Girls Rock Camp

Für Mädchen und solche, die es gerne wären

Beate Hausbichler, 24. August 2011, 07:00
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    Das Camp fand von 15. bis 20. August statt.

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    Die Überraschungs-Vorband mit allen, die die Mädchen in der Camp-Woche beim Musik machen unterstützten.

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    Die BWB´s bei der Generalprobe.

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    "Viele kennen keineN, die/der auch eine Band gründen will", so Ulrike Mayer, sie arbeitet abseits von der Camp-Organisation als  Produktionsassistentin für das Donaufestival Krems und für das Diskursprogramm des Elevate Festival

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    Franziska (links) und Anna: "Es wäre einfach anders, wenn auch Burschen dabei wären."

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    Eva:"Am besten waren die Band-Coachings, da konnte man kreativ sein und neue Sachen versuchen. Ich hab zum Beispiel Schlagzeug ausprobiert."

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    Die Camp Organisatorinnen: Sara Paloni, Ina Thomann, Julia Boschmann und Veronika  Eberhart und Ulrike Mayer.

In Niederösterreich wurden beim "Girls Rock Camp" eigene Songs geschrieben und erste Bühnenerfahrungen gesammelt - dieStandard.at schaute sich im Camp um

Gleißende Hitze, hochgeklappte Gehsteige, hin und wieder ein Auto auf weitgehend unbefahrenen breiten Straßen. An einem Samstagnachmittag mitten in den Sommerferien ließen sich viele Plätze aufzählen, wo man eher eine Ansammlung junger Frauen und Mädchen erwarten würde als im Industriegebiet von Wiener Neustadt. Zwischen einem Meer von Parkplätzen und Gstätten sitzen die Teilnehmerinnen des "Girls Rock Camp" im Schatten eines ehemaligen Schlachthofes auf dem Rasen. Aus dem kleinen Konzertsaal des Wiener Neustädter Jungendkulturhauses "Triebwerk" tönen die letzten Proben vor dem großen Auftritt am Abschlussabend des Camps, bei dem die Mädchen ihren FreundInnen, Eltern, Omas, Opas und Geschwistern zeigen möchten, woran sie vom 15. bis 20. August im "Girls Rock Camp" gebastelt haben.

Band gegründet, Song geschrieben

"Ich war mir nicht sicher, ob das mit den eigenen Songs klappt - in dieser kurzen Zeit. Und jetzt hat jede Band zwei bis drei selbst geschriebene Songs", freut sich die Initiatorin des Camps, Ulrike Mayer, im Gespräch mit dieStandard.at. Nach einem Bandfindungsprozess mit gegenseitigen Interviews, Austausch über verschiedene Musikrichtungen samt Vorlieben und Versuchen mit den verschiedensten Instrumenten, standen die frisch formierten Bands am Dienstag das erste Mal gemeinsam im Proberaum. "Viele wussten schon, dass sie Musik machen wollen, hatten aber niemanden, mit der/dem sie eine Band gründen könnten", hier hätten sie die Möglichkeit bekommen, sich einerseits auszuprobieren und andererseits gleich potenzielle Bandkolleginnen zu treffen, so Mayer.

Neben dem Probieren und Austesten von Instrumenten und Musikstilen bekamen die Mädchen im Camp auch professionelle Unterstützung von erfahrenen Musikerinnen. Es gab Workshops zum Thema Song-Schreiben und jeden Nachmittag war ein "Bandcoaching" angesagt. Mit Workshops über Graffiti, DJing, Fanzines oder Siebdruck wurden die Mädchen mit Popkulturpraktiken über das Musikmachen hinaus versorgt. "Ich habe hier viel ausprobieren können, was ich vorher noch nie gemacht habe. In der Band spiele ich das erste Mal Bass. Auch das Siebdrucken und der Workshop über 'Körper und Bühne' waren toll", erzählt die 15-jährige vom Camp enthusiasmierte Franziska.

Sich im Umgang mit einem Instrument oder im Gesang zu perfektionieren war aber den jungen Teilnehmerinnen nicht am wichtigsten. "Spaß und gemeinsam kreativ sein" stand für die Camperinnen klar an erster Stelle. Mit den seit Jahren durch die omnipräsenten Musik-Castingshows an Jugendliche herangetragenen Ziele "Karriere im Musikbusiness" und "Plattenvertrag" hatte das Camp also nichts am Hut.

Camps seit 2001

Mayer hat sich letztes Jahr im August in New York beim "Willie Mae Rock Camp for Girls" Eindrücke für das Camp in Niederösterreich geholt. Nach ihrer Rückkehr im September begann sie mit den ersten Vorbereitungen für das "Girls Rock Camp", das sie seit Anfang 2011 mit vier weiteren Frauen auf die Beine stellte. "Das erste Camp dieser Art fand schon 2001 in den USA statt und damit ziemlich zeitgleich mit der Ladyfestbewegung. Den politischen Hintergrund für die Camps bildet somit eine feministische Subkultur, die Riot Girrrl- und die Ladyfestbewegung."

