Beim siebten Mal hat es geklappt: Österreicherin über Nordseite erfolgreich - Als erste Frau alle Achttausender ohne Zusatz-Sauerstoff geschafft
Gerlinde Kaltenbrunner hat am Dienstag um 18.18 Uhr Ortszeit den Gipfel des 8.611 Meter hohen K2 erreicht. Zuvor war Kaltenbrunner sechsmal an dem zweithöchsten Berg der Welt gescheitert.
Die Oberösterreicherin ist somit die erste Frau, die sämtliche 8.000er der Erde ohne zusätzlichen Sauerstoff bezwungen hat. Vor ihr waren die Südkoreanerin Oh Eun-Sun und die Spanierin Edurne
Pasaban bereits auf allen Achttausendern, sie haben aber teilweise
zusätzlichen Sauerstoff verwendet.
Kaltenbrunner war mehr als zwei Monate unterwegs gewesen. Begleitet wurde sie von dem Polen Darius Zaluski sowie den Kasachen Maxut Zhumayev und Vassiliy Pivtsov, die laut einer Aussendung auch kurz davor standen, den Gipfel zu erreichen. Der Ehemann von Kaltenbrunner, Ralf Dujmovits, und ein weiteres Teammitglied hatten auf dem Weg aufgegeben und waren zurückgekehrt.
Bei ihrer Expedition auf den Berg versuchte die Oberösterreicherin den Aufstieg erstmals über die wenig bestiegene Nordseite von China aus.
Von der Krankenschwester zur Alpinistin
Kaltenbrunner, die am 13. Dezember 1970 geboren wurde und in Spital am Pyhrn aufwuchs, begann schon in jungen Jahren mit dem Bergsteigen. Während ihrer Ausbildung zur Krankenschwester nutzte sie jede Gelegenheit, ihre Technik zu verbessern. Mit der Besteigung des Broad Peak-Vorgipfels ging ihr Traum, einen Achttausender zu besteigen, frühzeitig in Erfüllung.
Von nun an steckte Kaltenbrunner ihr ganzes Krankenschwestern-Gehalt in alpinistische Expeditionen. Nach dem Aufstieg auf den Nanga Parbat (8.126 m) im Jahr 2003 verschrieb sich die "Oberösterreicherin des Jahres 2005" endgültig dem Profibergsteigen. Dabei wird sie nicht müde zu betonen, dass ihre Leidenschaft nicht allein den hohen Bergen gilt, sondern auch den dortigen Menschen sowie deren Religion und Kultur.
Wettkampf nicht im Vordergrund
Immer wieder erklärt die Oberösterreicherin auch, dass ihr das Rennen mit anderen Bergsteigerinnen um die 14 Achttausender nicht so wichtig sei. "Ich halte das total fern von mir, weil ich da einfach keinen Wettkampf sehe", so Kaltenbrunner. Das bewies sie auch im Mai 2005, als sie gemeinsam dem Japaner Hirotaka Takeuchi den Everest besteigen wollte. Auf 7.650 m erlitt der Asiate ein Gehirnödem. Kaltenbrunner zögerte keine Sekunde, brach die Expedition ab und rettete Takeuchi das Leben. Später sagte sie: "Am Everest umkehren zu müssen, um einem Freund das Leben zu retten, macht uns nochmals unendlich reicher."
Tod klettert mit
Im Mai 2007 erlebte Kaltenbrunner am Dhaulagiri (8.167 m) ihre schlimmsten Momente. Ein Lawinen-Abgang verschüttete ihr Zelt. Während sich die Oberösterreicherin aus eigener Kraft ausgraben konnte, starben zwei spanische Bergkameraden. Ihre Einstellung hat sich dadurch nicht verändert: "Die Berge bleiben meine Liebe", sagte sie kurz darauf. Bei einem weiteren Bergdrama am K2 am kam am 6. August 2010 ihr schwedischer Kamerad Fredrik Ericsson ums Leben. (APA)