"Angst vor Armut wird in Form von Körperfett bekämpft"

Interview | Birgit Tombor
4. September 2011, 18:00
  • Stephanie von Liebenstein ist Wissenschaftslektorin für Geisteswissenschaften und lebt in Berlin. Neben ihrem Engagement in der GgG arbeitet sie an ihrem Doktorat über den dicken Körper in der englischen Literatur der frühen Neuzeit.
    foto: von liebenstein/privat

    Stephanie von Liebenstein ist Wissenschaftslektorin für Geisteswissenschaften und lebt in Berlin. Neben ihrem Engagement in der GgG arbeitet sie an ihrem Doktorat über den dicken Körper in der englischen Literatur der frühen Neuzeit.

Stephanie von Liebenstein von der "Gesellschaft gegen Gewichtsdiskriminierung" über die alltägliche Ausgrenzung von Dicken, Abgrenzungsmechanismen der Mittelschicht und "Quotendicke"

Dicke Menschen müssen Tag für Tag mit Vorurteilen leben: Irgendwie, so die allgemeine Zuschreibung, stimmt mit ihnen etwas nicht. Die müssen ein Problem haben, und mehr noch: Sie sind selber eines und selbst schuld daran. Stephanie von Liebenstein ist selber dick und lässt die negativen Gedankenketten, die sich um dicke Körper wickeln, nicht gelten. In ihrem Verein "Gesellschaft gegen Gewichtsdiskriminierung" (GgG) geht sie gemeinsam mit vielen anderen deutschen DickenaktivistInnen das Thema von wissenschaftlicher und gesellschaftspolitischer Seite an und versucht über Pressearbeit, Einmischung in aktuelle Diskurse und Vernetzung mit anderen dickenfreundlichen Organisationen den Blick auf Dicke zu verändern. Birgit Tombor sprach mit ihr über die Problematik des Dicken-Bashings, Formen der Diskriminierung und warum es "Quotendicke" braucht.

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dieStandard.at: Warum haben Sie eine "Gesellschaft gegen Gewichtsdiskriminierung" gegründet?

Stephanie von Liebenstein: Im Gründungsjahr 2005 gab es in Deutschland wenig dickenfreundliche Berichterstattung und praktisch noch keine deutschsprachigen Informationen über Gewichtsdiskriminierung im Internet, was mich dazu veranlasst hat, ein paar Leute zusammenzutrommeln, um gemeinsam die US-amerikanische Webseite des "Council on Size and Weight Discrimination" (CSWD) zu übersetzen. Damals hatte ich gerade einige Monate in New York gearbeitet und die "Fat-Acceptance"-Bewegung und damit auch Menschen wie Miriam Berg vom CSWD direkt kennengelernt. Diese hat mir erlaubt, die Inhalte der CSWD-Webseite auf Deutsch zu publizieren. Die Übersetzung der bestimmt hundert Dokumente war die erste Amtshandlung der GgG.

Wichtig war für uns zunächst, auf die Diskriminierung dicker Menschen aufmerksam zu machen, den Ernst der Problematik zu verdeutlichen und ein deutsches Wort dafür zu finden: Gewichtsdiskriminierung. Ich finde es gut, dass dieses Wort, das durch uns in die Diskussion eingebracht wurde, inzwischen ein üblicher Begriff zu sein scheint.

dieStandard.at: Mit welchen Formen der Diskriminierung sehen sich Dicke konfrontiert? 

Von Liebenstein: Gewichtsdiskriminierung gibt es in vielerlei Form, sei es in Gestalt der pauschalen Standpauke, der dicke Menschen beim Arztbesuch regelmäßig ausgesetzt sind, sei es in Form der sogenannten Downward Mobility im Arbeitsmarkt, der Dicke in vielen Fällen unterliegen: Dicke Menschen sind eher arm, eher arbeitslos, stecken eher in schlecht bezahlten Arbeitsverhältnissen.

Gewichtsdiskriminierung kommt aber auch in vielen Alltagsdingen zum Ausdruck, z.B. zu kleinen U-Bahn- und Flugzeugsitzen, Anfeindungen auf der Straße und im Schwimmbad, in nicht benutzbaren Fitnessgeräten für Menschen ab einem bestimmten Gewicht und vielem anderen. Vieles davon, u.a. medizinische Diskriminierung, erleben unsere Mitglieder regelmäßig. Einige Fluglinien verlangen inzwischen die Buchung eines zweiten Sitzes von Menschen, die wegen ihres Gewichts ihren Sicherheitsgurt nicht schließen können. Schwangere und Behinderte zahlen weiterhin nur einfach.

