Im Camp Dadaab bildet Care Flüchtlinge zu FlüchtlingshelferInnen aus - Besonderes Augenmerk gilt den durch Vergewaltigung traumatisierten Frauen
Schwangere und stillende Frauen sowie Kinder unter fünf Jahren sind von
der Hungerkrise in Ostafrika besonders betroffen. In Ost-Haraghe, einer
Region in Äthiopien, ist jede zehnte
schwangere bzw. stillende Frau unterernährt - mit oftmals dramatischen
Folgen für die Kinder. 80 Prozent der Flüchtlinge, die auf der Flucht vor dem Hungertod im keneanischen Flüchtlingslager Dadaab ankommen, sind Frauen und
Kinder - 60 Prozent von ihnen sind jünger als 18 Jahre alt. Die
Neuankömmlinge sind zumeist in dramatischer Verfassung - hungrig,
ausgezehrt, völlig erschöpft und in vielen Fällen krank.
Viele Frauen und Mädchen haben auf dem beschwerlichen Fußmarsch
Raubüberfälle, sexuelle Gewalt und Missbrauch erlebt oder mussten den
Tod von Angehörigen miterleben. Eigens geschulte MitarbeiterInnen
der Hilfsorganisation Care kümmern sich darum, dass im Lager eintreffende Frauen und Mädchen, die
Opfer sexueller Gewalt wurden, identifiziert, so schnell wie möglich
registriert und sicher untergebracht werden.
Sexuelle Übergriffe an der Tagesordnung
Fatuma Adan Mohammed ist eine davon. Vor zwanzig Jahren kam sie mit ihrer Familie in Dadaab an, nachdem sie vor den
Kämpfen in ihrer Heimat Somalia fliehen mussten. "Seit ich hier aufgewachsen und zur
Schule gegangen bin, weiß ich, dass Frauen von sexueller Gewalt stark
betroffen sind. Ich wollte tun, was ich kann, um diesen Frauen zu
helfen," erzählt sie. "Seit Anfang
dieses Jahres haben sich die Meldungen sexueller Übergriffe
vervierfacht. Wenn die Frauen aus Somalia fliehen, werden sie oft auf
dem Weg hierher überfallen. Einige Frauen haben mir Geschichten darüber
erzählt, wie sie vor ihrem Mann und ihren Kinder vergewaltigt wurden.
Andere Frauen wurden von mehreren Männern gleichzeitig vergewaltigt."
Derzeit leben mehr als 400.000 Flüchtlinge im Camp, das ursprünglich für 90.000 Menschen ausgelegt wurde. Die Menschen haben keine kenianische Ausweise und können daher das Camp nicht verlassen. Auch Fatma kam bislang nur einmal in ihrem Leben über die Camp-Grenze, um ihren Neffen nach
Kijabe in Zentralkenia ins Krankenhaus zu begleiten. "Dafür brauchte ich
eine Erlaubnis des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR),
die das Camp und die Klinik leiten."
Medizinische und psychologische Betreuung
Teil
ihrer Arbeit ist es, zum Aufnahmezelt zu gehen, wo die neu
Angekommenen auf Lebensmittel und Wasser warten. "Gestern sah
ich eine Frau, die den Staub von ihrem Handgelenk geleckt hat, weil sie
so hungrig war und es nicht mehr aushielt." Die Care-MitarbeiterInnen halten Ausschau nach Gruppen von Frauen oder Frauen, die alleine
mit ihrer Familie in der Schlange am Aufnahmezelt stehen. "Sehr diskret
und vorsichtig fragen wir sie dann, ob eine von ihnen auf ihrem Weg nach
Dadaab angegriffen oder vergewaltigt wurde, oder ob sie sonst ein
traumatisches Erlebnis auf dem Weg hatte."
Wenn Frauen ja sagen,
helfen die MitarbeiterInnen, das Aufnahmeverfahren zu beschleunigen, das derzeit einen Monat dauern kann. Nach der Versorgung mit Lebensmitteln, Wasser und dem Armband, das sie als im Camp registrierte ausweist, erhalten die Frauen medizinische Betreuung. Auch wird der Polizei ein Bericht von den sexuellen Gewalttaten übermittelt und den Frauen eine
professionelle Beraterin zur
psychologischen Betreuung zur Seite gestellt.
"Als Nothelferin werde ich weitermachen, anderen Flüchtlingen so gut
ich kann zu helfen, damit sie zurückblicken und sagen können, dass sie
hier gut aufgenommen wurden und ihnen geholfen wurde, als sie es am
dringendsten benötigten. Nach den schrecklichen Erfahrungen, die sie
gemacht haben, sollen sie wissen, dass Freundlichkeit auch von Fremden
kommen kann", sagt Fatma. Sie hofft darauf, dass sie eines Tages nach Großbritannien oder Kanada gehen kann.
Stay Safe
Care versucht, über die "Stay Safe"- Kampagne den Flüchtlingen dabei zu helfen, Rollenbilder zu
überdenken und Fälle von sexueller Gewalt zu verhindern. So soll auch der Zugang von Frauen und Mädchen zu sanitären Anlagen verbessert werden. Insbesondere in den neu angelegten Lagerzonen befinden sich die sanitären Anlagen relativ weit entfernt vom Wohnbereich und sind oft nur schlecht beleuchtet. Die Sicherheit von Frauen und Kindern ist gefährdet, wenn sie nach Einbruch der Dunkelheit die sanitären Anlagen benutzen möchten. Um dem abzuhelfen, werden 2.000 Haushalte, die in schlecht beleuchteten Lagerbereichen untergebracht sind, Solarlampen erhalten - eine wichtige Maßnahme, um sexuelle Gewalt bzw. die Angst davor zu verringern.
Insgesamt hat "Stay Safe" bereits mehr
als 23.000 Flüchtlinge erreicht. (red)