Frauen- und Selbstbild

Ungeschminkte Realitäten

Birgit Tombor, 16. August 2011, 07:00
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    foto: ap/dapd/material girl

    Schöne Vorbilder versprechen ein aufregendes, glamouröses und vor allem: ein erfolgreiches Leben. Die heute 14-jährige Tochter von Madonna, Lourdes Maria, wirbt seit Jahren für Fashion und Kosmetik.

Wenn das Selbstbild zur Problemzone wird: Mädchen üben ein, was von ihnen erwartet wird, und hübsch sein gilt als Voraussetzung

Ein Mascara für extra buschige Wimpern. Oder doch den für länger wirkende? Braunes Rouge oder rosa? Lipgloss oder Lippenstift? Billig-Make up oder High End? Was hält besser und wirkt dennoch natürlich? Entscheidungen, die getroffen werden müssen, von vielen - hauptsächlich Frauen -, die sich der täglichen Behübschungsroutine nicht erwehren und kräftig auftragen. "Früh übt sich" gilt auch hier, bestätigt ein Blick ins "Schminkcamp". Wenn aber schon elfjährige Mädchen zum Kajal greifen, ist anscheinend die Grenze des guten Geschmacks überschritten und die Diskussion am Dampfen. Ab wann ist es in Ordnung, wenn sich Mädchen schminken? Ist es das überhaupt? 

Für diejenigen, die Schminken als Sexualisierung von jungen Mädchen verurteilen, ist es das nicht. Nur: Es geht bei den frühen Versuchen der Mädchen ja gerade ums Erwachsenwerden samt Sexualität, die nicht an den erwachsenen Blick adressiert wird. Wenn Pubertierende sich ausprobieren, dann tun sie das über Bilder von sich selbst. Da ist Schminke ein vor allem für Mädchen probates und bewährtes Mittel zum Zweck. Und auch für Buben ist es mittlerweile nicht mehr generell unmännlich kodiert, schwarzen Lidstrich zu tragen. Oder Nagellack. Diese Selbstbilder werden an Peers, nicht Erwachsenen, getestet, können wieder verworfen und durch neue ersetzt werden. Schminken kann Selbstermächtigung, Protest und Anpassung an die jeweiligen gesellschaftlichen Forderungen zugleich sein.

An Mädchen adressiert wird besonders eine: Sei hübsch anzusehen. Und das wollen doch alle: Ein möglichst gutes Bild von sich abgeben, im reellen wie virtuellen Leben. Das Selbstbranding und -marketing in sozialen Netzwerken ist aus dem Alltag der Jugendlichen und jungen Erwachsenen nicht mehr wegzudenken. Da wird bewertet, was das Zeug und das Selbstvertrauen hält. Dass die neueren technologischen Möglichkeiten für Selbstinszenierung auf von außen unablässig zugetragene Werbebotschaften von idealen Gesichtern und Körpern treffen, problematisiert das jugendliche Ausprobieren letztlich doch, weil durch das Vorhalten eines standardisierten, allgegenwärtigen Schönheitsmodells ein äußerst eingeschränkter Selbstentfaltungsspielraum entsteht. Opt-Out ist da keine verlockende Möglichkeit für junge Menschen, für die alles möglich erscheint.

Also wird sich angestrengt. Problemzonen ausgemacht, Arbeitsfelder am äußeren Ich abgesteckt, und für alle diese hat die Warenwelt sicher das Passende parat. Zu Leibe gerückt wird sich schon vor dem Schminken, das nach Enthaarung, Diät, Peeling für den Feinschliff gut ist. Überbetont werden als herzeigbar definierte "Features", damit nicht Sehenswertes auch leichter übersehbar wird. Warum soviel Aufwand, und ja, das ist ein großer: Weil Schönheit zu einem Metabegriff ausgewachsen ist, der für Erfolg steht. Erfolg in der Liebe, Erfolg in der Sexualität, Erfolg im Beruf, Erfolg im Sozialen. Erfolg als Mensch. Für Frauen greift dieses aufgeblasene Konzept stärker ins Leben und Selbstbild ein als bei Männern, für die andere Parameter für Erfolg galten und gelten. Wenn Schönheit bei Frauen aber als Grundvoraussetzung begriffen wird, bedeutet ein Scheitern auch mehr als nur simples Nichterreichen. Scheitern bedeutet Verlust an Selbstwert, an Selbstvertrauen, an Handlungsspielraum. Es führt zu Selbsteinschränkung, Selbstzweifel und auch Selbsthass.