In Deutschland gab und gibt es zudem Probleme bei der Verbeamtung, wenn man einen BMI von über 30 hat. In viele dieser Dinge, speziell das Verbeamtungsproblem, kommt zurzeit glücklicherweise Bewegung, z.B. durch die jüngsten Urteile beispielsweise des OVG Nordrhein-Westfalen oder des VGH Baden-Württemberg, die für dicke VerbeamtungsanwärterInnen positiv ausfielen.

Nicht so leicht zu ändern sind die ganz alltägliche, auch unterschwellige Diskriminierung durch KollegInnen, ChefInnen, die Schule, ÄrztInnen, ErzieherInnen, zum Teil sogar die eigenen Eltern, aber auch die permanente Medienhetze und politische Maßnahmen wie z.B. den Nationalen Aktionsplan "In Form" für gesunde Ernährung und mehr Bewegung in Deutschland. In diesem werden Dicke schon rhetorisch massiv abgewertet, indem sie mit "unsportlich", "faul", "verfressen" und "unterschichtig" in Verbindung gebracht und damit ohne jede wissenschaftliche Grundlage in eine moralisch minderwertige Ecke gestellt werden.

Das Problem ist, dass die meisten Menschen glauben, sofort zu wissen, was mit einem dicken Menschen los ist, wenn sie ihn sehen: Sie/er ist disziplinlos, faul, krank, hat emotionale Probleme, ist unterschichtig, uninformiert, unbeliebt, unsportlich, schlampig, dreckig, hat ihr/sein Leben nicht im Griff usw. Das sind Zuschreibungen, die vor allem eins zeigen sollen: Ihr seid anders, ihr seid nicht wie wir. Das ist das Grundproblem, wogegen es zu kämpfen gilt.

dieStandard.at: Was - denken Sie - steckt hinter diesen Vorurteilen?

Von Liebenstein: Dicke Menschen so zu sehen hat eine sehr lange Tradition. Schon in der frühen Neuzeit hat man bestimmte Stereotypen mit dicken Menschen verbunden, z.B. Triebhaftigkeit, Faulheit und Verweichlichung. Schon Heinrich VIII. wurde als "fettes Schwein" bezeichnet, auch Händel und der englische Dichter Ben Jonson: Der Topos ist also nichts Neues. Auch die Rhetorik vom "Terror von innen" kennen wir schon von Thomas Morus. Was allerdings zunächst nicht mit Dicken verbunden wurde, ist ein vorrangig medizinischer Diskurs. Diese Entwicklung begann erst im 19. Jahrhundert. Aus dieser Ära haben wir ganz viel, was wir heute über dicke Menschen glauben. Und manche Dinge haben sich verschärft in den letzten zehn, fünfzehn Jahren.

dieStandard.at: Welche Verschärfungen denn?

Von Liebenstein: Die Probleme des Gesundheitssystems zum Beispiel, für die irgendwer verantwortlich gemacht werden muss. Am besten ist es, diejenigen zur Kasse zu bitten, die vermeintlich selbst schuld sind an ihrem Gesundheitsrisiko. Dass Dicke zumindest weitestgehend "selbst schuld" sind, wird erst einmal als selbstverständlich angenommen, denn man müsste ja einfach nur weniger essen und sich mehr bewegen, so das allgemeine Credo. Auch Hobbyfußballer sind zwar verantwortlich für ihr Gesundheitsrisiko: Der größte medizinische Kostenfaktor bei Männern unter 40 sind Sportverletzungen. Das jedoch ist vollkommen unproblematisch, denn im Bewusstsein der Öffentlichkeit gilt: Sport ist gut, Übergewicht ist schlecht.

Ein weiteres Problem ist die Tatsache, dass wir immer älter und gesünder werden. Von irgendetwas müssen aber ÄrztInnen, die Pharmaindustrie und die Fitness- und Diätindustrie auch noch leben. So wurde der riesige Markt der Präventivmedizin entdeckt, neue Risikogruppen werden erfunden. Dass die Mehrzahl der Menschen angeblich zu dick ist, einen vermeintlich zu hohen Blutdruck, Cholesterin- und Blutzuckerspiegel hat und diversen anderen "Risikogruppen" angehört, hat hauptsächlich etwas damit zu tun, dass es ein immenses wirtschaftliches Interesse daran gibt, Vorsorgeuntersuchungen, Blutdruckmedikamente, cholesterinsenkende Margarine, Diätjoghurt und Sportstudiomitgliedschaften zu verkaufen. Wenn die Mehrzahl der Menschen mit ihrem Körper zufrieden wäre, würden ganze Branchen zusammenbrechen.

dieStandard.at: In den Medien hört und liest man von der Fett-"Epidemie", das Bild einer mehrheitlich zu dicken Gesellschaft wird gezeichnet und problematisiert. Diskriminieren/problematisieren wir uns also selbst?

