Hungersnot in Ostafrika

Frauen von sexueller Gewalt stark betroffen

30. August 2011, 07:55
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    foto: care

    Fatuma Adan Mohammed ist Flüchtling und Flüchtlingshelferin zugleich. Sie kümmert sich als Care-Mitarbeiterin in Dadaab um Frauen, die Opfer von sexueller Gewalt wurden.

Im Camp Dadaab bildet Care Flüchtlinge zu FlüchtlingshelferInnen aus - Besonderes Augenmerk gilt den durch Vergewaltigung traumatisierten Frauen

Schwangere und stillende Frauen sowie Kinder unter fünf Jahren sind von der Hungerkrise in Ostafrika besonders betroffen. In Ost-Haraghe, einer Region in Äthiopien, ist jede zehnte schwangere bzw. stillende Frau unterernährt - mit oftmals dramatischen Folgen für die Kinder. 80 Prozent der Flüchtlinge, die auf der Flucht vor dem Hungertod im keneanischen Flüchtlingslager Dadaab ankommen, sind Frauen und Kinder - 60 Prozent von ihnen sind jünger als 18 Jahre alt. Die Neuankömmlinge sind zumeist in dramatischer Verfassung - hungrig, ausgezehrt, völlig erschöpft und in vielen Fällen krank.

Viele Frauen und Mädchen haben auf dem beschwerlichen Fußmarsch Raubüberfälle, sexuelle Gewalt und Missbrauch erlebt oder mussten den Tod von Angehörigen miterleben. Eigens geschulte MitarbeiterInnen der Hilfsorganisation Care kümmern sich darum, dass im Lager eintreffende Frauen und Mädchen, die Opfer sexueller Gewalt wurden, identifiziert, so schnell wie möglich registriert und sicher untergebracht werden.

Sexuelle Übergriffe an der Tagesordnung

Fatuma Adan Mohammed ist eine davon. Vor zwanzig Jahren kam sie mit ihrer Familie in Dadaab an, nachdem sie vor den Kämpfen in ihrer Heimat Somalia fliehen mussten. "Seit ich hier aufgewachsen und zur Schule gegangen bin, weiß ich, dass Frauen von sexueller Gewalt stark betroffen sind. Ich wollte tun, was ich kann, um diesen Frauen zu helfen," erzählt sie. "Seit Anfang dieses Jahres haben sich die Meldungen sexueller Übergriffe vervierfacht. Wenn die Frauen aus Somalia fliehen, werden sie oft auf dem Weg hierher überfallen. Einige Frauen haben mir Geschichten darüber erzählt, wie sie vor ihrem Mann und ihren Kinder vergewaltigt wurden. Andere Frauen wurden von mehreren Männern gleichzeitig vergewaltigt."

Derzeit leben mehr als 400.000 Flüchtlinge im Camp, das ursprünglich für 90.000 Menschen ausgelegt wurde. Die Menschen haben keine kenianische Ausweise und können daher das Camp nicht verlassen. Auch Fatma kam bislang nur einmal in ihrem Leben über die Camp-Grenze, um ihren Neffen nach Kijabe in Zentralkenia ins Krankenhaus zu begleiten. "Dafür brauchte ich eine Erlaubnis des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR), die das Camp und die Klinik leiten."

Medizinische und psychologische Betreuung

Teil ihrer Arbeit ist es, zum Aufnahmezelt zu gehen, wo die neu Angekommenen auf Lebensmittel und Wasser warten. "Gestern sah ich eine Frau, die den Staub von ihrem Handgelenk geleckt hat, weil sie so hungrig war und es nicht mehr aushielt." Die Care-MitarbeiterInnen halten Ausschau nach Gruppen von Frauen oder Frauen, die alleine mit ihrer Familie in der Schlange am Aufnahmezelt stehen. "Sehr diskret und vorsichtig fragen wir sie dann, ob eine von ihnen auf ihrem Weg nach Dadaab angegriffen oder vergewaltigt wurde, oder ob sie sonst ein traumatisches Erlebnis auf dem Weg hatte."

Wenn Frauen ja sagen, helfen die MitarbeiterInnen, das Aufnahmeverfahren zu beschleunigen, das derzeit einen Monat dauern kann. Nach der Versorgung mit Lebensmitteln, Wasser und dem Armband, das sie als im Camp registrierte ausweist, erhalten die Frauen medizinische Betreuung. Auch wird der Polizei ein Bericht von den sexuellen Gewalttaten übermittelt und den Frauen eine professionelle Beraterin zur  psychologischen Betreuung zur Seite gestellt.

"Als Nothelferin werde ich weitermachen, anderen Flüchtlingen so gut ich kann zu helfen, damit sie zurückblicken und sagen können, dass sie hier gut aufgenommen wurden und ihnen geholfen wurde, als sie es am dringendsten benötigten. Nach den schrecklichen Erfahrungen, die sie gemacht haben, sollen sie wissen, dass Freundlichkeit auch von Fremden kommen kann", sagt Fatma. Sie hofft darauf, dass sie eines Tages nach Großbritannien oder Kanada gehen kann.

Stay Safe

Care versucht, über die "Stay Safe"- Kampagne den Flüchtlingen dabei zu helfen, Rollenbilder zu überdenken und Fälle von sexueller Gewalt zu verhindern. So soll auch der Zugang von Frauen und Mädchen zu sanitären Anlagen verbessert werden. Insbesondere in den neu angelegten Lagerzonen befinden sich die sanitären Anlagen relativ weit entfernt vom Wohnbereich und sind oft nur schlecht beleuchtet. Die Sicherheit von Frauen und Kindern ist gefährdet, wenn sie nach Einbruch der Dunkelheit die sanitären Anlagen benutzen möchten. Um dem abzuhelfen, werden 2.000 Haushalte, die in schlecht beleuchteten Lagerbereichen untergebracht sind, Solarlampen erhalten - eine wichtige Maßnahme, um sexuelle Gewalt bzw. die Angst davor zu verringern.

Insgesamt hat "Stay Safe" bereits mehr als 23.000 Flüchtlinge erreicht. (red)


Links & Spenden

Care-Hungerhilfe: PSK 1.236.000, BLZ 60.000, Kennwort "Hungerhilfe"; Online-Spenden

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