Das Rätsel Geschlecht

Ein expliziter Feminismus-Bezug ist bei den 13- bis 21-jährigen Teilnehmerinnen weniger zu erkennen, obwohl sie durchaus die Geschlechterverhältnisse von sich aus thematisierten: "Wir haben uns gemeinsam Musikvideos angesehen. Da kamen natürlich Fragen über die Repräsentation von Frauen in der Musik auf, oder es wurde wild gerätselt: Ist die Person am Schlagzeug vom The Gossip-Video nun eine Frau oder ein Mann?", weiß Mayer von Auseinandersetzungen über Fragen des Geschlechts zu berichten.

Das "Unter-Sich-Sein" spielte für die Teilnehmerinnen insgesamt ein große Rolle. Eva, die sich selbst als "schüchtern" beschreibt, meinte: "Es ist schon cool, dass nur Frauen da sind, man traut sich einfach mehr. Ich spiele auch in einer gemischten Band und merke sehr wohl, dass man sich nicht so traut, wenn die anderen mehr können - ich hab mir schon gedacht, dass das anders ist, wenn nur Mädchen da sind." Auch Anna, 18 Jahre, findet die weibliche Exklusivität gut: "Nicht wegen Feminismus oder so, aber jede kann sich so besser verwirklichen. Wenn Burschen da wären, ginge es sicher für einige viel mehr darum, wie man rüberkommt. So kann man jeden Blödsinn sagen und tun - und das ist schon wichtig."

Für Mädchen und für jene, die eines sein wollen

Wenngleich so viel Bereitschaft zum "Gender bender" in so jungen Jahren wohl eher unwahrscheinlich ist, so haben die Veranstalterinnen dennoch in ihren Aufrufen zum Camp betont, dass auch alle jene eingeladen sind, die sich "als Mädchen angesprochen fühlen", so Mayer. Das biologische Geschlecht sollte somit nicht den Ausschlag für die Möglichkeit einer Teilnahme geben.

Am Ende wurde schließlich doch "Women only" daraus, womit es aber spätestens am frühen Abend des letzten Camptages, kurz bevor die vier frisch gegründeten Bands ihre Songs präsentierten, vorbei war. Die KonzertbesucherInnen trudelten nach und nach ein, und die Aufregung der jungen Musikerinnen wurde aufgrund der immer größer werdenden Anzahl gespannter Eltern, FreundInnen und Großeltern gleich noch um eine Stufe erhöht. Zwei Stunden später als geplant ging es schließlich mit einer Überraschungs-Vorband los, die aus den Band-Coaches des Camps bestand und den Juniors schon mal zeigten, wie´s geht. Um einiges zaghafter starteten dann "The Uglies", deren Begeisterung über die Bühnenarbeit im Laufe ihres Auftrittes sichtlich stieg. Die Funken sprühten schließlich auch bei den anderen Formationen, bei den "BWB´s", bei "The Lighters" und "Rentothing". Das Publikum war begeistert und die jungen Künstlerinnen fühlten sich nach anfänglicher Schüchternheit im Rampenlicht sichtlich wohl.

Ob die 14 Mädchen in ihren neuen Bands auch über längere Zeit gemeinsam kreativ tüfteln, wird sich weisen. Sollten sie zumindest ein Jahr überdauern, hätte das schon geplante "Girls Rock Camp" im nächsten Jahr vielleicht schon ein paar Star-Gäste in petto. (Beate Hausbichler, dieStandard.at, 24.8.2011)


Info
Es existiert bereits ein Dachverband für die Camps, die "Girls Rock Camp Alliance", der sich jedes Jahr bei einer Konferenz trifft 

Das nächste "Girls Rock Camp" wird von 20. - 21. August stattfinden.

>Stichwort Ladyfest

>Stichwort Riot Grrrl

Kommentar posten
25 Postings
Hafniumcarbid
33
25.8.2011, 09:39
Es wäre einfach anders, wenn auch Burschen dabei wären."

Aha. Wenn Mädchen also unter sich bleiben wollen, ist das voll super. Bei Männern ist das aber ganz ganz böse und diskriminierend (siehe etwa Kritik an Organisationen wie dem CV)

die Resi-Tant Evil
00
27.8.2011, 19:39

CV, sind das nicht die mit den homosexuellen Operettenuniformen? Na die fallen wohl kaum unter "Männer", sondern eher unter "solche, die das gerne wären".

DarktowerX
01
26.8.2011, 09:11

Es ist aber schon ein gewisser Unterschied zwischen einem Bandworkshopsprojekt und einem nicht gerade unpolitischen Netzwerk (egal ob aus Männern oder Frauen bestehend)

Hafniumcarbid
10
26.8.2011, 10:53
Und dieser Bandworkshop...

...ist natürlich komplett unpolitisch, wie? IMO trieft der nur so vor Ideolgie. Gleich wie die ganzen anderen "top-down" (von diversen Regierungsorganisationen)-organisierten "Frauennetzwerke". Dagegen sind die CVler (die durchaus auch etwa Grün-Wähler in ihren Reihen haben) fast Waisenknaben in dieser Hinsicht.