Von Liebenstein: Meiner Meinung nach gibt es einen Zusammenhang zwischen der Diskriminierung von Dicken und der Diskriminierung von Menschen aus der sogenannten "Unterschicht". Durch immer mehr prekäre Lebensverhältnisse, die inzwischen auch die Mittelschicht betreffen, gibt es ein erhöhtes Bedürfnis der mittleren Einkommensschichten nach einer Abgrenzung von der "Unterschicht". Symptomatisch dafür ist zum Beispiel das Einkaufen in Bioläden, der Kult um gesundes Essen und das selber Kochen, das ja angeblich so gut für den Körper ist. Solche Dinge werden einfach nur zelebriert, um zu zeigen: Wir sind anders als die "Unterschicht". Und die ist natürlich dick, hängt den ganzen Tag vorm Fernseher rum und stopft sich mit Chips voll. Die eigene Angst vor Armut wird also in Form von Körperfett bekämpft.

Natürlich geht es bei der Diskriminierung von dicken Menschen nicht nur gegen die "Unterschicht", sondern auch gegen andere Gruppen, die im Durchschnitt dicker sind als die klassische Mittelschicht: Menschen mit Migrationshintergrund und ältere Menschen. Im Kampf um immer knapper werdende Arbeitsplätze gibt es ein Interesse daran, diese Gruppen mit Adjektiven in Verbindung zu bringen, die sie für die Arbeitswelt eher disqualifizieren: nicht so leistungsfähig, ständig krank, unbeweglich und unflexibel und wegen ihres unerwünschten Äußeren nicht in der Lage, ein Unternehmen nach außen zu repräsentieren. Die Diskriminierung von Dicken kann so auch die Gestalt einer mittelbaren Diskriminierung von älteren Menschen und Menschen mit Migrationshintergrund annehmen, da diese durchschnittlich dicker sind.

dieStandard.at: Gibt es auch Schnittpunkte von Frauen- und Dickendiskriminierung?

Von Liebenstein: Selbstverständlich: Schon Susie Orbach schrieb "Fat is a Feminist Issue". Frauen leiden in ungleich höherem Maße als Männer unter dem Druck, dünn sein zu müssen. Der Irrglaube, Frauen seien von Natur aus leichter als Männer, ist ja nicht aus den Köpfen zu bekommen. Tatsache ist: Frauen vertragen selbst erhebliches Übergewicht wesentlich besser als Männer und müssen schon 180 kg wiegen, um annähernd dasselbe Erkrankungs- und Sterberisiko zu haben wie ein normalgewichtiger Mann. Es verwundert daher nicht, dass es auch wesentlich mehr adipöse Frauen gibt als adipöse Männer.

Doch nicht nur dicke, sondern gerade auch dünne Frauen sind permanent mit ihrem Körper beschäftigt und haben das Gefühl, noch nicht dünn, fit und schön genug zu sein. Wie gut für die männlichen Kollegen, wenn die 42-jährige promovierte Juristin, die ihnen ihr Projekt zu klauen droht, sich plötzlich lieber den ganzen Tag mit Gesundheit, Fitness und Schlankheit auseinandersetzen möchte und eine Ausbildung zur Ernährungsberaterin macht. Gewichtsdiskriminierung ist eben nicht nur ein Problem von Dicken, sondern mindestens in gleichem Maße von Dünnen. Gleichzeitig werden Frauen eben auch im Beruf immer noch viel zu sehr über ihren Körper bewertet. Sich dann zurückzuziehen und zu sagen: Die gesunde Ernährung meiner Familie ist mir wichtiger als mein Beruf - damit machen sich Frauen selber so viel kaputt.

dieStandard.at: Welche Rolle spielen Ihrer Meinung nach die Medien dabei, dass das "Fett = schlecht und ungesund-Paradigma" unwidersprochen Eingang in unsere Köpfe gefunden hat?