Dass schon Elfjährige diese Logik einüben, entspricht den Vorgaben, mit denen sie konfrontiert werden. Mit Beginn des Erwachsenwerdens schaut die Frau von morgen auf viel beachtete Vor- und konstruierte Wunschbilder. Will man nicht, dass Mädchen sich vor allem mit solchen Bildern füttern, müssen andere (Werbe)Bilder von Frauen, ebenso positiv besetzte Gegenspielerinnen, her. Wie zum Beispiel die von Kickerinnen während der Weltmeisterinnenschaft zur besten Sendezeit, die mit den gewohnten Wahrnehmungserwartungen brechen und zeigen, dass es auch und gerade ohne Schönheitskorsett geht. So werden den Kleinen und Größeren andere Perspektiven eröffnet und Wege frei für neue Interessen, Möglichkeiten, Erwartungen und Selbstbilder. Die lassen sich bei den Heranwachsenden fast so leicht formen wie Wimpern. (bto/dieStandard.at, 16.8.2011)

Kommentar posten
22 Postings
Ndugu
00
8.12.2011, 09:50
Als Mutter zweier weiblicher Teenager ist mir das alles nicht ganz unbekannt.

Der Artikel ist mir aber zu einseitig. Mädchen brauchen andere Bilder vom Frau-sein und Erfolg-haben? Wirklich? Ist das die Erkenntnis? Der Weg dorthin fehlt aber...
Ich bin dafür, den Mädels vorzuleben worauf es ankommt: Selbst versuchen, selbst machen, später selbst verdienen, und vor allem: selbst verantworten - die Mädchen sind nicht dumm, sondern lernen durchaus, zwischen Schein und Realität zu unterscheiden. Und bei allem den Humor nicht vergessen!

Elisabeth Jarok
00
19.9.2011, 02:09
ein Tipp:

am besten ist es, keine Mädchen/Frauenzeitschriften mehr zu lesen.

Ohne all diese retuschierten Bilder wird das Selbst- und Weltbild wieder normal.

TRockenmilch
00

weil ich hier immer viel kritisier möcht ich auch mal lob austeilen:

schön dass so ein artikel ohne sexistischen seitenhieb auskommt.

bravo.

buggi
01
19.8.2011, 22:22

Die aggressive Werbemethoden vieler Firmen bestimmen Maßgeblich solche Entwicklungen. Die utopische Erwartungshaltung an den Partner steigt dadurch.
Mich wundert es sehr dass in manchen Postings sich
einige für die Frau als Sexobjekt in der Werbung aussprechen.

Helga Echtermeyer
24
17.8.2011, 09:48
freiheit ist, ungeschminkte realitäten zu beschreiben / augen auf...

prima artikel/analyse, die aufzeigt, wie u.a. knallharte wirtschaftsinteressen manipulativen einfluss auf das weibl. frauenbild nehmen. das erinnert an die feminist. analyse in `living dolls`von n.walter. sexismus befindet sich in unserer gesellschaft wieder auf den vormarsch. siehe berlusconi, der ital. medienmogul , der frauen medial als gegenstand erniedrigender lustobjekte performt. die frau als schöne dekoration/sexismus sells. auch davon lebt die porno-industrie, die frauen als bereit/willige lustObjekte provokativ produziert. auch vulgarität ist zum schlüsselbegriff geworden, gier nach geld, selbstdarstellung, sinnloser konsum, die neue ästhetik d. gesellschaft (zit.meyer/walder)
http://www.aviva-berlin.de/aviva/Fou... id=1430052

Poldi Fesch
00
25.8.2011, 15:33
vor allem

erniedrigender, gelle

scoutclau
15
17.8.2011, 17:37
Klingt wie ein Soziologiereport ...

Die Frau als kollektives Schwarmwesen, manipuliert und fremdbestimmt. Das hatten wir doch schon alles in den 70ern. Wäre höchste Zeit, das Kindchenjammern verblassen zu lassen. Wenn ich die Huren auf der Mariahilfer Straße stehen sehe, fühle ich mich hier weder betroffen noch innerlich zu Solidarität aufgerufen. Frauen und Männer sind vielseitig und entscheiden sich immer wieder in ihrem Leben. Wenn es Frauen gibt, die für Geld bei Pornos mitmachen, hat das mit anderen Frauen überhaupt nichts zu tun.