SPANIERIN IN RADLERHOSEN
01
25.8.2011, 00:10
In der Türkei gibts auch knüppelharte, finstere Mädchenbands wie Ebonsight und Sirannon....

http://www.myspace.com/sirannonband

http://www.lastfm.de/music/Ebonsight

Minister der Ökomonie
04
24.8.2011, 18:04

Mama, wenn ich erwachsen bin, will ich Musiker werden. - Aber Schatz, beides gleichzeitig geht doch nicht.

Diversion
14
24.8.2011, 16:26
gleich neben dem schmink-camp?

living reef
00
24.8.2011, 14:32
Das biologische Geschlecht sollte somit nicht den Ausschlag für die Möglichkeit einer Teilnahme geben.

ein outing in so jungen jahren ist noch immer riskant und nicht selten mit der ächtung seitens der familie und des sozialen umfelds verbunden! ist schon bei älteren betroffenen nicht so einfach aber bei den kids ist das nicht selten ein echter hammer...

Sigrid Weber 8
 
31
24.8.2011, 14:09
Frauenmusikprojekt Wiener Neustadt

hallo!
ich gründe grad ein frauenmusikprojekt in wiener neustadt.
für nähere infos meldet euch einfach unter
sigrid.weber@aol.at

Juan Antonio Fletscher
03
24.8.2011, 13:32
Toll, bin dafür, dass mehr Mädels in Rockbands auch Instrumente spielen. Hab die ganzen Bands echt satt, wo eine singende Frau nur von Männern umgeben ist.

Frauen gehören vor allem hinter die Kesseln, dass heißt ans Schlagzeug, haben bisserl bessere Multi Task-Funktion und zeigen vor allem Leidenschaft :-) von wegen Männerinstrument

Mathias Steinlaus
 
00
29.8.2011, 13:06
Frauen gehören vor allem hinter die Kesseln

So wie die Dame bei "Lenny Kravitz"?

Kennen Sie: The Donnas, Girlschool, 4NonBlondes, Kitty, Rockbitches?

Speziell in Japan sind diese J-Pop und J-Rock Bands mit Frauen sehr begehrt ...

Erimet
00
24.8.2011, 21:21

Daß Schlagzeug ein Männerinstrument sein soll, ist mir neu, und ich habe mit der Branche zu tun. Habe ich noch nie gehört...

Der einzige geschlechtsspezifische Unterschied bis jetzt bleibt der Gesang.

zellamsee
10
24.8.2011, 20:41
Ja,

deswegen gibt es so wenige gute Schlagzeuger;)

Männerinstrument? Wenn schon Klischee, dann ist es ein Instrument der Schwarzen oder wie man da jetzt korrekt sagt.

Minister der Ökomonie
10
24.8.2011, 23:59

Ich glaube Maximalpigmentierte.

Sepultura
01
24.8.2011, 17:31
Bitteschön

http://www.youtube.com/watch?v=byWnuR1klpE

Die singt zwar auch, aber zusätzlich :)

NOX ERVITI
00
24.8.2011, 18:50
Toll! Sollten sie aber öfters zeigen und nicht nur den Baldy Lead-Sänger

Sepultura
02
24.8.2011, 20:46

In den anderen Videos sieht man sie auch öfter, aber selbst bei den weiblich geführten Bands (e.g. im Gothic) liegt das Hauptaugenmerk nun mal meistens auf dem Fronter - is so :)

Er ist auch der Songwriter der Band, aber sie ist (no na) genau so beliebt bei den Fans. Einfach eine sympathische Band, bei der intern und auch den Anhängern wurscht is, was man zwischen den Schenkeln hat.

Loonquawl
00
24.8.2011, 13:18
Videomaterial?

Erimet
01
24.8.2011, 15:23
Multi-Tasking gibt es nicht, ist ein Mythos.

Aber ich bin auch für mehr Frauen, die Instrumente spielen, kann schon keine "Sängerin-und-ein-paar-spielende-Männer-Kombo" mehr sehen, geschweige denn hören...

NOX ERVITI
01
24.8.2011, 18:59
kann schon keine "Sängerin-und-ein-paar-spielende-Männer-Kombo" mehr sehen, geschweige denn hören...

Auch meine Rede! Das beste wäre überhaupt reinweiblich und härter a la Kittie (CAN) oder Sirannon (TUR)
http://www.myspace.com/sirannonband
http://www.myspace.com/officialkittie

Erimet
12
24.8.2011, 13:01
Die scheinen alle kein Internet zu haben...

Wozu gibt es unzählige Musiker-Foren, in denen es wiederum unzählige Threads zwecks Band-Gründungen gibt? Wozu gibt es Dienste wie MySpace, Soundcloud und Konsorten? Macht Werbung! Traut Euch!

Eine andere Sache ist, als AmateurIn auftreten zu können, ob gratis oder zu einem erschwinglichen Preis, in diese Richtung könnte ruhig mehr unternommen werden. Aber bitte nicht so sexistisch wie das hier...

freierfunden
00
24.8.2011, 12:23
cool,

dass es sowas gibt!

E Pie
 
00
24.8.2011, 11:05
super...

endlich mal ein bericht über krative jugendliche...
weiter so....

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