Von Liebenstein: Eine Studie von Anja Hilbert, Winfried Rief und Elmar Braehler von der Universität Marburg zeigt, dass 75 Prozent der Deutschen stigmatisierende und 25 Prozent stark stigmatisierende Vorurteile gegen Dicke haben. Die Rolle der Medien ist in diesem Zusammenhang natürlich sehr wichtig, weil Informationen über sie stark gefiltert werden bis hin zur massiven Verzerrung von beispielsweise Studienergebnissen. Fakt ist, dass die meisten Medien fast nur negative Berichterstattung über Dicke bringen und dass Dicke fast ausschließlich im medizinischen oder politischen Themenumfeld auftauchen: als medizinisches oder volkswirtschaftliches Problem. Besonders bezeichnend sind die dazugehörigen Abbildungen: der klassische "headless fattie", also dicke Körper ohne Kopf, Fokus auf Fettröllchen oder einen bildfüllenden Hintern. Auch beliebt: Ein dickes Kind, das sich einen Burger in den Mund schiebt.

Was ich besonders fatal finde, ist, dass Zahlen und Studienergebnisse, die Dicksein betreffen, von den Medien auf unseriöseste Weise effekthascherisch aufgebläht werden. Als die Nationale Verzehrsstudie II zum Beispiel Thema war, titelte die Stuttgarter Zeitung "Dicke unterschätzen die Gefahren des Übergewichts". Die Studie selbst untersuchte diesen Zusammenhang jedoch noch nicht einmal. Wir haben aus diesem Grund einen Flyer für die Presse herausgebracht, der Hinweise gibt, wie man Katastrophenrhetorik, stigmatisierendes Bildmaterial und diskriminierende Zuschreibungen vermeiden kann. Der Flyer hilft auch dabei, Statements von ÄrztInnen und der Wissenschaft richtig einzuordnen: Was ist der Unterschied zwischen Korrelation und Verursachung, was ist eine relative Wahrscheinlichkeit, warum sollte lieber mit absoluten Zahlen gearbeitet werden - da braucht es Aufklärungsarbeit nicht nur für JournalistInnen.

dieStandard.at: Stört Sie eigentlich der Begriff "Dick/e"?

Von Liebenstein: Im Gegenteil, "dick" ist für uns ein wertneutraler Begriff, im Gegensatz zu anderen wie "übergewichtig" oder "adipös": Der Erstere behauptet, dass es ein "abnormales Gewicht" gäbe, der zweite ruft einen medikalisierten Diskurs auf, der schon viel zu oft verwendet wurde, um uns klein zu halten. Das Wort "fett" wiederum ist im Deutschen negativ besetzt, "fat" im Englischen nicht eindeutig, es bedeutet "fett" und "dick". Wirklich schade, dass es ein Wort wie "fat" im Deutschen nicht gibt, denn es ist einerseits ganz neutral, andererseits hat es ein wunderbar subversives Potenzial. Zwar könnten wir uns auch "fett" nennen (das Wort "schwul" war ja auch einmal ein Schimpfwort, das sich eine Subkultur angeeignet hat, gerade weil es ein Schimpfwort war).

Ich fände den Gedanken ganz reizvoll, befürchte aber, dass die deutschsprachige Dickenbewegung noch zu sehr in den Kinderschuhen steckt, um derart subversiv zu sein. Subversiver Humor wird hier noch nicht genug verstanden: genau das zu tun, was das Vorurteil von einer/m erwartet, nur noch etwas extremer; also öffentlich Essen in sich hineinzustopfen, überquellende Fettrollen in engen Höschen zu präsentieren und dergleichen. Die Comedienne Cindy aus Marzahn geht ja ein wenig in diese Richtung. Ich persönlich fände ein Sahnetorten-Eat-In eine schöne Idee oder grellpinke T-Shirts mit der Aufschrift "FETTE SAU".

dieStandard.at: Was sagen Sie denen, die meinen, alle wollen eigentlich schlank sein und Dicke belügen sich selbst?