Captain Smoker
01
17.8.2011, 09:45

"Wie zum Beispiel die von Kickerinnen während der Weltmeisterinnenschaft"

Sind damit die gleichen Fußballerinnen gemeint die vor der WM mehrere Modeschauen veranstaltet haben um endlich das Image der nicht schicken, nicht gestylten Fußballerinnen abzulegen?

tignosa
00
12.10.2011, 11:55
das sind zwei Paar Schuhe

Frauen dürfen dem Schönheitsideal zufolge nämlich nicht schwitzen- Fußball- Sport generell- geht aber nicht ohne viel Schweiß

Heavyweather
01
17.8.2011, 12:23

Fußballer sind ja bei Leibe nicht die hässlichsten. Was spricht dagegen diese Körper zu präsentieren? Ein sportlicher Körper sieht einfach geil aus.
Mit einer derartigen Ansage sollte wirklich keiner ein Problem haben. Im Gegenteil. Die Kinder sollen lieber lernen ihren Körper in Bestform zu bringen und zu halten.
Der Sportlerkörper kommt ja nicht von irgendwo, da steckt hartes Training dahinter. Ich bin auch stolz auf meinen athletischen Körper und natürlich hat es Vorteile wenn man gut aus sieht.

Also...trainieren statt schminken.

Tethys
10
26.8.2011, 09:39

"Die Kinder sollen lieber lernen ihren Körper in Bestform zu bringen und zu halten. "

Bestform?

Wieso in "Bestform"? Und wer definiert das? Und was machen Sie mit Kindern, die eben weniger Wert auf ein "perfektes Äußeres" legen? Umerziehungslager?

LSDBlue
00
28.8.2011, 14:57

Wieso in Bestform? Weil man sich mit einem Körper in Bestform auch bestens fühlt, darum auch der Terminus "Bestform" - & wie ein athletischer Körperbau aussieht wirst du doch wohl wissen oder? & wenn man Kindern sowas von klein auf vorlebt muss man sie auch nicht umerziehen weil sie nichts anderes kennen

Heavyweather
00
26.8.2011, 11:35
Welches Kind kennst du dass sich nicht gerne bewegt?

Das Aussehen ist ein Nebeneffekt des aktiven Lebensstils.
Erziehung ist ein gutes Stichwort. Das muss schon im Kindergarten los gehen...offene Bewegungsräume in den Schulen, Geräte mit Feedback, Trainingstagebücher. Gamification ist ein gute Ansatz...z.B. online am Ergometer gegeneinader rudern, Radfahren auf dem VR Rollentrainer,...

Mehr gratis Angebote für Kinder, mehr Bewegungsraum auch in der Stadt, endlich diese Aktivcard die schon lange angedacht ist,...

Das stärkt das Selbstbewusstsein und wirkt das ganze Leben positiv nach. Um das Äußere geht es dann gar nicht mehr so stark weil andere Werte in den Vordergrund rücken.

maya70
 
00
29.8.2011, 16:41
Mit einer perfiden Überschrift direkt ins Trimmgefängnis hineinspringen.

Kinder machen sich ihre Bewegung selber; sie brauchen keine Geräte mit Feedback, keine Trainingstagebücher, Gamification u.s.w. Was hier vorgeschlagen wird ist die erzwungene Einübung einer dämlichen, körperfixierten Trimmdich-Ideologie. Die Fantasie der Kinder bildet sich mit selbst erfundenen, von Erwachsenen unkontrollierten Aktivitäten am besten aus; und das ist wichtiger als eine von der Trimmindustrie genormte körperliche "Bestform". Denn Fantasie ist nötig, um flexibel auf die Überraschungen des Lebens zu reagieren.

Heavyweather
00
29.8.2011, 23:28

Im Kindergarten und der Volksschule vielleicht...
Am Land womöglich wenn sie keine Playstation und Ganztagsunterricht haben...

Sie können auch Fußballspielen...
Mir gibt das aber nichts und hat das als Jugendlicher auch nichts gegeben...
Idiotische Geräte aus der TV Werbung sind auch für die Fische.

