Tschechien

Präsident Klaus verteidigt homophobe Positionen

8. August 2011, 18:13

In Unterstützungserklärung für Gay Pride von dreizehn Botschaften in Prag sieht Staatschef "beispiellosen Schritt"

Prag - Die Kontroverse in Tschechien um die bevorstehende Homosexuellen-Parade in Prag "Prague-Pride" nimmt kein Ende. Erneut meldete sich am heutigen Montag der tschechische Staatspräsident Vaclav Klaus zu Wort, der diesmal die gemeinsame Erklärung von 13 Botschaften in Prag, darunter der österreichischen, zu diesem Thema als einen "beispiellosen Schritt" scharf kritisierte.

"Die Erklärung der Botschafter, die sie - wie ich von einigen von ihnen erfahren habe - nicht einmal gelesen haben, betrachte ich als einen beispiellosen Schritt, den bisher niemand von uns gesehen hat", betonte Klaus. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass jeglicher von unseren Botschaftern sich erlauben würde, sich in Form einer Petition in die innenpolitische Diskussion im beliebigen demokratischen Land einzumischen", so der Präsident.

Parade nicht Gefahr

Die BotschafterInnen sollten laut Klaus wissen, dass die Debatte in Tschechien nicht darüber geführt werde, ob die Veranstaltung der Homosexuellen erlaubt werden sollte. Die Debatte werde darüber geführt, ob diese Veranstaltung von dem Prager Oberbürgermeister öffentlich unterstützt werden sollte, so Klaus. 

"Kontraproduktiv und überflüssig"

Der Präsident unterstützte auch eine frühere Stellungnahme des Außenministers Karel Schwarzenberg, der sich ebenfalls kritisch zu der gemeinsamen Erklärung der 13 BotschafterInnen in Prag kritisch geäußert hatte. Darin hatte Schwarzenberg betont, es sei "kontraproduktiv und überflüssig", die Unterstützung jenen Rechten zum Ausdruck zu geben, die in Tschechien niemand in Frage stelle. Außerdem wecke dies überflüssig den "Eindruck einer Einmischung in innere Angelegenheiten" Tschechiens, so Schwarzenberg. Klaus meinte zu den Aussagen Schwarzenbergs, "ich wäre in seiner Verurteilung schärfer als er". 

"Druckausübungs-Veranstaltung"

Die 13 Botschaften hatten in der gemeinsamen Erklärung auf einen umstrittenen Text des Vizechefs der Präsidentenkanzlei und engen Mitarbeiter von Klaus, Petr Hajek, von vergangener Woche reagiert. Wie dieStandard.at berichtete, hatte Hajek darin die Homosexuellen als "abartige Mitbürger" bezeichnet. Die geplante Homosexuellen-Parade nannte Hajek eine "Druckausübungs-Veranstaltung der Homosexuellen", die "kein unschuldiger Spaß" sei. Außerdem kritisierte Hajek, dass die "Prague-Pride" öffentlich von dem konservativen (ODS) Prager Oberbürgermeister Bohuslav Svoboda öffentlich unterstützt wurde. Svoboda ist vom ursprünglichen Beruf Gynäkologe.

Außer der österreichischen Botschaft zählen zu den Signataren der gemeinsamen Erklärung die diplomatischen Vertretungen der USA, Belgiens, Kanadas, Dänemarks, Estlands, Deutschlands, der Niederlande, Norwegens, Spaniens, Schwedens, der Schweiz und Großbritanniens. (APA)

marmeladenfreund
01

An sich mag ich Tschechien gerne - es ist sicher jenes Land im östlichen Mitteleuropas mit der ausgeprägtesten demokratischen Tradition, den "westlichsten" Standards und den geringsten Problemen mit Rechtspopulisten und antidemokratischen Kräften (auch und gerade im Vergleich zu Österreich). Gerade darum frage ich mich, wie Klaus in so einem Land "passieren" konnte. Masaryk muss im Grab rotieren, dass dieser "ungute Wastl" und Opportunist Präsident der Tschechischen Republik werden konnte. Masaryk, Dubcek und Havel bilden sicher eine Reihe. Klaus passt eher in eine Reihe mit manch anderen ehemaligen Staatsoberhäuptern der Tschechen...

Tipp-Assistent
00
10.8.2011, 10:59

Dubcek war Slowake.

Graf Bobby
00
10.8.2011, 11:25

außerdem war er nicht Staatschef.

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