Von Liebenstein: Die "Wohlfühlfigur" ist ja eine Illusion. Mich hat keiner gefragt, ob ich so sein will, wie ich bin. Ich finde es nicht toll, dick zu sein, ich bin einfach so; andere haben vielleicht eine große Nase oder sind nur 1,40 m groß. Wahrscheinlich wäre mein Leben einfacher, wenn ich "schnipp" machen könnte und dünn wäre. So einfach ist das aber nicht. Dünn zu sein ist für Menschen wie mich mit einem Einsatz verbunden, der sich für die allermeisten kaum lohnen dürfte: ein Leben lang ununterbrochen zu hungern wie ein/e Magersüchtige/r. Dazu habe ich aber keine Lust, der Preis ist mir zu hoch. Warum sollte ich mir künstlich eine psychische Erkrankung antrainieren, Energie verschwenden auf etwas, das mir Lebensfreude und Leistungsfähigkeit raubt, nur weil irgendwer mich lieber dünn sähe? Lieber lebe ich mit meiner Figur und achte nur ein wenig darauf, gesund zu essen, mich zu bewegen und Spaß am Leben zu haben.

dieStandard.at: Gibt es für Sie eine Gewichtsgrenze, ab der Sie sagen würden: Es muss was passieren.

Von Liebenstein: Eine generelle Gewichtsgrenze, die für alle - oder auch nur für mich selber - gilt, gibt es für mich nicht. Ab wann das Gewicht für den einzelnen Menschen ungesund oder auch nur unangenehm wird, ist wohl eine höchst individuelle Angelegenheit. In unserem Verein gibt es Leute mit 160 kg, die fit sind wie ein Turnschuh und sich wohlfühlen. Andere brechen schon mit 90 kg unter ihrem Gewicht fast zusammen und kommen keine Treppe mehr hoch. Für mich ist alles eine Frage von Alternativen: Leide ich mehr, wenn ich so bleibe, wie ich bin, oder leide ich mehr, wenn ich - auf welche Weise auch immer, denn eine funktionierende Therapie gibt es bisher nicht - mein Gewicht reduziere.

Menschen, die sich mit ihrem Gewicht schlecht fühlen, rate ich zuerst einmal zu ein wenig Sport, denn aus eigener Erfahrung weiß ich: ob man die 762 Stufen des Stuttgarter Fernsehturms hinaufkommt, hat weniger mit dem Gewicht zu tun als mit Training. Wichtig ist natürlich auch die Frage: Bin ich wirklich "zu schwer" oder sind es irgendwelche anderen, die mir das Leben schwer machen? In den allermeisten Fällen ist die Umwelt das gewichtigere Problem.

dieStandard.at: Diät ist keine Option?

Von Liebenstein: Natürlich nicht. Wenn Diäten und Ernährungsumstellungen funktionieren würden, gäbe es nicht so viele davon. Sogar das Kompetenznetz Adipositas, das von der Bundesregierung finanziert wird, zeigt mit der Forschung von Prof.in Martina de Zwaan: Abnehmen ist - langfristig gesehen - ein Ding der Unmöglichkeit. Der Prozentsatz an Diät haltenden, die ihr Gewicht um mehr als fünf Prozent reduzieren und die Abnahme über mehr als ein Jahr halten, ist verschwindend gering. De Zwaan spricht schon vom sogenannten "false hope syndrome" der Dicken, d.h. dem pathologischen Glauben daran, dass die Gewichtsabnahme diesmal endlich gelingen wird. Fazit: Diät ist eine nicht funktionierende Therapie für eine nicht existente Krankheit. Der fast zwangsläufig einsetzende Jojo-Effekt ist gesundheitlich wesentlich schlimmer als das Dicksein selbst.

dieStandard.at: Was braucht es für die Dicken stattdessen?

Von Liebenstein: Wichtig wäre ein gesellschaftliches Klima, das Dicke nicht zu VersagerInnen stempelt, sondern einsieht, dass es von der Natur vorgesehen ist, dass es Menschen ganz unterschiedlicher Kleidergrößen gibt. Dick zu sein ist kein Problem, Dicke haben kein charakterliches oder gesundheitliches Manko - jedenfalls nicht mehr als die meisten Dünnen. Dicke sollten in den Medien, in der Politik, Wirtschaft und im Schwimmbad öfter vertreten sein. Wir müssen uns daran gewöhnen, dass es dicke Menschen gibt und dass diese genau dasselbe tun wie dünne: Unternehmen repräsentieren, Reden halten, mit FreundInnen ausgehen, mit ihren Kindern toben, flirten, sich schick anziehen.