Captain Smoker
00
17.8.2011, 13:48

Die Fußballerinnen waren bei diesen Veranstaltungen aber sehr wohl geschminkt. Wieso also nicht trainieren und schminken? ;)

Ich habe nichts gegen sportliche Körper. Ich betreibe auch gerne Sport und freue mich nebenbei über sichtbare Erfolge.

kicker wowi
 
25
17.8.2011, 02:03
Freiheit...

für alle.
In Zeiten der globalen Vernetzung gibt es jedes erdenkliche Vorbild für Mädchen. Wenn sich ein Mädchen in das Bild der hübschen Prinzessin verliebt, sollte sie dies auch leben dürfen.
Feministische Stimmen in unseren Breitengraden sind für mich rätselhaft, das Konzept ist überholt. In den 70er Jahren waren Themen wie diese wichtig, heutzutage sollten doch bitte endlich neue Themen gefunden werden.

Diestandard macht mich einfach wütend. Wie kann man sich abspalten und gleichzeitig Integration schreien? Wir Frauen und Männer haben alle die gleichen Rechte, jetzt einfach machen und ned jammern - ob geschminkt oder ungeschminkt ist mir herzlich wurscht.

Mynnia
00
27.8.2011, 15:36

Themen werden so lange behandelt, bis sie nicht mehr aktuell sind. Feminismus ist keine Zeitung oder dafür da, jemandem zu gefallen.

Was Ihnen Kopfzerbrechen bereitet, ist eigentlich nur eine Sache der Gewöhnung daran "wie Sachen funktionieren sollen"...dass ein Thema 4 Wochen, nun ja, Thema ist und dann erledigt. Das ist aber nun mal nicht so, sonst *würde* man ja nicht davon lesen - ein immanenter Beweis quasi.

Da Frauen noch immer nicht selbstverständlich die gleichen Rechte wie Männer haben, da Diskriminierung existiert, ist eine Frauenbewegung auch weiterhin aktuell und notwendig.

SK26
25
17.8.2011, 03:17
dieStandard.at hat tatsächlich wenig mit dem klassischen konzept eines objektiven journalismus zu tun, dieser ist niemals Parteiergreifend...es geht vordergründig um eine unabhängige ideologische platform um möglichst oppositionslos eigene ansichten

verbreiten zu können (einseitige berichterstattung? nein, natürlich: Meinungsjournalismus...) mit anderen worten: "Lobbyarbeit".
Stellt sich die Frage, wo bleibt der eigenständige BehindertenStandard, UmweltStandard, Asyl/FluchtStandard, RassismusStandard BildungsStandard? Haben diese ebenfalls! wichtigen Themen keine eigene Plattform verdient? Hintergründig geht es um Geld. Wir leben in Zeiten in denen sich mit Feminismus gutes Geld machen lässt. Denken sie Die Werbung auf Diestandard.at ist gratis? Es ist einfach Chick einen eigenen "dieStandard" zu haben das zieht und bindet Kunden (zb. junge kaufkräftige Frauen) an,in den 70/80ger jahren wäre es gerade revolutionär gewesen, heute wohl eher mainstream kundenfang....

SK26
00
25.8.2011, 16:13

bitte, dann streichen sie RassismusStandard...wo ist der BildungsStandard, BehindertenStandard, UmweltStandard etc etc...
und für daStandard.at können sie im Prinzip dieselbe Argumentation verwenden wie für dieStandard...

Minister der Ökomonie
25
17.8.2011, 03:52

Tatsächlich ist interessant, warum sich ein die.standard abspalten muss. Als wären der.standard wiederum ein Männermagazin. Keineswegs werden dort jedoch Männerthemen zelebriert, sondern allgemeine Themen.

Eher könnte man die Rubrik gender.standard oder sowas machen, wo man explizit Genderthemen anpeilt. Ansonsten... entsteht der Eindruck, als würden sich Frauen nicht für Politik, Wirtschaft, Technik,... interessieren... was definitiv nicht stimmt.

Weiters mutet die Dienstags - Forumssperre eine Meinungssperre zu sein. Das wiederum spricht nicht für Kritikfähigkeit.

Wäre diese Rubrik das äquvalent zur Berufstätigkeit von Frauen, wären alle Fragen beantwortet. Ambivalent, ziellos, inkonsequent, sparsam, unbeherzt.

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