben. Auch in den Ausbau der Ganztagsbetreuung von SchülerInnen werden bis 2014 Bundesmittel fließen, wobei eine Öffnungszeit bis 16 Uhr sichergestellt sein muss. Bis 2015 soll so an der Hälfte der Schulen ein Nachmittagsbetreuungsangebot erreicht werden.

Damit werden das bestehende Ungleichgewicht zwischen Geld- und Sachleistungen abgemildert und die wichtigsten strukturellen Defizite der österreichischen Familienpolitik adressiert. Die Betreuungsquote der unter Dreijährigen beträgt aktuell 17 Prozent. Selbst die 19 Prozent, die sich unter Einrechnung der Tageseltern ergeben, sind weit von der EU-Vorgabe einer Betreuungsquote von einem Drittel entfernt. Die in den nächsten Jahren gewährten Mittel sind ein wichtiger Beitrag zur Schließung dieser Lücke.

Ganztagsbetreuung als zentrales Element

Das gilt auch für die Nachmittagsbetreuung für Schulkinder. Ebenso angebracht ist das verstärkte Augenmerk auf vereinbarkeitsfreundliche Öffnungszeiten. Derzeit hat ein durchschnittlicher Kindergarten 38 Tage pro Jahr, ein durchschnittlicher Hort immerhin fast dreißig Tage pro Jahr geschlossen.

Eine aktuelle Studie, die über einen Zeitraum von vierzig Jahren den Einfluss von 51 Faktoren auf die Geburtenrate analysiert, identifiziert als ein zentrales familienpolitisches Instrument die Ganztagsbetreuung. Ihr weiterer Ausbau ist sicher auch in Österreich ein entscheidender Hebel, um gerade den gut qualifizierten Frauen die Verwirklichung eines Kinderwunsches zu ermöglichen: Sie sind mit gut einem Viertel überdurchschnittlich häufig kinderlos, die Kinderzahl der hoch qualifizierten Mütter ist deutlich geringer als jene der geringer qualifizierten.

Künftig wäre neben dem Ausbau der Betreuungsplätze die Qualität des Betreuungsangebots weiter zu verbessern. Dies betrifft erstens die täglichen Öffnungszeiten vor allem der Kindergärten: Sie schließen - regional unterschiedlich - zu fast einem Viertel vor 14 Uhr, zu gut zwei Dritteln vor 17 Uhr. Zweitens ist der Männeranteil beim Betreuungspersonal, der bei Krippen und Kindergärten unter zwei Prozent liegt, deutlich zu erhöhen, um bereits im frühkindlichen Alter das Spektrum an Rollenvorbildern zu erweitern: Als wichtiges Element einer Politik, die die ausgeprägte geschlechtsspezifische Segregation am Arbeitsmarkt und die anhaltende Schlechterstellung der Frauen im Erwerbsleben aufbrechen will.

Woher die Mittel nehmen? Wie der Rechnungshof soeben festgestellt hat, bieten neben dem Bund auch die Länder vielfache, jedoch kaum aufeinander abgestimmte Leistungen. Ihre Durchforstung und Straffung sollte die Budgetspielräume erheblich erweitern. (DER STANDARD, Printausgabe 6./7.8.2011)

Gernot Schandl
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19.8.2011, 08:17
Feministische Ideologie und Konzerninteressen stehen der Flexibilität im Weg.

Das ganze Problem der unflexiblen Kinderbetreuung liegt daran, dass eine konkrete Form der Betreuung mittels Objektförderung hoch subventioniert wird. Damit wird der gefühlte Wert von Kinderbetreuung deutlich reduziert und die Bereitschaft, andere Formen zu wählen, sinkt.

Echte Wahlfreiheit gibt es nur mit Subjektförderung. Dann würde die Nachfrage nach privaten Betreuungsangeboten mit Spezialkonzepten - z.B. mit anderen Öffnungszeiten oder mit besseren Bedingungen für Kleinkinder - steigen. Gleichzeitig würden sich bei Kostenwahrheit auch einige Eltern dazu entscheiden, ihr(e) Kind(er) zu Hause zu betreuen. Diesen Effekt scheuen aber Emanzen und Wirtschaftslobbyisten gleichermaßen, deswegen verhindern sie eine flexible Lösung.

da schau
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alle fordern das selbstverständliche.

ABER:
in den ganztags-kindergärten werden 25% der ganztagsangemeldeten (!) schon um 13:00h nach dem mittagessen vom kindermädchen abgeholt oder von müttern / großeltern.

daß es DARAN liegt, daß frauen nicht karriere machen können, ist offensichtlich zumindest stastistisch widerlegt.

RS69
 
00
10.8.2011, 15:44

Sie gehen ja auch nicht jeden Tag spätabends einkaufen, weil es möglich ist,oder?

Und Sie nützen bei Kinderbetreuung nicht jeden Tag das Maximum - aber an einzelnen Tagen ist es doch wichtig, die Möglichkeit zu haben.

Kaum wer hat täglich längere Termine - so gut wie jeder hat manchmal längere Termine.

frauen sache
02
diese forderungen sind nicht neu?

woran scheitert ihre durchsetzung?
vielleicht weil wir noch immer eine satte männerdominanz beim gesetzgeber haben?

scoutclau
00
11.8.2011, 15:36
Vielleicht ...

weil die kleineren Gemeinden am Land nicht die nötige Kohle für den ganztätigen Kindergarten und mehr Personal haben? Das ewige Gejeiere mit der Männerdominanz ist einfach nur mehr peinlich. Hoch leben alle Mütter mit Söhnen, jetzt erst recht. ^^

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