Die Modeindustrie könnte eine ganze Menge beitragen, aber nicht einmal die Hersteller für Übergrößen setzen wirklich dicke Models ein: Wenn ein Model Größe 42 hat, gilt es schon als "Plus-size". Es braucht attraktive dicke Identifikationsfiguren, kompetente Dicke in gesellschaftlichen Schlüsselpositionen, dicke ForscherInnen! Forschung von Dünnen über Dicke, das hat etwas von Kolonialisierung. "Nichts über uns ohne uns" ist nicht umsonst ein GgG-Motto. Ein paar "Quotendicke" in den Medien und der Öffentlichkeit können überhaupt nicht schaden. (bto/dieStandard.at, 5.9.2011)


WISSEN: Gesellschaft gegen Gewichtsdiskriminierung

Die Schwerpunkte der Vereinsarbeit liegen im Bereich Recht, Kinder, Kultur und Medizin. Neben einer professionellen, anonymen und kostenlosen Rechtsberatung setzt sich die GgG u.a. im Bereich Verbeamtung für ein Umdenken in den Gerichten ein, veröffentlicht Informationen für Kinder und ErzieherInnen, u.a. eine Kinderwebseite (www.dickduenn.de) und ein Kinderbuch, das in den nächsten Monaten erscheinen soll, stellt eine regelmäßige aktualisierte Presseschau zum Thema "Gewicht" zur Verfügung und unterstützt dickenfreundliche Projekte im Bereich Kultur und Forschung. Die AG Medizin der GgG bietet Informationen und Aufklärung für medizinisches Personal, insbesondere in den Bereichen Pflege und Umgang mit dicken PatientInnen, und betreibt ein noch laufendes Projekt zur Recherche dickenfreundlicher Krankenhäuser in Deutschland.

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Gesellschaft gegen Gewichtsdiskriminierung

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Da schauen nämlich viele blöd,

wenn sie gaaanz viel Obst essen...

Kommt drauf an welches. Wassermelonen können's kg-weise essen. Bei Marillen, Bananen und ähnlichem wäre ich ein bissl vorsichtiger. Auch Weintrauben sind nicht zu unterschätzen.

was ich in solchen diskussionen immer vermisse, ist der aspekt des pflegefalles

egal ob durch unfall oder einfach aufgrund des alters, einen menschen mit 150+kg richtig zu pflegen ist schwerste arbeit (no pun intended)

waschen, richtig lagern, aufs klo helfen etc ist für eine einzelne person oft kaum zu bewältigen

weil, solange der körper mitmacht, kein problem - aber wenn dann das selber-aufstehn nicht mehr geht...

waaas?

ich glaube gar nicht, auf einen "menschen schließen zu können" wenn er dick ist. ich denke einfach nur "dick" - völlig wertfrei. ES IST MIR EGAL

Dicke Menschen sind gierig. Sie essen mehr als sie benötigen.

Oho, ein Asket. Einer, der aufrichtig von sich behaupten kann, dass er niemals über die Stränge schlägt. Gratuliere!

Reiche Menschen sind gierig. Sie holen sich mehr Geld als sie benötigen.

Große Menschen sind gierig. Sie wachsen mehr als nötig wäre.

Dünne Menchen sind gierig, sie gestatten sich nicht, den Platz zu beanspruchen der ihnen zustünde.

Autobesitzer sind gierig - sie sparen ihre Energien, die sie zum zu Fuss gehen ausgeben sollten.

Sparer sind gierig - sie horten das Geld, das der Wirtschaft zu Gute kommen könnte.

Schwammerlsucher sind gierig - sie könnten die Schwammerl auf auf dem Markt einkaufen.

usw. usf.

Sie nehmen den Magersüchtigen das Essen weg!

Noch schlimmer sind die Sportler: Verbrennen vorsätzlich wertvolle Kalorien mit ihrem sinnlosen Zeitvertreib, und verbrauchen daher viel mehr als der sparsame Bewegungsarme.

Na ja, wenn man zwei statt einem Sitz braucht, soll man auch zwei zahlen, das seh ich jetzt nicht als Diskrimierung.
Da müsste man eher sagen, warum gibt es nicht einige Sitze pro Flieger, die breiter sind - was aber unfair wäre gegenüber allen anderen, dh das wär auch nur mit Aufzahloption annhähernd fair.
Aber so etwas gehört mit den Flugzeugbauern/Fluglinien ausdiskutiert, und nicht "der Gesellschaft" angelastet.

Ich möchte auch nicht eingeschränkt werden, wenn ich neben jemandem mit mehr Gewicht sitze, wenn der Platz bis zu meinem rüber braucht. Für den hab ja ich bezahlt, nicht er.

Es gibt in herkömmlichen Fluglinien Sitze, die breiter sind. Nennt sich Business bzw. First Class.

Das scheint der Dame nicht recht zu sein, sonst würde sie es gleich so buchen.
Aber Business & First Class beinhalten auch weitere Unterschiede zu Economy.

eh, mehr und besseres Essen.

Da beißt sich die Katze halt in den Schwanz. ;-)

Insofern wär die Frage nach breiteren Sitzen mit Sitzbreitenaufschlag in der economy class ja OK :)

der guten frau sollte mal jemand sagen, dass bemerkungen des arztes nichts mit diskriminierung zu tun haben.

diskriminiert er den krebspatienten wenn er ihm die diagnose ausstellt? übergewicht ist ein gesundheitsrisiko, das ist ein medizinischer fakt! darauf hinzuweisen, und daraus konsequenzen zu ziehen ist realismus.

da haben sie recht.

aber auf der strasse wird man selten mit fakten beschimpft; ich vermute mal der jungen dame geht es darum.

"...160 kg und fit wie ein turnschuh?", ist shaq o'neal auch bei dem verein?
sonst kann ich mir keine 160 kg (die auf unter 2 m verteilt sind, oder profi-sportler) vorstellen die ohne zusätzliche hilfsmittel sich selbst auf einen berg wuchten (sagen wir mal 1300 hm...)
es ist sicher oft genetisch bedingt, der eine kann trainieren wie die sau und baut keine muskeln auf, der andere frisst wie ein mähdrescher und nimmt nicht zu, aber ausnahmen bestätigen bekanntlich die regel: auf meinem damaligen schulweg war ein junge (ca 13 J), er hatte jedes mal als ich ihn zu mittags sah eine 100-er milka in der hand, aber in der art wie ich ein mars oder twix halten würde, wie einen schokoriegel!!! wie der arme kerl aussah brauche ich nicht beschreiben..

Die Fetten sind ja schliesslich auch eine Zumutung

Unsere Gesellschaft geht ganz im Gegenteil viel zu tolerant mit diesen Selbstverstuemmlern um!

No ja, ich halte Sie zB für meine Intelligenz auch als Zumutung. So ist das halt mit Zumutungen.

Und? Soll man diese Kinder jetzt sekkieren und ausschliessen? Was können sie dafür? Unterstützen ja - aber das was hier manche ablassen ist jenseitig.

???

mir fiel nur das mit dem Verhaltensfaschismus ein, bei dem wir vor ein paar Tagen waren

Das ist echt hart!

eher

problematisch

Eine "Zumutung"? Was genau wird Ihnen denn zugemutet?

Es ist ungesund,

unschön, unappetitlich, unlogisch und zeugt von Faulheit bzw einem Mangel an Willen etwas dagegen zu machen.

Sage ich sowas über Raucher gibts vielleicht paar hetzige Diskussionen, aber die Aussage ist wohl für jeden Raucher und Nichtraucher schlüssig und richtig.

Sage ich sowas über Fettleibige... tja dann ... rette sich wer kann...
(was absolut nicht heißt, dass ich diese Leute nicht toleriere oder nicht leiden kann...)

Und natürlich gibts gesundheitsbedingte Ausnahmen.

Von mir aus könnte man auch auf Chipspackungen etc so weiße große Warnschilder aufbringen wie auf den Zig-Schachteln.

Chips per se sind nicht ungesund, Schokolade auch nicht.

ZUVIEL davon ist ungesund.

Ungesund - ja, definitiv. Aber Schlankheit alleine ist noch nicht gleichbedeutend mit "gesund".

Unschön? - liegt im Auge des Betrachters.

Unappetitlich? - siehe oben

Unlogisch? - Wie genau meinen Sie das jetzt?

nein, diese aussage ist nicht für jeden raucher schlüssig und richtig. wie kommen sie denn darauf, ist ja absurd.

Sehr interessante Aspekte!

Danke für den Artikel.

Selten so eine Ansammlung von Schwachsinn gelesen.

Wenn Diäten nicht funktionieren, warum konnte ich dann mit einer vor gut 10 Jahren 60 kg abnehmen und bin mein Gewicht bis heute problemlos halten!?

Natürlich funktionieren Diäten und die Ernährungsumstellung funktioniert auch, das passt aber nicht ins Weltbild macher Dicken.

Warum wird in den USA 1 von 1 Mio. vom Tellerwäscher zum Millionär?
Warum schaffen das nicht alle anderen auch?

vermutlich hast deine ernährungs- und bewegungsgewohnheiten dauerhaft umgestellt, so wie es sich gehört

Diät ... Gewicht bis heute problemlos halten

Schön für sie - sie dürften aber wohl die berühmte Ausnahme mit sein.

"Abnehmen !" - sagte die Gazelle zum Elefanten.

in dem fall sagts aber mensch zu mensch.

jaja die fettlobby macht mobil

da "schwappt" jetzt ein fragwürdiger trend aus den usa zu uns rüber, scheint mir!

am meisten

nerven die dicken, die ständig betonen, wie wunderbar sie sich in ihrem körper fühlen und deren einziges problem die behauptete diskriminierung von dicken/fetten ist.
sorry, aber es ist eine suchtkrankheit und dazu kann man stehen oder nicht. blöderweise sieht man sie halt im gegensatz zu anderen süchten auf den ersten blick...
wer findets toll, wenn ein alkoholiker, junkie, spielsüchtiger, etc dauernd ruft: seht nicht auf mich, alles ok, ich habe kein problem, ich bin gesünder als ihr!

Gewichts-Fixierung in unserer Gesellschaft

mich ärgert, dass alle das Gewicht so wichtig nehmen und dabei bin ich selbst ja auch nicht anders. Früher als Jugendliche hatte ich 60kg und war total schlank. Im Laufe des Lebens verändert sich aber leider der Setpoint und der Körper strebt, ein etwas höheres Gewicht zu erreichen. Leider tendiere ich jetzt dazu, mehr als 70kg zu haben. Sobald ich auch nur ganz normale Kcal-Mengen esse, nehme ich zu. Was ja von Natur aus normal wäre, aber ich wäre dann schon im Etwas-Übergewichtsbereich. Und das einzige, das mir übrigbleibt, um mein früheres Idealgewicht zu halten ist: unheimlich viel Sport und mich im Essen arg einschränken. Ich frage mich oft: wozu tue ich mir das an, wozu quäle ich mich? nur wegen des blöden Gewichts, das man haben soll

Ich weiss natürlich nicht, wie gross Sie sind - aber bildlich gesprochen: die 70 kg sind nicht das Problem - wenn's dann bei 100 kg sind, werden's das Problem vermutlich nicht abstreiten?

ich werde sehr wahrscheinlich nie 100kg erreichen können, da ich von Natur aus eher schlank bin. Es hat sich nur mein Gewichtssetpoint um einige Kilos erhöht, was angeblich normal sein soll, weil sich der im Laufe des Lebens bis man alt wird, immer etwas erhöht.
100kg könnte ich nur durch folgende Maßnahmen erreichen:
ich müßte so oft es geht Diäten machen und immer wieder viel abnehmen, dann könnte ich es schaffen, mit viel Ausdauer - auch mal 100kg zu erreichen. Denn dadurch wird sich der Setpoint nach jeder Diät um einige Kilos weiter erhöhen.

Sie könnten relativ leicht mehr essen - gut wenn Sie das nicht wollen.

Nachtrag

oft denke ich mir "was wär schon so schlimm dran, etwas Übergewicht zu haben", trotzdem quäle ich mich durchs Leben, nur um weiter mein Normalgewicht zu behalten.
Das Leben wäre aber um vieles angenehmer, ohne den dauernden Sport und ohne das dauernd drauf achten, nichtmal etwas zuviel zu essen.
Eigentlich haben es Dicke viel schöner. Und ich glaube, viele Schlanke belügen sich einfach selbst, wenn sie meinen, es ginge ihnen doch viel besser mit dem weniger an Gewicht. Ich glaube nämlich es wäre viel schöner, würde man es sich gutgehen lassen, nur dann Sport machen, wenn es einem Spass macht und nicht um sein bescheuertes Gewicht zu halten.

also sportliche Betätigung

von z.B. 3 bis 4 mal die Woche je 1 Stunde (auch Gartenarbeit usw.) hat schon mal einen positiven Effekt für das generelle Wohlbefinden; Kreislauf, Immunsystem, Durchblutung usw.
Alleine schon mal, "um es sich nicht (dauernd) gutgehen zu lassen" (was ja dann oft mit Naschereien verbunden ist), genau diese Kombination sorgt ja über die Jahre hinweg dann für das Übergwicht.
Natürlich soll es kein Zwang sein, das Halten des Gewichtes dann ein angenehmer Nebeneffekt.

Was hindert Sie daran, genau das zu tun?

und wie so oft

entlarvt sich die ach so tolerante Standard Leserschaft mal wieder von selbst.

Was anderes erwartet?

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